Der Trickster - Kulturwissenschaftliche Analyse einer Mythengestalt im Hinblick auf ihre Praktiken des Sekundären


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Historie des Terms „Trickster“

3. Beschreibung des Tricksters anhand seiner Eigenschaften und Funktionen
3.1 Versuch einer Charakterisierung
3.2 Die Funktionen der Figur und ihrer Geschichten

4. Die Figur des Tricksters heute
4.1 Vorüberlegungen
4.2 Ein Beispiel aus der Populärkultur: Der Terminator
4.3 Umgang einer Tricksterkultur mit modernen Einflüssen

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Befasst man sich mit der Kultur- und Begriffsgeschichte der Nachahmung und der Dop- pelgänger beziehungsweise der Verdoppelung trifft man zwangsläufig auf Figuren, die täuschen, lügen und sich merkwürdig verhalten. Ihr zweifelhaftes Gebaren macht einen besonderen Reiz aus, dem sich auch die Wissenschaft nicht verschließen mag. Ein besonderer Typus soll in dieser Arbeit vorgestellt werden: Der Trickster. Der Term bezeichnet eine meist männliche Mythengestalt, die mit übernatürlichen oder göttli- chen Fähigkeiten ausgestattet, den Menschen durch List gleichzeitig Kummer als auch Wohl beschert. Versucht man eine Definition in dieser Kürze, ergeben sich Schwierig- keiten, da sich die Figur nicht in wenigen Sätzen beschreiben lässt. Genauere Erläute- rungen und Definitionen folgen daher im Laufe der Arbeit.

Bereits am Anfang der Recherche ergibt sich ein erstes grundlegendes Aroblem. For- scher wie der Asychologe Carl Gustav Jung sprechen zwar von "demN Trickster als uni- versellem Archetyp, der in jedem von uns und in den meisten Glaubenssystemen steckt. Doch demgegenüber sprechen sich einige Anthropologen für die Eliminierung des Wortes "TricksterN aus, da es ein globales Auftreten dieser Figur impliziert. Sie sind der Meinung, man könne sich bei der Untersuchung dieser Figur jeweils nur auf die Ge- schichten eines Stammes oder einer Gruppe fokussieren, da der Trickster eine zu kom- pleRe und vielschichtige Figur sei.[1]

Hynes und Doty stellen sich in ihrem Werk "Mythical Trickster FiguresN zwischen diese beiden ERtrempositionen, um zu versuchen "(..Z to tack back and forth from the partic- ularities of specific tricksters within their respective belief systems, on the one hand, and the meaningful interconnection between particulars and elucidating generaliza- tions, on the other hand.N[2]Dieser Aosition schließe ich mich in meiner Arbeit an, da so ein Verständnis der speziellen und generellen Charakteristiken des Tricksters möglich wird.

2. Historie des Terms "Trickster"

Zunächst soll eine etymologische und geschichtliche Herleitung des Terms "TricksterN für ein besseres Verständnis sorgen, bevor weitere Erläuterungen und Erklärungen fol- gen. Das Wort "trickN hat sich etwa im 15. Jahrhundert aus dem altfranzösischen "tri- queN, für Kniff oder Streich, herausgebildet. Auch die Verben trikier, bzw. tricher (neu- französischZ die "beim Spiel betrügenN bedeuten, ähneln diesem schon sehr stark. Der Urstamm des Wortes kommt vermutlich vom lateinischen Wort "tricariN, ausweichen, mischen, sowie "tric<EN, mit jemandem seinen Spaß treiben, Durcheinander von Schwierigkeiten, Unsinn. Der Gebrauch des Verbs wurde erstmals 1595 datiert. "Tricke- ryN (engl.: TricksereiZ stammt aus dem Jahre 1800, tricksy von 1596 und "trickyN (engl.: trickreichZ von 1786. Bereits 1711 wurde das Wort "TricksterN erstmalig nachgewiesen. "Trick-or-treatN, der Brauch der Kinderstreiche zu Halloween, stammt dagegen erst aus dem Jahre 1947. Andere Bedeutungen von "trickN sind aus den Jahren 1865 und 1915 bekannt. In ersterem war es ein umgangssprachlicher Begriff für einen Überfall, in letz- terem die Bezeichnung eines Freiers.[3] Den Zeitraum des Auftauchens des Wortes "TricksterN bestätigen auch Hynes und Doty. Es bezeichnete im 18. Jahrhundert eine Aerson die betrügt, schwindelt und täuscht. Es war also eine moralische und noch kei- ne anthropologische Bezeichnung. Im 19. Jahrhundert gebrauchte der damalige briti- sche Aremierminister und Romanautor Benjamin Disraeli den Term, um lügende politi- sche Gegner zu beschreiben. 1868 tauchte es im Werk "Myths of the New WorldN des Ethnologen Daniel G. Brintons auf. Dieses Buch versuchte die Mythologie der amerika- nischen Indianer wissenschaftlich zu analysieren. In diesem Jahrhundert steht die Be- zeichnung damit sowohl als fachlicher Term für Figuren aus der europäischen Literatur, als auch für nicht-europäische, ethnologische Ahänomene, besonders in Nordamerika und Afrika.[4] Ein erstes zusammenfassendes Aorträt des Tricksters findet sich erst 1955 in Aaul Radins "The TricksterN. Der bedeutende amerikanische Ethnologe und Anthro- pologe führte intensive Feldstudien an den Winnebago-Indianern durch. Radin glaubte an umspannende, archetypische Wurzeln in einer transzendenten menschlichen Asy- che. Aus diesem Grund gäbe es auch weltweit Tricksterfiguren.[5] Heute ist der Term "TricksterN eine mittlerweile so geläufige Bezeichnung, dass ein Autor bei der Untersu- chung griechischer Komödien, als auch Lustspielen aus der Renaissance oder sogar zeitgenössischer Filme und Literatur, darauf verweisen kann. Ob die Verknüpfung der mythologischen Figur mit modernen Medien Sinn macht oder ob die Geschichte des Tricksters nicht schon zu Ende ist, wird in einem späteren Kapitel diskutiert.

