Ostern - Der Brauch und seine Darstellung in den Medien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
37 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.EINLEITUNG (LAURA DAHM)

2.DASOSTERFESTUNDDIEOSTERZEIT (LAURA DAHM)
2.1.WORT- HERKUNFT (LAURA DAHM)
2.2.GESCHICHTLICHEHINTERGRÜNDE (LAURA DAHM)
2.3.DIEOSTERFEIERTAGE (LAURA DAHM)
2.4.OSTERNUNDFRÜHLING (LAURA DAHM)

3.OSTERBRÄUCHE
3.1.EINFÜHRUNG
3.2.LITURGISCHEBRÄUCHE
3.2.1. OSTERNACHT-GOTTESDIENST
3.2.2. DAS OSTERFEUER
3.2.3. DIE OSTERKERZE
3.2.4. DIE SPEISENWEIHUNG
3.2.5. DAS OSTERWASSER
3.3.VOLKSTÜMLICHEBRÄUCHE
3.3.1. DAS OSTEREI
3.3.2. DER OSTERHASE
3.4.BEWERTUNGDERERGEBNISSE

4.SCHLUßBETRACHTUNG

5.VERMARKTUNGSSTRATEGIE

6.LITERATUR

6.ANHANG (Presseartikel und Beleg)

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars “Der Brauch und seine Darstellung in den Medien” wird sich diese Arbeit dem Osterfest widmen. Dieses bewegliche, d.h. im Datum veränderliche Fest im Kirchenjahr ist das älteste, höchste und bekannteste Fest der Christenheit. In diesem Ereignis wird Religion von vielen Zeitgenossen noch immer als sinnvoll erfahren. Ostern und andere Feste thematisieren zentrale Aspekte des Lebens in Ritualen und Symbolen, worauf unserer Meinung nach die Faszination von Bräuchen zurückgeht.

Vom Osterfest gehen Impulse für die Gestaltung des Festjahres im ganzen aus. Als Gedenkfest der Auferstehung Christi ist es das erste Jahresfest, daß die Christen regelmäßig begangen haben. Im christlichen Osterfest wird bekundet, daß das Leben über den Tod gesiegt hat.

Bis ins 6. Jahrhundert stritt man um das richtige Osterdatum, das schließlich das erste Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festsetzte. Für die Ausbreitung des Christentums und damit auch Osterns in die Gebiete nördlich der Alpen waren die Germanenmissionen seit dem 5. Jahrhundert verantwortlich. Eingeleitet wird das Osterfest durch die Karwoche zum Andenken an das Leiden und Sterben Christi. Ihr voraus geht eine 40tägige Fasten- und Bußezeit, die am Karsamstag endet. Die auf die Osterfeier folgenden 50 Tage bis Pfingsten gehören im christlichen Glauben zur Osterzeit. Alle Feste dieser Zeit beziehen sich auf biblischen Hintergrund.

Deshalb beginnt diese Arbeit, deren Schwerpunkt auf dem Osterfest zwischen Karsamstag und Ostermontag liegt, mit der ausführlichen Beschreibung des biblischen und historischen Hintergrunds von Ostern. Dies soll unter der Fragestellung geschehen, unter welchen Voraussetzungen Osterbräuche entstanden. Volkskundlich von Interesse ist, wie stark das Volk an Veränderung und Erhaltung des Festes und seiner Bräuche beteiligt war und ist. Wie sah das Fest früher aus, wie sieht es heute aus? Bei der Beantwortung dieser Fragen wird man feststellen, daß dieses Kapitel der Kirchen- und Glaubensgeschichte nur unzureichend erforscht ist. So ist bis heute nicht eindeutig geklärt, woher der Begriff Ostern kommt (s. Kapitel 1.1.). Relativ gesichert ist die Annahme, daß die Christen sich an das jüdische Passahfest hielten und nach überliefertem Brauch feierten. Diese Annahme schließt eine heidnische Herkunft aus.

Das erste Kapitel beschäftigt sich also zunächst mit der Beantwortung der Fragen nach Wort-Herkunft (1.1.), geschichtlichen Hintergründen (1.2.), der Ausgestaltung der einzelnen Osterfeiertage (1.3.) und dem Zusammenhang mit dem Frühling (1.4.). Einiges kann aufgrund des erwähnten Forschungsstandes nicht eindeutig beantwortet werden.

