Warum sind ChinesInnen in Österreich ehrenamtlich tätig?

Eine empirische Untersuchung der Bedingungen ehrenamtlichen Engagements von ethnischen ChinesInnen in Österreich


Diplomarbeit, 2009

134 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfragen
1.3 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Klärung der zentralen Begriffe
2.1 Nonprofit Organisation
2.2 Ehrenamtliches Engagement
2.3 Motive und Motivation
2.3.1 Intrinsische versus extrinsische Motivation
2.3.2 Altruistische versus egoistische Motive

3 Zusammenfassung des bisherigen Forschungsstandes
3.1 Bedingungen des Verhaltens als Analyseraster
3.2 Bedingungen ehrenamtlicher Tätigkeit
3.2.1 Individuelles Wollen
3.2.2 Persönliches Können
3.2.3 Soziales Dürfen
3.2.4 Situative Ermöglichung
3.2.5 Kritische Punkte
3.3 Studien zum ehrenamtlichen Engagement von MigrantInnen
3.3.1 Chinese Communities in Österreich
3.3.2 Ehrenamtliche Tätigkeit von ÜberseechinesInnen in anderen Ländern
3.3.2.1 Die Situation in den USA
3.3.2.2 Die Situation in Kanada
3.3.2.3 Die Situation in den Niederlanden
3.3.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Österreich

4 Methoden
4.1 Qualitative Sozialforschung
4.2 Methodik der Datenerhebung
4.2.1 Leitfadeninterview
4.2.2 Entwicklung der Interviewleitfäden
4.2.3 Pretest
4.2.4 Sampling: Auswahl der InterviewpartnerInnen
4.2.5 Durchführung der Interviews
4.3 Methodik der Datenanalyse
4.3.1 Qualitative Inhaltanalyse nach Mayring
4.3.2 Charakteristika der qualitativen Inhaltsanalyse
4.3.3 Ablaufmodell qualitativer Inhaltsanalyse
4.3.4 Bestimmung des Ausgangsmaterials
4.3.5 Fragestellung der Analyse
4.3.6 Festlegung von Analysetechnik und Ablaufmodell der Inhaltsanalyse
4.3.7 Gütekriterien

5 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
5.1 Im Rahmen der Untersuchung erfasste Bedingungen des ehrenamtlichen
Engagements
5.1.1 Individuelles Wollen (= Motive)
5.1.1.1 Altruistische Motive
5.1.1.1.1 Helfen wollen
5.1.1.1.2 Soziale Verantwortung
5.1.1.2 Egoistische Motive
5.1.1.2.1 Persönliche Weiterentwicklung
5.1.1.2.2 Spaß haben / mitmachen
5.1.1.2.3 Kontakte
5.1.1.2.4 Interesse
5.1.1.2.5 Anerkennung
5.1.1.3 In-Group Altruismus
5.1.1.4 Deckung zwischen organisationalen und persönlichen Werten
5.1.2 Persönliches Können
5.1.2.1 Fachliche Kenntnisse
5.1.2.1.1 Sprache
5.1.2.1.2 Bildung und Ausbildung
5.1.2.1.3 Lebens- und Berufserfahrung in China
5.1.2.2 Persönliche Kompetenzen
5.1.3 Soziales Dürfen
5.1.3.1 Gesellschaftliche Werte
5.1.3.2 Religiöse Überzeugungen
5.1.3.3 Soziales Umfeld
5.1.3.3.1 Familie
5.1.3.3.2 Freundeskreis
5.1.3.3.3 Berufliches und gesellschaftliches Umfeld
5.1.4 Situative Ermöglichung
5.1.4.1 Situative Ermöglichung auf der individuellen Ebene
5.1.4.1.1 Zeit
5.1.4.1.2 Finanzielle Absicherung
5.1.4.1.3 Andere Verpflichtungen
5.1.4.2 Situative Ermöglichung auf der Organisationsebene
5.1.4.2.1 Unterstützung von Seiten der Organisation
5.1.4.2.2 Über- und Unterforderung
5.1.4.2.3 Aufgabe
5.1.4.3 Situative Ermöglichung von öffentlicher Seite
5.2 Unterschiede zwischen Ehrenamtlichen und Nicht-Ehrenamtlichen
5.3 Unterschiede zwischen in chinesischen und in österreichischen NPOs tätigen
ChinesInnen bzw. in beiden Tätigen

6 Schlussfolgerungen und Zukunftsausblick
6.1 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
6.2 Praktische Implikationen für chinesische bzw. österreichische NPOs
6.3 Vorschläge für weitere Forschung und Zukunftsausblick

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

8 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vier Bedingungen des Verhaltens nach von Rosenstiel (2007)

Abbildung 2: Vier Gruppen freiwillig tätigen ChinesInnen

Abbildung 3: Das inhaltsanalystische Ablaufmodell

Abbildung 4: Inhaltsanalytisches Kommunikationsmodell

Abbildung 5: Die vier Formen strukturierender Inhaltsanalyse

Abbildung 6: Ablaufmodell inhaltlicher Strukturierung

Abbildung 7: Bedingungen ehrenamtlichen Engagements

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ausgewählte Interviewpartnerinnen

Tabelle 2: Die vier Hauptkategorien mit Unterkategorien

Tabelle 3: Die Bedingungen ehrenamtlichen Engagements (individuelles Wollen)

Tabelle 4: Die Bedingungen ehrenamtlichen Engagements (persönliches Können)

Tabelle 5: Die Bedingungen ehrenamtlichen Engagements (soziales Dürfen)

Tabelle 6: Die Bedingungen ehrenamtlichen Engagements (situative Ermöglichung)

Tabelle 7: Ausgewählte Interviewpartnerinnen mit demografischen Daten

Tabelle 8: Interviewleitfaden für ehrenamtlich engagierte Chinesinnen

Tabelle 9: Interviewleitfaden für nicht-ehrenamtlich engagierte Chinesinnen

Tabelle 10: Interviewleitfaden für ehrenamtlich engagierte ChinesInnen (Chinesisch) 125 Tabelle 11: Interviewleitfaden für nicht-ehrenamtlich engagierte ChinesInnen (Chinesisch)

Tabelle 12: Fragebogen: demografische Informationen der InterviewpartnerInnen

Tabelle 13: Fragekatalog (Experteninterview)

Tabelle 14: Chinesische Vereine in Österreich

Tabelle 15: Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung Österreichs

(Anteil der ChinesInnen)

Tabelle 16: Eingebürgerte ChinesInnen seit 1998 in Österreich

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Ehrenamtliches Engagement ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Wesentliche, gesellschaftlich notwendige Leistungen werden von Nonprofit Organisati­onen (NPOs) und deren ehrenamtlichen und hauptamtlichen MitarbeiterInnen erbracht (Badelt 2007: S. 503).

Der moderne Wohlfahrtsstaat wäre ohne unentgeltlich bereitgestellte Ressourcen nicht in der Lage, das Angebot an Leistungen in entsprechender Form aufrechtzuerhalten. Weder könnten die großen Wohlfahrtsträger ihr Leistungsangebot ohne ehrenamtliche Arbeit aufrechterhalten, noch könnten alle Leistungen, die z.B. im Bereich der Nachbar­schaftshilfe erbracht werden, vom Staat oder von anderen Institutionen angeboten wer­den. Darüber hinaus hat ehrenamtliche Arbeit auch eine nicht zu unterschätzende wirt­schaftliche Bedeutung, die bislang in der öffentlichen Diskussion kaum zur Kenntnis ge­nommen wird (Hollerweger 2001: S. 1).

Das ist auch der Grund, weshalb in den letzten Zeiten in der Forschung nicht nur den Ehrenamtlichen als Individuen, sondern auch den NPOs als Organisationen besonderes Augenmerk geschenkt wurden. In der individuellen Verhaltensforschung wird meistens nach Antworten zu folgenden Fragen gesucht: Was motiviert Menschen unentgeltlich zum Wohle anderer tätig zu werden? Welche persönlichen Überzeugungen stehen hin­ter diesem Einsatz? Welche lebenssituationsspezifischen Rahmenbedingungen gehen mit dem Engagement einher? Kann ein Nutzen nicht nur für andere, sondern auch für die eigene Person erwartet werden? Etc.

In Österreich ist ehrenamtliche Arbeit statistisch kaum erfasst. Erst Anfang der 1980iger Jahre wurde eine umfassende Erhebung über das Volumen ehrenamtlicher Arbeit durchgeführt, deren Daten im Jahre 2001 neu adaptiert wurden (Badelt & Hollerweger 2001: S. 4). Freiwilliges Engagement von MigrantInnen in Österreich wurde bislang kaum berücksichtigt, es liegen keine zuverlässigen und repräsentativen Daten zum Ausmaß oder zu den Hintergründen von ehrenamtlichem Engagement von MigrantIn- nen vor (Reinprecht & Gapp 2006: S. 18). Demzufolge gibt es auch keine Daten bezüg­lich ehrenamtlichen Engagements ethnischer ChinesInnen in Österreich.

Es ist aber ein weltweites Phänomen, dass die „Overseas Chinese“[1] im Ausland ver­schiedene „Chinese Communities“ in Form von NPOs bilden, welche unterschiedliche Ziele und Interessen verfolgen. Diese Tendenz gilt auch für Österreich. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass in den letzten Jahren mehr und mehr ChinesInnen auch bei den österreichischen NPOs mitarbeiten. Dieser Strukturwandel und diese Wertänderung sind nicht zu übersehen.

Hier setzt das Forschungsinteresse dieser Diplomarbeit an, um herauszufinden, welche Bedingungen für alle in Österreich lebenden ChinesInnen ausschlaggebend sind, sich ehrenamtlich zu betätigen.

