Es herrschen raue Zeiten in der Wirtschaft. Finanzkrise, Klimakatastrophe, Globalisierung, knappe Rohstoffe, immer kürzere Produktlebenszyklen und die ständige Weiterentwicklung der Informationstechnologie stellen Untemehmen weltweit vor immer neue Herausforderungen.
Größere Untemehmen haben längst erkannt, dass ein systematisches und
umfassendes Qualitätsmanagement unabdingbar ist, um sich dem Wettbewerb auch in Zukunft stellen zu können.
Inzwischen sind Qualitätsmanagementsysteme (QM-Systeme) nach ISO 9001 in allen Branchen und Untemehmensgrößen anzutreffen und häufig die Basis von Qualitätsvereinbarungen zwischen Kunden und Lieferanten. Auch für kleinere Organisationen gilt ein zertifiziertes QM-System mittlerweile oft als Voraussetzung für Geschäftsbeziehungen zu größeren Kunden oder die Teilnahme an Ausschreibungen.
Die Zertifizierung kann der erste Schritt in Richtung eines nachhaltigen, umfassenden QM-Systems sein, das langfristig Marktvorteile bringt und die Existenz des Untemehmens sichert.
Leider erfolgt die Einführung des QM-Systems gerade in kleinen Organisationen oft nur halbherzig und ohne den notwendigen Veränderungswillen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Für eine umfassende Recherche und Projektplanung sind meist nicht genügend personelle Ressourcen verfügbar und für professionelle Berater steht nur ein begrenztes Budget zur Verfügung. Nicht selten besteht deshalb Unsicherheit, wie die Forderungen der relevanten Normen umzusetzen und auf die eigene Organisation anzuwenden sind. Oft werden QM-Systeme mit der Brechstangenmethode eingeführt, was meist sogar zum begehrten Zertifikat, aber selten zu einer tatsächlichen Qualitätssteigerung führt. Häufig wird dann das auf dem Papier beschriebene System in der organisatorischen Praxis nicht oder nur teilweise gelebt.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlagen und Begriffe
1.1 Qualität
1.2 Qualitätsmanagementsysteme
1.3 DIN EN ISO 9000 ff.
1.3.1 Die Normenfamilie
1.3.2 DIN EN ISO 9000
1.3.3 DIN EN ISO 9001
1.3.4 DIN EN ISO 9004
1.3.5 DIN EN ISO 19011
1.3.6 Zertifizierung
1.4 Kleine Organisationen
2 Projekt ISO 9000 ff.
2.1 Allgemeines
2.2 Vorbereitungen
2.2.1 Entschluss fassen
2.2.2 Qualitätsmanagementbeauftragter
2.2.3 Externe Berater
2.2.4 Zertifizierungsgesellschaft
2.2.5 Ermittlung der Anforderungen
2.2.6 Den prozessorientierten Ansatz verstehen
2.3 Umsetzung
2.3.1 Qualitätspolitik und Qualitätsziele
2.3.2 Einbeziehung und Information der Mitarbeiter
2.3.3 Ist-Analyse
2.3.4 Soll-Ist-Vergleich und Prozessoptimierung
2.3.5 QM-Handbuch und Dokumentation
2.4 Zertifizierung
2.5 Aufrechterhaltung
3 Werkzeuge und Methoden
3.1 Allgemeine Anforderungen
3.2 Die M7 - Sieben Managementwerkzeuge
3.2.1 Allgemeines
3.2.2 Affinitätsdiagramm
3.2.3 Relationendiagramm
3.2.4 Entscheidungsbaum (Baumdiagramm)
3.2.5 Matrixdiagramm
3.2.6 Portfolio-Analyse
3.2.7 Netzplan
3.2.8 Problementscheidungsplan
3.3 Die Q7 - Sieben Qualitätswerkzeuge
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Fehlersammellisten
3.3.3 Histogramme
3.3.4 Qualitätsregelkarten
3.3.5 Pareto-Diagramm
3.3.6 Korrelationsdiagramm
3.3.7 Fishbone-Diagramm
3.3.8 Brainstorming
3.4 Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA)
3.5 Qualitätsaudit
3.6 Flussdiagramme
4 Qualitätsmanagementsystem
4.1 Allgemeine Anforderungen
4.2 Dokumentationsanforderungen
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Qualitätsmanagementhandbuch
4.2.3 Lenkung von Dokumenten
4.2.4 Lenkung von Aufzeichnungen
5 Verantwortung der Leitung
5.1 Selbstverpflichtung der Leitung
