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Kulinarischer Habitus als symbolisches Kapital sozialer Gruppen

Title: Kulinarischer Habitus als symbolisches Kapital sozialer Gruppen

Seminar Paper , 1999 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Dahm (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit widmet sich der Frage, ob es ein spezifisches Ernährungsverhalten innerhalb sozialer Gruppen gibt. Existieren also verschiedene Speisevorlieben und Mahlzeitrituale in den verschiedenen sozialen Gruppen? In der Volkskunde wird die Symbolbedeutung von Nahrungsmitteln und Mahlzeiten nur am Rande behandelt, da es sich hierbei eher um ein soziologisches Thema handelt. Trotzdem verkennt man die Problematik nicht. So beschreibt Martin Scharfe den Zweck der Nahrungsforschung folgendermaßen: „Das wissenschaftliche Hauptziel besteht in der Erkenntnis der sozialen Rolle und aller sozialen Vermittlungen der Nahrung (...)“ (Scharfe 1986, S. 16).
Im folgenden will ich versuchen, diese Fragen zu beantworten. Zunächst stelle ich Beiträge und Kommentare verschiedener Volkskundler, Ethnologen und Ethnographen zusammen, die sich auf diese Thematik, den kulinarischen Habitus als symbolisches Kapital sozialer Gruppen, beziehen (Kapitel 1). Das zweite Kapitel sollte dann einen kurzen historischen Überblick über Nahrungsgewohnheiten sozialer Klassen oder Schichten geben. Problematisch war hier allerdings die Einseitigkeit der Schilderungen zugunsten unterer Sozialschichten mit dem zusätzlichen Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert. Trotzdem lassen sich daran ausreichend Unterschiede und Entwicklungstendenzen festmachen.


Schließlich wird natürlich noch unsere heutige Zeit hinsichtlich dinstinktiver Eßgewohnheiten in Augenschein genommen. Einer der interessantesten Texte hierzu ist „Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“ von Pierre Bourdieu. Ein Analyseaspekt darin ist eben die Nahrung. Dieses Werk wird allerdings ausführlich von meiner Kommilitonin Julia Kühn bearbeitet. Bei mir werden sich deshalb eher Querverweise auf Bourdieu finden, besonders im dritten Kapitel. Eine Untersuchung von Utz Jeggle in der BRD der 80er Jahre dient hier vorzüglich als Gegenwartsanalyse gruppenspezifischer Ernährungsweisen, und sie läßt auch den Vergleich mit Bourdieus Untersuchung im Frankreich der 60er Jahre zu.


In der Schlußbetrachtung möchte ich noch eine kurze persönliche Einschätzung der Symbolbedeutung von Essen geben, wobei mir auch der Vergleich zweier Volksfeste, das Wilhelmstraßenfest in Wiesbaden und das Johannisfest in Mainz, helfen soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

1. SOZIALE DIFFERENZIERUNG IM ERNÄHRUNGSVERHALTEN

2. HISTORISCHER ÜBERBLICK

3. EßGEWOHNHEITEN IN HEUTIGER ZEIT

3.1. ZUR UNTERSUCHUNG UND METHODIK

3.2. ERGEBNISSE

3.3. REGIONALE UND SOZIALE GRENZLINIEN

4. SCHLUßBETRACHTUNG

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hypothese, ob und wie Ernährungsgewohnheiten und Mahlzeitrituale als symbolische Marker für die soziale Gruppenzugehörigkeit dienen. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich klassenspezifische Unterschiede im Nahrungskonsum durch historische Prozesse entwickelt haben und inwieweit diese in der heutigen Zeit zur sozialen Distinktion beitragen.

  • Verbindung von volkskundlicher Nahrungsforschung mit soziologischen Aspekten der sozialen Differenzierung.
  • Historische Analyse der Ernährung von Unterschichten im 19. Jahrhundert und deren Einfluss auf heutige Speisegewohnheiten.
  • Vergleich der Essgewohnheiten in verschiedenen sozialen Milieus (landwirtschaftlich, kleinbürgerlich, bürgerlich) basierend auf der Studie von Utz Jeggle.
  • Untersuchung der Nahrung als Mittel zur sozialen Abgrenzung und Identitätsstiftung.
  • Diskussion der Konzepte von Distinktion und Imitation in Bezug auf den kulinarischen Habitus.

Auszug aus dem Buch

3.1. Zur Untersuchung und Methodik

Basis der Untersuchung von Jeggle sind 1000 Wochenspeisepläne südwestdeutscher Haushalte. Das Interesse gilt den Regeln der Mahlzeit, nämlich der Zubereitung und Beschaffung der Nahrungsmittel, der Zusammenstellung und Tischgemeinschaft und -ordnung. Er geht davon aus, daß in der Mahlzeit vergangene Ereignisse eingelagert sind, die in jedem Eßvorgang aktualisiert und dadurch wiederholend als Regeln habitualisiert werden. Deshalb beleuchtet er bei der Untersuchung des Entstehungszusammenhangs der Mahlzeiten besonders 1. die Auswirkungen der Berufstätigkeit der Frau, 2. die Rolle des Regionalen und 3. den Zusammenhang zwischen Eßkultur und Schichtzugehörigkeit.

