Laut dem „Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland“ herausgegeben im Mai 2008 von Unicef ist „jedes sechste Kind in Deutschland […] von Armut betroffen.“ Kinder- und Jugendarmut ist somit schon lange nicht mehr nur ein Problem in den Entwicklungsländern der Welt. In Deutschland stieg die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die in relativer Armut leben, in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an. In einem der reichsten Länder der Welt scheint es paradox anzumuten, dass immer mehr Kinder existieren, die in Armut leben bzw. unmittelbar davon betroffen sind. Schon lange scheinen Wohlstandsgesellschaft und Armut keine unvereinbare Gegensätze mehr zu sein. Doch obwohl der deutsche Staat erhebliche Summen für die soziale Sicherung ausgibt, war im Jahr 2005 jeder Zehnte von Armut bedroht. „Deutschland gibt für Kinder so viel Geld aus wie kaum ein anderes OECD-Land. Trotzdem zählt es bei der Verwirklichung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Chancengleichheit zu den Schlusslichtern. Armut hat in dem Bewusstsein unserer Gesellschaft daher einen festen Stellenwert eingenommen. Jedoch ist immer noch zu beobachten, dass der eigenen Thematik der Kinderarmut als eigenständige Disziplin noch viel zu wenig Aufmerksamkeit gezollt wird, sie ist vielmehr in den festen Kontext der familienpolitischen Betrachtungen eingebettet. Beschäftigt man sich nun näher mit dem Thema der Kinderarmut in der Bundesrepublik Deutschland, so wird deutlich, dass es sich dabei längst um keine Einzelerscheinung mehr handelt. Tatsächlich sieht es so aus, dass gerade Kinder in unserer Gesellschaft, aus unterschiedlichen Beweggründen, in Armut leben, womit nicht nur vordergründig finanzielle und materielle Einschränkungen sowie Entbehrungen gemeint sind. Die Gründe und Auswirkungen der Kinderarmut gestalten sich dabei sehr differenziert und mehrdimensional. Mehr denn je ist in unserem Sozialstaat eine Politik gefordert, die gerade Kinder mit all ihren Bedürfnissen in den Blick nimmt. Hierbei wird die staatliche Politik als Intervention in bereits konstituierte soziale Beziehungen begriffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemdarstellung
3. Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft?
4. Kinder in Deutschland – Eine Faktensammlung
5. Kinderarmut in Deutschland
5.1 Definition
5.2 Ursachen
5.2.1 Arbeitslosigkeit
5.2.2 Alleinerziehende
5.2.3 Ausländische Familien
5.3 Auswirkungen auf die Sozialpolitik der BRD
6. Gesetzliche Regelung für Kinder
6.1 Konzeptionen für eine Politik gegen Kinderarmut
6.2 Sozialpolitik für Kinder
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Phänomen der Kinderarmut in Deutschland im Kontext der staatlichen Sozialpolitik und der verfassungsrechtlich verankerten Menschenwürde. Ziel ist es, die Ursachen sowie die sozialen Auswirkungen von Armut auf Kinder zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, wie eine zukunftsorientierte Sozialpolitik den Schutz und die Teilhabechancen von Kindern effektiv verbessern kann.
- Politische und gesellschaftliche Hintergründe der Kinderarmut
- Statistische Bestandsaufnahme der Lebenslagen von Kindern
- Strukturelle Ursachen von Armut (Arbeitslosigkeit, Alleinerziehende, Migration)
- Gesetzliche Grundlagen und sozialpolitische Konzeptionen
- Die Rolle des Sozialstaats beim Schutz der Kinderrechte
Auszug aus dem Buch
3. Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft?