1.2 Forschungsfragen

Aus der Problemstellung abgeleitet werden die zentralen Forschungsfragen dieser Ar­beit, wie folgt, formuliert:

- Was sind die Bedingungen der ethnischen Chinesinnen, in Österreich ehrenamt­lich tätig zu sein?
- Was unterscheidet Chinesinnen, die ehrenamtlich arbeiten, von jenen, die das nicht tun?
- Was unterscheidet Chinesinnen, die in chinesischen NPOs tätig sind, von jenen, die in österreichischen bzw. in österreichischen und chinesischen NPOs tätig sind?

1.3 Ziel und Aufbau der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit ist, die Bedingungen der ethnischen Chinesen hinsichtlich des Ehrenamtes in Österreich herauszufinden. Die Diplomarbeit besteht aus sechs Tei­len.

Im ersten Teil wird die Problemstellung der Arbeit erläutert und werden die zentralen Forschungsfragen formuliert. Der zweite Teil befasst sich mit der Erklärung der Begriffe.

Im dritten Teil steht der wissenschaftliche Hintergrund im Zentrum der Betrachtung. Ausgehend von der Vorstellung des Modells von Rosenstiels (2007) - die vier Bedin­gungen des Verhaltens - folgt eine Adaptierung dessen auf die ehrenamtliche Tätigkeit, dabei werden die bisherig durchgeführten, nationalen und internationalen Studien zum Thema Ehrenamt nach diesen Bedingungen analysiert, um die Lücke in der Forschung aufzuzeigen. Danach wird die Entwicklung von „Chinese Communities“ in Österreich kurz beschrieben. Anschließend wird der bisherige Forschungsstand über die ehren­amtliche Tätigkeit von Überseechinesinnen in anderen Ländern wie in den USA, in Ka­nada und in den Niederlanden präsentiert. Aus diesen Analysen werden die Bedingun­gen des ehrenamtlichen Engagements von Chinesinnen international herauskristalli­siert.

Im Rahmen des vierten Teils werden die Methoden der Datenerhebung und Datenana­lyse, sowie deren Auflauf, detailliert dargestellt. Nach kurzer Einführung in die qualitati­ve Forschung wird die Technik des Leitfadeninterviews näher erklärt. Dieser Teil bein­haltet die Entwicklung der Interviewleitfäden und Durchführung von Pretests, die Aus­wahl der Interviewpartner bis hin zur Durchführung. Als Analysemethode wird die quali­tative Inhaltsanalyse nach Mayring (2007) verwendet und kurz vorgestellt. Als Analyse­raster dienen die vier Bedingungen des Verhaltens nach dem Modell von Rosenstiels (2007: S. 57 ff.). Die vier Kriterien sind persönliches Können, individuelles Wollen, sozi­ales Dürfen und situative Ermöglichung.

Im fünften Kapitel werden die empirischen Ergebnisse präsentiert, um die Antwort auf die Forschungsfragen zu geben. Dabei werden die im Rahmen empirischer Untersu­chung erfassten Bedingungen nach dem Modell von Rosenstiels (2007) dargestellt und die Unterschiede zwischen Ehrenamtlichen und Nicht-Ehrenamtlichen, zwischen in ös­terreichischen und in chinesischen NPOs tätigen ChinesInnen bzw. in beiderlei NPOs tätigen aufgezeigt.

Abschließend werden die empirischen Ergebnisse zusammengefasst, Schlussfolgerun­gen gezogen und ein kurzer Ausblick auf die praktischen und politischen Implikationen, sowie weitere Forschungsmöglichkeiten, gegeben.

2 Klärung der zentralen Begriffe

Einführend werden in diesem Kapitel die zentralen Begriffe der Nonprofit Organisation, des ehrenamtlichen Engagements und des Motivs bzw. der Motivation beschrieben.

2.1 Nonprofit Organisation

Nonprofit Organisationen (NPOs) spielen eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen, sozia­len und kulturellen Leben der Gesellschaft und umfassen unterschiedliche Organisatio­nen wie „private Museen, Kulturvereine, Feuerwehren, Sportorganisationen, Wohl­fahrtsverbände, Interessenvertretungen, Parteien...“ (Badelt 2007: S. 3).

Bereits in den 1970er Jahren hat sich der Terminus „NPO“ etabliert. Der Ausdruck „Nonprofit“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „not for profit“, wird aber als „no profit“ missverstanden. Aufgrund der positiven Bewertung der Gewinnerzielung in dieser Zeit wird dieser Begriff mit negativ-abgrenzender Eigenschaft oft in Frage gestellt. Au­ßerdem gibt es keine einheitliche Definition, da viele Variationen von alternativen Aus­drücken vorhanden sind (Badelt 2007: S. 4 ff.). Eine weitverbreitete Definition entwickel­ten Salomon und Anheier (1999: S. 5 f.). Laut dieser Definition gehören Organisationen zum Nonprofit Sektor, wenn sie

- formell strukturiert sind, einen institutionellen Aufbau haben und in der Öffentlich­keit auftreten;
- privat, d.h. organisatorisch vom Staat unabhängig sind;
- eigenständig verwaltet werden, also selbst die Kontrolle über die Geschäfte aus­üben;
- nicht gewinnorientiert sind, also keine Gewinne an Mitglieder oder Eigner aus­schütten; sowie
- zu einem gewissen Grad von freiwilligen Beiträgen und Spenden getragen wer­den und keine Zwangsverbände, d.h. freiwillig sind (Badelt 2007: S. 7; Corsten 2008: S. 11 ff.; Gänsdorfer 2008: S. 9; Stricker 2007: S. 24).

Keines der genannten Kriterien ist absolut trennscharf. Diese Unschärfe entspricht den in der Realität unscharfen Trennlinien zwischen NPOs und anderen Organisationen (Badelt 2007: S. 8). Der Hauptunterschied zwischen NPOs und „Profit-Organisationen“ besteht hinsichtlich ihrer Zielsetzungen (Heimgartner 2004: S. 53). Letztere verfolgen neben der Produktion von Gütern oder der Bereitstellung von Dienstleistungen für Dritte die Erzielung von Gewinnen (Deveza 2005: S. 3).

Zwar können ehrenamtliche Tätigkeiten in allen Bereichen erbracht werden, doch sind sie heute im Dritten Sektor (Amman 2000: S. 10; Badelt 2007: S. 18; Hollerweger 2001:

S. 3; Neysmith & Reitsma-Street 2000: S. 336; Notz 1998; Ockenden 2007: S. 6; Stri­cker 2007: S. 20; Weng 2002: S. 22), der als intermediärer Sektor zwischen Staat, Markt und informellem Sektor (Familie, Freundes- und Bekanntenkreis) fungiert, kon­zentriert.

NPOs können nach unterschiedlichen Kriterien gruppiert werden. Im Freiwilligensurvey[2] (Gensicke 2006: S. 48) wird das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland in 14 verschiedenen Bereichen analysiert. Die von Salamon und Anheier (1996) entwickelte internationale Klassifikation der NPOs beinhaltet folgende 12 Tätigkeitsbereiche:

1. Kulturelles/Sport/Freizeit
2. Bildung und Forschung (Schulen, Unis, Forschungseinrichtungen)
3. Gesundheit
4. Soziale Dienste
5. Umwelt
6. Lokale Entwicklung und Wohnungswesen
7. Rechtswesen, Interessenvertretung, Politik
8. Stiftungs- und Spendenwesen, Freiwilligenarbeit
9. Internationale Aktivitäten
10. Religionen und Kirchen
11. Wirtschafts- und Berufsverbände, Gewerkschaften
12. Sonstige Bereiche

Im Folgenden wird das ehrenamtliche Engagement, welches ein Hauptunterschei­dungskriterium von NPOs ist, näher erläutert.

2.2 Ehrenamtliches Engagement

Genauso wie für die NPOs herrscht in der Praxis Uneinigkeit über die genaue Definition der Begriffe „ehrenamtliches Engagement“ und „freiwillige Tätigkeit“. Die Unschärfe des Gegenstandsbereichs „Ehrenamt“ führt in der Regel zu unterschiedlichen Definitionen.

Die Ursachen dieser Begriffsunschärfe liegen einerseits in der Vielfalt der Erschei­nungsformen unentgeltlicher Tätigkeiten (Gensicke et al. 2006: S. 40; Olk 2002: S. 28; Paine et al. 2006: S. 2; Wilson 2000: S. 219), andererseits hängen sie mit Entwicklun­gen in benachbarten Feldern engagierten Handelns z.B. mit Selbsthilfeformen zusam­men (Hank et al. 2006: S. 7; Schüll 2004: S. 33).

Schüll (2004: S. 57) versteht unter „Ehrenamt“, wenn jemand freiwillig, jenseits familiä­rer, verwandtschaftlicher, freundschaftlicher oder nachbarschaftlicher Solidarverpflich- tungen, einen Teil seiner (Frei-)Zeit (Rochester 2006: S. 3) über einen gewissen Zeit­raum hinweg für eine fremdwohlerzeugende Tätigkeit zur Verfügung stellt, die zumin­dest im Rahmen einer lose organisierten Aggregationsform unentgeltlich ausgeübt wird.

