Lebenslauf, Übergänge und Erwachsenenentwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.EINLEITUNG

2.KONTINUITÄTUNDDISKONTINUITÄTIMLEBENSLAUF

3.ÜBERGANGSPHASEN IM LEBENSLAUF
3.1.SOZIALEUNDBIOLOGISCHEAUSLÖSERVONÜBERGÄNGEN
3.2.ENTWICKLUNGINDERÜBERGANGSPHASE

4.EMPIRISCHEBEFUNDEZUMERLEBENDESLEBENSLAUFS

5.DAS ERWACHSENENLEBEN
5.1.EPOCHENIMERWACHSENENALTER
5.2.AUFGABENUNDMÖGLICHKEITENDERENTWICKLUNGIMERWACHSENENALTER
5.3.KRISENDERLEBENSMITTE

6.SCHLUßBETRACHTUNG

7.LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Krisen im Erwachsenenalter“ wird sich diese Arbeit mit dem menschlichen Lebenslauf und seinen Übergangsphasen befassen. Dabei wird zu untersuchen sein, ob und wie der Lebenslauf zu ordnen ist.

Bereits in der Antike entwickelte man ein Phasen- oder Stufenmodell des menschlichen Lebens, dem zusätzlich die „Funktion von normativen Vorgaben, von sozialen Orientierungen oder moralischen Verpflichtungen“ (Faltermaier 1992, S. 35) zukam.

Innerhalb der Grobgliederung in Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und Alter soll das Erwachsenenalter mit seinen internen Übergangsphasen und Krisen fokussiert werden, d.h. die Zeit zwischen 20 und 65 Jahren, zwischen Jugend und Alter steht im Mittelpunkt.

Dieser Lebensabschnitt sollte getrennt betrachtet werden, weil, wie Levinson es in seinem Buch „Das Leben des Mannes“ belegt hat, die einzelnen Epochen des Lebens ihre jeweils eigenen charakteristischen Eigenschaften besitzen und innerhalb derer sich verschiedene Entwicklungsabschnitte auftun, die hier auch im Zusammenhang mit Krisen behandelt werden. Der Wandel im Lebensgefüge ergibt sich bei den Übergängen von einer Epoche zur nächsten (vgl. Levinson 1978, S. 40ff).

Die Kernfrage der Arbeit lautet: Wie verläuft das menschliche Leben? Welche Rolle spielen Übergangsphasen? Inwieweit läßt sich das Erwachsenenleben gliedern? Welche Übergänge, Aufgaben, Möglichkeiten aber auch Krisen ergeben sich während dieser Zeit?

Um eben diese Fragen zu beantworten, habe ich mich in einer Fülle von Literatur für einen Text von Ursula Lehr entschieden, der sich mit der Kontinuität bzw. Diskontinuität und den Übergangsphasen befaßt und außerdem empirisches Material liefert. Weiterhin werde ich mich auf Erhard Olbrich beziehen, der sich in seinem Text „Normative Übergänge im menschlichen Lebenslauf: Entwicklungskrisen oder Herausforderungen“ noch etwas genauer den Übergangsphasen widmet. Zur Beschreibung des Erwachsenenlebens stütze ich mich auf Daniel J. Levinson und sein oben erwähntes Buch sowie auf Faltermaiers Kapitel zu Lebenslauf und Erwachsenenalter. Schließlich werde ich im Zusammenhang mit Krisen dieses Lebensabschnittes auf Tobias Brocher und sein Buch „Stufen des Lebens“ eingehen sowie auf das Kapitel „Krisen als Gelegenheiten zur Subjektentwicklung“ von Erhard Meueler.

Die Arbeit beginnt mit einem Kapitel zu Kontinuität und Diskontinuität als zwei Grundkonzepten des Lebenslaufs (1. Kapitel). Das zweite Kapitel befaßt sich mit den Übergangsphasen (2.), ihren Auslösern (2.1.) und der möglichen Entwicklung (2.2.). Im dritten Kapitel sollen einige empirische Befunde zum Erleben des Lebenslaufs genannt werden. Das vierte Kapitel schließlich rückt das Erwachsenenleben ins Zentrum (4.). Es wird um die Epochen im Erwachsenenalter gehen (4.1.) und um die Aufgaben und Möglichkeiten dieser Zeit (4.2.). Unter 4.3. werden Krisen der Lebensmitte thematisiert. Die Schlußbetrachtung rundet das gesamte Thema durch meine eigene Meinung und einen Ausblick ab.