Die Wahrnehmung des Osterfestes im Kontext der Lebenswelt läßt eine Fülle von Symbolen, Riten und Bräuchen erkennen, die den Teilnehmenden ein Verständnis von Gott ermöglichen sollen. Im zweiten Teil wird es daher um die Ausübung des Osterfestes und um die damit verbundenen Osterbräuche gehen (2.1.). Woher stammen die Bräuche? Wer führte sie ein? Wer pflegte bzw. übte sie aus?

Man kann zwei Arten von Brauch unterscheiden: Es gibt zum einen liturgische Bräuche (2.2.), Bräuche also, die bis heute in die kirchliche Zeremonie eingebunden sind, und zum anderen Bräuche, die zwar meist einen kirchlichen Ursprung haben, aber vom Volk aufgegriffen und säkularisiert wurden (2.3.). Man könnte auch sagen: “In der spezifischen Festkultur haben sich biblische Symbole mit außertheologischen Symbolen und Bräuchen vermischt” (Biehl 1999, S. 137). Bei aller Überformung steht am Anfang jedes Brauchs eine sinnvolle Handlung dessen Funktion darin liegt, etwas Bestimmtes auszudrücken (vgl. Beitl 1974, S. 625; Bellinger 1999, S. 125; Biehl 1999, S. 137, 154; Bieritz 1994, S. 85; dtv- Brockhaus-Lexikon 1989, S. 249; Küster 1985, S. 155; Moser 1993, S. 211, 216f; Schwikart 1996, S. 55; Seebach 1998, S. 60, 85; www.german-easter- holiday.com/ostern-osterfest/osterfest/index.html) .

Einige Bräuche existieren gar nicht mehr, andere haben, meist in abgeänderter Form, überlebt. Unsere Konzentration richtet sich in Anbetracht unseres Presseartikels vor allem auf die Bräuche rund um die Ostereier (2.3.1.) und den Osterhasen (2.3.2.). Unter den liturgischen Bräuchen haben wir denen der Osternacht besondere Aufmerksamkeit gewidmet (2.2.). Unter 2.4. werde ich eine Bewertung der Ergebnisse zum Brauch abgeben. Im dritten Teil, der Schlußbetrachtung, werden alle auftauchenden Aspekte noch einmal ausführlich diskutieren und in ihren aktuellen Rahmenbedingungen betrachtet.

Die Literaturliste fällt bei diesem Thema nicht so umfangreich aus: Zu den modernen Formen des Osterfestes gibt es so gut wie gar keine Literatur. Hauptsächlich wird man mit theologischen Büchern konfrontiert, die gewöhnlich biblisch und liturgisch geprägt sind und zudem eine stark katholische bzw. evangelische Sichtweise an den Tag legen. Letztlich wiederholen sich in allen Quellen die gleichen Tatbestände und Erkenntnisse, wenn auch dank unzureichender Faktizität teilweise widersprüchlich. Dieser Mißstand ist auf die ständig überholbaren Ergebnisse historischer Forschung zurückzuführen.

Unser Versuch wird es sein, Übersicht über die komplexen Traditionen und Entwicklungen zu verschaffen. Grundlage sind die Texte von Karl-Heinrich Bieritz, Peter Biehl, Dietz-Rüdiger Moser sowie Helmut Seebach. Unsere Internetrecherche hat zwar seitenweise Ergebnisse hervorgebracht, allerdings werden wir in der Folge recht vorsichtig mit diesem Material umgehen, da nicht alles wissenschaftlich recherchiert ist. Das Internet kann als (kritikwürdige) Ergänzung, nicht aber als Wissensgrundlage dienen.

Der in dieser Arbeit ausführlich rezipierte wissenschaftliche Hintergrund bildet die Ausgangsbasis für unseren Artikel “Der Osterhasen-Schwindel”, in dem der Versuch unternommen wurde, kulturhistorische Kenntnisse auf humorvolle und einfache Weise einem breiten Leserpublikum zugänglich zu machen. Wie das gelang, ist unserer Vermarktungsstrategie, dem vierten Teil, zu entnehmen.

