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Dialektik der Säkularisierung und postsäkulare Gesellschaft?

Braucht der Mensch die Religion?

Title: Dialektik der Säkularisierung und postsäkulare Gesellschaft?

Essay , 2009 , 8 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Paul Thierbach (Author)

Sociology - Religion
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Im mit dem Ende des Kalten Krieges neu aufgelegten großen Glaubenskrieg zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen hat sich eine neue Front gebildet. Diese verläuft quer zu allen Glaubensrichtungen und durch jede einzelne westliche Gesellschaft. Es sind die so genannten „neuen Atheisten“ die den Kampf gegen die Religion an sich aufgenommen haben, allerdings mit deutlich weniger kriegerischen Mitteln. Die von Jon Worth initiierte „Atheist Bus Campaign“ in Großbritannien, die „Pro-Reli-Kampagne“ in Berlin und der Konflikt um die Sterbehilfe für Eluana Englaro in Italien sind nur aktuelle Hinweise auf die neue Frontlinie. Hinter konkreten Konfliktthemen wie Abtreibung, Sterbehilfe und Gentechnik geht es dabei um eine sehr viel bedeutendere Frage: Brauchen die Menschen die Religion, oder können sie gut auf sie verzichten?

In diesem Essay möchte ich einige Anregungen zur Beantwortung dieser Frage geben. Dazu werde ich mich besonders mit den Gedanken von Jürgen Habermas auseinandersetzen, da dieser sich in letzter Zeit intensiv und kontrovers mit dem Thema beschäftigt hat. Ausgangspunkt ist die umstrittene These dieses eigentlich in der Tradition der Aufklärung stehenden Sozialphilosophen, dass die Religion notwendig ist, um die Gesellschaft zusammenzuhalten. Ich werde dagegen den Standpunkt vertreten, dass die säkulare Gesellschaft aus sich selbst heraus nicht nur ein von allen Gräueln befreites funktionales Äquivalent zur Religion schaffen kann, sondern dabei auch noch die Freiheit gewinnt, über Gut und Böse selbst zu entscheiden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die habermassche Argumentation

3. Einwände gegen die Dialektik der Säkularisierung

3.1. Funktion der Religion

3.2. Praktikabilität der Übersetzung

3.3. Ursprung moderner Werte

3.4. Integration durch Religion

3.5. Diskriminierung gläubiger Bürger

3.6. Diktatur des Relativismus

3.7. Religiöser Glaube als Virus

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die These von Jürgen Habermas, wonach Religion eine notwendige Ressource für den Zusammenhalt moderner, säkularer Gesellschaften darstellt, und setzt dieser die Perspektive entgegen, dass eine säkulare Leitkultur aus sich selbst heraus moralische und gesellschaftliche Stabilität begründen kann.

  • Die Rolle der Religion in der postsäkularen Gesellschaft
  • Kritik an der Notwendigkeit religiöser Sinnstiftung
  • Das Verhältnis von säkularer Vernunft und religiöser Tradition
  • Die Bedeutung von Aufklärung und Humanismus als Leitkultur
  • Die Grenzen der Integration durch religiöse Institutionen

Auszug aus dem Buch

Einwände gegen die Dialektik der Säkularisierung

Ich möchte nun einige Einwände gegen die habermassche „Dialektik der Säkularisierung“ anführen. Zunächst könnte man einfach feststellen, dass Gott mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht existiert. Denn es zeugt nicht gerade von rationalem Denken, wenn man die Existenz der unwahrscheinlichen Welt, in der wir leben, mit der Schöpferkraft eines noch unwahrscheinlicheren allmächtigen und gutmütigen Gottes erklärt. Einmal völlig abgesehen von dem Problem der Theodizee, die diese Idee mit sich bringt, haben die Naturwissenschaften bereits sehr viel voraussetzungsärmere Theorien hervorgebracht, welche die Entstehung unserer Welt sehr gut Schritt für Schritt und nicht durch ein unbegreifliches Wunder erklären können. Warum sich dennoch überall auf dieser Erde die verschiedensten Religionen herausgebildet haben, wurde von Philosophen, Ethnologen, Psychoanalytikern und Religionssoziologen auch schon überzeugend erläutert. Doch die Strategie der Existenzverleugnung eines Gottes bringt uns hier nicht weiter.