Weniger konkret gehe ich auf die Entfaltung der Lebensstruktur ein, die mit dem Aspekt der Entwicklung zusammenhängt (s. Levinson 1978, S. 69-100). Außer acht lasse ich außerdem die verschiedenen Entwicklungsmodelle über die Lebensspanne (s. Levinson 1978, S. 20-25, Faltermaier 1992, S. 37-48). Zur genaueren Untersuchung der Krise hätte man noch den bereits erwähnten Text von Meueler und Auszüge aus dem Buch „“Krise und Entwicklung: Zur Psychologie der seelischen Gesundheit“ von Dieter Ulich einbeziehen können. Nun will ich aber mit dem eigentlichen Thema beginnen.

2. Kontinuität und Diskontinuität im Lebenslauf

Die Grundkonzepte der Kontinuität und Diskontinuität des Lebenslaufes existieren schon sehr lange. Das Wachstumsmodell (Kontinuität) bildete sich besonders in der Zeit der Aufklärung heraus und beschreibt die Entwicklung des Kindes als unvollkommenen Menschen hin zum ausgereiften Erwachsenen. Der quantitative Aspekt der Veränderung steht im Vordergrund, die Entwicklung der Persönlichkeit wird durch eine geradlinig ansteigende und später abfallende Kurve beschrieben. Die entwicklungspsychologische Forschung widerlegt jedoch diese Annahme und konstatiert, daß psychische Veränderungen von sozialpsychologischen, soziologischen und ökologischen Gegebenheiten beeinflußt werden. Selbst die biologische Entwicklung verläuft nicht derart kontinuierlich. Längsschnittdaten zeigen, daß diskontinuierliche Verlaufsformen weit häufiger sind.

Die Gliederungsmodelle (Diskontinuität) der Antike gingen von qualitativ unterschiedlichen Stufen oder Phasen aus, deren Übergänge eine innere Wende bedeuteten. Die Abgrenzung der Altersstufen weist verschiedenen Jahreseinteilungen auf (z.B. sieben Jahre). Die Veränderungen im psychischen Bereich folgen denen im körperlichen. Noch Anfang des Jahrhunderts glaubte man an regelmäßig wiederkehrende Krisenzeiten zwischen den Lebensaltern, die Zäsuren und Umwandlungen bedeuten. Man gestand dem Lebenslauf allerdings auch individuelle Verlaufsformen zu.

Sowohl ein festes Gliederungsprinzip als auch die biologische Bedingtheit psychischer Abläufe muß aus heutiger Sicht zurückgewiesen werden. Kritisiert wird außerdem die Annahme einer inneren Gesetzmäßigkeit, des Reifungsvorgangs als umweltunabhängig und der Synchronität der Entwicklung verschiedener Bereiche (vgl. Lehr 1978, S. 315-320).

3. Übergangsphasen im Lebenslauf

Olbrich befaßt sich mit den Übergängen und deren Erforschung. In den 60er Jahren begann man Phasen- und Stufenlehren der frühen Kinderpsychologie zu kritisieren, da sie die prozessuale Sicht von Entwicklung verhindern. Auch die Konzeption von Übergangsperioden legt es nahe, Abschnitte der Entwicklung voneinander abzuheben und suggeriert Diskontinuität, aber vielleicht kann durch sie ein prozessuales Verständnis von Übergängen erreicht werden. Der Übergang läßt sich an Änderungen der Verhaltensmerkmale festmachen.

Vorläufer der Konzeption vom Übergang finden sich bereits in der Antike, als man schon nach Stadien oder Abschnitten den Lebenslauf gliederte. Auch die Stufenmodelle der frühen Entwicklungspsychologie verstehen Einschnitte nicht als prozessual. Die teilweise widersprüchlichen Stufenmodelle ignorieren allesamt die entwicklungsrelevanten Einzelphänomene. Nur sekundär untersuchen sie die Auslöser des Weitergangs (vgl. Olbrich 1981, S. 123ff).

Nach Lehr erlebt die Stufentheorie aber ein Comeback, seit die Life-span- psychology sich verstärkt den Krisenphasen zuwendet. Damit hängt das Interesse an Übergangsphasen zusammen, denn Stufen- und Phasenfolgen implizieren Übergänge, Krisen und Umorientierungen. Eine Orientierung an den einzelnen Stufen des Lebenszyklus macht nach Lehr die sozialpsychologisch orientierte Bedeutung des Lebenslaufs sinnvoller als eine nur biologisch orientierte. Allerdings bleibt für die empirischen Untersuchungen die Gefahr bestehen, anhand eines theoretischen Rasters nur bestimmte (Übergangs-) Stadien ins Blickfeld zu nehmen und so den gesamten Lebenslauf aus dem Auge verlieren.

