Ausgehend von dem Modell des Geschichtsbewusstseins nach Hans-Jürgen Pandel soll die Dauerausstellung „BerlinZEIT“ im Märkischen Museum analysiert werden und dabei die Frage im Vordergrund stehen, inwiefern diese die Herausbildung eines Geschichtsbewusstseins unterstützt.
Um sich dieser Frage zu nähern, wird zunächst die Dauerausstellung „BerlinZEIT“ in ihren Grundzügen vorgestellt. Daraufhin wird der Begriff des Geschichtsbewusstseins geklärt und näher auf das von Hans-Jürgen Pandel entworfene Modell eingegangen, wobei die unterschiedlichen Dimensionen des Geschichtsbewusstseins charakterisiert werden. Es folgt die Analyse der Ausstellung, die zuerst in Hinblick auf das Historizitätsbewusstsein und danach in Hinblick auf das Identitätsbewusstsein erfolgt. Für diese Untersuchung wird exemplarisch eine fiktive Schüler*innengruppe herangezogen. Im Fazit wird ein abschließendes Resümee gezogen und die Frage beantwortet, inwiefern die Dauerausstellung das Geschichtsbewusstsein fördert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
1. Die Dauerausstellung „BerlinZEIT“
2. Geschichtsbewusstsein nach Pandel
3. Ausstellungsanalyse
3.1 Historizitätsbewusstsein
3.2 Identitätsbewusstsein
Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Dauerausstellung „BerlinZEIT“ im Märkischen Museum im Hinblick auf die geschichtsdidaktische Herausbildung eines fundierten Geschichtsbewusstseins bei Schülerinnen und Schülern unter Anwendung des Modells von Hans-Jürgen Pandel.
- Analyse der Dauerausstellung „BerlinZEIT“ als außerschulischer Lernort.
- Einführung in das Modell des Geschichtsbewusstseins nach Hans-Jürgen Pandel.
- Untersuchung des Historizitätsbewusstseins anhand konkreter Exponate.
- Evaluation des Identitätsbewusstseins durch narrative Elemente der Audioguide-Führung.
- Reflexion über die didaktische Bedeutung von Geschichtsbewusstsein im schulischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.1 Historizitätsbewusstsein
Wie bereits kurz angeschnitten wurde, bezeichnet das Historizitätsbewusstsein die Fähigkeit, Prozesshaftigkeit historischer Personen und Verhältnisse zu erkennen. Man findet an verschiedenen Punkten der Ausstellung Ansätze, die auf die Veränderlichkeit historischer Sachverhalte verweisen und somit zu der Entwicklung des Historizitätsbewusstseins der Besucher*innen beitragen. Das soll im Folgenden exemplarisch an einem Exponat verdeutlicht werden:
Eine fiktive Schüler*innengruppe, die die Dauerausstellung besucht, findet sich in Raum 11 vor einem in der Raummitte platziertem Wasserklosett wieder. Dieses Exponat ist mit einem Sensor versehen, der eine Erklärung durch eine Audioguide-Sequenz ermöglicht. Das übergeordnete Thema des Ausstellungsraumes ist das Jahr 1871 mit der Gründung des deutschen Kaiserreiches. Hauptsächlich wird das mit der Reichsgründung einhergehende Bevölkerungswachstum thematisiert, welches zwar zum Bau von Mietskasernen führte, jedoch mit den schlechten hygienischen Zuständen Berlins und der dadurch begünstigten Ausbreitung von Cholera und Typhus zu kämpfen hatte. Änderung verschaffte Rudolf Virchow, der den Bau eines Kanalisationssystems durchsetzte und damit neben neuen Krankenhäusern, Markthallen und zentralen Vieh- und Schlachthöfe die (hygienische-) Lebensqualität der Berliner*innen reformierte.
