Nostalgie im Umgang mit der ehemaligen DDR oder auf neudeutsch Ostalgie war eines, wenn nicht sogar das Thema im deutschen Kino in den letzten Jahren. Filme wie Goodbye Lenin, NVA, Der rote Kakadu und Neuruppin forever zeigten die ehemalige DDR aus einem ganz anderen Blickwinkel und beäugten ihre Geschichte mit einen Augenzwinkern. Der Auslöser für diese Flut von „Mauerkomödien“ ist sicherlich Thomas Brussig und Leander Haußmann zuzuschreiben, die im Jahr 1999 ihren Film Sonnenallee in die Kinos brachten. Das, was vielen Menschen bislang nur als Straße im ehemaligen Berliner Osten bekannt war, wurde zum Titel und Schauplatz eines der erfolgreichsten deutschen Filme der vergangenen Jahre.
Trotz seines Erfolges blieb der Film jedoch nicht unumstritten. Zwar ist Sonnenallee als Komödie deklariert, man warf ihm zum Teil jedoch überzogene Darstellungen des DDR-Alltags vor und sprach im gleichen Kontext von Lächerlichkeit.
Inwiefern der Titel Komödie gerechtfertigt ist und warum man über den Osten lacht und ob man es darf, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Nach einem kurzen Überblick zur Entstehung von Sonnenallee und dessen Wahrnehmung innerhalb der (Presse-)Kritik wird im vierten Kapitel die Komik im Film näher erläutert werden. Welche spezifischen komischen Merkmale besitzt der Film und wie lassen sich die Komiktheorien von Henri Bergson und Michail Bachtin auf den Film anwenden. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Szenen analysiert. Aufgrund des Umfangs der Arbeit kann leider nicht auf jeden einzelnen Handlungsstrang und jede komische Szene eingegangen werden. Darüber hinaus wird kurz die Frage beantwortet werden müssen, ob Sonnenallee einen dokumentarischen Charakter hat, der es eventuell sogar verbietet über die DDR zu lachen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leander Haußmanns Sonnenallee
2.1 Sonnenallee innerhalb der Kritik
3. Die Komödie Sonnenallee
3.1 Dauerlacher im Film: Running Gags
3.2 Komiktheoretische Annäherungen an Sonnenallee
3.2.1 Nach Henri Bergson
3.2.2 Nach Michail Bachtin
3.3 Komödie oder Dokumentation?
4. Fazit
5. Bibliografie
5.1 Filme
5.2 Literatur
5.3 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Leander Haußmanns Film "Sonnenallee" als Komödie klassifiziert werden kann und welche komiktheoretischen Ansätze sich zur Analyse der spezifischen Darstellungsweise des DDR-Alltags eignen.
- Analyse der Rezeption und Kritik des Films "Sonnenallee"
- Untersuchung komischer Strukturen und wiederkehrender Running Gags
- Anwendung der Komiktheorien von Henri Bergson und Michail Bachtin
- Diskussion des Spannungsfelds zwischen dokumentarischem Anspruch und fiktionaler Komödie
Auszug aus dem Buch
3.1 Dauerlacher im Film: Running Gags
Der Film startet direkt innerhalb der ersten 15 Minuten mit verschiedenen Running Gags, die so oder in ähnlicher Form immer wieder im Film auftauchen. So bleibt Micha an einer roten Ampel stehen, die scheinbar völlig unnütz an einer kleinen unbefahrenen Straße steht. Obwohl weit und breit kein Auto in Sicht ist bewegt er sich, im Gegensatz zu seinem Freund Mario, der übr die rote Ampel geht, nicht. Beim Blick nach links und rechts weht Geäst über die Straße. Ein Klischee wie aus einem Hollywood Western. Gnadenlos wird an dieser Stelle das Hollywood Kino auf das Niveau sozialistisch-deutscher Provinz hinunterdividiert. Eine weitere Anspielung auf das große Hollywood begegnet dem Zuschauer beim ersten Auftritt Miriams, der Schulschönheit und von da ab großen Liebe Michas. In dem Moment, als sie aus ihrem Wohnhaus tritt, scheint die Stadt still zu stehen. Bauarbeiter, Passanten, etc. lassen alles stehen und liegen und blicken auf Miriam, die engelgleich in einem gleißenden Licht ihr Haar schüttelt und kurz lächelt. Liebe auf den ersten Blick, zumindest bei Micha. Von diesem Moment an, in den Momenten in denen Micha Miriam anschmachtet ertönt fortan immer wieder, als ein fortlaufendes Thema, das Lied Stay von Lars Vegas: „Can you be my lovely angel and never never go away“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der "Ostalgie" im deutschen Kino ein und stellt den Film "Sonnenallee" als populäres, aber umstrittenes Beispiel dar, dessen Komik und Authentizität untersucht werden sollen.
2. Leander Haußmanns Sonnenallee: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte des Films durch die Zusammenarbeit von Leander Haußmann und Thomas Brussig sowie dessen Einbettung in den zeitgenössischen Diskurs.
2.1 Sonnenallee innerhalb der Kritik: Der Abschnitt analysiert die ambivalente mediale Rezeption des Films, die von der Begeisterung des Publikums bis zur Kritik an einer vermeintlichen Oberflächlichkeit oder Verharmlosung der DDR-Vergangenheit reicht.