Zur Erfassung von Übergangsphasen empfiehlt Lehr die Longitudinal-Studien. Sie ermöglichen eine Analyse interindividueller Verhaltensweisen in verschiedenen Übergangssituationen. Ergänzend bietet sich die Lebenslaufforschung an (vgl. Lehr 1978, S. 320-323).

Olbrich schlägt stattdessen das Konzept des Übergangs vor, das den Veränderungsprozeß betont, der besonders in krisenhaft erlebten Übergängen zum Ausdruck kommt. Hier werden die Einflußfaktoren auf die Veränderung und den Verlauf besonders deutlich. Diese Konzeption von Entwicklung ist prozeßorientiert und am dynamischen Geschehen interessiert.

Die Bedeutung des Übergangs erschließt sich einem, wenn man nach den Auslösern normativer Übergangsphasen fragt (vgl. Olbrich 1981, S. 125).

3.1.Soziale und biologische Auslöser von Übergängen

Alle Kulturen setzen sich mit dem Wachstumszyklus des Individuums auseinander, in dem das Neugeborene zum erwachsenen Menschen wird. Die spezifischen Sozialisationspraktiken einer Kultur geben altersadäquate Modellverhalten vor.

Übergänge werden durch die Gliederung in Altersgruppen mit ihren unterschiedlichen normativen Anforderungen ausgelöst. Die Verhaltensentwicklung wird also durch sozial normierte Anforderungen vorangetrieben. Bei der Bewältigung normativer Übergänge wird das Individuum von Gleichaltrigen unterstützt, denn die altersbedingten Ereignisse (z.B. Partnerwahl, Karriere) betreffen die ganze Gemeinschaft der Altersgenossen. Dieser gesellschaftliche Mechanismus reduziert die Belastungen und hilft bei der Bewältigung von Krisen. Die individuelle Aufnahme und Verarbeitung der vorgegebenen Altersnormierung erklärt eine gewisse Variationsbreite bei der Zuordnung von Übergangsperioden und Lebensaltern.

Jenseits der psychologischen und sozialen Komponente soll es nun um die Veränderungen des menschlichen Organismus gehen. Es kommt zu Beschleunigungen bzw. Verlangsamungen von Wachstumsfunktionen und einer sensorischen Entwicklung, also Veränderungen der Sinnesfunktionen als Vermittler zwischen Person und Umwelt. Das organische Wachstum und das Nerven- und Hormonsystem haben Einfluß auf die kognitive Entwicklung und auf motivationale und persönlichkeitsspezifische Funktionen. Die somatischen Veränderungen sind als Vorbereitung auf den Übergang im kognitiven Bereich zu verstehen. Sie wirken außerdem stark auf Verhaltens- und Erlebensänderungen besonders im Jugendalter und stellen einen Streßfaktor dar. Weiterhin werden zur Erklärung von Übergängen in der kognitiven Entwicklung Erfahrung, Sozialisation und Selbstregulation genannt.

Abschließend ist festzuhalten, daß die biologischen Veränderungen und sozialen Auslöser den Rahmen darstellen, in dem Weiterentwicklung möglich ist (vgl. Olbrich 1981, S. 125-133).

Auch Faltermaier nennt zum einen die Persönlichkeitsveränderungen und zum anderen soziale Veränderungen als Grund für Übergänge. Die Auswirkungen der sozialen Strukturen des Lebenslaufs zeigen sich insbesondere an den Übergängen zwischen den sozialen Rollen und Positionen, denn an diesen Einschnitten tritt der größte Sozialisationsbedarf auf, sind die Anforderungen am größten und Krisen am wahrscheinlichsten (vgl. Faltermaier 1992, S. 49-54).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Lebenslauf, Übergänge und Erwachsenenentwicklung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Oberseminar: Krisen im Erwachsenenalter
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V14714
ISBN (eBook)
9783638200349
ISBN (Buch)
9783638777698
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebenslauf, Erwachsenenentwicklung, Oberseminar, Krisen, Erwachsenenalter
Arbeit zitieren
Laura Dahm (Autor), 1999, Lebenslauf, Übergänge und Erwachsenenentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14714

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