Der Sieg Edward IV. über Henry VI. sowie seine Gemahlin Königin Margaret und seine Ausrufung zum König


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitende Betrachtung

Act of Accord und die Schlacht von Wakefield

Ergebnisse von Wakefield und der Marsch der Königin Richtung London

Edwards Truppenbewegungen im Januar 1461 und die Schlacht bei Mortimer´s Cross

Die 2. Schlacht von St. Albans

Londons Reaktion auf das Ergebnis der zweiten Schlacht von St. Albans

Edwards Einzug in London und seine Ausrufung zum englischen König

Erste Erlässe und Vorbereitungen

Schlussbetrachtungen

Quellen

Literatur
Monographien
Internet

Einleitende Betrachtung

Die Zeit der Rosenkriege ist vor allem durch blutige Schlachten, Verrat und das politische Austragen einer intriganten Familienfehde gekennzeichnet. 1455 ausgebrochen, zogen sich die Auseinandersetzungen bis 1485 hin. Sechs Mal wechselte die englische Krone den Besitzer[1] und diese Wechsel waren nicht zwingend mit dem Tod des vorherigen Königs gleichbedeutend, so dass es durchaus Zeiten gab, in denen zwei legitim eingesetzte Herrscher um die Vormachtstellung und den vollen Anspruch auf Englands Thron kämpften.

So wurde im März 1461 Edward Plantagenet, Duke of York offiziell und mit dem Einverständnis des Volkes als Edward IV. zum König von England ausgerufen, während der Lancaster-König Henry VI. und seine Gemahlin Margaret von Anjou im Norden weilten, um Truppen auszuheben.

Doch wie war diese Ernennung Edwards IV. zum König überhaupt möglich, obwohl der Act of Accord, 1460 vom Parlament ratifiziert, eindeutig besagte, dass die Königswürde erst nach dem Tod von Henry VI auf die Linie des damaligen Duke of York, Richard Plantagenet, Edwards Vater, übergehen sollte?

Laut heutigem Forschungsstand ist die Beantwortung dieser Frage nicht ganz eindeutig. Einerseits nehmen einige Werke, wie Hicks´ „ Warwick the Kingmaker“, Omans „Warwick, the Kingmaker“ oder Kendalls „ Warwick the Kingmaker“, auf eine der schillernsten Persönlichkeiten der Rosenkriege, nämlich auf Richard Nevill, Earl of Warwick, als den „Kingmaker“ Bezug. Andererseits steht auch der Einfluss der Londoner Bevölkerung mit ihrem Bürgermeister und dessen Ältestenrat für einige Forscher außer Frage.

Welche genauen Umstände nun zu dieser doch eher ungewöhnlichen Maßnahme der Ausrufung eines neuen Königs führten, sollen hier näher beleuchtet werden.

Hierfür bietet es sich an, die Rahmenbedingungen für Edwards fast ungebrochenen Aufstieg bis zu seiner Ausrufung am 4. März 1461 zum englischen König zu untersuchen. Als Meilensteine seines Aufstiegs zur Macht gelten unter anderem sein gelungener Feldzug in den Welsh Marshes, der in der Schlacht bei Mortimer´s Cross (2. oder 3. Februar 1461) gipfelte, sowie der hart umkämpfte Einzug in London, trotz der verlorenen 2. Schlacht von St. Albans, und schließlich seine Ernennung zum König und die kurznachfolgende Verteidigung seines Throns in der Schlachten bei der Ferrybridge (28. März 1461) und in Towton und Saxton (29. März 1461).

Act of Accord und die Schlacht von Wakefield

Seit der Schlacht von Northampton am 10. Juli 1460 war König Henry VI unter der Kontrolle der Yorkisten[2], die unter seinem Banner für ihn regierten und England somit unter Kontrolle hatten. Am 7. Oktober desselben Jahres versammelte sich das gesamte Parlament wieder in Westminster, um formale Maßregelungen zu treffen, die rebellischen Lords als königstreu und die Rebellion als rechtmäßig zu bestätigen.

Nur drei Tage später erreichte Richard of York, der ohne Wissen seiner Verbündeten nach England zurückgekehrt war, die Westminster Hall, um mit der Hand auf dem Thron vor dem versammelten Parlament seine Besitzansprüche auf die englische Krone zu erheben[3]. Statt der erhofften Zustimmung erntete diese Geste jedoch nichts als peinliche Stille. Was zur Folge hatte, dass Richard am 16. Oktober formal den Thron beanspruchte und als Legitimation seines Anspruchs seine Abstammung von Lionel of Clarence, dem älteren Bruder John of Gaunts und Urgroßvaters Henrys des VI nachwies. Da die Lords jedoch kaum ihren König aufgeben wollten und somit hätten zugeben müssen, eines eminenten Verfahrensfehlers wegen den Treueid einem unrechtmäßigen König geleistet zu haben und dann noch einen gültigen Eid brechen zu müssen, um diesen Fehler zu berichtigen, einigte man sich auf einen Kompromiss. Solange das natürliche Leben von König Henry andauern würde, sollte er die Krone behalten, die dann nach seinem Tod auf Richard of York und seine Nachkommenschaft übergehen würde. Der König willigte ebenso wie Richard of York ein und so wurde der Act of Accord am 24. Oktober formal ratifiziert[4].

