Tatsächlich wurde der Film nicht immer als Kunstform angesehen. Einen großen Beitrag zu dessen Aufwertung brachte die Einführung der Montage, die es ermöglichte verschiedene Szenen aneinander zureihen. Mit Montage ist der Schnitt gemeint, welcher auch als Editing bezeichnet wird. Wie wichtig die Montage für den Film ist, kann man klar am ‚Kuleshov-Effekt’ erkennen. Dieser besagt, dass es nicht so wichtig sei, aus welcher Perspektive eine
Szene aufgenommen wird, sondern wie sie montiert wird. Die Montage hat sich mit dem Schnitttisch rasch entwickelt und bietet heute durch das digitale Kino und die Computertechnik grenzenlose Möglichkeiten. Doch nicht nur die Art der Montage ist wichtig für die Wirkung eines Films. Komponenten wie die Kameraeinstellungen, der Ton und die Gesamtwirkung des Films, um nur einige zu nennen, leisten ihren eigenen Beitrag zur Wirkung des Films.
In diesem Zusammenhang lag das Hauptaugenmerk des Seminars auf der Analyse von Fahrsequenzen und deren Wirkung im Film. Da die Perzeption im Film primär subjektiver Natur ist, werden bei der Analyse gleichzeitig immer psychologische und philosophische Fragen aufgeworfen. Um die Wirkung von Fahrtsequenzen zu analysieren, habe ich den Film ‚Gamer’ ausgewählt, da dieser unter anderem auch eine sehr hohe Schnittgeschwindigkeit aufweist. Aufgrund der hohen Anzahl der Schnitte, besonders in der ersten der drei zu analysierenden Fahrtszenen, habe ich in dieser Arbeit darauf verzichtet auf jede einzelne Kameraperspektive einzugehen, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Zudem werde ich mich in diese Hausarbeit hauptsächlich auf die Aspekte der Montage und der Umgebung beziehen.
Dafür werde ich bei der Analyse der insgesamt drei Fahrtsequenzen des Films auf folgende drei Fragenstellungen eingehen. Die erste und grundsätzliche Frage wäre, ob und wenn, welche Rolle die Fahrtsequenzen innerhalb des Kontextes spielen?
Zusätzlich hat die Welt eine politische und technologische Revolution erlebt. Die heutige Montage hat dazu geführt, dass Bildwechsel tendenziell immer schneller werden, auch wenn eine leichte Umkehr zu erkennen sei. Wie wirkt sich das auf die Geschwindigkeit der Montage in den Fahrtszenen aus?
Zudem drücken Umgebungen in Filmen immer eine symbolische Bedeutung aus. Die dritte Frage bezieht sich also auf die Beschaffenheit der Außenwelt in den Fahrtsequenzen und welche Bedeutung ihr zukommt?
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Wichtige Aspekte
2.1 Montage
2.2 Bewegungen im Film
2.3 Durchschnittliche Einstellungslänge
2.4 Landschaften
3.0 Der Film ‚Gamer’
3.1 Informationen zum Film
3.2 Abriss der Handlung bis zur ersten Fahrt
4.0 Erste Fahrtsequenz: Die Flucht
4.1 Beschreibung der Szene
4.2 Analyse der Szene
5.0 Zweite Fahrtsequenz: Fahrt ins Ungewisse
5.1 Beschreibung der Szene
5.2 Analyse der Szene
6.0 Dritte Fahrtsequenz : Freie Fahrt
6.1 Beschreibung der Szene
6.2 Analyse der Szene
7.0 Fazit
8.0 Erklärung
9.0 Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Montagegeschwindigkeit anhand von drei ausgewählten Fahrtsequenzen des Actionfilms "Gamer", um deren erzählerische Funktion sowie die Wirkung auf den Zuschauer im Kontext transitorischer Szenen zu analysieren.
- Analyse der Filmmontage und Schnittgeschwindigkeit
- Untersuchung transitorischer Szenen (Übergangsszenen)
- Symbolik von Landschaften und Umgebung im Film
- Einfluss technischer Innovationen auf die Filmästhetik
- Wahrnehmung von Raum und Geschwindigkeit durch den Zuschauer
Auszug aus dem Buch
4.1 Beschreibung der Szene
Die Szene beginnt etwa bei der 45,11ten Minute. Kabel tritt auf das Gaspedal und fährt los. Schüsse prallen auf das Heck des Autos. Man sieht zwei parallel ablaufende Handlungen. Den in Rage versetzten Gamer und im Hintergrund auf dem Wandbildschirm Kabel, der das Auto hektisch durch die Tiefgarage steuert. Schon an dieser Szene ist zu erkennen, wie wichtig das Editing für den Film ist. Denn jedes einzelne dieser Bilder hätte nicht die gleiche Wirkung wie das hier. Nach einer Kurve springt einer seiner Verfolger auf den Pickup nahe der Fahrertür. Kabel lenkt mit der rechten Hand das Auto und verteidigt sich mit der linken. Zwischenzeitlich ist ab und an eine farbliche, lineare Bildstörung zu sehen, als würde die Verbindung gestört sein. Die Fahrt wird auch von zwei kleineren Unfällen mit parkenden Autos nicht unterbrochen. Kabel schüttelt den Verfolger von der Fahrerseite ab, indem er ihn an der Auffahrt des Parkhauses gegen einen Pfeiler prallen lässt.
