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Das Berliner Stadtjubiläum 1987. West-Berliner Proteste im Jubiläumsjahr

Title: Das Berliner Stadtjubiläum 1987. West-Berliner Proteste im Jubiläumsjahr

Seminar Paper , 2018 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

History of Europe
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Das Berliner Stadtjubiläum 1987 sollte „das größte Ereignis bis zum Ende dieses Jahrhunderts“ werden. So zumindest stellte man sich in West-Berliner Regierungskreisen das Jubiläumsjahr vor. Mit einer Vielzahl von Festlichkeiten und Veranstaltungen rund um das 750-jährige Jubiläum sollte nicht nur der Geburtstag der Stadt gefeiert werden, sondern auch die Zusammengehörigkeit mit dem Ostteil der Stadt unterstrichen werden. Diesen Planungen machte Ost-Berlin, die Hauptstadt der DDR, jedoch relativ schnell einen Strich durch die Rechnung, da die DDR es strikt ablehnte, das Fest gemeinsam mit West-Berlin zu begehen. Dadurch blieb den Regierenden in West-Berlin nichts anderes übrig, als sich bei den Feierlichkeiten auf sich selbst zu konzentrieren.

Durch die bewusste Abgrenzung Ost-Berlins ergab sich jedoch ein weiteres Problem für West-Berlin: fast der gesamte historische Kern Berlins lag im Ostteil der Stadt. Streng genommen wurde West-Berlin also gar keine 750 Jahre alt. So besannen sich die Organisatoren gezwungenermaßen auf West-Berlins moderne, kulturelle Identität und legten den Fokus auf die Inszenierung Berlins als weltoffene, kosmopolitische „Stadt der Gegenwart“.

Doch politisch wie wirtschaftlich befand sich West-Berlin in einer prekären Lage. Aufgrund der vollständigen wirtschaftlichen Abhängigkeit von Subventionen aus der Bundesrepublik, sowie der Manifestation des Insel-Status durch das Viermächte-Abkommen, stand auch die Sinnhaftigkeit West-Berlins als „Schaufenster des Westens“ nicht länger außer Frage. So riefen nicht wenige Veranstaltungen und Projekte, die anlässlich des Stadtjubiläums organisiert wurden, nicht nur öffentliche Kritik, sondern teilweise auch aktiven Widerstand und Protest bis hin zu Krawallen seitens der Bevölkerung hervor. Diese vielfältigen Formen des Protests des Jahres 1987 sollen Gegenstand dieser Arbeit sein. Sie soll der Frage nachgehen, inwiefern die Proteste tatsächlich als Antwort auf das Stadtjubiläum und der damit verbundenen Ziele der Organisatoren zu werten sind, oder ob das Jubiläum viel mehr Anlass als Ursache des Protests war. Dazu soll zunächst überblicksartig die Lage West-Berlins vor dem Hintergrund innerstädtischer, innerdeutscher sowie geopolitischer Entwicklungen um das Jahr 1987 dargestellt werden. Weiterhin sollen die Ziele und Leitlinien der West-Berliner Organisatoren des Stadtjubiläums bei der Planung und Gestaltung der Festlichkeiten behandelt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. West-Berlin in den 1980er Jahren

2.1.Deutschland- und Berlin-Politik

2.2.West-Berlin als Zentrum alternativer Strömungen

3. Ziele und Leitlinien bei der Planung des Stadtjubiläums

3.1.Eine Feier zu zweit?

3.2.Organisation und Diskussion

3.3.Inszenierung als „spannendste Stadt Europas“

4. Der Skulpturenboulevard

4.1.Demonstration gegen die „Beton-Cadillacs“

5. Krawalle am Ersten Mai

6. Der Reagan-Besuch

6.1.Wieder Randale in Kreuzberg

6.2.Die Kreuzberg-Blockade

7. B-750 Parade

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Protestformen anlässlich des Berliner Stadtjubiläums 1987 und geht der Frage nach, inwieweit diese Proteste als direkte Reaktion auf die Inszenierung des Stadtfestes durch den Senat zu werten sind oder ob das Jubiläum lediglich als Katalysator für bereits bestehende soziale und politische Spannungen innerhalb der geteilten Stadt diente.