Heinze und Keupp (1997: S. 23), Hollerweger (2001: S. 11), Moschner (2002: S. 3), Nadai (1996: S. 10), Notz (1998: S. 20 f.; 2002: S. 122 f.), Schüll (2004: S. 67 f.) und Weng (2002: S. 14 f.) unterscheiden zwischen dem politischen und sozialen Ehrenamt. Das männliche Geschlecht spielt beim politischen Ehrenamt eine sehr wichtige Rolle. Meist wird es neben dem Beruf ausgeführt und die Person wird unter Fortzahlung der Bezüge von der Erwerbstätigkeit freigestellt. Frauen kommen im politischen Ehrenamt nur selten vor. Die sozialen ehrenamtlichen Tätigkeiten sind die historisch jüngere Form unentgeltlicher Tätigkeit und werden hauptsächlich von Frauen ausgeführt. Sie sind meist soziale und pflegerische Hilfeleistungen für Menschen, die sich nicht, noch nicht, nicht mehr oder vorübergehend nicht selbst helfen können. Die Grenze zwischen sozia­ler ehrenamtlicher Arbeit und politischem Ehrenamt ist oft fließend (Notz 2002: S. 123).

Badelt (2007: S. 503) versteht unter „ehrenamtlicher Tätigkeit“ eine Arbeitsleistung, der kein monetärer Gegenfluss gegenübersteht, die also unbezahlt wird. Gemäß dieser De­finition muss ehrenamtliche Arbeit nicht aus altruistischen Motiven erfolgen, sondern es können sehr verschiedenartige Beweggründe einen Menschen veranlassen, ehrenamt­lich tätig zu sein. Im Mittelpunkt dieser Definition steht das Wort „unbezahlt“, aber die Unentgeltlichkeit schließt eine geringe finanzielle Aufwandentschädigung oder die Ab- 11 geltung von Aufwand (z.B. Fahrt- und Telefonkosten) nicht aus (Badelt 2007: S. 503; Bendele 1992: S. 74; Dekker & Halman 2003: S. 2; Heinze & Keupp 1997: S. 23; Hollerweger 2001: S. 13; Moschner 2002: S. 2; Neysmith & Reitsma-Street: 2000; Stri­cker 2007: S. 39; Weng 2002: S. 20; Zapotoczky 2002: S. 66). In der Praxis wird ehren­amtliche Arbeit zwar immer wieder auf nicht-monetäre Art entlohnt, aber wirtschaftlich handelt es sich dabei um Gegenflüsse, die sowohl immateriell, als auch materiell sein können. Beispiele dafür sind Information, Einfluss, Macht oder Kontrolle, aber auch er­hoffte oder tatsächliche Gegenleistungen, die jener Mensch erbringt, der in den Genuss der ehrenamtlichen Arbeit kommt (Badelt 2007: S. 504). Das symbolische Entgelt „Eh­re“ hat die Funktion, zusätzliche notwendige Arbeitskraft außerhalb der Lohnform und außerhalb der Familie zu mobilisieren (Notz 1998: S. 21). Aber immer wieder wurde und wird der Begriff „ehrenamtliche Arbeit“ in Frage gestellt, weil es sich letztlich um eine Arbeit handelt, die jenseits von Amt und Ehre geleistet wird (Gaskin et al. 1996: S. 12; Notz 1998: S. 22; Schüll 2004: S. 58).

Sowohl in der Alltagssprache als auch in der Fachwelt wird sie oft mit dem Ausdruck „Freiwilligenarbeit“ bezeichnet. Unter der „Freiwilligenarbeit“ versteht von Cranach (2008: S. 137) die unbezahlte, aus dem Gefühl der Verantwortung heraus geleistete Arbeit für die Allgemeinheit, für bestimmte Gruppen oder einzelne Menschen, die für die Gesellschaft bedeutsam, nützlich oder gar unentbehrlich ist. Auch bei dieser Definition steht das oben diskutierte Wort „unbezahlt“ (unentgeltlich) im Zentrum.

Für Notz (1998: S. 22) scheint der Terminus „freiwillig“ unzutreffend, weil in den meisten Fällen keine Alternativen zur „freiwilligen“, unbezahlten Arbeit für die Ehrenamtlichen zur Verfügung stehen. Vielmehr wird die freiwillige Arbeit für viele BerufsanfängerInnen oder WiedereinsteigerInnen zum Ersatz für unfreiwillige Arbeitslosigkeit (Bendele 1992: S. 78). Aber auch eine bezahlte Erwerbstätigkeit wird auf freiwilliger Basis ausgeübt (Kellner 2001: S. 2). Zusätzlich stellt sich die Frage nach der Freiheit der Freiwilligkeit: Wie „frei“ ist freiwillige Arbeit wirklich? Von Cranach (2008: S. 147 f.) fand heraus, dass die Freiwilligenarbeit ähnlich wie die Erwerbsarbeit vielen Einschränkungen unterliegt. Bei der Übernahme einer freiwilligen Tätigkeit sind die Ehrenamtlichen frei, später aber an die Organisationen und Verpflichtungen (Kellner 2001: S. 2) gebunden.

Das Wort „Engagement“ kommt aus dem französischen Sprachgebrauch und kann mit „Verpflichtung“ übersetzt werden. Neben „freiwillig“ und „unbezahlt“ spielt auch der Be- griff „Verpflichtung“ eine zentrale Rolle. „Ehrenamtliches Engagement“ ist für Moschner (1994: S. 13 ff.), Olk (1992: S. 23), Sundeen et al. (2007: S. 1) und Wilson (2000: S. 215) das „Handeln in einem institutionalisierten Rahmen zum Nutzen anderer Personen und Personengruppen.“ Es erfolgt freiwillig und unentgeltlich und ist nicht Bestandteil einer beruflichen Verpflichtung (Weng 2002: S. 18). Uneigennützige Ziele stehen dabei im Vordergrund. In psychologischer Perspektive wird freiwilliges Engagement oft als „wertbezogene, dienstbereite Initiative“ beschrieben, d.h. eine vom Geist oder der Men­talität des Erhalts getragene Handlungsbereitschaft, eine anthropologische Ressource des Sorgens um sich und andere. Wertbezogene Initiativen werden deshalb als Genug­tuung erlebt (Boothe 2007: S. 218).

Schließlich wird im deutschsprachigen Raum auch der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements verwendet (Ammann 2008: S. 25; Notz 1998: S. 27 f.). Der Begriff „bür- gerschaftliches Engagement“ löst öffentliche Engagementformen aus ihrer traditionellen Engführung als „Ehrenamt“, ebenso wie aus ihrer modern-individualistischen Engfüh­rung als „Freiwilligenarbeit“. Er umfasst nicht nur formal legitimierte, öffentlich wahrge­nommene Funktionen in Vereinen, Verbänden und sonstigen öffentlichen Einrichtun­gen, nicht nur soziales Engagement für Benachteiligte, Notleidende und Randgruppen und auch nicht nur fremdnutzenerzeugende Tätigkeiten, die irgendwo im (halböffent­lichen Raum freiwillig übernommen werden (Enquete Kommission 2002: S. 32 ff.; Gensicke et al. 2006: S. 34; Klein 2007: S. 212; Notz 2002: S. 123 f.; Schüll 2004: S. 18; Stricker 2007: S. 19). Der Begriff „bürgerschaftlich“ weist darauf hin, dass Individu­en, in ihrer Rolle als Bürger, sich für die Allgemeinheit und für das Gemeinwesen ein­setzen (Ammann 2008: S. 26). Außerdem werden unter diesem Begriff auch die unter­schiedlichsten Formen politischer Beteiligung subsumiert, die von verfassungsmäßig verbürgten Partizipationsformen in freiheitlichen Demokratien bis hin zu informellen und neuen Wegen politischer Einflussnahme reichen (Schüll 2004: S. 18).

Konstitutiv für alle drei Begriffe (Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches En­gagement) sind nach wie vor die Kriterien Unentgeltlichkeit, Freiwilligkeit und Gemein­wohlbezug (Schüll 2004: S. 18 f.; Corsten 2008: S. 11 f.; Olk 1992: S. 23). Für Heinze und Keupp (1997: S. 23) ist das Kriterium der Unentgeltlichkeit jedoch schon seit Län­gerem kein gutes Abgrenzungsmerkmal für ehrenamtliches Engagement mehr; Auf­wandsentschädigungen und Teilentgelte sind gerade in letzter Zeit eine Antwort auf die Mobilisierungsschwächen von NPOs.

Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird für den ehrenamtlich Tätigen der Begriff „volunteer“ gebraucht. Die freiwillige Arbeit entspricht der wörtlichen Übersetzung des Englischen „voluntary[3] work“ oder „volunteer labor“ (Dekker & Halman 2003: S. 1; Olk 1991: S. 12; Smith 1993; Sundeen et al. 2007: S. 1; Weng 2002: S. 28; Wilson 2000: S. 215 ff.). Basierend auf den Grundlagen der „Universal Declaration on Volunteering“[4], welche an die Menschenrechtskonvention (1948) angelehnt sind, wurde eine nationen­übergreifende Definition von „Volunteering“ mit folgenden Merkmalen entwickelt:

- Freiwilligkeit basiert auf persönlicher Motivation und Wahlmöglichkeiten.
- Freiwilliges Engagement entsteht aus freiem Willen, mit eigener Entscheidung und ist ein Weg zur bürgerschaftlichen Beteiligung im Gemeinwesen.
- Freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement findet in Form von Aktivitäten einzelner oder in Gruppen statt.
- Freiwilliges Engagement wird in der Regel im Rahmen einer Organisation aus­geübt (Corsten 2008: S. 11 ff.; Dekker & Halman 2003: S. 1; Gaskin et al. 1996: S. 12 f.; Ockenden 2007: S. 4; Paine et al. 2006: S. 2; Paulkwitz 1992: S. 195 f.).