Unübersehbar im Zentrum des Ausstellungsraumes unterscheidet sich das Wasserklosett allein optisch stark von gegenwärtigen Toilettenschüsseln. Das mag vielleicht die offensichtlichste Veränderung für die Schüler*innen sein, jedoch verdeutlicht die Audioguide-Sequenz weitere, grundlegende Entwicklungsprozesse. Ein fiktiver Sprecher erzählt von seiner Wohnsituation mit 20 weiteren Mieter*innen in einer Wohnung, die ein Wasserklosett besitzt. Der Sprecher schildert außerdem seine hygienischen Bedingungen in seiner vorherigen Wohnung, die mit einem solchen Klosett noch nicht ausgestattet war und die Bewohner stattdessen auf einen Nachttopf oder einen Eimer angewiesen waren. Bei diesem kurzen Bericht wird bereits ein Entwicklungsprozess von Zeitpunkt x zu Zeitpunkt y innerhalb der Vergangenheit deutlich, die Zeit vor und nach der Einführung der Kanalisation.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung verortet das Museum als Lernort im geschichtsdidaktischen Kontext und formuliert die zentrale Fragestellung in Bezug auf das Modell von Pandel.
1. Die Dauerausstellung „BerlinZEIT“: Dieses Kapitel stellt die historische Genese sowie die methodische Ausrichtung der Ausstellung vor, inklusive der innovativen Nutzung von Audioguides und interaktiven Elementen.
2. Geschichtsbewusstsein nach Pandel: Es erfolgt eine theoretische Herleitung des Begriffs des Geschichtsbewusstseins und eine detaillierte Erläuterung der von Pandel postulierten Dimensionen.
3. Ausstellungsanalyse: Die praktische Untersuchung analysiert das Potenzial der Ausstellung bezüglich des Geschichtsbewusstseins.
3.1 Historizitätsbewusstsein: Anhand des Exponats des Wasserklosetts wird illustriert, wie historische Wandlungsprozesse und deren kausaler Zusammenhang für Lernende greifbar gemacht werden.
3.2 Identitätsbewusstsein: Die Analyse fokussiert auf die Ich-Erzählweise der Audioguide-Sequenzen und deren Beitrag zur Identifikation der Lernenden mit historischen Akteuren.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Eignung der Ausstellung als Medium zur Förderung historischen Denkens.
Schlüsselwörter
Geschichtsbewusstsein, Geschichtsdidaktik, BerlinZEIT, Märkisches Museum, Historizitätsbewusstsein, Identitätsbewusstsein, Hans-Jürgen Pandel, Museumspädagogik, Historisches Lernen, Audioguide, Berliner Geschichte, Politische Bildung, Empowerment, Schülerinnen und Schüler, Ausstellungsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Untersuchung analysiert, ob und wie die Dauerausstellung „BerlinZEIT“ dazu beiträgt, ein fundiertes Geschichtsbewusstsein bei Schülern und Schülerinnen zu entwickeln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die geschichtsdidaktische Theorie nach Hans-Jürgen Pandel und deren praktische Anwendung in der Museumspraxis, insbesondere die Vermittlung von Prozesshaftigkeit und Identifikation.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern die moderne Gestaltung des Märkischen Museums die Herausbildung von Geschichtsbewusstsein aktiv unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine ausstellungsanalytische Methode angewandt, die durch ein fiktives Szenario (Schülerinnengruppe) und die Auswertung von Audioguide-Inhalten untermauert wird.
Was wird im Hauptteil genauer betrachtet?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Geschichtsbewusstseins und die praktische Anwendung der Kategorien Historizitäts- und Identitätsbewusstsein am Beispiel der Ausstellung.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geschichtsbewusstsein, Historizitätsbewusstsein, Identitätsbewusstsein und das Pandel-Modell sowie die methodische Gestaltung der „BerlinZEIT“.
Warum spielt das im Text gewählte Wasserklosett eine so große Rolle für die Analyse?
Das Wasserklosett dient als Exponat zur Veranschaulichung des Historizitätsbewusstseins, da es den Wandel von hygienischen Verhältnissen und technischen Standards konkret und optisch greifbar macht.
Welchen Einfluss hat die Gestaltung der Audioguide-Sequenzen auf die Identitätsbildung?
Durch die Ich-Perspektive der Erzähler sowie die Verwendung von Dialekt und Jugendsprache wird eine Barriere abgebaut, was die Identifikation der Schüler und Schülerinnen mit den historischen Akteuren erleichtert.
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- Anonym (Author), 2022, Ausstellungsanalyse des Märkischen Museums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1471162