2. Das Osterfest und die Osterzeit

Das Fest der Auferstehung Christi wurde im Anschluß an die jüdische Passahfeier konstituiert, da das frühe Christentum einen tiefen Zusammenhang erkannte zwischen den Ereignissen, der das Volk Israel in seiner Passahfeier gedenkt, und dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu, wie sie die christliche Gemeinde zu Ostern feiert.

Bis heute verkörpern Festsymbolik, Brauchtum und Legende dieses Osterge- schehen und beziehen Symbole des heidnischen Frühjahrsfestes in verwandelter Gestalt in den Kontext des Festes ein. Auferstehungssymbole und Festrituale holen die Auferstehung Jesu in die Gegenwart des Lebens. In der Erinnerung an diesen Ursprung, in der Wiederholung des Ursprunggeschehens gewinnt das religiöse Fest seine Gestalt.

In der frühchristlichen Osterfeier wurde Leiden, Tod und Erhöhung Jesu als Einheit erfahren und gefeiert. Ostern hatte das Geheimnis der Erlösung insgesamt zum Thema. Die Passion Jesu und sein Opfertod bildeten zusammen mit dem Gedächtnis seiner Auferstehung den unteilbaren Inhalt des Osterfestes. Das Hoffen auf die Wiederkunft des Herrn in der Osternacht belegt ein weiteres Mal die Beziehung zur jüdischen Passahnacht in der man den Messias erwartet. Dem eigentlichen Osterfest folgt eine 50tägige Freudenzeit, für die es schon früh Hinweise gibt und die schon in der Osternacht beginnt. Man feierte die Erhöhung Christi. Besondere Bedeutung gewann die Woche nach Ostern (Weiße Woche) durch Gottesdienste und Predigten für die Neugetauften. Die Osteroktav wurde schrittweise verkürzt, bis nur noch der Sonntag, Montag und Dienstag gefeiert wurde. Das entstandene Auferstehungs-Triduum entsprach dem Leidens- Triduum. Ein längere Festfeier und Arbeitsruhe konnte man sich im Norden Europas aufgrund klimatischer Umstände nicht leisten. Die Osterzeit endet mit der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten. Diese Zeitspanne beruht auf dem jüdischen Festkalender.

Diese Zeugnisse verweisen darauf, daß Ostern kein punktuelles Ereignis ist, sondern den gesamten Zeitraum umfaßt, in dem sich Erscheinungen des Auferstandenen ereigneten. Die Osterzeit galt als ungeteilter Festtag und als liturgischer Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Diese ursprüngliche Einheitlichkeit von Kreuz und Auferstehung wich einer Akzentuierung der Erhöhung Jesu. Leiden und Sterben Jesu Christi wurden aus der Osterfeier ausgeklammert, als sich der Gedanke der Gottheit Christi durchsetzte (vgl. Biehl 1999, S. 146-148; Bieritz 1994, S. 89-92, 140-142; Küster 1985, S. 179; Moser 1993, S. 211; Schwikart 1996, S. 127).

In Anbetracht der heutigen Kommerzialisierung des Festes würde ich soweit gehen, daß für den Großteil der deutschen Bevölkerung jegliche biblische und kirchliche Bedeutung an Präsenz und Importanz verloren hat.

2.1. Wort - Herkunft

Die Herleitung des Namens ist umstritten. Eine wirklich eindeutige Antwort kann man auch heute nicht geben. Das dtv-Brockhaus-Lexikon schreibt: “gallo-fränk. Bildung zu austro <Morgenrot> nach so verstandenem lat. Albae (paschales), daraus ahd. Ostarun (...), lat. Dominica in albis [nach den weißen Taufkleidern (...)]” (Brockhaus 1989, S. 249).

Die Theorie, Ostern leite sich von dem Begriff ´ Ostara `, einer angeblich existierenden germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin (manchmal auch als angelsächsische Göttin der Morgenröte betitelt) ab, wird von der Wissenschaft abgelehnt. Ausgerechnet im Wörterbuch der Deutschen Volkskunde 1974 findet man aber genau diese Herleitung unkritisiert übernommen:

“[Es] bleibt (...) auffallend, daß in Deutschland (...) sich für das wichtigste Kirchenfest ein nichtkirchlicher Name festsetzen und halten konnte. Es darf wohl mindestens vom Vorhandensein eines germanischen Frühlingsfestes dieses Namens gesprochen werden” (Beitl 1974, S. 619).