Weiters gibt es die Unterscheidung zwischen formeller und informeller Freiwilligenar­beit. Formelle Freiwilligenarbeit erfasst alle unbezahlte und freiwillige Arbeit, welche im Rahmen von Organisationen zu Gunsten der Allgemeinheit geleistet wird. Von informel­ler Freiwilligenarbeit wird dann gesprochen, wenn diese Arbeitsleistungen direkt ande­ren Personen außerhalb des eigenen Haushalts zu Gute kommen, z.B. Nachbarschaft, erweiterter Familie und Freundeskreis (Ammann 2008: S. 25; Badelt & Hollerweger 2001: S. 3; Badelt 2007: 507; Boothe 2007: S. 218; Clary et al. 1996: S. 486; Gensicke et al. 2006: S. 41; Hollerweger 2001: S.1; Ksienski 2004: S. 8; Neysmith & Reitsma- Street 2000: S. 339; Olk 2002: S. 28; Paine et al. 2006: S. 2; Reinbrecht & Gapp 2006: S. 14; Rochester 2006: S. 5).

Für diese Arbeit wird die Definition verwendet, die folgenden Überlegungen entspricht. Es handelt sich um eine Tätigkeit, die unbezahlt - mit eventueller Aufwandsentschädi­gung - bleibt, welche für Dritte außerhalb des Familienkreises ausgeübt und im Rah­men einer Organisation geleistet wird.

Seit den 1970iger Jahren ist jedoch ein „Strukturwandel des Ehrenamts“ zu beobach­ten. Die Bereitschaft zur Mitarbeit bei den etablierten Großträgern ist rückläufig, neue Formen der Ehrenamtlichkeit gewinnen an Bedeutung (Beher et al. 2000: S. 12 ff.; Bendele 1992: S. 72; Brandenburg 1995; Heinze & Keupp 1997: S. 56; Hustinx & Lammertyn 2003: S. 167; Klages & Gensicke 1999; Kühnlein & Böhle 2002: S. 267; Moschner 2002: S. 2; Olk 2002: S. 27 ff.; Reinbrecht & Gapp 2006: S. 14; Rochester 2006: S. 8; Schüll 2004: S. 75; Stricker 2007: S. 31 f.; Weng 2002: S. 40 f.; Wessels 1994).

Traditionelle ehrenamtliche Tätigkeiten werden im Rahmen von Großinstitutionen wie Wohlfahrtsverbänden, Kirchen oder Parteien geleistet. Dieses Engagement ist gekenn­zeichnet durch eine langfristige Mitarbeit, fest organisierte Formen von Kooperation und Arbeitsteilung (Heinze & Keupp 1997: S. 56; Moschner 2002: S. 2). Das alte idealtypi­sche Ehrenamt wird durch den Idealtyp des „neuen Ehrenamts“ ersetzt. Anzeichen und Kriterien für ein solches „neues Ehrenamt“ sind:

1. Reziprozität von Geben und Nehmen und nicht mehr selbstloses Handeln
2. Ehrenamtliche sind nicht mehr völlig „unbezahlt“ zu gewinnen und zu motivieren
3. Erhöhte Qualifikationsansprüche an ehrenamtliche Arbeit - Trend zur latenten Fachlichkeit bzw. zu „Semi-Professionalität“
4. Immer mehr Typen ehrenamtlich Tätiger - Ausdifferenzierung des Ehrenamtes
5. Ehrenamtlichkeit dient nun der Identitätssuche und Selbstfindung
6. Auftreten neuer Engagementfelder wie z.B. der Ökologie, sowie neuer Organisa­tionsformen, z.B. selbst organisierte Initiativen
7. Inanspruchnahme der Möglichkeit, sich (jederzeit) wieder zurückziehen zu kön­nen (Holzer 2005: S. 18 f.)

Gesellschaftliche Zentralwerte des „alten Ehrenamts“, wie etwa christliche Nächstenlie­be oder Klassensolidarität, verlieren an Bedeutung. Das „neue Ehrenamt“ ist neben den oben genannten Anzeichen und Kriterien auch gekennzeichnet durch eine neue Ver­knüpfung von sozialer Gesinnung, persönlicher Betroffenheit, Selbstverwirklichungsmo­tiven und politischem Veränderungswillen (Holzer 2006: S. 19; Klages & Gensicke 1999; Olk 2002: S. 29; Stricker 2007: S. 31).

2.3 Motive und Motivation

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, warum eine Person bereit ist (individuelles Wollen), ihre eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten (persönliches Können) in ehrenamtli­cher Arbeit einzusetzen, und durch welche sozialen Gegebenheiten (soziales Dürfen und situative Ermöglichung) sie dabei indirekt oder direkt beeinflusst wird. Dabei sind die Begriffe „Motive“ und „Motivation“ sehr wichtig und werden im Folgenden näher er­klärt.

Unter „Motive“ werden grundlegende, situationsübergreifende und relativ konstante Ziel­oder Wertungsdispositionen einer Person verstanden, die die Persistenz eines Verhal­tens über verschiedene Situationen hinweg bzw. die Präferenz für eine bestimmte grundlegende Richtungsänderung des Verhaltens zu erklären versuchen (Heckhausen 1989: S. 9). Beispiele für Motive sind Aggression, Ängstlichkeit, Macht, Leistung, Altru­ismus, sozialer Anschluss usw. An diesen Beispielen ist bereits abzulesen, dass es sich bei Motiven um abstrakte Inhaltsklassen von Erklärungsursachen menschlichen Verhal­tens handelt (Schüll 2004: S. 113).

Demgegenüber ist „Motivation“ für Heckhausen (1989: S. 3) „eine momentane Gerichte­theit auf ein Handlungsziel, (...) zu deren Erklärung man die Faktoren weder aus­schließlich auf Seiten der Situation, noch ausschließlich auf Seiten der Person, sondern auf beiden Seiten heranziehen muss“. Nadai (1996: S. 66) hingegen versteht unter „Mo­tivation“ eine aus bisherigen Lebenserfahrungen resultierende, grundsätzliche Zielorien­tierung, die als grundlegender Impetus die Form des Engagements wesentlich mitbe­stimmt. Außerdem versteht Heckhausen (1989: S. 10) unter der Motivation keine relativ konstante, gleichsam statische Handlungsdisposition der Individuen, sondern einen si­tuationsverhafteten Prozess, in dem der Mensch „sein Verhalten um der erwarteten Folgen willen auswählt und hinsichtlich Richtung und Energieaufwand steuert“.

2.3.1 Intrinsische versus extrinsische Motivation

Das menschliche Verhalten kann durch innere („intrinsisch“) oder äußere („extrinsisch“) Anreize motiviert sein (Von Cranach 2008: S. 144; Weng 2002: S. 21).

Von intrinsischer Motivation wird gesprochen, wenn die Wurzeln des menschlichen Handelns in der eigenen Wertvorstellung und inneren Leidenschaft liegen. Von Cranach (2008: S. 144) nennt einige Beispiele für diese Art von Motivationen: z.B. Zweckfreiheit, Selbstbestimmung, freudiges Aufgehen in der Handlung oder Übereinstimmung von Handlung und Ziel (z.B. Anstrengung um der Leistung willen).

Extrinsische Motivationen sind externe Ursachen für ein bestimmtes Verhalten, das durch äußere Faktoren der Umwelt beeinflussbar ist. Nach Kühnlein und Böhle (2002: S. 268) sind sie Handlungsimpulse, die auf eine zu erwartende Belohnung ausgerichtet sind (z.B. Belohnung durch Mittel, die mit der Handlung nichts zu tun haben). Weitere Beispiele für extrinsische Motivation sind nach Deveza (2005: S. 23) Sicherheitsbedürf­nisse, der Wunsch nach sozialen Kontakten, Geltungsstreben, Status, Anerkennung und Lob.

Eine eindeutige Trennung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation ist in der Praxis schwer durchführbar. In der Motivationsforschung spielt die Korrumpierung in­trinsischer durch extrinsische Motivation eine große Rolle (Heckhausen 1989: S. 454 ff.). Der Korrumpierungseffekt tritt auf, wenn eine Tätigkeit, die bisher freiwillig und un­entgeltlich ausgeübt worden ist (intrinsische Motivation), plötzlich entgeltlich oder durch andere Formen belohnt wird (extrinsische Motivation). Dies kann sich negativ auf intrin­sische Motivation auswirken (Deveza 2005: S. 24). Auch von Cranach (2008: S. 144) vertritt diese Meinung, für ihn kann die intrinsische Motivation nachlassen, wenn eine an sich intrinsisch motivierte Handlung zusätzlich extrinsisch motiviert wird.

2.3.2 Altruistische versus egoistische Motive

Weiters gibt es die Unterscheidung zwischen altruistischen und egoistischen Motiven. Im deutschen Sprachgebrauch wird „Altruismus“ als Selbstlosigkeit und Uneigennützig­keit definiert und als Gegensatz zu „Egoismus“ verstanden. In der Forschung (Maner & Gailliot 2007: S. 347; Moschner 2002: S. 4 ff.) wird heftig diskutiert, ob freiwillige Hand­lungen auf einer altruistischen Motivation beruhen oder egoistisch motiviert sind.

Schüll (2004: S. 118) zitiert den Begriff „Altruismus“ nach der Definition von Macaulay und Berkowitz: behavior carried out to benefit another without anticipation of re­ wards from external sources“. Moschner (1994: S. 11 f.) definiert in ihrer Arbeit altruisti­sches Handeln als die Tätigkeit, die sich auf das Wohlergehen anderer Personen oder Personengruppen richtet.

