Im Zuge einer exemplarischen Überblicksschau seines umfassenden Werkkorpus soll in dieser Hausarbeit im Speziellen das sogenannte "allererste abstrakte Bild der Welt" und dessen begriffliche Problematik in den Fokus gerückt werden, wobei ausgewählte Stationen auf dem Weg Kandinskys hin zu einer abstrakten Malweise beleuchtet werden. Der russische Künstler Wassily Kandinsky gilt durch seine gegenstandslosen Kunstwerke und malerischen Bildinhalte, die nurmehr auf Farbe und unfigürlicher Form beruhen, als Begründer der abstrakten Malerei. Ergänzend zu seinen praktischen Arbeiten, hielt er die inneren Beweggründe und theoretischen Konzepte hinter seiner Malerei in verschiedenen Werken wie in "Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere der Malerei" von 1911 oder in "Punkt und Linie zu Fläche. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente" von 1926 fest. Kandinskys Kunstwerke wurden dadurch gleichsam für Zeitgenossen, wie auch für die Nachwelt in ihrer Bedeutsamkeit untermauert und durch ihre theoretische Unterfütterung erklärbar gemacht.
Die künstlerische Entwicklung des Malers von 1900 bis 1914 wird ortlaufend in den theoretischen Überbau "Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere der Malerei" eingebettet, wodurch Kandinskys schriftlich festgehaltenes Verständnis des Wortes "abstrakt" mit späteren Aussagen des Künstlers verglichen und gedeutet werden kann. Potenzielle Phänomene und Zeitmarker einer "Heldengeschichtsschreibung" werden in diesem Zuge ebenfalls sichtbar gemacht, um ein holistisches Bild über die andauernde Deklaration Kandinskys als ersten abstrakten Maler zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Worte zur Hausarbeit
1. Kandinskys Schrift Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei
1.1 Aufbau des Buches und ausgewählte Kernthesen
1.2 Die Bedeutung hinter Kandinskys Werkbezeichnungen
1.3 Intention seiner Schrift
2. Kandinskys Weg zur Abstraktion im zeitlichen Überblick
2.1 1900 – 1908: Malerische Anfänge – Landschafts- und Straßenbilder
2.2 1909 – 1914: „Geniezeit“ in München und Murnau
2.2.1 Das erste abstrakte Bild
2.2.2 Begriffliche Problematik
2.3 Ausblick in Kandinskys Schaffensperiode ab 1915
3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht Wassily Kandinskys künstlerische Entwicklung hin zur Abstraktion unter Berücksichtigung seines theoretischen Hauptwerks „Über das Geistige in der Kunst“ und analysiert kritisch die Deklaration seines Werkes „Bild mit Kreis“ als erstes abstraktes Bild der Welt.
- Kandinskys theoretischer Überbau zur Abstraktion
- Die hierarchische Systematik der Werkbezeichnungen
- Malerische Stationen zwischen 1900 und 1914
- Begriffliche Problematiken und historische Einordnung des „abstrakten“ Stils
- Inszenierung des Künstlers als Visionär und Wegbereiter
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das erste abstrakte Bild
Im Jahr 1911, also noch zwei Jahre vor dem Schlüsselwerk Komposition VII, das von Günter Brucher mit der Bezeichnung Komposition VII – Am Ziel und von Kandinsky selbst als „mein Hauptwerk vor dem ersten Weltkrieg“ betitelt wird, malte der russische Künstler sein rückblickend als „allererste[s] abstrakte[s] Bild der Welt“ deklarierte Ölgemälde.
In einem Brief an den New Yorker Galerist Jerome Neumann schrieb Kandinsky im Jahre 1935: Als ich Moskau verließ (Dezember 1921) blieben einige meiner Bilder, teils große Formate, in der Obhut des Museums für Westeuropäische Kunst. Darunter ist mein allererstes Bild aus dem Jahre 1911 (dies ist das erste abstrakte Bild, das je in unserer Zeit gemalt worden ist). […] Damals war ich unzufrieden mit dem Bild [aufgrund «verschmierter Auflösung« und kompositorischer Dysbalance] und habe es nicht nummeriert und auf der Rückseite nicht beschriftet, wie ich es sonst immer mache, und nicht einmal in meinen Hauskatalog aufgenommen. […] Es ist tatsächlich das allererste abstrakte Bild der Welt, da damals noch kein einziger Maler abstrakt malte. Also ein «historisches Bild«.