5.2 Kundenorientierung
5.3 Qualitätspolitik
5.4 Planung
5.4.1 Qualitätsziele
5.4.2 Planung des Qualitätsmanagementsystems
5.5 Verantwortung, Befugnis und Kommunikation
5.5.1 Verantwortung und Befugnis
5.5.2 Beauftragter der obersten Leitung
5.5.3 Interne Kommunikation
5.6 Managementbewertung
5.6.1 Allgemeines
5.6.2 Eingaben für die Bewertung
5.6.3 Ergebnisse der Bewertung
6 Management von Ressourcen
6.1 Bereitstellung von Ressourcen
6.2 Personelle Ressourcen
6.2.1 Allgemeines
6.2.2 Kompetenz, Schulung und Bewusstsein
6.3 Infrastruktur
6.4 Arbeitsumgebung
7 Produktrealisierung
7.1 Planung der Produktrealisierung
7.2 Kundenbezogene Prozesse
7.2.1 Ermittlung der Anforderungen in Bezug auf das Produkt
7.2.2 Bewertung der Anforderungen in Bezug auf das Produkt
7.2.3 Kommunikation mit dem Kunden
7.3 Entwicklung
7.3.1 Entwicklungsplanung
7.3.2 Entwicklungseingaben
7.3.3 Entwicklungsergebnisse
7.3.4 Entwicklungsbewertung
7.3.5 Entwicklungsverifizierung
7.3.6 Entwicklungsvalidierung
7.3.7 Lenkung von Entwicklungsänderungen
7.4 Beschaffung
7.4.1 Beschaffungsprozess
7.4.2 Beschaffungsangaben
7.4.3 Verifizierung von beschafften Produkten
7.5 Produktion und Dienstleistungserbringung
7.5.1 Lenkung der Produktion und der Dienstleistungserbringung
7.5.2 Validierung der Prozesse zur Produktion und zur Dienstleistungserbringung
7.5.3 Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit
7.5.4 Eigentum des Kunden
7.5.5 Produkterhaltung
7.6 Lenkung von Überwachungs- und Messmitteln
8 Messung, Analyse und Verbesserung
8.1 Allgemeines
8.2 Überwachung und Messung
8.2.1 Kundenzufriedenheit
8.2.2 Internes Audit
8.2.3 Überwachung und Messung von Prozessen
8.2.4 Überwachung und Messung des Produkts
8.3 Lenkung fehlerhafter Produkte
8.4 Datenanalyse
8.5 Verbesserung
8.5.1 Ständige Verbesserung
8.5.2 Korrekturmaßnahmen
8.5.3 Vorbeugungsmaßnahmen
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, kleinen Organisationen einen strukturierten Leitfaden für die Implementierung und Pflege eines Qualitätsmanagementsystems gemäß der DIN EN ISO 9001 zu bieten, wobei insbesondere auf die spezifischen Ressourcenbeschränkungen kleiner Betriebe eingegangen wird.
- Grundlagen des Qualitätsmanagements und der ISO-Normenfamilie
- Praktische Projektschritte zur Einführung eines QM-Systems
- Einsatz von Management- und Qualitätswerkzeugen (M7 & Q7)
- Analyse und Interpretation der Anforderungen nach ISO 9001 (Kapitel 4 bis 8)
- Methoden zur kontinuierlichen Verbesserung und Zertifizierung
Auszug aus dem Buch
1.1 Qualität
Der seit dem Altertum bekannte Qualitätsbegriff leitet sich vom lateinischen qualitas ab und kann als Beschaffenheit (eines Gegenstandes) übersetzt werden. Seit es den Begriff gibt, wird über seine Bedeutung diskutiert. Qualität kann heute nach Qualitätsverständnis unterschiedlich interpretiert werden. Um die Vielschichtigkeit zu verdeutlichen, soll in diesem ersten Kapitel auf die in der Literatur am häufigsten zitierten Definitionen des Qualitätsbegriffs eingegangen werden.
Im allgemeinen, aktuellen Sprachgebrauch beschreibt Qualität die Beschaffenheit, Güte oder den Wert einer Einheit. Oft wird der Begriff auch zur Beschreibung des Guten oder der Vortrefflichkeit sowie der Konformität mit Kundenanforderungen oder der Qualifikation genutzt.
Philip B. Crosby, einer der großen amerikanischen Qualitätsgurus, definierte Qualität in seinem 1979 veröffentlichten Werk Quality is free als „die Erfüllung der vereinbarten Forderungen, die an die Produkte, Dienstleistungen oder den Leistungserstellungsprozess gestellt werden“.