Das Kriterium „Uneigennützigkeit“ ist eines der drei Bestimmungselemente für Altruis­mus und wird allerdings von vielen Autoren (Badelt 2007: S. 241 f.; Cranach 2008: S. 141; Guo 2006: S. 108; Hollerweger 2001: S. 14; Moschner 2002: S. 4; Schüll 2004: S. 118) in Frage gestellt, die explizit davon ausgehen, dass Helfen oder Einsetzen für an­dere mit eigennutzenorientierten Vorteile verbunden sein kann. Von Cranach (2008: S.141 ff.) argumentiert mit dem Zitat von Friedrich Schiller „Gerne dien’ ich dem Freund, doch thu ich es leider mit Neigung. Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin ...“, dass der Einsatz für das Wohl des Anderen zugleich auch dem eigenen Wohl­befinden dient. Schüll (2004: S. 26 f.) und Olk (2002: S. 39) sind der Auffassung, dass die Motivstrukturen des ehrenamtlichen Engagements von Pluralität geprägt sind und sowohl altruistische als auch egoistische Beweggründe enthalten. Hunt ergänzt den Begriff „Altruismus“ um den Faktor „Kosten des Helfenden“. Er definiert Altruismus als „ein Verhalten zum Vorteil anderer, das mit gewissen eigenen Opfern verbunden ist und ohne Erwartung einer Belohnung aus externen Quellen, oder zumindest nicht primär aufgrund einer solchen Erwartung erfolgt“ (Schüll 2004: S. 118).

Alle genannten Autoren gehen davon aus, dass prosoziales Handeln gleichzeitig durch verschiedene Motive oder Motivbündel determiniert sein kann. In Bezug auf konkretes Verhalten sollte nach den relativen Motiven gefragt werden. Nach dem einführenden Kapitel der Begriffserklärung wird im nächsten der bisherige Forschungsstand zusam­mengefasst und dargestellt.

3 Zusammenfassung des bisherigen Forschungs­standes

Zunächst wird das Modell der vier Bedingungen des Verhaltens nach von Rosenstiel (2007) kurz skizziert. In der Folge werden die Bedingungen des ehrenamtlichen Enga­gements angesichts dieser vier Variablen erörtert. Nationale und internationale Arbei­ten, die dies beinhalten, werden zitiert.

3.1 Bedingungen des Verhaltens als Analyseraster

Von Rosenstiel (2007: S. 57 ff.) hat die Formel des persönlichen Verhaltens „Verhalten = f (Person, Situation)“ von Kurt Lewin (1975) differenziert und daraus die Bedingungen des Verhaltens generiert. Nach seinem Modell ergibt sich das Verhalten des Menschen in der Arbeitssituation bzw. einer Organisation allgemein aus den vier, in der Abbildung 1 dargestellten Komponenten: das persönliche Können, das individuelle Wollen, das soziale Dürfen und die situative Ermöglichung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vier Bedingungen des Verhaltens nach von Rosenstiel (2007)

Die linke Seite der Abbildung 1 zeigt die situativen und die rechte die personenbezoge­nen Bedingungen. Die beidseitigen Pfeile bedeuten, dass zwischen den einzelnen De­terminanten Wechselwirkungen bestehen. Die Bedingungen sind damit nicht unabhän­gig voneinander und wirken auf das Verhalten ein oder umgekehrt kann sich jedes Ver­halten auf sie auswirken.

Im Folgenden werden die vier Bedingungen des Verhaltens kurz beschrieben.

Das individuelle Wollen bezieht sich vor allem auf die Art und Weise der Motivationen der Menschen, ein Ziel zu erreichen. Es handelt sich um die Motive (Kapitel 2.3) sowie die Beweggründe eines Individuums, etwas zu tun oder sich für etwas einzusetzen. Wesentlich dabei sind die Differenzierung zwischen der intrinsischen und der extrinsi- schen Motivation (Kapitel 2.3.1) der Individuen, und die Unterscheidung zwischen altru­istischen und egoistischen Motiven (Kapitel 2.3.2).

Das erforderliche persönliche Können bezieht sich auf Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen der Personen, das erforderlich ist, um den Tätigkeitsanforderungen gerecht zu werden. Dieses „Können“ lässt sich weiter in angeborene oder langfristig erworbene Fähigkeiten (z.B. sprachliche Intelligenz) und gezielt erarbeitete Fertigkeiten (z.B. Füh­ren von kommunikativen Dialogen) aufspalten.

Das soziale Dürfen eines Individuums wird durch das soziale Umfeld, explizite und im­plizite Regeln einer Organisation oder Gesellschaft, sowie gesellschaftliche Normen und Werte bestimmt. Die Merkmale von Werten sind von Schwartz und Bilsky (zitiert nach Weng 2002: S. 45) in einer Definition zusammengefasst worden. So sind Werte durch folgende fünf formale Aspekte gekennzeichnet:

- Werte sind Konzepte oder Glauben,
- die Teil eines wünschenswerten Verhaltens oder Endziels sind,
- über bestimmte Situationen hinausgehen,
- die Beurteilung von Vorkommnissen und Verhaltensweisen steuern und
- in einer Rangfolge geordnet werden können.

Die situative Ermöglichung schließlich bezieht sich auf die objektive Möglichkeit, eine Handlung überhaupt ausführen zu können. Sie umfasst die räumlichen, zeitlichen und ressourcenmäßigen Rahmenbedingungen des Individuums. Sie beinhaltet die äußere­ren Gegebenheiten, die sowohl hemmende als auch begünstigende Wirkung haben, die das Verhalten des Menschen direkt oder indirekt fördern oder verhindern.

Wie die Abbildung 1 (siehe S. 19) zeigt, ist das menschliche Verhalten grundsätzlich sowohl situativ als auch persönlich bedingt. Die beiden Variablen Ermöglichung und Dürfen liegen weitestgehend im äußeren Einflussbereich. Die in der Person liegenden Bedingungen sind das individuelle Wollen (Motiv) und das persönliche Können, bei de­nen die größere Problematik liegt, da sie nur indirekt gesteuert werden können und selbst wiederum vielfältigen Einflüssen unterliegen.

Als Grundbedingung des Handelns beeinflusst die situative Ermöglichung insbesondere das Können und Wollen, aber auch das Dürfen eines Individuums. Besonders deutlich wird diese wechselseitige Abhängigkeit beim Können und Wollen. Wer etwas beson­ders gut kann, wird das im Regelfall auch gern ausführen. Dennoch gibt es Personen, die ein intensives Wollen zeigen, denen es aber am Können mangelt, oder die können, aber nicht wollen.

Das soziale Dürfen beeinflusst wiederum das Können und Wollen einer Person bzw. auch umgekehrt. Problematisch können sich hier Widersprüche auswirken, denn wenn eine Person mehr kann oder will als sie darf, kommt es zum Teil zu unauflösbaren Kon­flikten.

In dem soeben gezeigten und diskutierten Modell werden nur die konkreten Wechsel­wirkungen der vier Variablen sehr allgemein dargestellt. Daher wird im nächsten Kapitel das Modell schrittweise adaptiert, um seine Implikationen für die ehrenamtliche Tätigkeit aufzeigen zu können.

3.2 Bedingungen ehrenamtlicher Tätigkeit

In diesem Teil werden österreichische und internationale Studien vorgestellt, die Bedin­gungen ehrenamtlicher Tätigkeit beleuchten. Nach dem Modell von Rosenstiels (2007) werden die Ergebnisse dieser Studien im Folgenden den vier Bedingungen des Verhal­tens zugeordnet.

Zuerst werden diese vier Determinanten an einem kleinen Beispiel in Bezug auf das Ehrenamt verdeutlicht. Eine Person hat den Wunsch (das Motiv), sich ehrenamtlich zu betätigen. Dieses Motiv allein bedeutet nicht, dass er/sie es auch tun, sondern nur, dass er/sie es versuchen wird. Um sich bei einer NPO zu engagieren, muss er/sie immer in Kontakt sein mit anderen Mitgliedern. Er/sie hat jedoch persönliche Schwierigkeiten, Kontakt zu Mitmenschen aufzubauen. Durch sein/ihr Nicht-Können (Schüchternheit) wird er/sie auch nicht im Stande sein, seinen/ihren Wunsch freiwilliger Tätigkeit zu ver­wirklichen. Außerdem erlaubt ihm/ihr seine/ihr EhepartnerIn nicht, dass er/sie ohne Geld arbeiten geht, weil sie/er ohne seinen/ihren Gehalt den Haushalt nicht führen kann (situative Ermöglichung). Schlussendlich arbeiten keine Nahverwandten oder Freunde von ihm/ihr im Dienst des Ehrenamts (soziales Dürfen), wenn er/sie dies tun würde, stünde er/sie als Außenseitern des Familien- und Freundeskreises da.

Die psychologischen Studien zum ehrenamtlichen Engagement, welche theoretisch in den Rahmen der Altruismusforschung eingebettet sind, beschäftigen sich nach Moschner (2002: S. 4) mit verschiedenen Formen von prosozialem Handeln. Prosozia­les Verhalten ist ursprünglich ein Forschungsgegenstand der Sozialpsychologie (Riegler 2007: S. 29), wird jedoch auch von der Nonprofitforschung beleuchtet.

Obwohl es viele Studien zum Thema Freiwilligkeit gibt, ist sie aus der Sicht der Wissen­schaft ein neues und kaum erforschtes Gebiet. Erst mit dem Ende der 1980iger Jahre waren die ersten Fragen zur Bereitschaft des Engagements aufgetaucht. Nach Am­mann (2008: S. 19 f.) entstanden in den letzten beiden Jahrzehnten lediglich Studien zu verschiedenen Aspekten der Freiwilligkeit, ohne dass diese als Ganzes in den Fokus einer wissenschaftlichen Betrachtung geraten wäre. Vor allem im Bereich des freiwilli­gen Engagements der MigrantInnen gibt es nur vereinzelte Arbeiten.

