Entstehung und Entwicklung: Wirkung und Ausbreitung der spanischen Sprache in der Dominikanischen Republik in historischer Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
20 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltliche Gliederung:

I. Ziel der Arbeit

II: Die spanische Sprache in der Dominikanischen Republik
II.1. Kleine Geschichte der heutigen dominikanischen Republik
II.2.a) Die historische Einordnung
II.2.b) Die geografische Einordnung
II.3. Sub-und Adstrate
II.3.a) Amerikanismen/Anglizismen
II.3.b) Gallizismen
II.3.c) Indigenismen
II.3.d) Afrikanismen

III. Sprachinterna durch die Jahrhunderte betrachtet
III.1. Die phonologisch-phonetischen Merkmale und ihre Entstehung in den verschiedenen Jahrhunderten
III.1.a)Vokalismus
III.1.b) Der Konsonantismus im Detail und durch die Jahrhunderte
III.2. Morphologie und Syntax
III.3. Lexik und Semantik
III.4. Suprasegmentalia

IV. Die dominikanischen Dialektzonen

V. Ergebnisse

VI. Bibliographie

I. Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit will die Grundzüge der dominikanischen Varietät der spanischen Sprache darstellen und inhaltlich in einen historischen und geografischen Kontext mit der sprachexternen Geschichte des Landes bringen. Ausgehend von der geografischen Lage und der Geschichte der Einwanderung auf die Insel Hispaniola nach der Entdeckung Amerikas 1492, werden die phonologischen, morphologischen und lexikalischen Besonderheiten dieser sprachlichen Varietät dargestellt und aus den verschiedenen kontroversen Meinungen diverser Forscher heraus präzisiert. Dabei wird immer unterschieden zwischen Charakteristika, welche das dominikanische Spanisch sich mit anderen Karibikstaaten, wie Puerto Rico oder Kuba teilt und rein dominikanischen Merkmalen, sofern sich diese klar voneinander abgrenzen lassen. Ebenfalls ein besonderes Augenmerk erhalten die verschiedenen Substrate oder Adstrate, welche im Laufe der wechselvollen Geschichte der Insel auf die Nationalsprache, das Spanische, einwirkten.

II: Die spanische Sprache in der Dominikanischen Republik

II.1. Kleine Geschichte der heutigen dominikanischen Republik

Die Geschichte der sprachlichen Entwicklung in der dominikanischen Republik kann immer nur in Verbindung mit der Geschichte des Stadt Santo Domingo gesehen werden. Diese Stadt erlebte hautnah, wie aus dem einstigen „Eingangstor zur Neuen Welt“(Lipski 1994: 360) eine über lange Zeit vergessene Kolonie wurde. Die Insel Hispaniola wurde von Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise nach Amerika am 5.12. 1492 entdeckt. Er hinterließ 40 Menschen, die eine kleine Ansiedlung an der nördlichen Küste gründeten. Als er jedoch bei seiner zweiten Reise 1493 wieder in „La Navidad“, Spaniens erster Kolonie in der Neuen Welt, ankam, fand er keinen seiner Siedler mehr vor. Kolumbus gründete diesmal im Osten La Villa de Isabela. 1496, als Kolumbus seine Heimreise antreten wollte, blieb sein Bruder als Verwalter zurück, zusammen mit 1500 Siedlern aller gesellschaftlichen Klassen und Professionen. Auch dieser Versuch der Ansiedlung wurde durch Attacken der Taínos und Meinungsverschiedenheiten mit anderen Ureinwohnern zerstört, sodass Bartolomeo Kolumbus Nueva Isabela, das spätere Santo Domingo, an der Südküste gründen musste, und somit die erste lang anhaltende Siedlung der Neuen Welt gründete.

Vor Ankunft der Spanier jedoch war diese Insel die Heimat des Arawak- Stammes der Taíno, einer indianischen Kultur aus präkolumbianischer Zeit, die zwar keine Hochkultur vorzuweisen hatten, jedoch auf dem besten Wege waren, eine zu entwickeln: “eran culturamente más avanzado y eliminaron los remnantes ciboneys„ (Klump 2002:22). Kolumbus beschreibt in den ersten Kontakten mit den Taíno, diese als friedfertig und gesittet. Sie waren Bauern, bauten Maniok, Mais, Süßkartoffeln an und hatten ein geordnetes Gesellschaftssystem mit einem Oberhaupt, der Kazike genannt wurde. Ein weiterer Stamm, der sich vor allem im Osten der Insel angesiedelt hatte, waren die Ciboneys, ein gewalttätiger Stamm von Jäger, Sammlern oder Fischern.

