1517 – die Reformation. Aus ihr entwickelte sich die protestantische Kirche. Der Drang des Menschen, neue Wege zu beschreiten und die zahlreichen Missstände im Äußeren und Inneren der Kirche führte im 16. Jahrhundert zur Entwicklung einer neuen Glaubensrichtung. Anders als etwa 100 Jahre später, konnte diese Trennung der Obödienzen im 15. Jahrhundert durch das Konzil von Konstanz noch einmal verhindert werden.
Bereits seit dem Konzil von Vienne bestand die Idee, einem allgemeinen Konzil eine weit umfassendere Funktion, nämlich die letzte und höchste Instanz der Gesamtkirche zu sein, zuzuweisen. Diese Idee beruht vor allem auf der "konziliaren Theorie" von Marsilius von Padua, einem revolutionären Theoretiker der „Volkssouveränität“ und dessen Anhänger Wilhelm von Ockham. Sie vertraten die Meinung, die Kirche solle sich von unten nach oben aufbauen, wobei ein Allgemeines Konzil die Kirche "repräsentieren" soll und über allen Gliedern steht.1
Mit Bonifaz VIII. hatte eine große Epoche der Papstgeschichte ein tragisches Ende genommen. Sein Versuch mit der Bulle Unam sanctam die geistliche Weltregierung des Bischofs von Rom zu verwirklichen, hatte zur Niederlage geführt. Das lange "babylonischen Exil" von Avignon hatte das Papsttum so sehr geschwächt, dass es zum Großen Abendländischen Schisma kommen musste. Um dem ein Ende zu bereiten, traf man sich in Konstanz zu einem Konzil und arbeitete ein Dekret aus, welches diesem unheilvollem Zustand ein Ende bereiten sollte.
Dieses Dekret, haec sancta, soll hier bei der Bearbeitung des Themas, die causa unionis auf dem Konzil, die Grundlage darstellen.
Als Kardinal Angelo Roncalli als Nachfolger des verstorbenen Papstes Pius XII. hervorging, und sich den Namen Johannes XXIII. gab, ließ eine alte theologische Streitfrage wieder beleben. Die Wiederholung der Ordnungszahl dreiundzwanzig bedeutete nichts weniger, als dass die beiden Päpste Alexander V. und Johannes XXIII. von Rom nunmehr als illegitim betrachtet wurden. Das aber würde bedeuten, dass auch die Rechtmäßigkeit der Einberufung des Konstanzer Konzils in Frage gestellt werden müsse. Diese und andere Fragen finden immer wieder ihre Bearbeiter. Hauptsächlich sind W. Brandmüller und R. Bäumer zu nennen, die sich ausführlich in Monographien und Aufsätzen mit Themen rund um das Konstanzer Konzil beschäftigen. In der vorliegenden Arbeit allerdings soll es eher um die faktische Behandlung der Vorgänge auf dem Konstanzer Konzil und das Dekret haec sancta gehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzil von Konstanz 1414-1418
2.1. Die Vorgeschichte
2.2. Der Verlauf des Konzils
3. Die causa unionis
3.1. Die Papstabsetzung
3.2. Haec sancta
3.3. Die Papstwahl
4. Exkurs: Der Reformbegriff zur Zeit des Konstanzer und Basler Konzils
5. Schluss
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Forschungsliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung und die kirchenrechtlichen Auswirkungen des Konstanzer Konzils (1414-1418), mit einem spezifischen Fokus auf die Lösung der causa unionis – der Überwindung des Großen Abendländischen Schismas – und die Etablierung des Konziliarismus durch das Dekret Haec sancta.
- Die Vorgeschichte und der Verlauf des Konstanzer Konzils.
- Die konziliare Theorie und die Bedeutung des Dekrets Haec sancta.
- Die Absetzung der konkurrierenden Päpste und die Wahl Martins V.