Zu den Bedingungen der Ehrenamtlichkeit listen Braun und Röhrig (1986: S. 85) und Helbrecht-Jordan (zitiert nach Heimgartner 2004: S. 48) zwölf Punkte auf: 1. Anerken­nung als notwendige Ergänzung, 2. Gleichberechtigung und Partnerschaft, 3. Erleben von Teamarbeit, 4. finanzielle Honorierung, 5. Versicherungsschutz, 6. Flexible und ei­genständige Arbeitszeit, 7. Nähe von Wohnort und Tätigkeitsort, 8. Betreuung von Fachkräften, 9. geringe soziale Belastung, 10. geringe körperliche Belastung, 11. Tätig­keit entsprechend der eigenen Ausbildung, 12. Weiterbildungsmöglichkeiten.

Für Bartjes (1995) hingegen stehen personenorientierte und gruppendynamische Be­ziehungen im Vordergrund (Heimgartner 2004: S. 48 f.). Folgende acht Punkte ermögli­chen ehrenamtliches Engagement: (1) Möglichkeit der Wahl verschiedener Aufgaben, (2) Möglichkeit zur Bearbeitung eigener biografischer Fragen, (3) Möglichkeit zur Ver­bindung von Selbstbezug und altruistischem Handeln, (4) Möglichkeit zum Wechsel der Tätigkeit, (5) Möglichkeit zur Mitsprache und Autonomie bei der Gestaltung des Aufga­benfeldes, (6) Kooperation von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, (7) Möglichkeiten zu Austausch, Kommunikation, Unterstützung und Fortbildung, (8) materielle oder sym­bolische Gratifikationen.

Aus diesen zwei Beispielen wird ersichtlich, dass eine ähnliche Fragestellung bei ver­schieden ForscherInnen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Deshalb muss vorerst eine theoretische Basis geschaffen werden, erst dann können empirische Studi­en verglichen werden. Für das folgende Kapitel dienen die vier Bedingungen des Ver­haltens als Analyserahmen.

3.2.1 Individuelles Wollen

Zum individuellen Wollen - meistens Motive oder Motivationen (Kapitel 2.3) genannt - ehrenamtlicher Arbeit in persönlicher Perspektive liegen zahlreiche Untersuchungen vor. Die meisten Autorinnen lehnen die Beschränkung auf einzelne Gründe für das Eh­renamt ab und treten für eine Vielfalt der Motive (Neysmith & Reitsma-Street 2000: S. 336; Puffer & Meindl 1992: S. 426) ein. Diese Vielfalt ergibt sich aus den unterschiedli­chen Tätigkeiten, aus den Lebenserfahrungen und aus der Wahrnehmung während der ehrenamtlichen Tätigkeit.

In der Motivationsforschung werden die Motive der Freiwilligkeit als prinzipiell uner­schöpflich angesehen. Viele AutorInnen (Badelt 2007: S. 515; Maner & Gailliot 2007; Moschner 2002: S. 4) bemühen sich aber um eine zweistufige Gruppierunge von Moti­ven, die grob die Unterscheidung Altruismus versus Egoismus (Kapitel 2.3.2) oder Selbstbezogenheit (Wessels 1994: S. 93) widerspiegelt.

Moschner (2002: S. 4 ff.) findet die Gegenüberstellung von altruistischen und egoisti­schen Motiven sehr hilfreich für die Orientierung durch die in der Literatur aufgezeigten Motive. Zu den egoistischen Motiven gruppiert sie Sinnerfahrungen (eine Form der Selbsthilfe, um dem eigenen Leben ein Ziel oder eine Richtung zu geben), Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit, Erwerb, Anwendung oder Weiternutzung beruflicher Qualifikationen, Suche nach Lerngelegenheiten, Bedürfnis nach Anerkennung und Stärkung des Selbstwertgefühls und Spaß und Abenteuer. Die altruistischen Motive setzen sich aus sozialer Verantwortung und caritativer Verpflichtung zusammen, die in gewisser Weise durch soziale Normen (Kapitel 3.2.3) bestimmt sind. Auch Badelt (2007: S. 515) ist der Ansicht, dass die ehrenamtliche Arbeit Nutzen für den Ehrenamt­lichen selbst bringt. Dieser Nutzen leitet sich manchmal mehr aus dem Prozess der Ar­beit und weniger aus dem Arbeitsergebnis ab. Zu diesen persönlichen Motiven zählen soziale Integration, persönliche Zufriedenheit, Erwerb von sozialem Status, sinnvolle Freizeitgestaltung etc.

Nach einem anderen Prinzip unterscheiden Kausch (2008: S. 126), Reinbrecht und Gapp (2006: S. 14) zwischen Motiven „alter“ und „neuer“ Freiwilligen und schlägt zwei Motivlagen vor: (a) traditionell humanitäre Einstellungen, gekennzeichnet durch den Begriff der Verantwortung für andere, (b) persönliche Einstellungen, die der eigenen Bedürfnisbefriedigung dienen (z.B. Selbstentfaltung, Selbstverwirklichung, persönliche Weiterentwicklung). Diese beiden Gruppierungen (Altruismus versus Egoismus und alt versus neu) sind ähnlich und unterscheiden sich nur durch die Bezeichnung. Trotz die­ser Zuschreibungen sind die Grenzen fließend und daher schwer zu ziehen, da indivi­duelle Unterschiede bestehen und die Motive nicht nur von der Tätigkeit abhängen, sondern auch von der jeweiligen Person.

Verschiedene ForscherInnen halten es für sinnvoll, von der Vorstellung eines absoluten Altruismus Abstand zu nehmen und stattdessen von einem relativen Altruismus oder Egoismus zu sprechen. Für sie (Schüll 2004: S. 26; Wessels 1994) darf freiwillige Arbeit nicht einseitig als selbstloses „Nur-Dienen“ begriffen werden und die altruistischen Ori­entierungen sind eher von untergeordneter Bedeutung. Kennzeichnend dabei ist eine Verschiebung der Motive zu individuellen Interessen und Ansprüchen.

Im Gegensatz zu den vorher genannten ForscherInnen meint jedoch Ammann (2008: S. 9 f.), dass eine wichtige Gemeinsamkeit des freiwilligen Engagements darin liegt, dass die Orientierung an eigenen Interessen nicht im Vordergrund steht. Für ihn erfährt das Einsetzen für andere besondere Anerkennung. Ribar und Wilhelm (2002: S. 425) unter­suchen theoretisch und empirisch, wie die altruistischen Motivationen zu karitativen Tä­tigkeiten beitragen.

Auch im Zentrum der Studie von Siegenthaler (2008: S. 38) geht es dabei um grundle­gende Handlungsorientierungen und darum, inwiefern das gemeinnützige Engagement als Altruismus auszuweisen ist. Zusätzlich vertritt er die Meinung, dass altruistische Mo­tive mit eigenen Vorteilen kombiniert werden können. Deshalb ist es sinnvoll, so wie viele WissenschaftlerInnen (Huth 2006; Moschner 2002; Siegenthaler 2008; Wessels 1994) vorgeschlagen haben, Freiwilligkeit mit Prestige und Anerkennung, und mit Mög­lichkeiten des Kompetenz- und Qualifikationserwerbs zu verbinden.

Viele Untersuchungen zeigen, dass die vielfältigen Beweggründe für das ehrenamtliche Engagement als ein Bündel unterschiedlicher Motive angesehen werden können. Wes­sels (1994) zeigt in seiner Analyse, was die Beweggründe sind, die die Frauen zur Auf­nahme einer ehrenamtlichen Arbeit bewogen haben. Es geht dabei auf keinen Fall um ein einzelnes Motiv, sondern immer um eine Reihe von Motiven nebeneinander. Zwi­schen drei Arten von Motivationsbündeln (S. 87 ff.) soll differenziert werden:

1. dem karitativ-religiösen Helfermotiv, hier kommen vor allem religiöse Motive und Werthaltungen (Kapitel 3.2.3) zum Tragen
2. dem Motiv, das in der Befriedigung subjektiver Bedürfnisse begründet ist
3. dem Vorhandensein einer objektiven Notwendigkeit

Einige AutorInnen (Ammann 2007; Heinze & Keupp 1997; Hollerweger 2001; Lammers 1991; Maenning 1997; Notz 1998, Rauschenbach et al. 1992) definieren verschiedene Typen von Ehrenamtlichen. Maenning (1997: S. 416 ff.) bezieht dabei Folgende vier Ansätze mitein: (1) die lerntheoretischen Altruismusansätze (sie gehen von klassisch altruistischen Motiven aus), (2) die emotionspsychologischen Ansätze (sie betonen die Bedeutung der individuellen Fähigkeit zur Empathie, sowie den Einfluss affektiver Fak­toren), (3) die normtheoretischen Ansätze (die altruistische Hilfe ist die akzeptierte Ver­haltensnorm) und (4) komplexe Theorien (sie bereichern die bislang geschilderten Er­klärungsansätze durch zusätzlichen Bestimmungsfaktoren und/oder kombinieren diese miteinander).

