Farbe und Vignettierung im Stummfilm am Beispiel von "Intolerance"


Essay, 2007

4 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1 Farbe im Stummfilm

Nicht lange nach den ersten Filmaufführungen 1895 brachten die Produzenten bereits die Farbe ins Spiel der Darsteller. Je nach Quelle wird das Jahr des ersten eingefärbten Films mit 1895 (Annabelle´s Dance, Edison Kinetoscope Company) bzw. 1896-97 (Les Dernières Cartouches, Geor- ges Hatot) angegeben.

Diese Werke waren noch per Hand koloriert worden, indem jedes einzelne Bild mit einem feinen Pinsel bestrichen wurde (hand coloring). Problematisch ist es bei dieser frühen Färbetechnik, den Pinselstrich den Bewegungen der Schauspieler auf dem Bild anzupassen, sowie die Form und die Intensität desselben konstant zu halten. Die aufwendige Arbeit war entsprechend teuer, und konn- te nur in bedingtem Maße die Anforderungen und die Nachfrage des Marktes bedienen. Die Hand- kolorierung wurde daher ab etwa 1906 von einem mechanischen System abgelöst.

Bei der Kolorierung per Schablone (stencil coloring) wird zunächst eine Vorlage für jede Farbe aus- geschnitten. In einem zweiten Schritt wird diese, zusammen mit dem Filmstreifen, in eine Maschine eingepasst, in der die Farbe automatisch auf das Positiv aufgebracht wird. Für einen Film wurden etwa drei bis sechs Schablonen benötigt. Durch diese Innovation war es möglich, mehr Kopien in besserer Qualität zu einem günstigeren Preis herzustellen.[1]Oft in Kombination mit anderen Techni- ken wurde dieses System bis in die 20er Jahre angewandt.

Eine weitere Innovation erprobte Gaumont bereits um 1905 in einem namenlosen Film. Das Tinting bezeichnet ein Verfahren bei dem die Farbe ganzflächig auf das Bild aufgebracht wird. Dies ge- schieht je nach Maschine auf unterschiedliche Weise, beispielsweise durch Tanks oder vertikale Röhren. Unter einigem Aufwand können sogar Verläufe von einer zur andere Farbe erreicht werden. Noch mehr Farbvariationen ermöglichte im Verlauf der Entwicklungen das sogenannte Toning. Hier- bei wird der Film in ein chemisches Bad eingebracht, welches das Silber in der Filmemulsion durch eine Farbe, in Form von koloriertem metallenem Salz, ersetzt.[2] Dies hat zur Folge, dass nur die dunkleren Stellen des Films eingefärbt werden, die hellen jedoch transparent bleiben und im Film somit weiß erscheinen. Das Originalbild muss also extrem scharf sein, da jede Unschärfe das Er- gebnis gefährdet. Tinting und Toning erlaubten folglich keine partiellen Einfärbungen mehr, wie sie bei Hand- oder Schablonenkolorierungen üblich waren. Von 1908 bis 1925 wurde der Großteil der Filme mit den Techniken Tinting und Toning bzw. in Kombinationen gefärbt. Hochrechnungen von erhaltenen Filmkopien ergeben, dass ca. 85% der Stummfilme eine dieser Techniken verwendeten.[3]

Auch die Originalkopie von Griffiths Intolerance wurde durch eine Kombination von Tinting und

Toning eingefärbt.[4]

[...]

[1] Vgl. Usai, Paolo Cherchi; (2000): S. 22

[2] Vgl. Usai, Paolo Cherchi; (1996): S. 26

[3] Vgl. Usai, Paolo Cherchi; (2000): S. 23

[4] Vgl. Berthold, Margot (1987): S. 74

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Farbe und Vignettierung im Stummfilm am Beispiel von "Intolerance"
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Veranstaltung
Filmgeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
4
Katalognummer
V147097
ISBN (eBook)
9783640595112
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stummfilm, intolerance, farbe, vignettierung, filmgeschichte, pov, point-of-view, technicolor, gaumont, kolorierung, schablone, colorierung, tinting, toning, 1916, David Wark Griffith, D. W. Griffith, filmwissenschaft, filmanalyse
Arbeit zitieren
Markus Stegmann (Autor), 2007, Farbe und Vignettierung im Stummfilm am Beispiel von "Intolerance", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147097

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