Flussers Theorien über das Telefon von 1991 in einem aktuellen Kontext betrachtet


Essay, 2007

4 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Flussers Theorien über das Telefon von 1991 in einem aktuellen Kontext betrachtet

Ungeachtet wem man die eigentliche Erfindung des Telefons zuschreibt, sei es nun Alexander Gra- ham Bell, Philipp Reis oder Antonio Meucci, lässt sich feststellen dass der Fernsprecher einen im- mensen Fortschritt im Bereich des Kommunikationsaustauschs dargestellt hat. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Apparate entwickelt und haben sich bis heute zu einem der wich- tigsten dialogischen Medien entwickelt. 2005 nannten über 95% der deutschen Haushalte ein Tele- fon ihr Eigen.[1] Damit liegt es noch weit vor dem Computer bzw. Laptop die lediglich knapp 70% Verbreitungsgrad in den Haushalten Deutschlands aufweisen. 1991 widmete sich Vilém Flusser die- sem, wie er selbst sagt bislang wenig erforschten Medium, in seiner Phänomenologie. Technik und Gesellschaft haben sich seither stark verändert und daher soll im Folgenden seine Abhandlung über den Telefonapparat mit aktuellen Entwicklungen in Verbindung gebracht und verglichen werden. Flusser spricht dem Telefon gleich zu Beginn einen archaischen Charakter zu, den es im Vergleich zu anderen diskursiven Medien beibehalten hat. Tatsächlich hat sich am Prinzip des Vorgangs nichts verändert. Man spricht als Anrufer in eine Apparatur, der Ton wird übertragen und aus dem Gerät des Angerufenen ertönt die Stimme. Lediglich der Übertragungsvorgang wurde mit der Zeit immer weiter automatisiert. Telefone ermöglichen Dialog, und dieser steht nach Flusser für Freiheit. Da das Telefonnetz jedoch archaisch ist folgert er, dass sich die meisten Staaten nicht sehr um die Freiheit ihrer Bürger kümmern. Heute kann man diese These so nicht mehr gelten lassen, da das Telefon- netz in vielen Ländern privatisiert wurde. In Deutschland beispielsweise ist die Deutsche Telekom dafür verantwortlich und bestrebt ihren Kunden gute Sprachqualität zu ermöglichen. Techniken wie Glasfaser, ISDN, DSL, VDSL, UMTS oder Mobilfunk waren 1991 noch gar nicht oder nicht hinreichend erforscht, heute jedoch sind diese Techniken im Einsatz und lassen das Netz zumindest technisch nicht mehr archaisch erscheinen. Flusser weist darauf hin dass man, wenn man den Fernsprecher untersuchen möchte, sich ihm von zwei Seiten nähern muss – als Anrufer und Angerufener. Entwe- der „(...) ist das Telefon ein stummes und passives Werkzeug, das geduldig darauf wartet, benutzt zu werden (...)“ oder ein „(...) hysterisch plärrender Wildfang, dem man auf der Stelle seinen Willen lassen muß, um ihn zum Schweigen zu bringen.“[2] Die Folge ist der Wunsch nach einem Gerät „(...) das anruft, ohne angerufen werden zu können.“[3] Heutzutage ist dieser Wunsch in Erfüllung gegan- gen. Anrufbeantworter, Mailbox und die Stumm- bzw. Abschaltung des Telefons oder Handys ermög- lichen die Kontaktverweigerung. Dadurch besteht jedoch eine große Gefahr für die Freiheit. Denn wenn nur noch Anrufe getätigt und nicht mehr angenommen werden, kann das Netz logischerweise nicht mehr funktionieren. Es kommt kein Dialog mehr zustande und somit keine Freiheit. Flusser konstatiert: „[O]hne Verantwortung gibt es keine Freiheit.“[4] Der Sinn des Telefons und der Grund des Anrufers eine dialogische Kommunikation herzustellen, würde ins Leere laufen.

[...]


[1] Statistisches Bundesamt Deutschland (2006)

[2] Flusser, Vilém (1993): S. 184

[3] Ebd.: S. 184

[4] Ebd.: S. 184

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Flussers Theorien über das Telefon von 1991 in einem aktuellen Kontext betrachtet
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Veranstaltung
Mediengeschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
4
Katalognummer
V147094
ISBN (eBook)
9783640593316
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
telefon, flusser, villem flusser, 1991, medientheorie, mediengeschichte, kommunikation, dialog, zweiwertig, code, zirkulär, vilém flusser, telefonapparat, mobiltelefon, öffentlich, privat, anrufer, angerufener, kybernetische gesellschaft
Arbeit zitieren
Markus Stegmann (Autor), 2007, Flussers Theorien über das Telefon von 1991 in einem aktuellen Kontext betrachtet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147094

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