Heinze und Keupp (1997: S. 24 f.) sehen vier Kategorien der Motivation in ihrer Arbeit, die allerdings als Idealtypen zu verstehen sind: (1) Die traditionelle und normgeleitete Motivation, zu dieser gehört die Anfrage von Freunden und Bekannten als der häufigste Grund. (2) Die problemorientierte Motivation, bei der die Engagierten persönliche Defizi­te ausgleichen können. (3) Die individualistische Motivation bezieht sich auf die egoisti­schen Motive (Kapitel 2.3.2). (4) Die gesellschaftsorientierte Motivation wird von Nor­men (Kapitel 3.2.3) beeinflusst. Genau so viele Motivkategorien sind für Hollerweger (2001: S. 78 ff.) von Bedeutung: (1) Ehrenamtliche Arbeit als persönliche Bereicherung, (2) Ehrenamtliche Arbeit als politisches/zivilgesellschaftliches Engagement, (3) Ehren­amtliche Arbeit als Engagement für andere und (4) Berufsbezogene Beweggründe. In der Geislingen-Studie (Olk 2002: 39 ff.) werden mit Helfen, Pflichtbewusstsein, Gestal­tungswille und Ich-Bezug vier überlappende Motivkreise des bürgerschaftlichen Enga­gements identifiziert. Paine et al. (2006: S. 3 f.) untersuchen die Beweggründe ehren­amtlichen Engagements nach vier Gesichtspunkten: (1) psychologische Faktoren und Grundhaltung, (2) soziale und persönliche Hintergründe, (3) Gemeinschaftsgefühl und (4) situative Faktoren (Kapitel 3.2.4).

Ammann (2007: 230 f.) listet fünf Motivationskomplexe, die die Menschen bewogen ha­ben, sich freiwillig und unbezahlt für andere einzusetzen: (1) subjektive Aspekte, (2) Elemente des Erlebens, (3) Weltbild, (4) monetäre Gegenleistung und (5) immaterielle Anerkennung. Zusätzlichen bringen Kühnlein und Böhle (2002: S. 270 f.) ein, dass ihre Analysen sich zu fünf übergreifenden Aspekten zusammenfassen lassen, die Personen veranlassen können, eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben. Sie sind: (1) altruistische Gründe (Pflichterfüllung und Gemeinwohlorientierung), (2) gemeinschaftsbezogene Gründe (Kommunikation und soziale Integration), (3) gestaltungsorientierte Gründe (ak­tive Partizipation und Mitbestimmung), (4) problemorientierte Gründe (Bewältigung ei­gener Probleme und Veränderung gesellschaftlicher Missstände) und (5) entwicklungs­bezogene Gründe (personal growth, Selbstverwirklichung).

Clary (1999: S. 157; Clary et al. 1996: S. 488 ff.; Clary et al. 1998: S. 1517 ff.) identifi­ziert auf der Basis von Interviews sechs persönliche und soziale Funktionen (Volunteer Functions Inventory), welche die Gründe, Zwecke und Motivationen des menschlichen Verhalten erklären: (1) Werthaltung, (2) Verständnis (z.B. Sie lernen mehr über die Welt), (3) persönliche Entwicklung, (4) Karriere, (5) soziale Netzwerke, (6) persönlicher Schutz (Ablenken von persönlichen Problemen).

Ein ganzes Bündel unterschiedlicher Motive ermittelte Notz (1998: S. 71f.) in ihren em­pirischen Untersuchungen des ehrenamtlichen Engagements in Deutschland, dabei hat sie sieben Typen ehrenamtlicher ArbeiterInnen identifiziert:

1. Frauen, die durch kleine Kinder oder hilfsbedürftige Personen an den Haushalt gebunden sind, deshalb Haus- und Erwerbsarbeit nicht miteinander verbinden können, aber trotzdem gerne über den eigenen Haushalt hinaus gesellschaftlich nützliche Arbeit leisten möchten.
2. Frauen im mittleren Lebensalter, die ein neues Betätigungsfeld suchen, nachdem die Kinder den Haushalt verlassen hatten.
3. Ältere Frauen, die ihre Berufstätigkeit abgeschlossen haben und noch einer nütz­lichen Beschäftigung nachgehen möchten.
4. Frauen und Männer, die eine unzufriedene Berufstätigkeit kompensieren möch­ten.
5. Junge Frauen und Männer, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben.
6. Frauen und Männer, die sich noch in Berufsausbildung befinden und praktische Erfahrungen sammeln möchten.
7. Frauen und Männer, die ihren Erwerbsarbeitsplatz verloren haben oder die nach der Berufsausbildung oder dem Studium keinen bezahlten Arbeitsplatz gefunden haben.

Heimgartner (2004) argumentiert in seiner Arbeit, dass ehrenamtliche Arbeit nicht aus altruistischen oder egoistischen Motiven erfolgen muss, sondern es können sehr ver­schiedenartige Beweggründe den Menschen veranlassen, ehrenamtliche Arbeit zu leis­ten. Er fordert ein, die Motive im Hinblick auf die tätige Person zu interpretieren. Auch Schüll (2004) ist sich dessen bewusst. Für ihn ist wichtig, dass die ehrenamtlich tätigen Menschen, die Träger der Motive, selbst zu Wort kommen müssen, um eine möglichst vorurteilsfreie Erhebung vorhandener Tätigkeitsmotive durchzuführen. Weiterführend geht Moschner (2002: S. 3) davon aus, dass bestimmte Motive, Werte und Erwartungen auch innerhalb einer Person im zeitlichen Verlauf der ehrenamtlichen Arbeit variieren. Hier stellt sich nun die wichtige Frage: Wie sind diese zustande gekommen? Nach Heimgartner (2004: S. 30 f.) kann sich eine Veränderung der Motive für ehrenamtliche Arbeit durch biografische Abläufe ergeben. Die Befunde der Studie Olk‘s (2002: S. 43) sprechen für die These eines biografischen „Selbstbezugs“ des modernen freiwilligen Engagements. Rauschenbach et al. (1992: S. 238) nennen in ihrer Arbeit, dass die le­bensphasenabhängige Ausprägung ehrenamtlichen Engagements (1. Noch-Nicht- Erwerbstätigkeit im Jugendalter, 2. vorübergehende Nicht-Erwerbstätigkeit in Zeiten der Kinderversorgung, 3. Nicht-Mehr-Erwerbstätigkeit im Rentenalter) sich auf die Bereit­schaft und Möglichkeit zum ehrenamtlichen Engagement grundlegend auswirkt.

Die Entscheidung, eine freiwillige Tätigkeit aufzunehmen oder fortzusetzen, steht nach Ansichten einiger AutorInnen (Corsten et al. 2008; Heimgartner 2004; Hustinx & Lammertyn 2003; Kausch 2008; Moschner 1994; Moschner 2002; Nadai 1996; Olk 2002; Schüll 2004) im Zusammenhang mit der biografischen Situation, vergangenen Erfahrungen und zukünftigen Erwartungen. Hustinx und Lammertyn (2003: S. 170 ff.) entwickeln aufgrund der biografisch bezogenen Elemente drei Freiwilligenstils („multi­dimensional, multilevel and multiform in nature"), welche die Form und den Inhalt der neuen Freiwilligen in sechs verschiedenen Dimensionen erforschen: der biografische Bezugsrahmen, die Motivationsstruktur, der Verlauf und die Intensität des Engage­ments, die organisatorische Umgebung, die Wahl der Tätigkeit und die Beziehung zur bezahlten Arbeit.

Im Mittelpunkt von Eva Nadais (1996) Studie steht der „Stellenwert von Freiwilligenar­beit im Leben der Freiwilligen, insbesondere der persönliche Nutzen, den die Aktiven aus ihrem Engagement ziehen“. Freiwilliges Engagement hat für sie „komplexe Hinter­gründe und kann nur im Kontext der ganzen Lebenssituation verstanden werden.“ Sie betrachtet es nicht als isoliertes Phänomen, sondern bettet dieses in den Zusammen­hang der Freiwilligenkarriere einzelner Personen ein. Sie führt eine standardisierte Be­fragung in Kombination mit den problemzentrierten Interviews durch und kommt zu den folgenden Motiven: 1. Selbstentfaltung, 2. Persönlichkeitswachstum, 3. Sozialkontakte, 4. Hedonismus, 5. Sozialprestige, 6. Gemeinwohlverpflichtung, 7. Gestaltungswille.

Für Moschner (1994: S. 173) sind lebenssituationsspezifische Rahmenbedingungen auslösende und aufrechterhaltende Motive des Engagements. Ähnlich meinen auch Corsten et al. (2008), dass die Motive für bürgerschaftliches Engagement in der Biogra­fie zu finden sind. Die Biografie ist nicht nur die Quelle von Selbstinterpretationen, son­dern auch der Zweck von Selbstdefinitionen. Corsten et al. (2008: S. 10) bezeichnen diese Art des impliziten Wissens und Wollens als fokussiertes Motiv. Die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigen auch, dass die fokussierten Motive in vielfältiger Weise von äußeren Umständen (Kapitel 3.2.3 - 3.2.4) abhängen, die der Mensch kaum oder gar nicht kon­trollieren kann. Diesem Bezug zur Lebenserfahrung ist aber auch zu widersprechen, denn Kausch (2008: S. 126) meint, dass die Ehrenamtlichkeit den Engagierten eine Kontrasterfahrung zur Alltagserfahrung in Familie und Beruf erlaubt.