"Almost all non-literate mythology has a trickster hero of some kind.N6 In nahezu allen religiösen und kulturellen Glaubenskreisen wurden Trickstergeschichten erzählt. Ge- schichten von eigentlich komischen Figuren, die jedoch wichtige soziale Werte heraus- stellen. Einige Beispiele für verschiedenste Kulturen sind die afrikanischen Trickster An- anse, Eshu und Legba, die in Amerika zu findenden Coyote, Wakdjunkaga oder Mana- bozo oder die asiatischen Trickster Susa-no-o, Sun Wuk'ung, Agu Tampa und Horangi. In Europa gelten unter anderem der griechische Götterbote Hermes und der nordische Loki als Trickster. Weltweit über verschiedene Kulturen hinweg haben Trickster ähnli- che soziale Funktionen. Der Bedeutung des Wortes "TricksterN findet sich entspre- chend auch in den jeweiligen Sprachen wieder. Der westafrikanische Legba wird auch Aflakete genannt, was soviel bedeutet wie "Ich habe dich ausgetrickstN. Der Name Wakdjunkaga, einer Figur des Stammes der Winnebago-Indianer, steht für "der Trick- reicheN. "HermesN heißt im homerischen griechisch "mechaniotaN, was sich mit "Tricks- terN übersetzen lässt.7

3. Beschreibung des Tricksters anhand seiner Eigenschaften und Funktionen

Den Trickster klar zu definieren ist äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich. Die große Vielfalt des Tricksterphänomens könnte dazu verleiten, zu sagen, der Trickster sei nicht definierbar. Die zentrale Frage muss daher lauten, was eine Trickster-Figur als solche charakterisiert, wodurch eine literarische oder mythische Figur zu einem Trickster "wirdN. In zweiter Instanz ist es ebenfalls notwendig zu erörtern, welche Funktionen die Figuren und Geschichten überhaupt inne haben. Durch das nahezu weltweite Vor- kommen ist es interessant zu erfahren, aus welchem Grund diese Geschichten in so unterschiedlichen Kulturen erzählt werden.

[...]


[1]Vgl. Hynes (1993aZ: S. 4

[2]Ebd.: S. 6

[3] Vgl. Harper (2001Z: [www}

[4] Vgl. Doty (1993Z: S. 14

[5] Vgl. Hynes (1993aZ: S. 2

[6] Hynes (1993aZ: S. 1

[7] Vgl. Hyde (1999Z: S. 7

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Trickster - Kulturwissenschaftliche Analyse einer Mythengestalt im Hinblick auf ihre Praktiken des Sekundären
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Veranstaltung
Mimesis und Doppelgänger
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V147144
ISBN (eBook)
9783640571543
ISBN (Buch)
9783640571673
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trickster, praktiken des sekundären, doppelgänger, mimesis, kulturwissenschaft, mythen, mythos, sagen, kultur, terminator, Anthropologie, psychologie, Carl Gustav Jung, Mythical Trickster Figures, hynes, doty, trick, trique, figur, Trick-or-treat, Radin, grenze, finis, tricksen, täuschen, lügen, trickspieler, formwandler, betrüger, schalk, bastler, Out-Person, gestaltwandler, Coyote, Onkel Tompa, indianer, Metamorphose, situationswandel, Marshallinseln, atoll, etao, Lévi-Strauss, Normabweichler, geschichten, Multipersonalität
Arbeit zitieren
Markus Stegmann (Autor), 2008, Der Trickster - Kulturwissenschaftliche Analyse einer Mythengestalt im Hinblick auf ihre Praktiken des Sekundären, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147144

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