3. Die Komödie Sonnenallee: Das Kapitel verortet den Film innerhalb verschiedener Genres, wobei der Fokus primär auf der komödiantischen Aufarbeitung des DDR-Alltags unter Verwendung von Klischees und Stereotypen liegt.
3.1 Dauerlacher im Film: Running Gags: Hier werden zentrale komische Elemente analysiert, die durch wiederkehrende Motive (Running Gags) wie die rote Ampel oder die Figur des ABV beim Zuschauer spezifische Erwartungen und komische Effekte erzeugen.
3.2 Komiktheoretische Annäherungen an Sonnenallee: Dieses Kapitel bildet die theoretische Basis, indem es die Anwendbarkeit klassischer Komiktheorien auf die filmische Inszenierung des DDR-Alltags prüft.
3.2.1 Nach Henri Bergson: Die Analyse konzentriert sich auf Bergsons Konzepte zur Komik, insbesondere die "Starrheit" und den unfreiwilligen Stellungswechsel der Figuren, die hier als komische Mechanismen identifiziert werden.
3.2.2 Nach Michail Bachtin: Unter Rückgriff auf Bachtins Theorien zum "grotesken Leib" und karnevalesken Elementen wird untersucht, wie der Film durch Grenzüberschreitungen und Umkehrungen der Normen komische Wirkungen erzielt.
3.3 Komödie oder Dokumentation?: Dieser Abschnitt diskutiert die Berechtigung der komödiantischen Darstellung eines totalitären Staates und arbeitet heraus, warum der Film keinen Anspruch auf eine dokumentarische, sondern auf eine subjektive, lebensgefühl-basierte Abbildung erhebt.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass "Sonnenallee" als gelungene Komödie zu betrachten ist, die mittels verschiedener Stilmittel die individuelle Lebenswirklichkeit der Jugend in der DDR jenseits einer rein dokumentarischen Perspektive einfängt.
5. Bibliografie: Das Kapitel enthält das Verzeichnis der verwendeten Filme, der Sekundärliteratur und der herangezogenen Internetquellen.
5.1 Filme: Auflistung der im Rahmen der Arbeit zentralen filmischen Referenzen.
5.2 Literatur: Auflistung der für die theoretische Fundierung genutzten wissenschaftlichen und publizistischen Literatur.
5.3 Internetquellen: Verzeichnis der online verfügbaren Rezensionen und Interviews, die zur Analyse der Rezeption herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Sonnenallee, Leander Haußmann, Thomas Brussig, DDR, Ostalgie, Komödie, Filmkomik, Henri Bergson, Michail Bachtin, Running Gags, Groteske, Filmanalyse, DDR-Alltag, Rezeption, Popkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Film "Sonnenallee" von Leander Haußmann als Komödie und analysiert, wie der Film den Alltag in der ehemaligen DDR thematisiert und komödiantisch aufbereitet.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Rezeption des Films in der Kritik, die Anwendung komiktheoretischer Ansätze auf den Film sowie die Frage nach der ethischen Berechtigung, über die DDR als Komödie zu lachen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern der Titel "Komödie" für den Film gerechtfertigt ist, warum über den Osten gelacht wird und ob eine solche Darstellung angesichts des totalitären Charakters der DDR legitim ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin/der Autor nutzt eine Filmanalyse, die durch den theoretischen Rahmen von Henri Bergsons "Das Lachen" und Michail Bachtins Theorie der karnevalesken Lachkultur und des grotesken Leibes gestützt wird.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Im Hauptteil werden zunächst Running Gags und wiederkehrende komische Motive untersucht, gefolgt von der Anwendung der genannten Komiktheorien auf konkrete Szenen, sowie eine Auseinandersetzung mit der Abgrenzung von Dokumentation und Fiktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Analyse wird maßgeblich durch Begriffe wie Sonnenallee, DDR, Komiktheorie, Ostalgie, Filmanalyse und Groteske bestimmt.
Wie trägt der "Running Gag" zur komischen Wirkung bei?
Durch die wiederholte Darstellung bestimmter Situationen (wie die rote Ampel oder die Ausweiskontrollen) baut der Film beim Zuschauer eine Erwartungshaltung auf, deren Bestätigung oder bewusster Bruch für komische Effekte sorgt.
Welche Rolle spielt die Theorie von Michail Bachtin für den Film?
Bachtins Konzept des "grotesken Leibes" und die Vorstellung des Karnevalesken dienen dazu, Szenen wie die exzessive Party bei Mario als absurde Umkehrung der normalen gesellschaftlichen Verhältnisse zu interpretieren.
Warum wird der Film nicht als Dokumentation wahrgenommen?
Der Film verzichtet bewusst auf historische Detailtreue und nutzt stattdessen surrealistische Sequenzen, intertextuelle Verweise und fiktionale Elemente, um ein persönliches Lebensgefühl statt eines objektiven historischen Bildes zu vermitteln.
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- Anonym (Author), 2008, Komiktheoretische Annäherungen an Leander Haußmanns „Sonnenallee“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147034