Dieser Zusammenhang zwischen Ostern, Osterei und Fruchtbarkeit wird gerne auf Postkarten und Kunstwerken thematisiert. Auch Jacob Grimm frönte dem Gedanken einer heidnischen Göttin des Frühlings und den Eiern als Opfergabe. Die Nationalsozialisten förderten ebenfalls die Annahme Beda Venerabilis, daß der altenglische Name für den Monat April Eosturmonath auf eine Göttin zurückgeht. Sie propagierten, daß das Frühlingsfest zu Ehren Ostara christlich überformt sei und eigentlich germanische Wurzeln habe.

Eine weitere Möglichkeit beschreibt u.a. ein Internet-Artikel: In der christlichen Lehre kommt die Ableitung Ostern von Osten, also dem Tagesanbruch, der das Licht bringt. Die Blicke der Frauen am leeren Grab Jesu richteten sich nach Osten zum Sonnenaufgang oder der Morgenröte, in der Hoffnung, Jesus komme von dort auf die Erde zurück. Der Sprachwissenschaftler Jürgen Udolph, der 1999 ein Buch über die Wort-Herkunft von Ostern veröffentlichte, schreibt dazu:

“Das Wort Osten gehört zu einem Wort für Morgenröte, griech. eos, lat. aurora. Bei dieser Verbindung muß man allerdings zu einer falschen Übersetzung aus dem Lateinischen greifen; zudem ist für das Osterfest nicht der Morgen, sondern die Nacht entscheidend” (german-easter-holiday.com/Osterbuch/udolph.juergen/index.html).

Ähnlich argumentiert auch Moser: Nur im Angelsächsischen und Mittel-und Süddeutschland wurde das alte Wort Passah verdrängt und durch ein unplausibles ersetzt: eastron bzw. ostarun. Der Name ließe ein germanisches Frühlingsfest vermuten. Da über ein solches Fest aber nicht bekannt ist, schien das Wort auf Osten bzw. Orient hinzuweisen. Bestätigt fand man sich in der Ostung der Kirchen.

Im Anschluß daran fand die Wissenschaft eine weitere Begründung: Das Wort eostro bedeutet in den indogermanischen Sprachen Morgenröte, abgeleitet von einem Wortstamm ausos. Durch Umwandlung des indogermanischen a- Stammes zu einem gotischen Wort auf -on habe sich das Wort gebildet, das im Althochdeutschen als Pluralbildung ostarun, im Altenglischen als eastron überliefert. In den Quellen wurde es stets mit dem lateinischen Pascha kombiniert, als eine feste gedankliche Verbindung. Wie entstand diese Verknüpfung?

Die Osterfeier begann gewöhnlich mit Anbruch des Tages. In der Nacht zuvor wurden die Katechumenen getauft und trugen die folgende Woche hindurch weiße Taufkleider. “Hebdomada in albis” und “hebdomada Paschalis” bezeichneten also beide die Woche nach Ostern.

Dieses auf Albae (=weiß) verkürzte Wort erhält “nun durch den Zusammenhang mit der liturgischen Feier bei Anbruch des Auferstehungstages und den dabei erfolgten Taufen die zusätzliche Bedeutung ´Morgenröte`, ´Tagesanbruch`, ´Frühlicht ` (...)” (Moser 1993, S. 215).

Wenn Albae also auch die Morgenröte bedeutet, ist es austauschbar mit dem althochdeutschen ostarun. Beide Ausdrücke bezeichneten das liturgische Geschehen bei Anbruch des Tages, in Gedenken an Christi Auferstehung.

Allerdings, so der Artikel im Internet, wurde die christliche Bezeichnung für die Osterwoche “in albis” (=weiß) fälschlicherweise als Plural von “albae” (=Morgenröte) verstanden und mit dem althochdeutschen “ostarun” wiedergegeben.

