Die Unterrichtsforschung – und mit ihr die Erforschung der Unterrichtssprache bzw.
– kommunikation - erlebte seit Ende der 1960er einen großen Aufschwung. Die
seitdem vorgelegten Ergebnisse machen aufmerksam auf einige problematische
Aspekte, die in der Unterrichtskommunikation immer wieder auftreten.
Ein vielfach abgesichertes Ergebnis der Unterrichtsforschung ist die eindeutige
Lehrerzentrierung bzw. Dominanz der Lehrperson in der unterrichtlichen
Kommunikation. Übereinstimmend stellen verschiedene Autoren fest, dass
Unterricht durch ein klares Gefälle der Redeanteile zwischen Lehrperson und SuS
(Schülerinnen und Schülern) – durch eine über weite Strecken fast monologische
Struktur - gekennzeichnet ist.
Da die Lehrenden darüber hinaus durch ihre Äußerungen weitgehend die Ziele und
Inhalte des Unterrichts vorgeben, durch meist nicht sehr weitreichende Fragen oder
Impulse das Denken und Handeln der SuS bestimmen, ist Unterrichtskommunikation
m.E. auch als rigide und repressiv zu bezeichnen. Die SuS haben
meist nur sehr begrenzte Spielräume und Möglichkeiten zur Eigeninitiative, da der
Unterricht in großen Teilen eng am angestrebten Lehr- bzw. Unterrichtsziel
ausrichtet wird.
Das die Unterrichtskommunikation im Wesentlichen durch die angestrebten Lehrund
Lernziele, sowie die Dominanz des Lehrers bestimmt wird, spiegelt sich auch
in der Tatsache wieder, dass Rückmeldungen der Lehrenden an ihre SuS häufig
nur sehr kurz ausfallen und das sich nur ein geringer Anteil von Lehreräußerungen
auf die Beziehungsdimension bezieht. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Ergebnisse der Unterrichtsforschung
2. Modell der Organisation und Struktur von Unterricht
2.1 Institutionelle Rahmenbedingungen des Unterrichts
2.2 Thematische Struktur und kommunikative Ordnung im Unterricht
2.2.1 Die thematische Struktur des Unterrichts
2.2.2 Die kommunikative Ordnung des Unterrichts
3. Didaktische Maximen und Schlussfolgerungen für den Unterricht
4. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Ziel der Arbeit ist es, die in der Unterrichtsforschung häufig beklagte Lehrerdominanz und den repressiven Charakter von Unterricht durch das Modell der Organisation und Struktur von Unterricht nach Becker-Mrotzek und Vogt präziser zu analysieren, Ursachen aufzudecken und potenzielle Handlungsalternativen aufzuzeigen.
- Forschungsstand zur Unterrichtskommunikation und deren Problemfelder.
- Strukturmodell nach Becker-Mrotzek und Vogt zur Analyse von Unterrichtsprozessen.
- Klassifizierung thematischer Strukturierungen (einleitend, begleitend, abschließend).
- Differenzierung kommunikativer Ordnungen (lehrerzentriert, schülerzentriert, verfahrensgeregelt).
Auszug aus dem Buch
2.2 Thematische Struktur und kommunikative Ordnung im Unterricht
Die organisierenden und strukturierenden Tätigkeiten des Lehrers beschränken sich nicht darauf, die Rahmenbedingungen des Unterrichts festzulegen bzw. den Unterricht in bestimmte Abschnitte zu unterteilen. Auch innerhalb der einzelnen Unterrichtsphasen, ist es der Lehrer, der durch eine Reihe verschiedener Äußerungen „Ordnung“ herstellt, Prozesse in Gang setzt, oder beendet.
Zu unterscheiden gilt es hier nach Becker-Mrotzek und Vogt zwischen Lehreräußerungen, welche die thematische Struktur des Unterrichts betreffen, sich auf den Unterrichtsgegenstand beziehen, und solchen, die die kommunikative Ordnung regeln, bestimmte Interaktionsformen und –muster aktivieren bzw. vorschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ergebnisse der Unterrichtsforschung: Es wird die historische Entwicklung der Unterrichtsforschung skizziert und auf die zentrale Problematik der Lehrerzentrierung sowie die weitgehend monologische Unterrichtsstruktur verwiesen.
2. Modell der Organisation und Struktur von Unterricht: Dieses Kapitel stellt das theoretische Modell von Becker-Mrotzek und Vogt vor, welches die institutionellen Rahmenbedingungen sowie die thematische und kommunikative Ebene des Unterrichts analysiert.
3. Didaktische Maximen und Schlussfolgerungen für den Unterricht: Hier wird diskutiert, wie die linguistischen Analysen des Modells als Basis für eine umfassende Theorie der Unterrichtskommunikation dienen und zur Qualitätssteigerung im Unterricht beitragen können.
4. Literatur: In diesem Abschnitt werden die im Text verwendeten Quellen und weiterführende wissenschaftliche Werke zur Unterrichtskommunikation aufgeführt.
Schlüsselwörter
Unterrichtsforschung, Unterrichtskommunikation, Lehrerzentrierung, Thematische Strukturierung, Kommunikative Ordnung, Becker-Mrotzek, Vogt, Interaktionsmuster, Rederechtsverteilung, Turn-Taking, Didaktische Maximen, Schulisches Lernen, Unterrichtsphase, Interaktionsform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Unterrichtskommunikation und untersucht, wie Lehrkräfte durch sprachliche Strukturierung den Unterrichtsverlauf steuern und organisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Lehrerzentrierung, die thematische Strukturierung von Unterrichtsgesprächen sowie die verschiedenen Formen der kommunikativen Ordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Durchdringung der Lehrerdominanz im Unterricht und die Aufarbeitung des Modells von Becker-Mrotzek und Vogt zur Identifikation von Alternativen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische bzw. kommunikationstheoretische Analysemethode angewandt, um Unterrichtsgeschehen anhand von Lehreräußerungen in thematische und organisatorische Kategorien einzuteilen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der Forschungsergebnisse zur Unterrichtssprache, eine Erläuterung des Modells von Becker-Mrotzek und Vogt sowie eine Diskussion über die Ableitung didaktischer Maximen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lehrerzentrierung, kommunikative Ordnung, thematische Strukturierung, Interaktionsmuster und Rederechtsverteilung.
Was unterscheidet eine lehrerzentrierte von einer schülerzentrierten kommunikativen Ordnung?
In der lehrerzentrierten Ordnung kontrolliert die Lehrperson die Rederechtvergabe streng, während die schülerzentrierte Ordnung eher alltäglichen Gesprächssituationen gleicht und den Lernenden mehr Raum zur Eigeninitiative lässt.
Was ist unter der "verfahrensgeregelten kommunikativen Ordnung" zu verstehen?
Dies ist eine ritualisierte Form der Interaktion, bei der sich Lehrperson und SuS auf ein festes Verfahren zur Steuerung der Kommunikation und der Rederechtsverteilung, wie etwa die "programmierte Selbstwahl", geeinigt haben.
- Arbeit zitieren
- Marius Diekmann (Autor:in), 2003, Thematische Strukturierungen und kommunikative Ordnungen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14719