Mit dieser Ausarbeitung soll die Frage beantwortet werden, ob die Erziehungstheorien von Schleiermacher und Rousseau, mit denen sich die vorliegende Hausarbeit beschäftigt, eine gegenwärtige Bedeutung aufweisen. Damit die Frage beantwortet werden kann, befasst sich die Arbeit mit der Gegenüberstellung der kontroversen Erziehungstheorien von Rousseau und Schleiermacher. Es gibt eine kurze Annäherung an die Erziehungsvorstellung von Rousseau. Daran anschließend wird die Erziehungstheorie von Schleiermacher dargestellt.
Zunächst wird Schleiermacher als Person vorgestellt und dann auf seine Pädagogik eingegangen. Bei der Darstellung seiner Pädagogik wird erst auf die Grundgedanken der Pädagogik Schleiermachers eingegangen. Danach wird das Generationsverhältnis, die Dignität der Praxis, die Trias seiner Pädagogik und sein Erziehungsverständnis erläutert. Abschließend endet die Hausarbeit mit einem Fazit, in dem die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst sind.
Der Begriff Pädagogik ist griechischer Abstammung und definiert bedeutet dieser Begriff Knabenführer. Das erzieherische Handeln ist als Gegenstand der Pädagogik bereits seit langem der Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Nach Gudjons ist die Pädagogik als Wissenschaft über 200 Jahre alt. Der Anfang der Pädagogik ist durch die Gründung des ersten Lehrstuhls für die Pädagogik an der Universität Halle im Jahr 1779 zu bestimmen.
Letztlich wurde im Jahr 1780 der Begriff Pädagogik eingeführt und davor wurden die pädagogischen Inhalte von der Theologie und der Philosophie vertreten. Demnach nutzt auch die Pädagogik Inhalte von Nachbarswissenschaften und dabei sind die wichtigsten die Soziologie und die Psychologie. Die Pädagogik handelt um die Erziehung von Menschen und demnach beschäftigt sich die Pädagogik mit der Theorie und Praxis der Erziehung. Es gibt zahlreiche Theorien, die relevant für die Praxis und Wissenschaft sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rousseaus Vision von Erziehung
3. Schleiermacher: Über die Person
3.1. Die Grundgedanken der Pädagogik Schleiermachers
3.1.1. Die Erziehungstheorie – das Generationsverhältnis
3.1.2. Der Vorrang der Praxis
3.1.3. Die Trias der Pädagogik – Grundformen erzieherischen Handelns
3.1.4. Das Ziel der Erziehung – Erziehungsverständnis nach F. Schleiermacher
3.1.4.1. Die Erziehung zum Staat
3.1.4.2. Das doppelte Erziehungsziel - Individuelle und universelle Erziehung
4. Die gegenwärtige Bedeutung der beiden Erziehungstheorien
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Relevanz der pädagogischen Theorien von Jean-Jacques Rousseau und Friedrich Schleiermacher für die heutige Erziehungspraxis, indem sie deren kontroverse Ansätze gegenüberstellt und kritisch bewertet.
- Vergleich der Erziehungsvorstellungen von Rousseau und Schleiermacher
- Analyse der Schleiermacher'schen Trias der Pädagogik
- Untersuchung der gesellschaftlichen Funktion von Erziehung
- Diskussion der aktuellen Anwendbarkeit der beiden Ansätze
Auszug aus dem Buch
3.1.3. Die Trias der Pädagogik – Grundformen erzieherischen Handelns
Nach Schleiermacher gibt es während dem ganzen Erziehungsprozess drei Gegensätze, die in allen erzieherischen Maßnahmen einzuhalten sind und diese lauten wie folgt: Behütung, Unterstützung und Gegenwirkung (vgl. Bollnow 1986, S.734). Bei der Behütung muss der Erzieher sich zunächst bewusst sein, dass seine Tätigkeit nicht von unten her beginnen kann, sondern „in einer Umwelt geschieht, die schon vor aller bewussten erzieherischen Bemühungen auf das Kind in einer Weise einwirkt“ (ebd., S. 734). Demnach kann der Erzieher das Kind nicht vor äußerlichen Einflüssen beschützen, bevor die Umwelt das Kind beeinflusst, denn die einzige Lösung hierfür wäre, das Kind gezielt von äußeren negativen Einflüssen (vgl. Flitner 1985., S.84).
Jedoch ist dieser Ansatz nicht leicht umzusetzen, da die gefährlichen Einflüsse nicht immer klar erkennbar sind (vgl. ebd., S.84). Als eine andere Möglichkeit könnte die Umwelt umgeformt und an die Erziehungsziele angepasst werden, somit würden die negativen Einflüsse erspart bleiben (vgl. Bollnow 1986, S.734). Jedoch hat auch diese Vorgehensweise einen Nachteil, und zwar bleibt dem Kind jede Art von Problemen und Konflikten ersparen und somit wird das Kind unvorbereitet in die Gesellschaft eingegliedert (vgl. ebd., S.734). Das Erziehungsziel liegt darin, dass Kind auf die Gesellschaft vorzubereiten (vgl. ebd., S.735). Bei der Behütung muss auf den richtigen Zeitpunkt geachtet werden und dieser ist in der Zwischenzeit der kindlichen Entwicklungen aufzufinden (vgl. ebd., S.735).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff Pädagogik, beleuchtet deren geschichtliche Entwicklung und legt die Forschungsfrage zur gegenwärtigen Bedeutung der kontroversen Theorien von Rousseau und Schleiermacher dar.