Auch Joseph M. Juran prägte den Qualitätsbegriff. Er definierte ihn aber als fitness for use, was als Gebrauchstauglichkeit ins Deutsche übersetzt werden kann. Für ihn drückte Qualität also die Eignung eines Gutes für seinen bestimmungsgemäßen Verwendungszweck aus.
David A. Garvin entwickelte zur Definition des Qualitätsbegriffs gleich fünf unterschiedliche Sichtweisen:
Eine transzendente Sichtweise, die Qualität als absolut und universell erkennbar, nicht präzise definierbar und nur durch Erfahrung empfindbar beschreibt. Qualität in diesem Sinne ist eine nicht messbare Perfektion, die nur durch kompromisslos hohe Ansprüche und Leistungen erreicht werden kann.
Die produktbezogene Sichtweise geht wiederum davon aus, dass Qualität präzise messbar ist und dass Qualitätsunterschiede quantitativ ausgedrückt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundlagen und Begriffe: Vermittelt ein Verständnis für den Qualitätsbegriff und führt in die Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff. sowie in die Besonderheiten für kleine Organisationen ein.
2 Projekt ISO 9000 ff.: Beschreibt den methodischen Vorgehensrahmen für die Einführung, Umsetzung und Zertifizierung eines QM-Systems.
3 Werkzeuge und Methoden: Stellt praxisnahe Werkzeuge wie die M7 und Q7 zur Unterstützung des QM-Systems vor, die auch in kleinen Unternehmen einsetzbar sind.
4 Qualitätsmanagementsystem: Behandelt die normativen Anforderungen an das QM-System sowie die notwendige Dokumentation und Handbuchgestaltung.
5 Verantwortung der Leitung: Erläutert die Rolle der obersten Leitung bei der Umsetzung, Planung und Kommunikation der Qualitätspolitik und -ziele.
6 Management von Ressourcen: Analysiert die Bereitstellung und den Einsatz von personellen Ressourcen, Infrastruktur und Arbeitsumgebung.
7 Produktrealisierung: Deckt die Anforderungen von der Planung über Kundenprozesse und Entwicklung bis hin zur Beschaffung und Produktion ab.
8 Messung, Analyse und Verbesserung: Beschreibt Mechanismen zur Überwachung, Datenanalyse, kontinuierlichen Verbesserung sowie den Umgang mit Fehlern.
9 Fazit: Reflektiert den Nutzen der Norm für kleine Organisationen und betont die Notwendigkeit von Engagement über die reine Zertifizierung hinaus.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, ISO 9001, QM-System, kleine Organisationen, Zertifizierung, Prozessorientierung, Qualitätsziele, Dokumentation, M7, Q7, kontinuierliche Verbesserung, Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse, Audit, Kundenzufriedenheit, Produktrealisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und der dauerhaften Aufrechterhaltung eines Qualitätsmanagementsystems in kleinen Organisationen gemäß der Norm DIN EN ISO 9001.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Interpretation der normativen Anforderungen, die praktische Projektabwicklung, der Einsatz spezifischer Qualitätswerkzeuge sowie der Umgang mit Ressourcen und Prozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kleinen Organisationen den Einstieg in die ISO 9001 zu erleichtern, indem theoretische Anforderungen mit praktikablen Methoden für begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen verknüpft werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse von Fachgesprächen mit Experten, um die normativen Anforderungen in einen anwendbaren, praxisbezogenen Kontext für KMU zu übersetzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich analog zur Struktur der ISO 9001 in die Phasen der Projektplanung, die Erstellung der Dokumentation, das Ressourcenmanagement sowie die konkrete Messung und kontinuierliche Verbesserung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Text?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Prozessorientierung, Kundenorientierung, Zertifizierung, Fehlermanagement und ständige Verbesserung geprägt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem Soll-Ist-Vergleich und der Prozessoptimierung wichtig?
Der Soll-Ist-Vergleich identifiziert Lücken zur Normkonformität, während die Prozessoptimierung darauf abzielt, die Effizienz und Qualität im laufenden Betrieb in kleinen Schritten kontinuierlich zu steigern, ohne die Organisation zu überlasten.
Welche Rolle spielt die Managementbewertung in kleinen Organisationen?
Sie fungiert als zentrales Instrument, um die Eignung und Wirksamkeit des QM-Systems zu prüfen, wobei in kleinen Betrieben auch informelle Teammeetings als Bewertungsgrundlage akzeptiert werden können.
- Quote paper
- Philipp-Alexander Paul (Author), 2010, Qualitätsmanagement in kleinen Organisationen nach DIN EN ISO 9000 ff., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146817