Die Thematik dieser Arbeit lautet: Unterrichtsgespräche im Deutschunterricht. Grundlegend stellt das Unterrichtsgespräch eine sehr vielseitige Lehrform dar. So kann es nicht nur als Einstiegsphase in Form einer Hinführung zum Thema, sondern auch zur Problemdiskussion während der Erarbeitungsphase dienen. Von weiterem Nutzen ist es bei der Ergebnissicherung als Auswertung von Aufgabenstellungen. So kann sich der Lehrer anhand des Unterrichtsgespräches nicht nur ein Bild über den Wissensstand der Klasse machen.
Der Lehrer sollte dabei eine dirigierende Funktion einnehmen und die Schüler ebenso zu längeren und umfassenden Gesprächsbeiträgen animieren können. Zumeist scheitert das Zustandekommen eines fruchtbaren Unterrichtsgesprächs bereits an den Fragestellungen des Lehrers. Wie ich während meines Praktikums an einer Regelschule beobachten konnte, wurden im Deutschunterricht überwiegend Suggestiv-, anstatt offener Fragen gestellt. Es handelte sich daher eher um ein sporadisches Abfragen als um ein Unterrichtsgespräch mit hohem Gesprächsanteil seitens der Schüler.
Dabei weist der Deutschunterricht doch viel mehr Möglichkeiten für ein offenes Unterrichtsgespräch auf. Oftmals bieten die Unterrichtsgegenstände des Deutschunterrichts einen hohen Interpretationsspielraum, der mannigfaltige Diskussionsansätze böte. Gerade voneinander abweichende oder gar kontroverse Leseeindrücke behandelter literarischer Werke könnten sogar ein Schüler-Schüler-Gespräch anregen.
In dieser Arbeit sollen die idealtypische Form eines Unterrichtsgesprächs sowie einzelne Methoden vorgestellt und erläutert werden. In Hinblick auf diesen Idealtypus wird im Weiteren ein praktiziertes Unterrichtsgespräch analysiert, welches ich innerhalb des Blockpraktikums beobachten konnte. Jenes Unterrichtsgespräch soll in Form eines Protokollausschnittes näher veranschaulicht werden.
Anhand dieses Exempels soll gezeigt werden, dass die Lehrform des Unterrichtsgespräches ihr Potenzial im Deutschunterricht nicht voll ausschöpft und ihr Ziel der „Herausbildung kommunikativer Handlungsfähigkeiten und –fertigkeiten“ verfehlt hat. Schließlich soll von den Schülern eine angemessene und verantwortungsvolle Gesprächsführung erlernt und trainiert werden, um diese auf das spätere Berufsleben vorzubereiten.
Inhalt
1. Einleitung
2. Das idealtypische Unterrichtsgespräch und seine Varianten
3. Das praktizierte Unterrichtsgespräch im Deutschunterricht
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Diskrepanz zwischen der theoretisch idealen Gestaltung von Unterrichtsgesprächen im Deutschunterricht und der in der Schulpraxis beobachteten Durchführung, um Potenziale zur Förderung kommunikativer Kompetenzen aufzuzeigen.
- Grundlagen und Varianten des idealtypischen Unterrichtsgesprächs
- Analyse der Lehrer-Schüler-Interaktion in der Unterrichtspraxis
- Kritik an suggestiven Fragetechniken und lehrerzentrierten Gesprächsführungen
- Strategien zur Förderung schülerzentrierter Diskussionsformen
- Bedeutung der Gesprächserziehung im Kontext des Deutschunterrichts
Auszug aus dem Buch
Dokumentation der Beobachtung:
L leitet L-S-G über die Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ ein, S sollen sich Notizen machen (unbekannte Wörter sollen markiert u. zu Hause nachgeschlagen werden: Wir behandeln heute nur grob den Inhalt.)
Wie weit geht eurer Meinung nach die Einleitung?
Was erfahren wir in der Einleitung?
Was ist das für ein Mann, der umgebracht wird? Steht in der Überschrift!
L fasst knapp den Inhalt zusammen: Ibykus, ein Künstler, der zu einem Wettbewerb möchte.
