Ehrenamtliches Engagement ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Wesentliche, gesellschaftlich notwendige Leistungen werden von Nonprofit Organisationen (NPOs) und deren ehrenamtlichen und hauptamtlichen MitarbeiterInnen erbracht.
Der moderne Wohlfahrtsstaat wäre ohne unentgeltlich bereitgestellte Ressourcen nicht in der Lage, das Angebot an Leistungen in entsprechender Form aufrechtzuerhalten. Weder könnten die großen Wohlfahrtsträger ihr Leistungsangebot ohne ehrenamtliche Arbeit aufrechterhalten, noch könnten alle Leistungen, die z.B. im Bereich der Nachbarschaftshilfe erbracht werden, vom Staat oder von anderen Institutionen angeboten werden. Darüber hinaus hat ehrenamtliche Arbeit auch eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung, die bislang in der öffentlichen Diskussion kaum zur Kenntnis genommen wird.
Das ist auch der Grund, weshalb in den letzten Zeiten in der Forschung nicht nur den Ehrenamtlichen als Individuen, sondern auch den NPOs als Organisationen besonderes Augenmerk geschenkt wurden.
In Österreich ist ehrenamtliche Arbeit statistisch kaum erfasst. Erst Anfang der 1980iger Jahre wurde eine umfassende Erhebung über das Volumen ehrenamtlicher Arbeit durchgeführt, deren Daten im Jahre 2001 neu adaptiert wurden. Freiwilliges Engagement von MigrantInnen in Österreich wurde bislang kaum berücksichtigt, demzufolge gibt es auch keine Daten bezüglich ehrenamtlichen Engagements ethnischer ChinesInnen in Österreich.
Es ist aber ein weltweites Phänomen, dass die „Overseas Chinese“ im Ausland ver-schiedene „Chinese Communities“ in Form von NPOs bilden, welche unterschiedliche Ziele und Interessen verfolgen. Diese Tendenz gilt auch für Österreich. Hier setzt das Forschungsinteresse dieser Diplomarbeit an, um herauszufinden, welche Bedingungen für alle in Österreich lebenden ChinesInnen ausschlaggebend sind, sich ehrenamtlich zu betätigen.
Aus der Problemstellung abgeleitet werden die zentralen Forschungsfragen dieser Arbeit, wie folgt, formuliert:
*) Was sind die Bedingungen der ethnischen ChinesInnen, in Österreich ehrenamt-lich tätig zu sein?
*) Was unterscheidet ChinesInnen, die ehrenamtlich arbeiten, von jenen, die das nicht tun?
*) Was unterscheidet ChinesInnen, die in chinesischen NPOs tätig sind, von jenen, die in österreichischen bzw. in österreichischen und chinesischen NPOs tätig sind?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfragen
1.3 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Klärung der zentralen Begriffe
2.1 Nonprofit Organisation
2.2 Ehrenamtliches Engagement
2.3 Motive und Motivation
2.3.1 Intrinsische versus extrinsische Motivation
2.3.2 Altruistische versus egoistische Motive
3 Zusammenfassung des bisherigen Forschungsstandes
3.1 Bedingungen des Verhaltens als Analyseraster
3.2 Bedingungen ehrenamtlicher Tätigkeit
3.2.1 Individuelles Wollen
3.2.2 Persönliches Können
3.2.3 Soziales Dürfen
3.2.4 Situative Ermöglichung
3.2.5 Kritische Punkte
3.3 Studien zum ehrenamtlichen Engagement von MigrantInnen
3.3.1 Chinese Communities in Österreich
3.3.2 Ehrenamtliche Tätigkeit von ÜberseechinesInnen in anderen Ländern
3.3.2.1 Die Situation in den USA
3.3.2.2 Die Situation in Kanada
3.3.2.3 Die Situation in den Niederlanden
3.3.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Österreich
4 Methoden
4.1 Qualitative Sozialforschung
4.2 Methodik der Datenerhebung
4.2.1 Leitfadeninterview
4.2.2 Entwicklung der Interviewleitfäden
4.2.3 Pretest
4.2.4 Sampling: Auswahl der InterviewpartnerInnen
4.2.5 Durchführung der Interviews