Einen neuen Weg geht Udolph, indem er in den nordgermanischen Sprachen eine Wortfamilie fand, die sprachlich zu Ostern paßt: ausa = (Wasser) schöpfen, gießen, autr = Begießen. Eine heidnische Form der Taufe wurde als vatmi aus (mit Wasser begießen) bezeichnet. Er schlußfolgert, daß Ostern sich auf die Taufe bezieht, das zentrale Ereignis des christlichen Festes in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Dazu passen die sprachlichen Belege. Auch die Pluralform des Osterwortes erklärt sich aus dem dreimaligen Begießen. Kirchenhistorische Fakten wie Massentaufen zu Ostern, der Übergießritus etc. stimmen mit der Etymologie überein (vgl. Beitl 1974, S. 619 625; Bieritz 1994, S. 89f; Küster 1985, S. 156; Läpple 1996, S. 179; Moser 1993, S. 211-216; Schwikart

1996, S. 60; www.german-easter-holiday.com/ostern-osterfest/ostern/index.html; www.german-easter-holiday.com/osterbuch/udolph-juergen/index.html) .

Unter den etymologischen Feststellungen erscheint mir keine ganz und gar fertig durchdacht, jedoch finde ich den letztgenannten Ansatz Udolphs sehr plausibel. Die Forschung wird die Herkunft hoffentlich vollständig klären.

2.2. Geschichtliche Hintergründe

Schon früh bildete sich ein jährliches christliches Passahfest aus, das offenkundig in Beziehung zum Tod Jesu stand. Die Verbindung zum jüdischen Passah rührt daher, daß Christus am dritten Tag nach Passah auferstanden ist. Eindeutige Zeugnisse für eine christliche Feier des Passahfestes finden sich erst im 2. Jahrhundert, als aufgrund unterschiedlicher Berechnungsmethoden ein Streit um den rechten Ostertermin entbrannte. Das Passahfest findet am 14. Nisan der ersten Vollmondnacht des ersten Monats des Jahres nach dem babylonischen Mondkalender statt und erinnert an den Auszug Israels aus Ägypten. Die Christen erinnert dieser Tag an das letzte Passah Jesu.

Die Kleinasiaten traten für das christliche Passahfest am 14. Nisan ein, während Rom am darauffolgenden Sonntag feierte. Erstere lehnten sich eng an den

jüdischen Brauch an und akzentuierten den Tod Christi am Kreuz. Rom und die übrigen Kirchen verließen die jüdische Praxis, indem sie ihr Passahfest in die Kette der Sonntage einordneten. Der Akzent lag auf der Auferstehung Jesu.

Da das jüdische Jahr einen eigenen Kalender hat, fiel Ostern nicht immer, wie von der Kirche gewünscht, auf Sonntag. Deshalb legte das Konzil von Nizäa 325 schließlich den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn (zwischen 20. und 23.3), d.h. den Sonntag nach Passah, fest. Trotz Änderungsvorschlägen gilt dieser Termin bis heute. Es behauptete sich schließlich die Festpraxis, die sich stärker von der jüdischen absetzte. Nach dem gregorianischen Kalender kann Ostern also zwischen dem 22.3. und 25.4. stattfinden. Der Herrentag (=Sonntag) steht in Verbindung mit der Sonnenverehrung. So wurde die steigende Sonne zum Symbol des Osterfestes und der Auferstehung. In diesem Zusammenhang kann man eventuell auch die Rückführung auf ein heidnisches Sonnenfest sehen.

Die Akzente in den einzelnen Regionen der frühen Christenheit wurden unterschiedlich gesetzt: Einerseits verknüpfte man Pascha und passio (lat. Leiden) und betonte das Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu. Andere übersetzten Passah mit Vorübergang und feierten den rettenden Vorübergang bzw. Opfertod des Herrn. Schließlich feierte man mancherorts Passah als Übergang, Durchgang in Anlehnung an den Auszug des Volkes aus Ägypten.

Im Internet findet man den Hinweis, Ostern sei nicht nur aus dieser christlicher Bedeutung heraus entstanden: Neben der Verbindung zum jüdischen Passahfest könne man Ostern auch als Frühlings- oder Fruchtbarkeitsfest (s. 1.4.) historisch belegen. Diese Feststellung belegt eindrucksvoll die geringe Fundierung vieler Internet-Artikel (vgl. Beitl 1974, S. 625; Biehl 1999, S. 145; Bieritz 1994, S. 86-88; Läpple 1996, S. 179; Schwikart 1996, S. 60; www.german-easter- holiday.com/ostern-osterfest/osterfest/index.html).