L lenkt Aufmerksamkeit der S auf 5. Strophe. Wofür war Kunst u. Kultur in der Zeit wichtig? Ergänzt: Kunst war ein Medium, durch welches Nachrichten vermittelt wurden.
L fasst zusammen: -anonymer Mörder -tötet Künstler Ibykus (Mord an Dichter) -Kraniche als Zeugen
Wie lang ist der Mittelteil? Ab wann kommt etwas Neues hinzu? Ergänzt: Dies ist der 1. Teil der Handlung. Der Chor tritt von der 13. bis zur 18. Strophe auf. Der 2. Teil wird von Strophe 19 bis 23 dargestellt.
Wo liegt der Höhepunkt zwischen der 19. u. 23. Strophe?
L berichtigt: Die 21. u 22. Strophe bilden den Höhepunkt mit der Entlarvung des Mörders. Strophe 20 dient als Vorbereitung u Strophe 23 als Konfliktlösung, der Mörder wird gefasst.
L wiederholt die wichtigsten Punkte
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt ihre Beobachtungen aus dem Blockpraktikum dar und formuliert das Ziel, die Diskrepanz zwischen theoretischem Potenzial und tatsächlicher Umsetzung von Unterrichtsgesprächen aufzuzeigen.
2. Das idealtypische Unterrichtsgespräch und seine Varianten: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen einer schülerzentrierten Diskussion, notwendige Rahmenbedingungen und stellt verschiedene Formen wie das gelenkte oder sokratische Gespräch vor.
3. Das praktizierte Unterrichtsgespräch im Deutschunterricht: Anhand eines Protokollausschnitts aus einer zehnten Klasse wird aufgezeigt, wie durch suggestive Fragestellungen und mangelnde Schülerbeteiligung das Potenzial für einen echten Dialog verfehlt wird.
4. Schluss: Die Autorin fasst zusammen, dass die Lehrpraxis oft hinter den didaktischen Ansprüchen zurückbleibt, und fordert eine Abkehr vom lehrerzentrierten „Ping-Pong-Spiel“ hin zu einer echten Gesprächserziehung.
Schlüsselwörter
Unterrichtsgespräch, Deutschunterricht, Didaktik, Lehrer-Schüler-Dialog, Kommunikation, Schülerzentrierung, Diskussionskultur, Gesprächsführung, Sprachkompetenz, Methodik, Gruppenpuzzle, Suggestivfragen, Frontalunterricht, Gesprächserziehung, Unterrichtsbeobachtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen der didaktisch geforderten Qualität von Unterrichtsgesprächen im Deutschunterricht und deren tatsächlicher Umsetzung in der schulischen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Formen des Unterrichtsgesprächs, die Rolle der Lehrkraft als Moderator sowie die Möglichkeiten und Hemmnisse einer schülerzentrierten Gesprächsführung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Lehrform des Unterrichtsgesprächs in der Praxis ihr Potenzial zur Förderung kommunikativer Fähigkeiten häufig nicht ausschöpft.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse zum idealen Unterrichtsgespräch und einer empirischen Fallbeobachtung während eines Blockpraktikums, dokumentiert durch einen Protokollausschnitt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des theoretischen Idealtypus inklusive seiner Varianten sowie die kritische Analyse eines konkreten Unterrichtsbeispiels im Fach Deutsch.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Gesprächsführung, Schüleraktivierung, didaktisches Potenzial, kommunikative Handlungsfähigkeit und Moderationsrolle.
Warum kritisieren Sie die Fragetechnik im analysierten Beispiel?
Die Kritik richtet sich gegen den Einsatz von suggestiven Fragen und das sporadische Abfragen, da diese Formen das Ziel eines offenen Diskurses und eigenständigen Denkens der Schüler unterbinden.
Welchen konkreten Verbesserungsvorschlag machen Sie für die Praxis?
Die Autorin schlägt vor, Methoden wie das Gruppenpuzzle zu nutzen, um die Schüler aktiver einzubinden und ein offeneres, schülerzentriertes Gesprächsklima zu schaffen.
- Quote paper
- Rebecca Tille (Author), 2009, Das Unterrichtsgespräch im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147084