Besagtes erstes abstrakte Bild von 1911 ist das Ölgemälde mit dem Titel Bild mit Kreis, eine 139 x 111 cm große Komposition, die aus überlappenden und verzerrten oval- bis kreisförmigen Elementen besteht, die sich in Richtung der unteren linken Ecke ins Flächige und Schemenhafte auflösen. Die kreisartigen, linearen und malerischen Gestaltungselemente sind durch einen pastosen Farbauftrag gekennzeichnet; die cremefarbenen sowie schwarzen Bereiche dabei dämpfen die Leuchtkraft und Leichtigkeit der übrigen Farben. Zeitlich gesehen reiht sich das Bild mit Kreis in Kandinskys zunehmend abstrahierende Bildwelt der Münchner und Murnauer Jahre ein, erreicht durch seine augenscheinliche Gegenstandslosigkeit, im Vergleich zu anderen Werken aus dem Jahr 1911, aber einen bis dato nie dagewesenen Höhepunkt der Abstraktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kandinskys Schrift Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei: Analysiert das theoretische Hauptwerk Kandinskys, seine Konzepte zur inneren Notwendigkeit und wie diese die Verbindung zwischen spiritueller Absicht und malerischer Ausführung bilden.
2. Kandinskys Weg zur Abstraktion im zeitlichen Überblick: Zeichnet die stilistische Entwicklung des Künstlers von frühen Landschaften über die Murnauer Zeit hin zu seinen ersten gegenstandslosen Werken nach.
3. Zusammenfassung und Fazit: Reflektiert die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Kandinskys Abstraktionsprozess und hinterfragt kritisch die historisch-biografische Selbstinszenierung des Künstlers.
Schlüsselwörter
Wassily Kandinsky, Abstraktion, Abstrakte Kunst, Über das Geistige in der Kunst, Bild mit Kreis, Farbe und Form, Innere Notwendigkeit, Komposition, Improvisation, Gegenstandslosigkeit, Kunstgeschichte, Malerei, Moderne, Moderne Kunst, Bildsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit analysiert Wassily Kandinskys Entwicklung zur abstrakten Malerei und untersucht, wie der Künstler seine Theorie „Über das Geistige in der Kunst“ zur Untermauerung seines Status als Pionier der Abstraktion nutzte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Kandinskys ästhetischer Theorie, seinem Stufensystem der Werkbezeichnungen (Impression, Improvisation, Komposition) und der historischen Einordnung seines Werkes „Bild mit Kreis“.
Welches Ziel verfolgt die Autorin?
Das primäre Ziel ist es, ein holistisches Verständnis für Kandinskys Abstraktionsbegriff zu schaffen und kritisch zu beleuchten, wie der Künstler seine eigene kunsthistorische Wahrnehmung aktiv mitgestaltete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die auf der Analyse von Originalschriften Kandinskys, zeitgenössischer Kunsttheorie und kunstgeschichtlicher Fachliteratur basiert.
Wird auch das Spätwerk von Kandinsky behandelt?
Ja, in einem Ausblick ab Kapitel 2.3 wird der Übergang zu figurativen Arbeiten in Russland und die spätere Phase am Bauhaus sowie sein Spätwerk kurz erläutert.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verbindung von theoretischer Analyse seiner Schriften mit der praktischen Untersuchung konkreter Gemälde aus, insbesondere im Hinblick auf die Debatte um das „erste abstrakte Bild“.
Warum spielt das Bild mit Kreis eine so zentrale Rolle?
Das Bild fungiert als Kernbeleg für die Untersuchung, da Kandinsky es erst rückwirkend als das „allererste abstrakte Bild der Welt“ titulierte, was Fragen zur Wahrheitsfindung und Künstler-Heldengeschichte aufwirft.
Wie unterscheidet sich Kandinskys Verständnis von „Abstraktion“ von heutigen Definitionen?
Für Kandinsky war Abstraktion stark spirituell konnotiert („geistige Vibration“), während der Begriff heute oft sehr allgemein als bloße Abkehr von der Gegenständlichkeit verwendet wird.
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- Kaj Sophie Flora Häuser (Author), 2022, Wassily Kandinskys Weg zur Abstraktion inmitten des theoretischen Überbaus seiner Schrift "Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1470758