  • Politische und sozioökonomische Rahmenbedingungen West-Berlins in den 1980er Jahren
  • Planungsprozesse und Ziele des 750-Jahr-Jubiläums im Kontext der deutsch-deutschen Teilung
  • Analyse spezifischer Protestereignisse wie des „Skulpturenboulevards“ und der Maikrawalle
  • Die Rolle von Gegenöffentlichkeit und alternativen Kulturströmungen in Kreuzberg

Auszug aus dem Buch

3.1.Eine Feier zu zweit?

Ursprünglich hatte man sich auf West-Berliner Seite erhofft das Stadtfest zusammen mit dem Ost-Teil der Stadt begehen zu können, um so die Einheit der Stadt hervorzuheben und damit eine Zeichen gegen die Spaltung zu setzen. Diese Hoffnungen erhielten jedoch bereits 1979 einen jähen Dämpfer, als sich der damalige Bürgermeister West-Berlins, Dietrich Stobbe, auf Anfrage eine erste Abfuhr aus Ost-Berlin einholte. Der Senat solle sich bei seinen Feierlichkeiten auf jenes Gebiet beschränken, „für das er sich 1948 ‚freiwillig‘ entschieden habe.“

Nichtsdestotrotz keimte auf West-Seite bis 1985 immer wieder die Hoffnung auf eine gemeinsame Feier auf. Die letzten Hoffnungsschimmer wurden aber im Dezember 1985 zerschlagen, als Ost-Berlin die „Thesen 750 Jahre Berlin“ veröffentlichte, in denen die Existenz West-Berlins weitgehend ignoriert wurde. So schien im Jahr 1987 eine Annäherung vonseiten des Ostens mehr als unwahrscheinlich. Also blieb den West-Berliner Organisatoren nichts anderes übrig als sich bei der Inszenierung des Stadtjubiläums vornehmlich auf sich selbst zu konzentrieren, ohne dabei die Verbindung zum Ost-Teil aus den Augen zu verlieren. Beispielhaft dafür, wurde im offiziellen West-Berliner Programmheft auch auf das Programm in Ost-Berlin verwiesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die prekäre Ausgangslage West-Berlins anlässlich des Stadtjubiläums 1987 und führt in die zentrale Forschungsfrage ein, ob die Proteste eine direkte Reaktion auf das Fest oder ein Ausdruck tieferliegender systemischer Spannungen waren.

2. West-Berlin in den 1980er Jahren: Dieses Kapitel beleuchtet die politische Abhängigkeit und wirtschaftliche Instabilität der Stadt sowie das Aufblühen alternativer Kulturszenen, insbesondere in Kreuzberg, vor dem Hintergrund des Inseldaseins.

3. Ziele und Leitlinien bei der Planung des Stadtjubiläums: Es wird die Strategie des Senats analysiert, Berlin als weltoffene „Stadt der Gegenwart“ zu inszenieren, nachdem eine geplante gemeinsame Feier mit dem Ostteil der Stadt an der Ablehnung durch die DDR scheiterte.

4. Der Skulpturenboulevard: Anhand dieses Projekts wird aufgezeigt, wie hohe Kosten und umstrittene künstlerische Installationen zu einer der ersten direkten Protestaktionen der Bevölkerung gegen das Jubiläum führten.

5. Krawalle am Ersten Mai: Die eskalierenden Ereignisse im Umfeld der Volkszählung und des Stadtjubiläums werden als Ausdruck sozialer Spannungen und langjähriger Auseinandersetzungen zwischen der Autonomen Szene und der Polizei beschrieben.

6. Der Reagan-Besuch: Dieses Kapitel beschreibt die Proteste und die polizeiliche Abriegelung Kreuzbergs anlässlich des Besuchs von Ronald Reagan, die als Demonstration gegen die Rüstungspolitik und als symbolischer Akt gegen die Staatsgewalt dienten.

