Aristoteles und das Geschlechterverhältnis

Die Frau, ein schlecht konzipierter Mann?


Seminararbeit, 2009

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung
1.1. Kurze Biographie von Aristoteles
1.2. Gesellschaft des antiken Griechenlands
1.3. Grundlagen der Aristoteleschen Theorie

2. Die Theorien des Aristoteles
2.1. Einführung in seine Theorien
2.2. Die Dualismen und ihr biologischer Hintergrund

3. Einfluss auf die Geschlechterrollen
3.1. Zuschreibung von weiblichen Eigenschaften
3.2. Zuschreibung von männlichen Eigenschaften

4. Einfluss auf andere Theoretiker am Beispiel von Galen

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1 Einführung

In den Abhandlungen des Aristoteles finden sich neben unzähligen Traktaten über die Politik und die Gesellschaft auch solche der tierischen und menschlichen Biologie, zum Beispiel, die Zeugung der Geschöpfe. (Aristoteles 1985) Unter anderem schreibt er dort, dass die Frau ein schlecht konzipierter Mann sei. Er begründete mit seinen Schriften die Inferiorität der Frau auf biologischer Ebene. Des Weiteren schreibt er ihr Aufgrund dessen, andere Aufgaben zu, als dem Mann. Seine Ideen und Theorien über die Zeugung der Geschöpfe wurden somit zum maßgeblichen Grundsatz und zur Erklärung für die Geschlechterrollenverteilung in vielen Gesellschaften.

Dieses binäre Denken in Geschlechterrollen blieb in vielen Gesellschaften unserer Welt erhalten, und Aristoteles beeinflusste den Bestand sowie die Legitimität dieses Frauen- Männer Bildes nachhaltig. Basierend auf seinen „Beobachtungen“, Aussagen und Thesen forschten die folgenden Generationen von WissenschaftlerInnen weiter, meist ohne die dargestellten Tatsachen zu hinterfragen. Letztendlich spielte das Bild eines starken und eines schwachen Geschlechts sehr gut die patriarchale Gesellschaftsordnung wieder, und es gab bis ins 18. Jahrhundert wenig Grund und Interesse dieses System zu kritisieren oder zu hinterfragen. Für die Beständigkeit dieses Systems spielen bestimmt viele verschiedene Faktoren eine Rolle, und es wäre sehr gewagt die Verantwortung dafür alleine bei der Wissenschaft zu suchen. Dennoch darf man ohne weiteres sagen, dass es vor allem diese Erklärungen von Aristoteles, über die biologische Minderwertigkeit der Frau waren, die immer wieder die besten Argumente gegenüber anderen Ideen lieferten.

Auf den folgenden Seiten wollen wir einen kurzen Einblick über die Lebensbedingungen im antiken Griechenland geben um die Basis für seine Ideen besser zu verstehen. Zudem möchten wir kurz die dualistische Denkweise des Aristoteles aufzeigen, auf der seine Theorien hauptsächlich basierten. Außerdem wollen wir vor allem der Frage nachgehen, wie er auf seine Aussage kam, dass die Frau ein schlecht konzipierter Mann sei und dafür einen kurzen Einblick in seine Ideen zur Zeugung von menschlichem Leben geben. Wie konnten seine Thesen so lange wenig hinterfragt übernommen und weitergeführt werden? Welche Wissenschaftler, Forscher und Philosophen haben sich der Aristoteleschen Theorie diesbezüglich angenommen und wie haben sie sie weiterentwickelt oder kritisiert?

Wir möchten auch zeigen, dass eine Betrachtung der Aristoteleschen Theorie auch heute noch sinnvoll ist, da wir immer noch dazu neigen in binären Bildern zu denken, was in vielerlei Hinsicht eine Einschränkung bedeutet, da diese Sichtweise nur Schwarz oder Weiß zulässt und uns davon abhält in facettenreicheren Nuancen zu denken und zu handeln.

1.1. Kurze Biographie von Aristoteles

Aristoteles wurde im Jahr 384 v. Chr. In Stagira (Nordgriechenland) als Sohn eines Arztes geboren. Mit achtzehn Jahren trat er in die Akademie des Philosophen Platons ein und blieb bis zum Tode Platons deren Mitglied. Danach zog er nach Assos und später auf die Insel Lesbos wo er seine meeresbiologischen Forschungen durchführte. Ungefähr im Jahr 342 wurde er nach Makedonien eingeladen um die Erziehung des jungen Königssohns Alexanders (Alexander der Große) zu übernehmen. Einige Jahre später gründete er in Athen seine eigene Schule, die Forschungen auf den Gebieten Naturwissenschaft, Philologie und Philosophie durchführte. (vgl. Ackrill 1985: 12–13)

1.2. Gesellschaft des antiken Griechenlands

Das antike Griechenland war auf einem stark patriarchal geprägten Gesellschaftssystem aufgebaut. De facto besaß der Mann eine Herrschaft über seine Familie. Eine Familie war nicht nur eine rechtliche sondern auch eine wirtschaftliche Ordnung. Der Vater übte als Kyrios eine Rechtsvormundschaft über Ehefrau, Töchter und über die minderjährigen Söhne aus, also über alle Familienmitglieder die nicht rechtsmündig waren. (vgl. Blanck 1996:100–101)

Kinder und Erziehung

Nach der alleinigen Entscheidung des Vaters konnten Kinder während der ersten Tage ihres Lebens ausgesetzt werden. Diese waren vor allem Mädchen, schwache oder kranke Kinder. Meist entschied die wirtschaftliche Lage der Familie über das Schicksal des Neugeborenen. Bis zum sechsten Lebensjahr unterstanden die Kinder der Mutter, sie war alleine für die Erziehung verantwortlich. Der Vater nahm keinen aktiven Anteil an der Kindererziehung. Die Jungen bekamen ab ihrem sechsten Lebensjahr einen eigenen Haussklaven der sowohl für den Schutz als auch die Züchtigung und Unterweisung seines Schützlings zuständig war. Vor allem mussten die jungen Knaben vor homosexuellen Übergriffen in der Stadt geschützt werden. (vgl. Blanck 1996:100–105)

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Aristoteles und das Geschlechterverhältnis
Untertitel
Die Frau, ein schlecht konzipierter Mann?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V146851
ISBN (eBook)
9783640568475
ISBN (Buch)
9783640568338
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Geschlechterforschung, Mann, Frau, Geschlechterverhältnis, Gender, Genderstudies, Equality
Arbeit zitieren
Nabila Ahmed (Autor), 2009, Aristoteles und das Geschlechterverhältnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146851

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