- Der Reformbegriff im Kontext des 15. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
3.2. Haec sancta
Das Dekret Haec sancta, veröffentlicht am 6. April 1415 vom Konzil, sollte also die sogenannte Superioritätsfrage klären. Es stellt die radikalste Formulierung des Konziliarismus dar, indem es das Konzil über den Papst stellt, hier heißt es:
"Haec sancta synodus Constantiensis...primo declarat, quod ipsa in Spiritu sancto legitime congregata, generale concilium faciens, et ecclesiam catholicam militantem repraesentans, potestatem a Christo immediate habet, cui quilibet cuiuscumque status vel dignitatis, etiam si papalis existat, obedire tenetur in his quae pertinent ad fidem et extirpationem dicti schismatis, ac generalem reformationem dictae ecclediae Dei et in membris."
Diese Passage verdeutlicht, dass die Legitimation des Konzils von Christus selbst gegeben ist, die Konzilsväter sich also rechtmäßig versammelt haben - demnach ein generale concilium darstellen - und für die ganze Kirche zuständig sind, also die ecclesia militans repräsentiert, was eine Mittlerinstanz zwischen Gott und der Welt, ergo den Papst, unnötig erscheinen lässt. Diesem Konzil hat ein jeder, egal welchen Ranges oder Standes, etiam si papalis existat, also auch der Papst, zu gehorchen. Dies wird durch den Ausdruck obedire nur allzu deutlich. Nur dadurch kann die Kirche gerettet werden. Wer das nicht tut, habe mit kanonischen Strafen zu rechnen. Das Dekret bildete demnach die Voraussetzung dafür, dass das Konzil auch ohne Papst weitertagen konnte, um das Schisma zu beenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Situation der Kirche vor dem Konzil und führt in die Problematik des Großen Abendländischen Schismas sowie in die Konzilstheorie ein.
2. Das Konzil von Konstanz 1414-1418: Dieses Kapitel zeichnet die Vorgeschichte, die Entstehung des Schismas und den organisatorischen Ablauf des Konzils nach.
3. Die causa unionis: Hier werden die zentralen Maßnahmen des Konzils behandelt: die Absetzung der Päpste, die rechtliche Begründung durch Haec sancta und die letztliche Papstwahl.
4. Exkurs: Der Reformbegriff zur Zeit des Konstanzer und Basler Konzils: Der Exkurs erläutert das zeitgenössische Verständnis von Reformen in Kirche und Reich.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, insbesondere den Erfolg der Einigung bei gleichzeitiger Begrenztheit der kirchlichen Strukturreformen.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und der wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Konstanzer Konzil, causa unionis, Schisma, Haec sancta, Konziliarismus, Papstabsetzung, Martin V., Johannes XXIII., Kirchenreform, Superioritätsstreit, Reichsreform, Ekklesiologie, Kirchengeschichte, Mittelalter, Papsttum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Überwindung des Großen Abendländischen Schismas durch das Konstanzer Konzil und die daraus resultierenden theologischen und rechtlichen Konsequenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Hauptthemen umfassen den Konziliarismus, die Beendigung der päpstlichen Dreiheit, das Dekret Haec sancta sowie die Reformbemühungen der damaligen Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die faktische Behandlung der Vorgänge auf dem Konzil und insbesondere die rechtliche Grundlage der Papstabsetzung im Kontext des Dekrets Haec sancta darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellentexten basiert.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Konzilsverläufe, die spezifische Analyse der causa unionis und die Einordnung der Konzilsbeschlüsse in den historischen Reformkontext.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Konziliarismus, Konstanzer Konzil, causa unionis, Schisma und die historische Rolle von Papst Martin V.
Welche Bedeutung hat das Dekret Haec sancta für die Konzilsgeschichte?
Es markiert die radikalste Ausprägung des Konziliarismus, da es das Konzil als unmittelbar von Christus legitimierte Instanz über den Papst stellt.
Warum wird im Exkurs der Reformbegriff behandelt?
Der Exkurs dient dazu, die Erwartungshaltung der Zeitgenossen an die Konzilien einzuordnen, auch wenn die Arbeit den Fokus auf die causa unionis legt.
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- Nadja Kloß (Author), 2009, Die causa unionis auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147196