Rassetheorien des 18. Jahrhunderts


Referat (Ausarbeitung), 2008

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Der Begriff der „Rasse“

2. Der Vorreiter im 17. Jahrhundert – Francois Bernier

3. Rassetheorien des 18. Jahrhunderts

4. Das Anknüpfen an die Rassetheorien im 19. Jahrhundert

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Der Begriff der „Rasse“

Im deutschen Wörterbuch findet sich unter „Rasse“ folgender Eintrag:

1 [Biol.] Population innerhalb einer Art mit gemeinsamen erblichen Merkmalen

2a) [Anthropologie] Gruppe von Menschen mit gemeinsamen erblichen Merkmalen

b) [Pol.; rechtsradikal] Begriff zur Ausgrenzung bestimmter ethischer, religiöser u. sozialer Gruppen.[1]

Mit den drei Definitionen ist auch schon die Entwicklung des Begriffes angerissen, die er seit den ersten Dokumentierungen über seinen Gebrauch durchlaufen hat.

Die Herkunft des Wortes ist nicht eindeutig geklärt, so kann man es einerseits z.B. genealogisch von dem lateinischen „radix“ (Wurzel) ableiten, aber auch von „generatio“ oder „ratio“ (Wesen, Natur, Art)[2]. In den romanischen Sprachen ist „Rasse“ seit dem 13. Jahrhundert belegt, etabliert sich aber erst im Laufe des 16. Jahrhunderts, wo es dafür verwendet wird, die Abstammung von einer Familie auszudrücken, dabei insbesondere für die Beschreibung ähnlicher Merkmalen bei Haustieren. So taucht es vor allem in der Pferdezucht häufig auf, wo mit „Rasse“ sowohl die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Herde ausgedrückt wird, als auch das Merkmal einer hohen Qualität und die Eignung zum Zuchttier[3].

Parallelen zu dieser Verwendung im Bereich der Tiere (siehe Punkt 1 der Definition aus dem dt. Wörterbuch), finden sich auch im Bezug auf Menschen. In diesem Zusammenhang verwendet man im 16. Jahrhundert „Rasse“ wie bei den Tieren nicht nur zur Bestimmung der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht (siehe Punkt 2a der Definition), sondern betont dabei auch das Edle dieser Zugehörigkeit durch die dem Wort implizite Vorstellung einer langen, noblen Ahnenreihe bzw. eines Herrschergeschlechtes (und die damit verbundene Qualität; siehe Zuchtpferde)[4].

Neben dem durch den Kolonialismus vermehrt auftretenden Kontakt Europas mit fremden Kulturen, sowie dem starken Willen zur Ordnung aller neuen Entdeckungen und Erfahrungen aufgrund der voranschreitenden Säkularisierung der Wissenschaft sind vor allem zwei historische Begebenheiten zu nennen, die den Rassebegriff stark beeinflusst haben:

Auf der einen Seite treten durch die erfolgreich beendete spanische Reconquista mit dem Zwangsbekehrungsedikt die Juden und Mauren als eigene, sich von den Europäern unterscheidende Rasse ins Bewusstsein der Menschen (mit der dazugehörigen Diskriminierung der Juden und Mauren, da die nationalen Erneuerung die limpieza de sangre (Reinheit des Blutes) impliziert; siehe Punkt 2b) der Definition)[5].

Auf der anderen Seite versucht während der Adelsdiskussion in Frankreich der Geburtsadel das Aufsteigen des Amtsadel in den eigenen Stand zu stoppen, indem er sich auf seine Abstammung beruft (Blut/Abstammung vs. Leistung)[6]. Dadurch erfolgt eine soziale, hierarchische Einordnung von Menschen in einen Stand inklusive ihrer damit verbundenen Auf- bzw. Abwertung. Diese Wertung konkretisiert sich zunehmend im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts und schlägt sich in den dort entstehenden Rassetheorien nieder.

2. Der Vorreiter im 17. Jahrhundert – Francois Bernier

Durch den Kolonialismus Europas wächst das Material über Beobachtungen von und Erfahrungen mit Menschen fremder Kulturen aus anderen Erdteilen. Dem französischen Arzt und Forschungsreisende Francois Bernier (1620-1688) gelingt es, das vorhandene Material zu ordnen und er verwendet in seiner 1684 publizierten Arbeit Nouvelle division de la Terre, par les differentes Espèces ou Races d'hommes qui l'habitent (neue Einteilung der Erde nach den verschiedenen Arten oder Rassen, die sie bewohnen) als erster den Rassebegriff, um die Menschen der verschiedenen Kontinente in vier Großgruppen zu unterteilen.

Dabei benutzt er den Begriff race (Rasse) gleichbedeutend mit espèce (Spezies) und bezieht sich explizit auf die Klima-Theorie, indem er die Großgruppen von Menschen geografisch eingrenzt und sie nach somatischen Kriterien einteilt, ohne den einzelnen Gruppen jedoch bestimmte Namen zu geben. Er unterscheidet folgende vier Rassen: Europäer (inklusive Ägypter und Inder), Afrikaner, Chinesen und Japaner und die Lappen, wobei er die letzteren als „ vilains animaux (garstige Tiere) mit Bärengesichtern“[7] bezeichnet. Die Bewohner Amerikas ordnet er keiner besonderen Gruppe zu, sondern rechnet sie zu den Europäern.

Indem er sich auf die Klimatheorie bezieht, geht Bernier von einer monogenetischen Grundannahme aus, d.h. er vertritt die Vorstellung, dass alle Menschen von einem Vater abstammen und ihr unterschiedliches Äußeres auf äußerliche Einwirkungen wie das Klima zurückzuführen sei. Dies zieht jedoch unweigerlich die Frage nach sich, welche Stellung der Mensch zum Tierreich einnimmt[8].

[...]


[1] Bünting, Karl Dieter: Deutsches Wörterbuch. Isis Verlag AG, Chur/Schweiz, 1996.

[2] Brunner, Otto; Conze, Werner; Koselleck, Werner: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 5. Klett-Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 1984. S.137.

[3] Ebd., S.139.

[4] Ebd., S. 137f.

[5] Fredrickson, George M.: Rassismus. Ein historischer Abriss. Hamburger Edition HIS Verlagsgesellschaft, Hamburg, 2004. S.45.

[6] Brunner et al., S.140f.

[7] Ebd., S.142.

[8] Zu Bernier siehe Brunner et al.; S.142ff.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Rassetheorien des 18. Jahrhunderts
Hochschule
Universität Kassel  (FB2)
Veranstaltung
Transkulturelle Literaturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V146922
ISBN (eBook)
9783640586660
ISBN (Buch)
9783640586516
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernier, Linné, Blumenbach, Rassetheorien, Meiners, Carus
Arbeit zitieren
Anika Weller (Autor), 2008, Rassetheorien des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146922

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