7. B-750 Parade: Die Parade wird als parodistische Gegenveranstaltung betrachtet, die den offiziellen Festlichkeiten einen humorvollen Kontrapunkt entgegensetzte und den wachsenden Unmut der Bevölkerung gegenüber dem Jubiläums-Aufwand artikulierte.

8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Bewertung, dass die Proteste zwar unterschiedliche Motive hatten, aber gesamtgesellschaftlich die Schwierigkeit West-Berlins widerspiegelten, eine eigenständige Identität in einer Zeit des Umbruchs zu finden.

Schlüsselwörter

West-Berlin, 750-Jahr-Feier, Stadthistorie, Protestkultur, Kreuzberg, Hausbesetzer, Kalter Krieg, Skulpturenboulevard, Maikrawalle, Reagan-Besuch, B-750 Parade, Stadtidentität, Senat, DDR, Autonome

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen Protestbewegungen, die das West-Berliner Stadtjubiläum im Jahr 1987 begleiteten, und setzt diese in Bezug zu den politischen Zielen der Organisatoren sowie den sozialen Spannungen der damaligen Zeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Berliner Polit-Kultur der 1980er Jahre, den Planungszielen des Senats, der Rolle der alternativen Szene in Kreuzberg sowie den spezifischen Protestereignissen, die von friedlichen Demonstrationen bis hin zu gewaltsamen Straßenschlachten reichten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu klären, ob die Proteste eine direkte Antwort auf das Jubiläumsprogramm waren oder ob das Stadtjubiläum lediglich als Auslöser für bereits bestehende systemische Konflikte fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der kritischen Auswertung von Quellen, zeitgenössischer Presseberichterstattung und wissenschaftlicher Fachliteratur basiert, um die Ereignisse des Jahres 1987 zu rekonstruieren und zu bewerten.

Was wird primär im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch und thematisch die einzelnen Protestphasen – angefangen beim „Skulpturenboulevard“ über die Krawalle am 1. Mai und den Reagan-Besuch bis hin zur satirischen „B-750 Parade“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „West-Berlin“, „Stadtjubiläum 1987“, „Protestkultur“, „Kreuzberg“, „Autonome“ sowie die politisch-soziale Spannung zwischen Systemkonformität und Widerstand definieren.

Warum wurde ausgerechnet der Skulpturenboulevard als Beispiel für Protest gewählt?

Das Projekt dient als Exempel für eine direkte Reaktion der Bevölkerung auf die explizite Verwendung finanzieller Mittel des Senats für unpopuläre Kunstprojekte, was den Konflikt zwischen Repräsentation und öffentlicher Meinung verdeutlicht.

Welche Rolle spielte die Polizei bei den Krawallen im Jahr 1987?

Die Arbeit arbeitet heraus, dass das polizeiliche Vorgehen, insbesondere im Rahmen der „Präventivmaßnahmen“ wie der Abriegelung Kreuzbergs während des Reagan-Besuchs, oft als eskalierend wahrgenommen wurde und maßgeblich zur Anspannung im Bezirk beitrug.

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Details

Title
Das Berliner Stadtjubiläum 1987. West-Berliner Proteste im Jubiläumsjahr
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
Grenzen der Verständigung: Deutsch-deutsche Politkontakte 1945-1990
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2018
Pages
19
Catalog Number
V1471466
ISBN (PDF)
9783389018835
ISBN (Book)
9783389018842
Language
German
Tags
Deutsche Teilung Berlin Berliner Stadtjubiläum West-Berlin Ost-Berlin Bundesrepublik Deutschland Deutsche Demokratische Republik BRD DDR 1987 Berliner Mauer Deutsch-deutsche Politik B-750 Skulpturenboulevard Beton-Cadillacs 1. Mai Kreuzberg-Blockade Verständigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2018, Das Berliner Stadtjubiläum 1987. West-Berliner Proteste im Jubiläumsjahr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1471466
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