Die Flucht wird in einem Tunnel aus Containern fortgesetzt. Es ist hell. Als Kabel den Tunnel verlässt, sieht man überall brennende Häuser und Autowracks. Es sieht aus wie in einem Bürgerkriegsszenario. Wieder sind der Gamer und Kabel gleichzeitig zu sehen, wobei das Auto von Kabel aus der Vogelperspektive zu sehen ist. Ständig sind während der Fahrt zahlreiche Schnitte und wandelnde Einstellungen zu sehen. Neben Kabels Seitenfenster fliegt nun leicht erhöht eine Kamera, getarnt als Kugel, mit, die den beiden mitteilt, dass dieser Bereich Sperrgebiet sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung vermittelt einen Überblick über die historische Entwicklung des Kinos sowie die Bedeutung der Montage als künstlerisches Gestaltungsmittel.
2.0 Wichtige Aspekte: In diesem Kapitel werden grundlegende filmtheoretische Begriffe wie Montage, Bewegungsformen, Einstellungslängen und die Symbolik von Landschaften erläutert.
3.0 Der Film ‚Gamer’: Das Kapitel bietet Informationen über den Film "Gamer", die technische Produktion mittels RED-Kamera sowie einen Abriss der narrativen Handlung.
4.0 Erste Fahrtsequenz: Die Flucht: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung und Analyse der ersten, hochgradig hektischen Fluchtsequenz und deren Schnittrhythmus.
5.0 Zweite Fahrtsequenz: Fahrt ins Ungewisse: Das Kapitel untersucht die zweite Fahrtsequenz, die als Übergang zu neuen Handlungssträngen und Charakteren fungiert.
6.0 Dritte Fahrtsequenz : Freie Fahrt: Die Analyse der abschließenden Fahrtsequenz beleuchtet die kontrastierende, langsamere Montage und deren symbolische Bedeutung für das Ende der Geschichte.
7.0 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse hinsichtlich der Montage als Stilmittel zusammen und bewertet die Rolle transitorischer Szenen für den Handlungsfluss.
8.0 Erklärung: Die Versicherung der eigenständigen Anfertigung der Arbeit.
9.0 Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Online-Ressourcen.
Schlüsselwörter
Filmmontage, Gamer, Schnittgeschwindigkeit, transitorische Szenen, Actionfilm, Filmtheorie, Fahrsequenzen, Ego-Shooter, Kameraeinstellungen, digitale Filmästhetik, Zuschauerwahrnehmung, narrative Struktur, RED-Kamera, Subjektive Kamera, Filmgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Gestaltung der Montage in spezifischen Fahrszenen des Films "Gamer".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Filmmontage, die Wirkung von Schnittfolgen, die Funktion transitorischer Szenen sowie die Bedeutung von Bildkomposition und Umgebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Schnittgeschwindigkeit die Handlung unterstützt und die psychologische Wirkung auf den Zuschauer gesteuert wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch die Berechnung der durchschnittlichen Einstellungslänge (DEL) und die Untersuchung spezifischer Kameraeinstellungen untermauert wird.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von drei konkreten Fahrtsequenzen hinsichtlich ihrer Montage, Bildsprache und ihrer Bedeutung innerhalb der Filmhandlung.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Filmmontage, Schnittfrequenz, transitorische Szenen, Kameraführung, Action-Kino, symbolische Raumdarstellung.
Wie unterscheidet sich die Montage der dritten Fahrtsequenz von den anderen beiden?
Die dritte Sequenz ist deutlich langsamer geschnitten, was als Ausdruck innerer Zufriedenheit und zum Ausklingen der Spannung gedeutet wird.
Welche Rolle spielen die "Humanz" im Filmkontext?
Die Untergrundgruppe "Humanz" dient als erzählerisches Element, das den Protagonisten Kabel unterstützt und die Kritik an der manipulativen Spielwelt repräsentiert.
- Arbeit zitieren
- Oliver Schein (Autor:in), 2010, Analyse der Montagegeschwindigkeit anhand der Fahrtsequenzen aus dem Film ‚Gamer’, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147081