2.3. Die Osterfeiertage

In der lateinischen Liturgie ist das Osterfest in einem Osterfestkreis (Beginn: Aschermittwoch) eingefügt, der Tod und Auferstehung heute als Ganzes feiert: die dreitägige Osterfeier beginnt mit der Abendmesse an Gründonnerstag, weil der Vorabend bereits zum folgenden Tag gezählt wurde. Sie endete am Ostersonntag. Höhepunkt ist die Oster-Vigil in der Nacht von Karsamstag zum Ostersonntag. In der Auferstehungsliturgie wurden Osterwasser, Osterfeuer und Osterkerze gesegnet. Sie endete mit dem Abendmahl.

Die Ausgliederung der heiligen drei Tage (Triduum sacrum) wurde seit dem 4. Jahrhundert vorangetrieben, als man die Christusgeschichte historisch nachvollziehen wollte. Der Karfreitag war der Tag, an dem Jesus gelitten hat und gestorben ist. Der Karsamstag ist der erste Tag nach Jesus Tod und galt als Tag der Grabesruhe und Trauer. Die Christen suchten an diesem Tag das in der Kirche errichtete Heilige Grab auf. Es findet kein Gottesdienst statt und die Altäre in den Kirchen sind frei von Kerzen und Blumen. Dieser Tag steht im Zeichen der Vorbereitungen für das Osterfest.

Erst in der Nacht zum Sonntag kommen die Christen zur Feier der Auferstehung zusammen. Die Auferstehung wird durch das Licht symbolisiert. Der Triumph über den Tod bringt den festlichsten Gottesdienst des Jahres hervor. Er ist der eigentliche Beginn des Osterfestes: Fälschlicherweise, so ein Internet-Artikel, wird bereits der Karsamstag zum Osterfest gezählt.

Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung Christi. Dieser dritte Tag des Triduum sacrum ist zugleich der erste Sonntag der Osterzeit. Er ist der wichtigste Tag an den Osterfeiertagen. Die christliche Gemeinschaft freut sich über die Auferstehung und verknüpft damit Hoffnung und Sinngebung. Nach dem Gang zur Kirche trifft man sich zu einem ausgiebigen Frühstück im familiären Kreis.

Der Ostermontag schließt das Osterfest ab. Wie der Ostersonntag findet der Ostermontag in der Kirchengemeinde und in der Familie statt (vgl. Bellinger 1999, S. 125; Biehl 1999, S. 173; Bieritz 1994, S. 91, 128, 143; dtv-Brockhaus-

Lexikon 1989, S. 249; Döring 1, S. 1; Läpple 1996, S. 179; Moser 1993, S. 211- 216; Schwikart 1996, S. 9, 58f; www.german-easter-holiday.com/ostern- osterfest/karwoche/karsamstag/index.html; www.german-easter-holiday.com/ ostern-osterfest/osterfeiertage/index.html).

2.4. Ostern und Frühling

In Rückgriff auf das Frühlingsfest zu Ehren der nie nachgewiesenen Ostara muß man auch die Verbindung zwischen Ostern und Frühling bzw. Fruchtbarkeit verstehen. Diese Verknüpfung von Ostern, Frühlingssymbolen (bestimmte Tiere und Pflanzen) und Fruchtbarkeit wird gerne auf Postkarte und Kunstgegenständen thematisiert. Diese romantische Mythologie hat bis in unsere Zeit überlebt und wird von der Süßwaren- und Kitschindustrie gerne belebt. “Ostern als Frühlingsfest und als christliches Fest ist heute ganz eng miteinanderverbunden” (german-easter-holiday.com/osternfruehling/ osterzeit/index.html).

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Ostern - Der Brauch und seine Darstellung in den Medien
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Deutsches Insitut - Kulturanthropologie / Volkskunde)
Veranstaltung
Hauptseminar: Der Brauch und seine Darstellung in den Medien
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
37
Katalognummer
V14691
ISBN (eBook)
9783638200219
ISBN (Buch)
9783638682787
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ostern, Brauch, Darstellung, Medien, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Laura Dahm (Autor), 2000, Ostern - Der Brauch und seine Darstellung in den Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14691

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