Viele Arbeiten (Clary 1999; Clary et al. 1996; Heinze & Keupp 1997; Kausch 2008; Olk 2002; Wessels 1994) fokussieren sich auf Motive wie eigene Hilfsbedürftigkeit oder Ab­lenkung von eigenen Problemen. Wessels (1994: 87 ff.) sieht in seiner Studie eine be­stimmte Notsituation als Ausgangspunkt für ein ehrenamtliches Engagement. Hier ist das Handeln weniger am eigenen Nutzen orientiert, sondern vielmehr von Selbstlosig­keit und Uneigennützigkeit bestimmt und kommt somit der Vorstellung einer altruistisch motivierten Denk- und Handlungsweise nahe. Das Motiv für das Handeln ist in den ge­nannten Beispielen jeweils das Bedürfnis, Menschen, die sich in bestimmten Notlagen befinden, denen keine alternativen Hilfsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, zu helfen. Zu diesem Punkt äußert Kausch (2008: S. 126), dass viele Menschen wegen eines per­sönlichen Anliegens (z.B. eines Problems) die Tätigkeit in der Kirche aufnehmen.

Heinze und Keupp (1997: S. 59) und Olk (2002: S. 43) weisen ebenfalls auf Lebenskri­sen bzw. aktuelle Problemlagen hin, in die soziale Ehrenamtlichkeit als „Problembear­beitungsstrategie bei eigener Betroffenheit“ (Kühnlein & Böhle 2002: S. 270) einbezo­gen ist und von denen sie profitiert. Auch Clary (1999: S. 157; Clary et al. 1996: S. 493) erwähnt diesen Punkt in seiner Studie (Volunteer Functions Inventory: siehe S. 27 der vorliegenden Arbeit) als Einflussfaktor des ehrenamtlichen Engagements, aber das Er­gebnis seiner Untersuchung zeigt, dass er von untergeordneter Bedeutung ist.

Boothe (2007: S. 223 f.) definiert in ihrer Arbeit die Motive zum Ehrenamt in einer ande­ren Weise: (1) Handlung als Retterin in Notsituation, (2) Religiöse Selbstverwirklichung als individuelle Erfüllung, (3) wertbezogene, dienstbereite Initiative, (4) Dazugehören, Position beziehen, Wirkung haben, (5) Stärken Zusammenlegen, respektvolle Verbun­denheit gelten lassen, produktive Tatkraft (Wirkungen - Stärken Zusammenlegen), Respekt und Anerkennung für das zu erhaltende Gut (Positionsbezug - gelten lassen) sowie Zugehörigkeit (hier als respektvolle Verbundenheit).

Die Motive freiwilliger Arbeit hängen von demografischen Variablen (Chou 1998; Lam- mers 1991: S. 127; Nassar-McMillian & Lambert 2003; Neysmith & Reitsma-Street 2000: S. 336; Smith 1994; Sundeen et al. 2007: S. 2; Weng 2002: S. 3; Wilson 2000) wie z.B. dem Geschlecht (Karsten 1992; Notz 2002; Wessels 1994), dem Alter (Gensicke et al. 2006; Hank et al. 2006; Olk 2002; Karsten 1992), der Sozialumgebung, der religiös-moralischen Verpflichtung (Kausch 2008) und der Berufstätigkeit (Lammers 1991: S. 127) ab.

Demnach beteiligen Frauen und ältere Menschen sich mehr aus Mitleid, Mitgefühlt und Solidarität, Männer mehr aus allgemein altruistischen Motiven. Für junge Menschen steht das Kontaktmotiv im Vordergrund, aber auch Neues zu lernen und neue Erfahrun­gen zu machen (Lingler 2000: 3; Nassar-McMillian & Lambert 2003: S. 90). Viele junge Leute haben eine spezielle Motivation für Ehrenamtlichkeit, denn sie suchen nach „ge­zielten Einsatzfeldern für ehrenamtliches Engagement“, die als „Weiterqualifizierung“ (gut für den Lebenslauf) dienen (Notz 1998: S. 34). Für erwerbslose Personen kann ehrenamtliche Tätigkeit als Qualifikationsmaßnahme dienen, neue Kompetenzen kön­nen eingeübt und erworben werden, bestehende Kompetenzen können verbessert wer­den (Notz 1998; Wessels 1994). Die ehrenamtliche Tätigkeit erfüllt die kompensatori­sche Funktion, dass eine unbefriedigende Berufstätigkeit oder eine mangelnde Auslas­tung im Arbeitsleben durch das Engagement ausgeglichen werden kann. Für Frauen in der Familienphase ermöglicht das Ehrenamt die Verbindung zum Berufsfeld aufrecht zu erhalten (Wessels 1994). RentnerInnen werden als Potenzial für Ehrenämter angese­hen, weil sie nach der Berufstätigkeit häufig ein nützliches Betätigungsfeld suchen (Moschner 2002: S. 6 f.; Nassar-McMillian & Lambert 2003: 90). Weng (2002: S. 178) zeigt in ihrer Studie, dass das Motiv soziale Verantwortung mit zunehmenden Alter zu­nehmend wichtiger wird. Die Jugend gibt überdurchschnittlich häufig persönliche Motive wie private Bereicherung und Freizeitnutzen als Gründe für ihre freiwillige Tätigkeit. Bei den Älteren überwiegen das Interesse an Schicksalen und die soziale Verpflichtung. Nach Karsten (1992: S. 105 f., zitiert nach Olk 1987: S. 93) sehen die ehrenamtlichen Tätigen ihren originären Wirkungsbereich in der persönlichen Zuwendung, der Schaf- fung sozialer Kontakte, Minderung von Isolation und Einsamkeit gerade solcher Perso­nen, die keine Angehörigen oder Freunde mehr haben und zugleich aufgrund spezifi­scher Behinderung nicht mehr mobil sind.

In der Diskussion um die Karrieremöglichkeit der freiwilligen Tätigkeit wird auch die Überlegung Nadai’s (1996), die von einer Freiwilligenkarriere spricht, eingebracht. Wes­sels (1994: S. 85 ff.) und Gensicke et al. (2006: S. 29) meinen, dass der Einstieg ins Ehrenamt erst veranlasst wird, weil es einen Zusammenhang mit der Berufsarbeit oder Erziehungsarbeit besteht. Clary (1999: S. 157; Clary et al. 1996: S. 493) findet dies je­doch unwichtig (Volunteer Functions Inventory: siehe S. 27 der vorliegenden Arbeit).

Zum Thema des Lerneffekts bringt Kausch (2008: S. 126) ein, dass der Aspekt des Lernens immer mehr an Bedeutung gewinnt. Freiwilliges Engagement wird auch als wichtiges „informelles“ Lernfeld (Gensicke et al. 2006: S. 29) und Erfahrungsfeld (Münchmeier 1992: S. 65) für die Ehrenamtlichen angesehen. Auf ähnliche Weise nen­nen Huth (2006), John et al. (2008: S. 11), Ksienski (2004: S. 24 f.), Lammers (1991: S. 127), Lingler (2000: S. 3), Maenning (1997: S. 418 ff.), Moschner (2002: S. 4 ff.), Nas- sar-McMillian und Lambert (2003: S. 90), Notz (1998: S. 34 f.), Rochester (2006: S. 5), Siegenthaler (2008), Wessels (1994) und Weng (2002: S. 178) Erwerb von neuem Wis­sen, Ausbildung und Weitergabe von Kenntnissen als motivierende Faktoren der Frei­willigkeit.

Neben den subjektiven Motiven spielen auch beobachtbare Ergebnisse freiwilliger Ar­beit, Rahmenbedingungen der Tätigkeit sowie der Umfang dafür aufgewendeter indivi­dueller Ressourcen wie z.B. Wissen (Kapitel 3.2.2), Zeit, Material, Energie, Emotionen usw. (Kapitel 3.2.3-3.2.4) eine wichtige Rolle.

[...]


[1] Das ist die allgemeine Bezeichnung für die im Ausland lebenden ChinesInnen (huaqiao oder huaren), wobei die ethnische Herkunft als ChinesIn (ethnic Chinese) das entscheidende Merkmal ist (Kuah-Pearce & Hu-Dehart 2006: S. 12).

[2] Der Freiwilligensurvey wird in den Jahren 1999 und 2004 im Auftrag des Bundesministeriums für Fami­lie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt. Es ist die umfassendste und detailliertesten quantitative Untersuchung zum bürgerschaftlichen Engagement in Deutschland (Gensicke et al. 2006: S. 32 f.).

[3] Die englische Bezeichnung „voluntary“ steht für nicht-staatlich, frei-gemeinnützig im Sinne freier Träger, wie z.B. Wohlfahrtsverbände (Olk 1991: 37 ff.).

[4] In den 1970iger Jahren wurde die Weltorganisation „International Association for Volunteer Effort“

(IAVE) in den USA ins Leben gerufen. „Universal Declaration on Volunteering“ ist eine weltweit verbin­dende Handlungsgrundlage von IAVE, welche im Jahre 1990 auf der IAVE-Weltkonferenz in Paris erar­beitet und verabschiedet wurde (Gaskin 1996: S. 12).

Ende der Leseprobe aus 134 Seiten

Details

Titel
Warum sind ChinesInnen in Österreich ehrenamtlich tätig?
Untertitel
Eine empirische Untersuchung der Bedingungen ehrenamtlichen Engagements von ethnischen ChinesInnen in Österreich
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (Abteilung für Nonprofit Management)
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
134
Katalognummer
V147189
ISBN (eBook)
9783640581627
ISBN (Buch)
9783640582020
Dateigröße
1362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehrenamtliche Tätigkeit in Österreich, Volunteering in Austria, Bedingungen ehrenamtlichen Engagements, conditions of volunteering, Chinese voluntary organisations in Austria, chinesische Vereine in Österreich
Arbeit zitieren
Shuai Wang (Autor:in), 2009, Warum sind ChinesInnen in Österreich ehrenamtlich tätig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147189

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