In den ersten Jahrzehnten nach der Entdeckung, war die Insel das bevorzugte Emigrationsziel für Europäer, verlor jedoch bereits um 1530 ihre Attraktivität. Bis 1505 jedoch wurden schon 17 Städte nach europäischem Muster gegründet (Ureña: 31). Dieses Datum gilt auch als Beginn der Einfuhr von Sklaven auf die Insel. In der Folge kam es zu wiederkehrenden Überfällen, Besetzungen und Kleinkämpfen auf Hispaniola, das auch nur ein Spielball der europäischen Großmächte war, was schließlich zur Teilung der Insel führte. Einige dieser Unruhen sollen im Folgenden kurz angesprochen werden, um die wechselhafte Geschichte der Insel zu untermalen:

Von 1537 bis 1548 kam es zu Aufständen geflohener Sklaven, 1586 eroberte und verwüstete der europäische Pirat Francis Drake Santo Domingo und offenbarte so die Verletzlichkeit des Spanischen Imperiums in der Neuen Welt.

Das Jahr 1625 kann als Beginn französischer Interventionen gesehen werden, denn in diesem Jahr besetzten Seeräuber aus England und Frankreich die vorgelagerte Insel La Tortuga. Von ihrer Vertreibung blieb ein Überrest verschont, dem es gelang, sich als Pflanzer im unbewohnten Norden Hispaniolas niederlassen. Sie baten Frankreich um Unterstützung, welche auch prompt gewährt wurde. Erst der Friede von Rijswijk, 1697, legt den westlichen Teil Hispaniolas als französische Kolonie fest.

Der französische Teil der Insel florierte wirtschaftlich durch den Plantagenbau und unter den Folgen und Auswirkungen des spanischen Erbfolgekrieges gelang es Saint- Domingue, dem französischen Teil Hispaniolas, bis 1714 einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erleben.

1791 kommt es aber auch zum großen Sklavenaufstand auf Saint- Domingue/Haiti, der zur Unabhängigkeit vom Mutterland führen soll, da die europäischen Großmächte zu sehr mit den Revolutionskriegen beschäftigt sind.

1795, im Friede von Basel, muss Spanien seinen Teil der Insel an Frankreich abtreten, diese Oberherrschaft wird allerdings nur theoretisch ausgeübt.

Zwischen 1822 und 1844 stand Santo Domingo abermals unter haitianischer Herrschaft, proklamiert jedoch nach Naturkatastrophen und einigen innenpolitischen Machtkämpfen erfolgreich 1844 seine Unabhängigkeit und wird somit zum Staat Dominikanische Republik.

II.2.a) Die historische Einordnung

Das dominikanische Spanisch entstand in der Frühphase der Besiedelung Lateinamerikas, etwa zwischen 1493 und 1519. Da man den Begriff Dialekt im Bezug auf Lateinamerika meidet, bezeichnet man das dominikanische Spanisch auch als Varietät des karibischen Spanisch, welches stark vom andalusischen Akzent geprägt ist.

Die weitgehende Homogenität der Varietäten der drei großen Antillen rührt daher, dass die Besiedelung mehrheitlich durch Südspanier und Kanaren erfolgte. Hinzu kommt die Präsenz vieler farbiger Menschen im 19. Jahrhundert, was dem karibischen Spanisch einen ganz eigenen Charakterzug angedeihen ließ, auch durch die intensiven Beziehungen zum Mutterland und die späte Loslösung von diesem. Dadurch gibt es eine starke Präsenz von europäischen Spanischsprechern auf den Antillen. Ein weiterer Einflussfaktor, der allen Antilleninseln gemein ist, besteht in den wirtschaftlichen Verbindungen zu den USA und damit zum nordamerikanischen Englisch (Perl 1988: 552).

Das Andalusisch als Unterdialekt des kastilischen Spanisch ist sehr prägend in der ersten Phase der Besiedelung und zeichnet sich durch eine „vitalidad extraordinaria“ aus (Klump 2002:58). Natürlich gilt die Andalucismo - These auch für die dominikanische Republik, sie hat ihren Ursprung in der Geschichte der Besiedelung der Insel Hispaniola. Die charakteristischen Züge im 16. Jahrhundert in Andalusien waren der Seseo/ceceo, die Elisión des auslautenden /s/, der Yeismo, die Neutralisierung von /r/ und /l/, die Aufweichung des intervokalischen /d/ . All dies findet seinen Weg über den Ausgangshafen Sevilla in der Frühphase nach Hispaniola. (Klump 2002: 58).

