Diese Arbeit befasst sich, nach einer kurzen Einleitung zum Begriff der Allegorese im Allgemeinem und zu ihrer geschichtlichen Entwicklung bis zur Scholastik im besonderen, mit dem Allegoresebegriff bei Petrarca. Textgrundlage bietet dabei Petrarcas "Secretum Meum" und seine Vergilallegorese in den "Res Seniles IV,5".
Im Besonderen wird Petrarcas Position zum Allegoriebegriff Thomas von Aquins diskutiert.Für ihn kann die Allegorese im eigentlichen Sinne nur auf die göttlich inspirierte Bibel angewandt werden, denn hier offenbart sie den geheimen Willen Gottes. In profanen und paganen Texten ist ein solcher verborgener Sinn per se nicht enthalten, es kann höchstens ein solcher bewusst vom Autor hineingelegt worden sein (voluntas-auctoris-Prinzip). Die Auflösung dieses Sinns zählt für ihn aber nicht zur Allegorese, sondern ist Teil des richtigen Verständnisses des sensus litteralis.
Inhaltsverzeichnis
- Allegorese
- Ursprung
- Entwicklung bis zur Scholastik
- Standpunkte zum Allegorese-Diskurs
- Allegorese im Secretum meum
- Die Vergilallegorese in Sen. IV, 5
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rolle der Allegorese im Werk Petrarcas. Sie analysiert, wie Petrarca den Allegorese-Diskurs seiner Zeit aufnimmt und welche Positionen er im Umgang mit dieser hermeneutischen Methode einnimmt. Darüber hinaus beleuchtet die Arbeit, wie sich Petrarcas eigene Allegorese-Praxis im „Secretum meum“ zeigt.
- Die Entwicklung der Allegorese von ihren antiken Ursprüngen bis zur Scholastik
- Die unterschiedlichen Standpunkte zum Allegorese-Diskurs in Petrarcas Zeit
- Die Anwendung der Allegorese im „Secretum meum“ und ihre Funktion im Werk
- Die Vergilallegorese in Petrarcas „Sen. IV, 5“
- Die Bedeutung der Allegorese für die Interpretation antiker Texte
Zusammenfassung der Kapitel
- Allegorese: Das Kapitel beleuchtet die Ursprünge und die Entwicklung der Allegorese als hermeneutisches Verfahren, das ursprünglich zur Neuinterpretation antiker Texte diente. Es wird die Anwendung der Allegorese in der Antike, insbesondere bei der Deutung der griechischen Mythen und Homers Epen, sowie ihre Rolle in der christlichen Exegese und der Bibelinterpretation erläutert.
- Entwicklung bis zur Scholastik: Dieses Kapitel setzt die Analyse der Allegorese-Entwicklung fort und beschreibt die scholastische Kritik an der Allegorese und deren Bedeutung für die Interpretation profaner Texte. Es wird die Position Thomas von Aquins zum Allegorese-Diskurs beleuchtet, der die Anwendung der Allegorese auf die Bibel bejahte, aber ihre Verwendung für profane Texte ablehnte. Im Kontext dieser Auseinandersetzung wird die Bedeutung von Ovid- und Vergilallegorese für die christliche Gesellschaft diskutiert.
- Standpunkte zum Allegorese-Diskurs: Dieses Kapitel behandelt die unterschiedlichen Positionen im Allegorese-Diskurs Petrarcas Zeit. Es wird der Allegorese-Diskurs im „Secretum meum“ untersucht und anhand von Beispielen gezeigt, wie Petrarca die Vergilallegorese interpretiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Allegorese, Interpretation, Textkritik, Petrarca, Secretum meum, Vergilallegorese, Antike, Scholastik, Hermeneutik und Mittelalters. Sie beleuchtet die Bedeutung der Allegorese als hermeneutisches Verfahren, das eine wichtige Rolle für die Interpretation antiker Texte spielte.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Allegorese?
Allegorese ist ein hermeneutisches Verfahren zur Deutung von Texten, bei dem hinter dem wörtlichen Sinn ein tieferer, verborgener Sinn gesucht wird.
Wie stand Petrarca zur Allegorese?
Petrarca nutzte die Allegorese intensiv, insbesondere zur Deutung antiker Autoren wie Vergil, um deren Werke mit christlichen Werten in Einklang zu bringen.
Was war die Kritik von Thomas von Aquin an der Allegorese?
Thomas von Aquin meinte, Allegorese sei nur auf die Bibel anwendbar, da nur Gott einen geheimen Willen in Texte legen könne. Bei profanen Texten sei dies lediglich der „sensus litteralis“.
Welche Rolle spielt die Vergilallegorese bei Petrarca?
In seinen „Res Seniles IV,5“ legt Petrarca dar, wie Vergil in der Äneis philosophische und moralische Wahrheiten verborgen hat.
Was ist das „voluntas-auctoris-Prinzip“?
Es besagt, dass ein verborgener Sinn in profanen Texten nur dann existiert, wenn der Autor ihn bewusst hineingelegt hat.
- Arbeit zitieren
- Marco Heiles (Autor:in), 2009, Petrarca und die Allegorese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147216