Die Südafrikanische Stadt im Kontext der Apartheid und der Postapartheid


Hausarbeit, 2008
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Weg zur Apartheid

3. Die Politik der Apartheid
3.1. Kurzer historischer Überblick der Siedlungspolitik
3.2. Restriktionen und deren Folgen
3.3. Die Urbanisierung in den Homelands

4. Die Apartheidsstadt im Modell

5. Das Beispiel Kapstadt

6. White Suburbs / Black Townhips: Die Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Das Afrikaans Wort Apartheid geht auf die niederländische Bezeichnung für Trennung oder Teilung zurück. Dieses Wort steht seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vielmehr für das südafrikanische politische System der weißen Minderheitsherrschaft, die über vier Jahrzehnte währte. Mit dem Wahlsieg der National Party 1948 manifestierte sich ein System, das zu einer politischen, kulturellen und ökonomischen Trennung der als Rassen bezeichneten Bevölkerungsgruppen führte. Diese systematische und von höchster staatlicher Ebene verfolgte Politik hatte vor allem auch konkrete Auswirkungen auf die Physis der Städte. Um die Entwicklung der urbanen Zentren in Südafrika in den letzten fünf Jahrzehnten soll es in dieser Arbeit gehen. Ebenso werden die Jahre nach der offiziellen Auflösung dieses politischen Systems 1990 von zentraler Bedeutung sein.

Um zu verstehen, durch welche Mittel sich ein kolonialer Staat in den südafrikanischen Apartheidsstaat verwandeln konnte, muss zunächst kurz der historischen Entwicklung Südafrikas Rechnung gezollt werden. Dabei wird der gesetzliche Rahmen von Bedeutung sein, der Voraussetzung für die Schaffung eines Systems der Isolierung und Unterdrückung der schwarzafrikanischen Bevölkerung war. Daraufhin werden die Auswirkungen dieser Politik auf die schwarze Bevölkerung Afrikas näher betrachtet werden, die sich in bestimmten Siedlungsformen wie Townships, Homelands oder informellen Siedlungen äußerten. Ferner soll die quantitative und qualitative Entwicklung der urbanen Zentren in den Homelands untersucht werden, die von zentraler Bedeutung für die Segregation im Apartheids-Südafrika waren. Um die historische Entwicklung der urbanen Siedlungen während und nach der Ära der Apartheid in Südafrika besser nachvollziehen zu können, wird Kapstadt als konkretes Beispiel dienen. Zuletzt soll die Situation des Postapartheid-Südafrika vorgestellt werden. Dabei wird die Frage nach den Auswirkungen der Apartheidspolitik nach deren Ende von zentraler Bedeutung sein.

2. Der Weg zur Apartheid

Wie konnte es zu dem System der physischen Trennung von Menschen verschiedener Herkunft kommen? Wie in anderen britischen oder französischen Kolonien war es den europäischen Siedlern ein Bedürfnis, sich von der afrikanischen Bevölkerung räumlich abzugrenzen. Die Gründe hierfür liegen zum Einen in dem Anfang des 20. Jahrhunderts vorherrschenden Rassenbewusstsein und der Anwendung der Darwinschen Theorien auf das Verhältnis zwischen Europäern und Nicht-Europäern. Daraus begründeten sich Hygienediskurse, welche unter anderem die Angst vor übertragbaren Krankheiten durch die Afrikaner schürten und letztlich die Abtrennung der weißen Wohngebiete offiziell rechtfertigten. Diese Bestrebungen fanden in Südafrika ihre erste Manifestation in dem Immigrants Regulation Act von 1913. Laut dieser Bestimmung war es fortan den ursprünglich indischen Bevölkerungsteilen in Südafrika verboten, sich über die Provinzgrenzen hinweg zu bewegen. Ebenso wurden ihre Landbesitzrechte stark eingeschränkt. Ähnliches war auch der afrikanischen Bevölkerung bestimmt.