Der letzte Punkt deckt sich mit den Interessen von Bourdieu und soll im Zusammenhang dieser Arbeit im Zentrum stehen. Zur Methode läßt sich sagen, daß 50 Adressen nach folgenden regionalen Schwerpunkten ausgesucht wurden: 1. landwirtschaftlich orientierte Zone Oberschwabens, 2. von gewerblicher Struktur her gemischte Zone der Ostalb und 3. mit moderner Industrie ausgestatteter Raum Sindelfingen / Böblingen.

Die soziale Schicht- bzw. Lebensstilunterscheidung gliedert sich wie folgt: 1. landwirtschaftliche Haushalte, 2. kleinbürgerliche Haushalte (Angestellte, Arbeiter,...) und 3. bürgerliche Haushalte (Beamte, Ingenieure,...). Alle Interviewpartner waren Frauen. Im Fragebogen mußten Angaben zum Haushalt und zur ökonomischen Situation gemacht werden. Desweiteren wurde nach Zutaten, der Art der Zubereitung, der Situation der Mahlzeit, den Fragen des Geschmacks und des Schmeckens sowie einer „Philosophie des Essens“ gefragt (vgl. Jeggle 1988, S. 192-196).

Zusammenfassung der Kapitel

0. EINLEITUNG: Darstellung der Fragestellung bezüglich gruppenspezifischen Ernährungsverhaltens und der Verknüpfung von Volkskunde und Soziologie.

1. SOZIALE DIFFERENZIERUNG IM ERNÄHRUNGSVERHALTEN: Theoretische Auseinandersetzung mit der Symbolbedeutung von Nahrungsmitteln als Ausdruck gesellschaftlicher Normen und Milieuzugehörigkeit.

2. HISTORISCHER ÜBERBLICK: Analyse der Ernährungssituation und der Klassentypen des 19. Jahrhunderts mit Fokus auf den Übergang von Notwendigkeitskultur zu ersten Wandlungstendenzen.

3. EßGEWOHNHEITEN IN HEUTIGER ZEIT: Vorstellung der empirischen Studie von Utz Jeggle zur Bedeutung von Mahlzeitritualen in verschiedenen sozialen Schichten.

3.1. ZUR UNTERSUCHUNG UND METHODIK: Erläuterung des methodischen Vorgehens anhand von Wochenspeiseplänen und sozio-ökonomischen Kategorisierungen.

3.2. ERGEBNISSE: Gegenüberstellung der Esskulturen von Landwirten, Kleinbürgern und Bürgern unter besonderer Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Regelhaftigkeit.

3.3. REGIONALE UND SOZIALE GRENZLINIEN: Erkenntnis, dass Regionalküchen zunehmend von sozialen Milieus verdrängt werden und die Identität eher durch sozialen Stil definiert wird.

4. SCHLUßBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Nahrung als fortwährendes Distinktionsmittel trotz zunehmender Demokratisierung des Lebensmittelmarktes.

Schlüsselwörter

Kulinarischer Habitus, Nahrung, Soziale Schichtung, Essgewohnheiten, Symbolische Distinktion, Utz Jeggle, Pierre Bourdieu, Mahlzeitrituale, Konsumsoziologie, Volkskunde, Klassenverhältnisse, Ernährungsweise, Sozialer Stil, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob Ernährungsgewohnheiten und Mahlzeitrituale ein spezifisches Spiegelbild der sozialen Gruppenzugehörigkeit darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des Ernährungsverhaltens im 19. Jahrhundert, soziologische Theorien zur Distinktion und die moderne Gegenwartsanalyse der Esskultur.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Mechanismen der sozialen Segregation durch Ernährung aufzuzeigen und zu prüfen, inwiefern Essen als „symbolisches Kapital“ fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse volkskundlicher und soziologischer Quellen sowie die Auswertung empirischer Daten (Wochenspeisepläne) der Studie von Utz Jeggle.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Nahrungsgewohnheiten des 19. Jahrhunderts und eine detaillierte Gegenwartsanalyse verschiedener Milieus (landwirtschaftlich, kleinbürgerlich, bürgerlich).

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Kulinarischer Habitus, soziale Distinktion, Ernährungsverhalten und Mahlzeitrituale sind die prägenden Begriffe.

Wie unterscheidet sich laut der Studie das Essverhalten zwischen Landwirten und Bürgern?

Während bei Landwirten Tradition und materielle Notwendigkeit die Nahrungsauswahl dominieren, ist die bürgerliche Küche durch ästhetische Wahl, Exotik und Gesundheitsbewusstsein als Distinktionsmittel geprägt.

Welche Rolle spielen Volksfeste bei der Argumentation der Autorin?

Volksfeste wie das Wilhelmstraßenfest in Wiesbaden dienen als Fallbeispiele, um zu illustrieren, dass durch Preisgestaltung und Angebot eine soziale Selektion der Gäste stattfindet.

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Details

Title
Kulinarischer Habitus als symbolisches Kapital sozialer Gruppen
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut Kulturanthropologie Volkskunde)
Course
Nahrungsforschung
Grade
1,0
Author
Laura Dahm (Author)
Publication Year
1999
Pages
18
Catalog Number
V14710
ISBN (eBook)
9783638200301
ISBN (Book)
9783638777674
Language
German
Tags
Kulinarischer Habitus Kapital Gruppen Nahrungsforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Dahm (Author), 1999, Kulinarischer Habitus als symbolisches Kapital sozialer Gruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14710
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