„Säugling verhungert“ – Schlagzeile in der Tagespresse. Und die große Frage: Wer hat versagt? Die Familie, die Gesellschaft oder doch die Politik? – Kinder ein glückliches Leben zu ermöglichen und sie zu verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen stellen Grundmaxime in der Kindeserziehung dar. Um diese Ziele adäquat verwirklichen zu können, bedarf es u.a. der finanziellen Unterstützung seitens des Staates. Denn „immer mehr Eltern können sich im wahrsten Sinne des Wortes Kinder nicht mehr leiste.“
Im Grundgesetz heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Kinder als eigenständige Persönlichkeiten finden in diesem Grundgesetzartikel, Absatz eins, keine ausdrückliche namentliche Berücksichtigung. Aber würde man diesen Satz näher ausdifferenzieren, dann könnte er wie folgt lauten: „Die Würde des Kindes ist unantastbar.“ Damit kommt den Kindern qualitativ die gleiche Würde zu, wie allen anderen Menschen auch. Denn es sind die Kinder, die den Reichtum einer Gesellschaft, eines ganzen Landes ausmachen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema der Kinderarmut im Rahmen des Sozialstaatsprinzips und führt in die Fragestellung nach der gesellschaftlichen Verantwortung für das Wohl des Kindes ein.
2. Problemdarstellung: Dieses Kapitel erläutert den Anstieg der Kinderarmut trotz Wohlstand und verweist auf die Dringlichkeit politischer Handlungsoptionen angesichts demographischer Veränderungen.
3. Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft?: Hier wird die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlichem Schutzanspruch und der realen Lebenssituation von Kindern in Notlagen thematisiert.
4. Kinder in Deutschland – Eine Faktensammlung: Basierend auf statistischen Daten werden die Lebensverhältnisse, Haushaltsformen und Risikofaktoren für Kinder in Deutschland systematisch aufbereitet.
5. Kinderarmut in Deutschland: Es erfolgt eine definitorische Abgrenzung sowie die Analyse spezifischer Ursachen wie Arbeitslosigkeit, Alleinerziehendensein und Migrationshintergrund.
6. Gesetzliche Regelung für Kinder: Dieser Teil betrachtet bestehende Gesetze und politische Konzeptionen zur Kinder- und Jugendhilfe sowie deren Defizite bei der Bekämpfung von Kinderarmut.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein gesamtgesellschaftliches Engagement zur Sicherung der Teilhabechancen von Kindern.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Sozialpolitik, Grundgesetz, Existenzminimum, Sozialstaat, Familienpolitik, Arbeitslosigkeit, Alleinerziehende, Migrationshintergrund, Kindeswohl, gesellschaftliche Teilhabe, Kinderrechte, materielle Armut, soziale Sicherung, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Kinderarmut in Deutschland und analysiert, wie der Sozialstaat seiner Verantwortung für ein würdevolles Aufwachsen von Kindern gerecht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition von Armut, die Analyse von Risikogruppen wie Alleinerziehenden oder Familien mit Migrationshintergrund sowie die sozialpolitischen Rahmenbedingungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt unter anderem, ob aus dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes eine explizite Gewährleistungspflicht des Staates für ein kindgerechtes Existenzminimum abgeleitet werden kann.
Welche methodische Herangehensweise wurde gewählt?
Es wurde eine literaturbasierte Analyse durchgeführt, die durch eine Faktensammlung aktueller statistischer Daten und die Interpretation verfassungsrechtlicher Normen ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme, die Untersuchung spezifischer Armutsursachen und eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Gesetzgebung zur Kinder- und Jugendpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kinderarmut, Sozialstaat, Kindeswohl, gesellschaftliche Teilhabe und die rechtliche Einordnung der Würde des Kindes.
Warum stellt die Kinderarmut laut Autorin ein paradoxes Problem dar?
Die Autorin hebt hervor, dass es widersprüchlich erscheint, in einem der reichsten Länder der Welt eine kontinuierlich wachsende Zahl von Kindern in armen Verhältnissen zu verzeichnen.
Welche Rolle spielt die Familie in der vorgestellten Sozialpolitik?
Die Familie wird als die zentrale soziale Institution angesehen, jedoch kritisiert die Arbeit, dass staatliche Politik häufig zu sehr auf Fürsorge reduziert wird, anstatt die strukturellen Faktoren der Armut direkt anzugehen.
- Arbeit zitieren
- Ulrike M. S. Röhl (Autor:in), 2009, Wo bleibt die Würde des Kindes? Sozialpolitik in Deutschland am konkreten Paradigma der Kinderarmut , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146934