Neben dem angesprochenen rassistischen Weltbild kann ein weiterer Faktor für diese Einschränkungen ausgemacht werden. Billige schwarze Arbeitskräfte waren von wirtschaftlichem Interesse. Afrikaner waren dann gern gesehene Zeitgenossen, wenn ihre Arbeitskraft benötigt wurde. Seit dem Natives (Urban Areas) Act von 1923 galten Schwarze nur mehr als zeitweilige Stadtbewohner, die nur wenn sie wirtschaftlich aktiv waren, das Recht hatten, sich in der Stadt aufzuhalten. Von nun an waren sie per Gesetz physisch, sozial und wirtschaftlich von der weißen Bevölkerung getrennt (BROWETT 1982: 19). Gerechtfertigt wurde dieser Erlass offiziell durch den Schutz der weißen Bevölkerung vor Gesundheitsgefahren aus den Slumgebieten. Praktisch wurde dies durch die Einrichtung der so genannten Homelands oder Bantustans verwirklicht, die sich geographisch an den Siedlungsgebieten der afrikanischen Ethnien orientierten. 1936 machten solche Reservate knapp 14% der Gesamtfläche Südafrikas aus. Ziel der Regierung war es, diese Reservate von dem südafrikanischen Staat abzuspalten und sie zu politisch und wirtschaftlich eigenständigen Territorien zu formen. Dies war jedoch schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil die den Afrikanern zugewiesenen Territorien ökonomisch nicht überlebensfähig waren. Sie verfügten nicht über die nötigen Ressourcen, waren hoffnungslos überbevölkert und territorial zerstückelt. So waren die Homelands schließlich in jeder Hinsicht von dem sie umgebenden Südafrika abhängig (HARTMANN 2003: 105).

Der eigentliche Beginn der systematischen Apartheidspolitik fällt auf das Jahr 1948, in dem die National Party die Parlamentswahlen gewinnt. Die fortan burisch dominierte Regierung erließ weitere Beschlüsse, welche zur vollständigen Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung führten. Der Group Areas Act besiegelte 1950 die Trennung der Wohngebiete und im selben Jahr wurden sexuelle Beziehungen zwischen Weißen und Nicht-Weißen strafbar. Nur drei Jahre später wurde die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen wie Behörden, aber auch Bussen und Parkbänken eingeführt (HARTMANN 2003: 103-104).

3. Die Politik der Apartheid

3.1. Kurzer historischer Überblick der Siedlungspolitik

Nach den Gold- und Diamantenfunden strömten Schwarze aus ganz Südafrika in die Minenstädte. Nach der Einführung des Natives (Urban Areas) Act im Jahr 1923 wurden immer wieder informelle Siedlungen geräumt und das Recht der schwarzen und farbigen Afrikaner auf eine dauerhafte Unterkunft in der Stadt stark eingeschränkt. Die sich entwickelnde Industrie führte in den 1930ern zu einer verstärkten Zuwanderung weiblicher afrikanischer Arbeitskräfte (SMIT et al. 1982: 94). Die gezielte Segregation der südafrikanischen Bevölkerung war die Reaktion der weißen Regierung auf die fortschreitende Migration der schwarzen Südafrikaner in die Städte. Infolge derer sich die weiße Minderheit in ihrer Position bedroht sah und Maßnahmen zu ihrer Stärkung vornahm. Die Trennung der schwarzen Bevölkerung von der restlichen vollzog sich auf politischer und sozialer Ebene und erfuhr ihre physische Ausprägung in der Landenteignung und Zwangsumsiedlung der schwarzen Mehrheit (KHAN 2005: 1). Neben der Zuwanderung kam es zu einer weiteren Zunahme der Stadtbevölkerung durch eine höhere Zahl von Geburten. In Reaktion auf diese Entwicklung wurde 1950 der bereits erwähnte Group Areas Act eingeführt. Die Maßnahmen zeigten Erfolg und so konnte der rapide Anstieg des afrikanischen Anteils in den Städten vermindert werden (SMIT et al. 1982: 94).

Ebenfalls im Jahr 1950 wurde der Population Registration Act erlassen, nach dem die Bevölkerung Südafrikas in rassisch definierte Gruppen klassifiziert wurde. Jeder/e Südafrikaner/in war nun entweder Weiß, Schwarz oder Coloured. Zu letzterer Gruppe zählten seitdem Inder, Chinesen und andere weder aus Afrika noch aus Europa stammende Menschen. Die schwarze Bevölkerung stand nach dieser Einteilung hierarchisch an letzter Stelle, besaß folglich die wenigsten Rechte und war Ziel der meisten Repressalien (CHRISTOPHER 1994: 103). Vier Jahre später schaffte der Natives Resettlement Act die politische Grundlage, um die schwarze Bevölkerung aus den Wohngebieten im Inneren der Stadt zu vertreiben und sie in eigens dafür geschaffenen Gebieten wieder anzusiedeln (ebd: 105).