Bezüglich der historischen Einteilung der Varietät nennt Jimenez die Entstehungsfaktoren für das karibische Spanisch und besonders das Spanisch der Antillen, indem sie darauf hinweist, dass die Antillen der Ort waren, an welchem die spanischen Kolonisatoren zum ersten Mal auf ein neues sprachliches Umfeld trafen (2002:147). Auch herrschte auf den karibischen Inseln ein ständiger Zustrom neuer Siedler, hinzu kamen die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zu Cádiz, Sevilla und den kanarischen Häfen, ebenso wie zu den Häfen Sao Paolo und Kuba, und mit den Häfen in Maracaibo, mit Venezuela und Kolumbien wurde ebenfalls gehandelt. Durch diesen regen Austausch in der Frühphase entsteht eine weitgehende sprachliche Homogenität in der Karibik.

Die Kolonisation der dominikanischen Republik erfolgte in der „Época antillana“, zwischen 1493 und 1519. In der Frühphase, also bis ungefähr 1508 siedelten vor allem Andalusier auf der Insel (Klump 2002: 33). Man spricht von einer Prozentzahl um die 60 % in dieser Phase. Hinzu kommt, dass 67% der Frauen, die emigrierten, sei es in Begleitung ihres Mannes, oder auch allein, aus Andalusien stammten. Innerhalb der Zeitspanne von 1509-1519 stellten sie den stärksten Einwanderer-Anteil. Klump spricht in diesem Zusammenhang von der „regíon más andaluzada del Nuevo Mundo“ (2002:33/34). Fast alle Siedler ließen sich in der Region um Santo Domingo nieder zu dieser Zeit.

Um eine historische Einordnung der dominikanischen Varietät zu versuchen, ist es nötig, die demographische Struktur auf der Insel in den ersten Jahrhunderten darzustellen. Im 16. Jahrhundert bereits war die Bevölkerungsdichte starken Schwankungen unterworfen (Klump 2002:31). Einer der Gründe hierfür war das rasche und vollständige Aussterben der indigenen Bevölkerung, die nur unzulänglich durch die steigende Anzahl der importierten Sklaven kompensiert wurde. Die Haupeinwanderungswellen kamen aus dem Gebiet des spanischen Mutterlandes während der ersten beiden Jahrhunderte (Klump 2002:31).

Geeint wird die Karibikzone durch die Einrichtung der Real Audiencia de Santo Domingo 1511 (Ureña 1975:34), was auch als Grundsteinlegung gesehen werden kann zur Bildung eines überregionalen Zuges des karibischen Spanisch. Diese Einheit besteht bis Ende des 18. Jahrhunderts. Ab 1511 gibt es auch die 1. Diözese der Neuen Welt auf der Insel. Auch kulturelle Zentren werden früh gegründet, wie die Universität de Santo Tomás de Aquino um 1538 oder die Universität de Santiago de la Paz im Jahre 1540 (Ureña1975:34). Spezielle Eigenarten des dominikanischen Spanisch lassen sich daher nur im Zusammenspiel mit dem späteren Einfluss der europäischen Mächte und dem Einfluss der USA ab Mitte des 18. Jahrhunderts darstellen. Der oft zitierte archaische Charakter der Varietät rührt von einer frühen Etablierung eines andalusischen Superdialektes her, dessen Wurzeln sehr früh in der Kolonialgeschichte zu suchen sind.

II.2.b) Die geografische Einordnung

In den meisten Darstellungen zur Einordnung und Charakterisierung des dominikanischen Spanisch wird diese Varietät dem karibischen Dialektraum zugeordnet. Ureña teilt Lateinamerika in fünf große Dialekträume, einer davon sind die Antillen zusammen mit der Atlantikküste Kolumbiens und einem Grossteil Venezuelas. Die einzelnen Zonen entstehen dabei vor allem durch „sucesos de historia política“(Ureña 1975:30) und den indianischen Substrateinfluss. Das dominikanische Spanisch weist demzufolge einige sprachliche Besonderheiten auf, die es mit Kuba, Puerto Rico und der Karibikküste Venezuelas, Kolumbiens und Panamas teilt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Entstehung und Entwicklung: Wirkung und Ausbreitung der spanischen Sprache in der Dominikanischen Republik in historischer Analyse
Hochschule
Universität Trier  (Spanische Philologie)
Veranstaltung
Die Herausbildung des Spanischen auf den Antillen
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V147201
ISBN (eBook)
9783640579754
ISBN (Buch)
9783640580460
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Entwicklung, Wirkung, Ausbreitung, Sprache, Dominikanischen, Republik, Analyse
Arbeit zitieren
Jayashri Ghosh (Autor), 2009, Entstehung und Entwicklung: Wirkung und Ausbreitung der spanischen Sprache in der Dominikanischen Republik in historischer Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147201

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