4.3 Methodik der Datenanalyse
4.3.1 Qualitative Inhaltanalyse nach Mayring
4.3.2 Charakteristika der qualitativen Inhaltsanalyse
4.3.3 Ablaufmodell qualitativer Inhaltsanalyse
4.3.4 Bestimmung des Ausgangsmaterials
4.3.5 Fragestellung der Analyse
4.3.6 Festlegung von Analysetechnik und Ablaufmodell der Inhaltsanalyse
4.3.7 Gütekriterien
5 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
5.1 Im Rahmen der Untersuchung erfasste Bedingungen des ehrenamtlichen Engagements
5.1.1 Individuelles Wollen (= Motive)
5.1.1.1 Altruistische Motive
5.1.1.1.1 Helfen wollen
5.1.1.1.2 Soziale Verantwortung
5.1.1.2 Egoistische Motive
5.1.1.2.1 Persönliche Weiterentwicklung
5.1.1.2.2 Spaß haben / mitmachen
5.1.1.2.3 Kontakte
5.1.1.2.4 Interesse
5.1.1.2.5 Anerkennung
5.1.1.3 In-Group Altruismus
5.1.1.4 Deckung zwischen organisationalen und persönlichen Werten
5.1.2 Persönliches Können
5.1.2.1 Fachliche Kenntnisse
5.1.2.1.1 Sprache
5.1.2.1.2 Bildung und Ausbildung
5.1.2.1.3 Lebens- und Berufserfahrung in China
5.1.2.2 Persönliche Kompetenzen
5.1.3 Soziales Dürfen
5.1.3.1 Gesellschaftliche Werte
5.1.3.2 Religiöse Überzeugungen
5.1.3.3 Soziales Umfeld
5.1.3.3.1 Familie
5.1.3.3.2 Freundeskreis
5.1.3.3.3 Berufliches und gesellschaftliches Umfeld
5.1.4 Situative Ermöglichung
5.1.4.1 Situative Ermöglichung auf der individuellen Ebene
5.1.4.1.1 Zeit
5.1.4.1.2 Finanzielle Absicherung
5.1.4.1.3 Andere Verpflichtungen
5.1.4.2 Situative Ermöglichung auf der Organisationsebene
5.1.4.2.1 Unterstützung von Seiten der Organisation
5.1.4.2.2 Über- und Unterforderung
5.1.4.2.3 Aufgabe
5.1.4.3 Situative Ermöglichung von öffentlicher Seite
5.2 Unterschiede zwischen Ehrenamtlichen und Nicht-Ehrenamtlichen
5.3 Unterschiede zwischen in chinesischen und in österreichischen NPOs tätigen ChinesInnen bzw. in beiden Tätigen
6 Schlussfolgerungen und Zukunftsausblick
6.1 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
6.2 Praktische Implikationen für chinesische bzw. österreichische NPOs
6.3 Vorschläge für weitere Forschung und Zukunftsausblick
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Bedingungen, die das ehrenamtliche Engagement von in Österreich lebenden ethnischen ChinesInnen bestimmen, wobei der Fokus auf der Identifikation von Motiven sowie fördernden und hemmenden Faktoren liegt. Ausgehend von der Forschungsfrage, warum diese Personengruppe bereit ist, sich unentgeltlich zu engagieren, wird analysiert, wie individuelles Wollen, persönliches Können, soziales Dürfen und situative Ermöglichung in diesem Kontext zusammenspielen.
- Analyse der Beweggründe für ehrenamtliches Engagement (Motive)
- Untersuchung der Rolle der chinesischen Vereinslandschaft in Österreich
- Vergleich des Engagements zwischen verschiedenen Generationen und Gruppen
- Anwendung des verhaltenswissenschaftlichen Modells nach von Rosenstiel auf ehrenamtliche Tätigkeiten
- Identifikation von Barrieren für das Engagement in österreichischen Nonprofit-Organisationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedingungen des Verhaltens als Analyseraster
Von Rosenstiel (2007: S. 57 ff.) hat die Formel des persönlichen Verhaltens „Verhalten = f (Person, Situation)“ von Kurt Lewin (1975) differenziert und daraus die Bedingungen des Verhaltens generiert. Nach seinem Modell ergibt sich das Verhalten des Menschen in der Arbeitssituation bzw. einer Organisation allgemein aus den vier, in der Abbildung 1 dargestellten Komponenten: das persönliche Können, das individuelle Wollen, das soziale Dürfen und die situative Ermöglichung.