In den 1960ern konzentrierten sich daher die staatlichen Maßnahmen auf solche Ansiedlungen wie Townships und Homelands. Townships sind Siedlungen abseits der Städte, die für die schwarze Bevölkerung geschaffen wurden. Sie dienten der weißen Minderheit als Arbeitskräftereservoirs und verfügten kaum über eine entwickelte Infrastruktur.

Weiterhin wurde die Bereitstellung von Wohnungen in den Städten für die schwarze Bevölkerung eingeschränkt und wo möglich wurden nun vor allem Familien vermehrt in den Homelands angesiedelt. Die Situation der Schwarzen in den Städten verschlechterte sich zusehends (SMIT et al. 1982: 94). Weitere Reformen wurden erlassen, darunter neue Bestimmungen für die Repräsentation von Minderheiten im Präsidentenrat. Coloureds wurde das Recht zuerkannt Einfluss auf diesen Rat auszuüben, während die schwarzafrikanische Bevölkerung über dieses Recht nicht verfügen konnte. Da jedoch die farbige (colourded) Bevölkerung nicht gewillt war, diese Bestimmungen in Anspruch zu nehmen, solange die schwarze Bevölkerung ausgeschlossen blieb, sollte nun auch den schwarzen Afrikanern ein eigener Rat zuerkannt werden, wozu es aber nie kam. Die südafrikanische Regierung verfolgte weiterhin ihre Politik, nach der Afrikaner lediglich in den Homelands über politischen Einfluss verfügen sollten (ebd.: 95).

Politisch konnte die schwarze Bevölkerung nun immer weniger mitbestimmen. Während der Apartheid verloren die Schwarzafrikaner auch ihr Wahlrecht. Politische Organisationen wie der bereits 1912 gegründete African National Congress (ANC) wurden verboten und dessen politische Führer, darunter der spätere Präsident des Post-Apartheidsstaates Nelson Mandela, inhaftiert. Diese Maßnahme war die Antwort auf die Unruhen von 1960 in Sharpville, bei der die schwarze Bevölkerung ihren Protest öffentlich kundtat (HARTMANN 2003: 104).

3.2. Restriktionen und deren Folgen

Während der Apartheid waren verschiedene politische Strategien nötig, um die Überlegenheit der weißen Bevölkerung zu sichern und gleichzeitig die schwarze Bevölkerung als Arbeitskraft auszubeuten, die vor allem im Agrarsektor und in den Minen gefragt war. Um dies zu erreichen, war eine verbesserte behördliche Kontrolle unabdingbar. Infolgedessen kam es zu einer verstärkten Kontrolle der schwarzen Bevölkerung. Wollten schwarze Afrikaner länger als drei Tage in einer Stadt bleiben, mussten sie vorher Arbeitsbüros aufsuchen und dort eine Erlaubnis einholen. Weiterhin wurden alle Schwarzafrikaner mit einem Pass ausgestattet, in dem jegliche Bewegungen zwischen Stadt und Land verzeichnet waren. Durch diese „Einreisekontrolle“ in die urbanen Zentren Südafrikas konnten nur die Menschen afrikanischen Ursprungs die Städte besuchen, die von den Behörden als nützlich erachtet wurden. Allen anderen unproduktiv gebranntmarkten und nach weißen Ansprüchen überflüssigen Afrikanern war nur der Aufenthalt in den Bantustans, also den Homelands erlaubt (BROWETT 1982: 21). Vor allem Frauen hielten sich dennoch ohne Genehmigung in den Städten auf (KHAN 2005: 1).

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Details

Titel
Die Südafrikanische Stadt im Kontext der Apartheid und der Postapartheid
Hochschule
Universität Bayreuth  (Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften)
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V147310
ISBN (eBook)
9783640571611
ISBN (Buch)
9783640571772
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Südafrika, Apartheid, Postarpartheid, Stadt, Urbanität, Urbanisierung, Homeland, Segragation, Kapstadt
Arbeit zitieren
Fabian Lehmann (Autor), 2008, Die Südafrikanische Stadt im Kontext der Apartheid und der Postapartheid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147310

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