2. Rousseaus Vision von Erziehung: Dieses Kapitel erläutert Rousseaus Konzept der negativen Erziehung, welche das Kind vor kulturellen Einflüssen bewahren soll, um eine natürliche Entwicklung zu ermöglichen.
3. Schleiermacher: Über die Person: Der Abschnitt porträtiert Schleiermacher als Philosophen und Theologen und erörtert die Gründe für die späte Rezeption seiner pädagogischen Vorlesungen.
3.1. Die Grundgedanken der Pädagogik Schleiermachers: Hier werden die Kerngedanken Schleiermachers eingeführt, insbesondere die Ablehnung einer allumfassenden Theorie zugunsten einer praxisnahen Anpassung an gegebene Verhältnisse.
3.1.1. Die Erziehungstheorie – das Generationsverhältnis: Dieses Unterkapitel beschreibt das Generationsverhältnis als Grundlage, wobei der Fokus auf der gesellschaftlichen Funktion liegt, die jüngere Generation an Staat, Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft zu binden.
3.1.2. Der Vorrang der Praxis: Der Text verdeutlicht, dass die pädagogische Praxis der Theorie vorausgeht und die Theorie lediglich dazu dient, das bereits vorhandene Handlungswissen zu reflektieren und zu bewusst zu machen.
3.1.3. Die Trias der Pädagogik – Grundformen erzieherischen Handelns: Es werden die drei erzieherischen Handlungsformen Behütung, Unterstützung und Gegenwirkung beschrieben und deren notwendige Balance im Erziehungsprozess erläutert.
3.1.4. Das Ziel der Erziehung – Erziehungsverständnis nach F. Schleiermacher: Das Kapitel betrachtet Erziehung als System von Praktiken, welches geschichtlich-historisch eingebettet ist und durch ethische Prinzipien bestimmt wird.
3.1.4.1. Die Erziehung zum Staat: Es wird die Frage erörtert, wie das Individuum innerhalb einer Gesellschaft gebildet wird, wobei das Spannungsfeld zwischen Erhalten und Verbessern hervorgehoben wird.
3.1.4.2. Das doppelte Erziehungsziel - Individuelle und universelle Erziehung: Die Argumentation unterscheidet zwischen der universellen Erziehung für alle und der individuellen Förderung von Begabten („Elite“).
4. Die gegenwärtige Bedeutung der beiden Erziehungstheorien: Dieser Abschnitt überträgt die Theorien auf moderne Herausforderungen wie Medienumgang, Konsum sowie die Notwendigkeit von Grenzziehung und emotionaler Sicherheit.
5. Fazit: Das Fazit beurteilt Schleiermachers Theorie als zeitlos relevant für die Praxis, während Rousseaus "Emile" aufgrund seiner Künstlichkeit als wenig praktisch umsetzbar eingestuft wird.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Pädagogik, Friedrich Schleiermacher, Jean-Jacques Rousseau, Erziehungstheorie, Generationsverhältnis, Praxis, Behütung, Unterstützung, Gegenwirkung, Sozialisation, Individuation, Bildungsziel, Moderne, Gesellschaftsordnung, Erziehungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen pädagogischen Ansätze von Rousseau und Schleiermacher und prüft deren Relevanz für die heutige Erziehungspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Konzepte der negativen Erziehung, das Generationsverhältnis, die Trias aus Behütung, Unterstützung und Gegenwirkung sowie die Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu beantworten, ob die klassischen Erziehungstheorien von Rousseau und Schleiermacher in der aktuellen Zeit noch einen praktischen Nutzen und eine handlungsleitende Bedeutung haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine hermeneutische Herangehensweise durch Literaturanalyse und den Vergleich beider Theorien auf Basis einschlägiger erziehungswissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Rousseau, die detaillierte Darstellung der Pädagogik Schleiermachers (Grundgedanken, Erziehung zum Staat, Erziehungsziele) und deren Übertragung auf zeitgenössische Probleme.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Pädagogik, Theorie-Praxis-Verhältnis, soziale Sphären, Generationsverhältnis und erzieherische Professionalität beschreiben.
Warum hält die Autorin/der Autor Rousseaus Ansatz für kaum anwendbar?
Die Arbeit argumentiert, dass das Experiment "Emile" aufgrund der künstlichen Isolation des Kindes von der realen Welt und der Kultur als Utopie und somit als nicht praxisnah eingestuft wird.
Welche Bedeutung kommt der Schleiermacher'schen Trias in der Gegenwart zu?
Die Trias, bestehend aus Behütung, Unterstützung und Gegenwirkung, wird als grundlegendes Handlungsmodell bewertet, das beispielsweise durch Grenzziehung im schulischen Kontext weiterhin wichtige Orientierungspunkte für professionelles pädagogisches Handeln bietet.
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- Anonym (Author), 2023, Die Pädagogik nach Friedrich Schleiermacher unter Annäherung an Rousseaus Vision von Erziehung. Analyse der gegenwärtigen Bedeutung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1472186