Trotz dieser formalen Urkunde erkannte man aber in vielen Teilen Englands, in Wales, Devon, Hereford und Shropshire, die von York geführte und durch König Henry VI repräsentierte Regierung nicht an. Nach Gregory´s Chronicle[5] sammelten sich im Frühdezember die königstreuen Truppen um Königin Margaret in Hull. Sie wurde unterstützt vom Duke of Exeter, dem Earl of Northumberland und den Lords Roos, Clifford, Nevill und Dacre. Diese Heerschau überraschte die Yorkisten völlig, sodass Richard of York, sein Sohn, Edmund of Rutland und der Earl of Salisbury überstürzt nach Norden zogen, während der Earl of Warwick und der Duke of Norfolk hinter London in gesicherter Stellung blieben. Edward of March erhielt sein erstes Kommando und zog nach Westen in die Welsh Marches. Seine Aufgaben waren zum einen Truppenaushebungen in den von York kontrollierten Gebieten Wales´ und zum anderen die waliser Königstreuen unter Jasper Tudor, dem Earl of Pembroke zu zügeln.

Im Norden machte derweil sein Vater, Richard von York, seinen fatalsten und letzten Fehler. Am 30. Dezember verließ er mit seinen schlecht vorbereiteten Truppen den Schutz seiner Burg nahe Sandal und stellte sich der weitaus größeren Lancaster-Armee unter dem Kommando der Söhne seiner erbittertesten Gegner, Somerset, Northumberland und Clifford.

Ergebnisse von Wakefield und der Marsch der Königin Richtung London

Das Ergebnis der Schlacht von Wakefield war für die Yorkisten verheerend.

Richard of York, sowie sein Sohn, Edmund of Rutland, und Thomas Nevill, ein jüngerer Sohn Salisburys starben auf dem Schlachtfeld. Der Earl of Salisbury selbst, ein enger Vertrauter Yorks, wurde kurz danach exekutiert. Die Köpfe Salisburys und Yorks wurden vor den Stadttoren von York aufgepflanzt und zusätzlich setzte man dem Kopf Yorks eine Papierkrone auf[6], um ihn der Lächerlichkeit preiszugeben, während die siegreiche Armee der Königin nun Richtung Süden marschierte, um London einzunehmen und damit die Krone zurück zu erobern. Da jedoch ihre Armee zu großen Teilen aus Schotten und Söldnern aus dem Norden bestand, die sie zuvor mit Erlaubnis der schottischen Königin Mary hatte anwerben lassen[7], die Margaret aus Geldmangel nicht bezahlen konnte und denen als Entlohnung deshalb die Plünderung und Schleifung sämtlicher York-treuen Städte auf dem Weg, wie zum Beispiel Grantham und Stamford, gestattet war, ist ersichtlich, dass die Bevölkerung der zurückkehrenden Königin eher mit Angst und Ablehnung als mit Freude entgegenblickte. Aus dieser Sicht betrachtet, wird schnell klar, dass Königin Margaret einen schweren politischen Fehler beging, denn die Unterstützung der Volksmassen gegen die Yorkisten wäre zu allen Zeitpunkten sehr wichtig gewesen. Jedoch blieb ihr keine Wahl, da sie die Soldaten dringend benötigte, aber kaum Möglichkeiten hatte, sie angemessen zu besolden.

Die Propaganda der Yorkisten machte sich freilich einerseits diesen Fehler zunutze, indem den Menschen nur noch mehr Angst vor den wilden plündernden Barbaren aus dem Norden gemacht wurde und andererseits den schweren Rückschlag durch den Tod Richard of Yorks in einen Vorteil verwandelt wurde, in dem man Edward, die Rose von Rouen, als den Retter des Königreichs anpries[8], der England von der rücksichtslosen und ungeliebten Königin befreien würde.

Edwards Truppenbewegungen im Januar 1461 und die Schlacht bei Mortimer´s Cross

Edward selbst erfuhr erst Anfang 1461 von den schlechten Nachrichten, dem Tode seines Vaters, der ihm zum Duke of York machte, und Bruders und zog sofort von Gloucester, wo er Weihnachten verbracht hatte[9], Richtung London, um als erster die Hauptstadt für sich zu gewinnen und möglicherweise auch den Anschein zu erwecken, London vor der königlichen Armee und deren Plünderungen zu schützen. Unter seinen hauptsächlich walisischen Soldaten befanden sich unter anderem Sir Walter Devereux, der ehemalige Berater seines Vaters, Sir William Herbert of Reglan, Sir Richard Herbert, Williams Bruder, John Tuchet, Lord Audley, Reginald, Lord Grey of Wilton in Herefordshire und der spätere Earl of Devon, Humphrey Stafford of Southwick.