Die linke Seite der Abbildung 1 zeigt die situativen und die rechte die personenbezogenen Bedingungen. Die beidseitigen Pfeile bedeuten, dass zwischen den einzelnen Determinanten Wechselwirkungen bestehen. Die Bedingungen sind damit nicht unabhängig voneinander und wirken auf das Verhalten ein oder umgekehrt kann sich jedes Verhalten auf sie auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung, definiert die Forschungsfragen und skizziert das Ziel sowie den Aufbau der gesamten Diplomarbeit.
2 Klärung der zentralen Begriffe: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen für Nonprofit Organisationen, ehrenamtliches Engagement sowie Motivation und Motive dargelegt.
3 Zusammenfassung des bisherigen Forschungsstandes: Dieses Kapitel bietet einen theoretischen Rahmen basierend auf dem Modell von Rosenstiel und diskutiert den aktuellen Forschungsstand zum Engagement von MigrantInnen international und in Österreich.
4 Methoden: Hier werden die qualitative Sozialforschung als Ansatz, das Leitfadeninterview als Erhebungsinstrument sowie die inhaltliche Strukturierung nach Mayring als Analysewerkzeug beschrieben.
5 Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten, unterteilt in die vier Bedingungen des Verhaltens, und arbeitet Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen heraus.
6 Schlussfolgerungen und Zukunftsausblick: Diese Kapitel fasst die Forschungsergebnisse zusammen, leitet praktische Implikationen für NPOs ab und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Ehrenamtliches Engagement, Nonprofit Organisationen, ethnische ChinesInnen, Motivation, qualitative Sozialforschung, Inhaltsanalyse nach Mayring, MigrantInnen, Bedingungen des Verhaltens, soziales Umfeld, Freiwilligenarbeit, Konfuzianismus, Vereinswesen, Integration, persönliche Weiterentwicklung, Sprachkenntnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum ethnische ChinesInnen in Österreich ehrenamtlich tätig sind oder warum sie es eben nicht sind, und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung deckt Motive für Freiwilligenarbeit, die Bedeutung von chinesischen Vereinen und die Integration in die österreichische Gesellschaft ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die spezifischen Bedingungen zu identifizieren, die das ehrenamtliche Engagement dieser Minderheitsgruppe in einem westlichen Land wie Österreich ermöglichen oder hemmen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, bestehend aus Leitfadeninterviews mit 20 Personen und der anschließenden inhaltlichen Strukturierung nach Philipp Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen zum Verhalten und Ehrenamt, den bisherigen Forschungsstand sowie die empirischen Daten, die nach den vier Bedingungen von Rosenstiel (Wollen, Können, Dürfen, Ermöglichung) geordnet wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ehrenamt, NPOs, chinesische Communities, Motivation, Migrationsgeschichte und Integrationsfaktoren sind zentral.
Warum gibt es in Österreich keine "Chinatowns"?
Die Arbeit stellt fest, dass die chinesische Einwanderung in Österreich im Vergleich zu Ländern wie den USA sehr jung ist (ab Mitte der 1980er Jahre) und die ChinesInnen stärker in die bestehenden Arbeitsstrukturen der Gesellschaft eingebettet sind.
Welche Rolle spielt die Sprache?
Sprachkenntnisse werden als kritische "zweiseitige" Bedingung identifiziert: Fehlendes Deutsch hemmt das Engagement in österreichischen Vereinen, während fehlendes Chinesisch die Mitarbeit in chinesischen Vereinen erschwert.
Was ist das Hauptergebnis zur Motivation?
Es gibt keine klare Trennung zwischen Altruismus und Egoismus; das Engagement basiert meist auf einer Kombination aus persönlichen Interessen, Kontaktbedürfnissen und dem Wunsch, der Gemeinschaft innerhalb der Gruppe zu helfen.
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- Shuai Wang (Author), 2009, Warum sind ChinesInnen in Österreich ehrenamtlich tätig?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147189