(1) Schon Voltaire sagte sinngemäß, dass die Menschen einen Gott erfinden müssten, wenn es keinen gäbe. Der berühmte Aufklärer spielt damit auf die positiven und seiner Meinung nach unverzichtbaren Funktionen der Religion für die Gesellschaft an. Die Religionssoziologie kennt zum Beispiel die Internalisierungsfunktion (Bereitstellung eines wesentlichen Teils der Identität eines Individuums), die Integrationsfunktion (Bereitstellung eines für alle verbindlichen ultimativen Wertekatalogs) und die Legitimitätsfunktion (Rechtfertigung des Bestehenden durch Sakralisierung). Würde man allerdings den Versuch unternehmen, den Begriff „Religion“ funktional zu definieren, wäre die Abgrenzung zu weltlichen Ideologien kaum möglich. Auch Jean-Jacques Rousseau erkannte das und wollte eine von Dogmen, Ritualen und dem „nutzlosen Glauben“ befreites und durch gesellschaftliche Normen ergänztes Christentum schaffen. Seine „Zivilreligion“ sollte der Republik dienen, nicht die Republik der Religion. Es ist jedenfalls durchaus möglich, ein weltliches funktionales Äquivalent zur Religion zu schaffen. Das sollte auch nicht verwundern. Schließlich ist die Religion allem Anschein nach selbst nur ein menschliches Konstrukt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die aktuelle Debatte um die Rolle der Religion im postsäkularen Zeitalter und Darlegung der Fragestellung.

2. Die habermassche Argumentation: Zusammenfassung der Position von Jürgen Habermas zur Unverzichtbarkeit religiöser Ressourcen und dem notwendigen Lernprozess zwischen Säkularität und Glaube.

3. Einwände gegen die Dialektik der Säkularisierung: Kritische Auseinandersetzung mit der habermasschen Thesenreihe anhand verschiedener Aspekte wie Wertgenese, Integrationskraft und Vernunft.

4. Fazit: Abschließende Bewertung, die ein Plädoyer für eine säkulare Leitkultur auf Basis von Aufklärung und Humanismus enthält.

Schlüsselwörter

Säkularisierung, Habermas, Post-säkulare Gesellschaft, Religion, Aufklärung, Humanismus, Evolutionärer Humanismus, Vernunft, Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Atheismus, Politische Philosophie, Religiöser Glaube, Wertediskurs, Demokratie, Kritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Debatte um die Rolle der Religion in modernen Gesellschaften unter besonderer Berücksichtigung der Thesen von Jürgen Habermas.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Dialektik der Säkularisierung, die Funktion von Religion für die soziale Integration und die Möglichkeiten einer säkularen Moralbegründung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, ob der Mensch zwingend auf Religion angewiesen ist, um eine funktionierende Gesellschaft zu erhalten, oder ob säkulare Äquivalente ausreichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine diskursive, philosophisch-soziologische Argumentationsanalyse, die aktuelle theoretische Positionen kritisch gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der habermasschen Position und eine detaillierte, kritische Widerlegung derselben durch Gegenargumente aus der Perspektive der Aufklärung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Säkularisierung, Aufklärung, Humanismus, gesellschaftliche Integration und postsäkulare Gesellschaft prägen die Untersuchung.

Wie bewertet der Autor Habermas’ Ansatz zur "Übersetzung" religiöser Normen?

Der Autor bezweifelt die Praktikabilität dieses Ansatzes und weist darauf hin, dass moderne ethische Systeme unabhängig von religiösen Vorbildern funktionieren.

Was bedeutet der Begriff "spirituelle Rosinenpickerei" im Text?

Dieser Begriff kritisiert die Praxis, religiöse Texte selektiv zu interpretieren, um sie mit modernen Werten in Einklang zu bringen, während andere Passagen ignoriert werden.

Warum lehnt der Autor die "falsche Toleranz" gegenüber religiösen Gefühlen ab?

Er argumentiert, dass eine offene Gesellschaft notwendigerweise eine kritische Auseinandersetzung mit religiösen Inhalten zulassen muss, um die Meinungs- und Kunstfreiheit zu wahren.

Welchen Stellenwert räumt der Autor der Wissenschaft ein?

Die Wissenschaft wird als grundlegender Baustein für das Verständnis der Welt gesehen, der zwar keine normativen Werte schafft, aber durch Philosophie und Kunst ergänzt werden kann.

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Details

Title
Dialektik der Säkularisierung und postsäkulare Gesellschaft?
Subtitle
Braucht der Mensch die Religion?
College
Dresden Technical University  (Institut für Soziologie)
Course
Habermas
Grade
2,0
Author
Paul Thierbach (Author)
Publication Year
2009
Pages
8
Catalog Number
V146760
ISBN (eBook)
9783640569892
Language
German
Tags
Jürgen Habermas Religion Atheismus Demokratie Wertepluralismus Religionssoziologie Säkularisierung Sozialphilosophie Aufklärung Religionskritik Michael Schmidt-Salomon Richard Dawkins Humanismus Ethik Integration Diktatur des Relativismus Patchworkreligion evolutionärer Humanismus politischer Diskurs kommunikative Vernunft Glaube Glaubenskrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Thierbach (Author), 2009, Dialektik der Säkularisierung und postsäkulare Gesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146760
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