Doch dann trafen Nachrichten von einer bevorstehenden Belagerung Herefords ein. Jasper Tudor, Earl of Pembroke war mit einem Heer von französischen, bretonischen und irischen Söldnern[10] unter James Butler, Earl of Wiltshire unbemerkt wieder auf die Insel zurückgekehrt und wollte nun mit walisischer Unterstützung Hereford einnehmen, was alle Erfolge des jungen Edward im Westen Englands und in Wales zunichte gemacht hätte. Also brach er den Marsch nach London ab und überlies vorerst den Truppen von Warwick die Verteidigung gegen die königliche Armee, um sich in einem Eilmarsch nach Norden zu wenden und das feindliche Heer vor Hereford nach der Überquerung des Flusses Lugg abzufangen.

Am 2. oder 3. Februar 1461 kam es dann in der Nähe von Wigmore Castle bei Mortimer´s Cross zu der entscheidenden Begegnung. Am Morgen dieses etwas diesigen Tages erschienen drei Sonnen am Firmament vor dem Yorkisten-Heer[11], ein meteorologisches Phänomen, dass ähnlich einer Fata Morgana und physikalisch genauso zu erklären ist. Der christlich gläubige Edward fiel auf die Knie und interpretierte diese „heilige Dreifaltigkeit“ als göttliches Vorzeichen für seinen Sieg in der Schlacht.

Die Tudor-Armee, die sich in drei Teile gespalten hatte, was äußerst zeitaufwendig war, da ein Teil erst ein hügeliges Stück des Feldes erklimmen musste, griff zuerst an und errang große Erfolge vor allem auf der linken Flanke, obwohl die Truppen immer noch leicht desorganisiert und zuerst zögerten, da die Teilung des Heeres für einige Verwirrung gesorgt hatte. Doch diese scheinbaren Erfolge waren von den Yorkisten nur dazu gedacht, das Heer durch eine breitere Schlachtlinie angreifbarer zu machen. Michael D. Miller schlussfolgert in seinem Buch „Wars of the Roses“ danach, dass Edward die Verwirrung des Feindes ausnutzte und einen entschlossenen Angriff führte, der noch an Schlagkraft gewann, wenn man bedenkt, dass der 1,92 Meter große 19jährige (die meisten Männer dieser Zeit waren zwischen 1,60 und 1,65m)[12] an der Spitze einer Angriffswelle wohl den meisten feindlichen Soldaten nicht nur gehörigen Respekt, sondern wahrscheinlich auch große Angst einjagte. So besiegte er den verbleibenden Rest des Tudor-Heeres, das nach Seehases und Oprotkowitz´ „die Rosenkriege – Das mörderische Ende des Hauses Plantagenet“ insgesamt Verluste von bis zu 3000 Mann zu beklagen hatte.

[...]


[1] Vgl. ROSS, The Wars of the Roses, S.43.

[2] Vgl. SEEHASE & OPROTKOWITZ, Die Rosenkriege, S. 49.

[3] Vgl. in ENGLISH HISTORICAL DOCUMENTS IV, Art. 161, S. 283.

[4] auch „Act of Settlement“ nach J.D.SADDLER, http://historynet.com/magazines/military_history/3038431.html?page=1&c=y.

[5] Vgl. in ENGLISH HISTORICAL DOCUMENTS IV, Art. 162, S. 285.

[6] Vgl. ROSS, Edward IV, S. 30.

[7] Vgl. MILLER, Wars of the Roses, Chapter 54.

[8] Vgl. ROSS, Edward IV, S. 31.

[9] Vgl. ROSS, Edward IV, S. 31.

[10] Vgl. SEEHASE & OPROTKOWITZ, Die Rosenkriege, S. 50.

[11] Vgl. MILLER, Wars of the Roses, Chapter 53.

[12] Vgl. MILLER, Wars of the Roses, Chapter 53.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Sieg Edward IV. über Henry VI. sowie seine Gemahlin Königin Margaret und seine Ausrufung zum König
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Englang im Zeitalter der Rosenkriege
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V147078
ISBN (eBook)
9783640571277
ISBN (Buch)
9783640570980
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rosenkriege, englische Geschichte, Edward IV., Mittelalter, England, Henry VI., englische Könige, Lancaster, York
Arbeit zitieren
Roxana Romahn (Autor), 2007, Der Sieg Edward IV. über Henry VI. sowie seine Gemahlin Königin Margaret und seine Ausrufung zum König, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147078

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