Die Arbeit soll den Aspekt der Hyksos-Propaganda näher beleuchten und aufzeigen, dass dies für Hatschepsut einen wichtigen Baustein ihrer Legitimation als Herrscherin darstellte. Die Arbeit soll außerdem einen Bezug zwischen der Speos Artemidos Inschrift und der sehr speziellen Situation, in der sich Hatschepsut als Frau und in der Rolle der Alleinherrscherin befand, herstellen.
Das Thema Propaganda ist heute aktueller denn je. Mithilfe von Social Media verbreiten sich Schmähkritik und Fake News beinahe unkontrolliert, was bei den Lesern nicht selten zu einseitiger Wahrnehmung von Sachverhalten und Desinformation führt. Hierbei handelt es sich jedoch um kein reines Phänomen unserer Zeit – von den Mächtigen beauftragte Inschriften sowie von den niederen Schichten angebrachte Graffiti fungierten als die sozialen Medien der Antike.
Schon früh haben sich Herrscher der Propaganda bedient, um sich selbst im besten Licht darzustellen und auf ihre Leistungen aufmerksam zu machen. Im Alten Ägypten war dies nicht anders; noch heute zeugen zahlreiche Inschriften und Abbildungen von den Großtaten der pharaonischen Herrscher.
Ein besonders interessantes Bauwerk stellt in diesem Zusammenhang der Felsentempel Speos Artemidos dar, der die Jahrtausende überdauert hat. An der Tempelfassade ist die Inschrift der Hatschepsut, Pharaonin der 18. Dynastie im Neuen Reich, eingraviert, welche meine Primärquelle für die vorliegende Arbeit darstellt. In der Inschrift schmäht Hatschepsut die Hyksos, die in der 2. Zwischenzeit von ca. 1650 bis 1550 v. Chr. Unterägypten beherrschten und betont im direkten Vergleich ihre eigenen großen Taten und Errungenschaften. Mithilfe dieser Inschrift möchte ich meine Forschungsfrage näher beleuchten: Wie versuchte Hatschepsut, sich anhand der Hyksos als Pharaonin zu legitimieren? Hatschepsut regierte im Neuen Reich von 1479 bis 1458 v. Chr. - Jahrzehnte nach der Vertreibung der Hyksos aus Ägypten. Sie ist eine der wenigen pharaonischen Alleinherrscherinnen, die aus dem Alten Ägypten belegt sind. Mit Sicherheit ist sie jedoch eine der bekanntesten Pharaoninnen. Auch Jahrtausende später übt sie noch eine starke Faszination aus. Trotz umfangreicher Forschung zu Hatschepsut liegen auch weiterhin viele Aspekte ihrer Herrschaft im Dunkeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hatschepsut als Pharaonin
2.1 Alleinherrscherin im Alten Ägypten
2.2 Hatschepsuts alte und neue Strategien der Legitimation
3 Propaganda gegen die Hyksos
3.1 Die Speos Artemidos Inschrift
3.2 Die Instrumentalisierung der Hyksos
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Legitimationsstrategien der ägyptischen Pharaonin Hatschepsut im Neuen Reich, mit besonderem Fokus auf die propagandistische Nutzung der Speos Artemidos Inschrift. Die zentrale Fragestellung ist, wie Hatschepsut die Hyksos instrumentalisierte, um ihren eigenen Herrschaftsanspruch als Frau und Alleinherrscherin zu festigen.
- Propagandamechanismen im Alten Ägypten
- Legitimationsstrategien einer weiblichen Alleinherrschaft
- Die Speos Artemidos Inschrift als primäre Quelle
- Die Instrumentalisierung historischer Feindbilder
- Verhältnis zwischen Hatschepsut und Thutmosis III
Auszug aus dem Buch
Die Speos Artemidos Inschrift
In der Speos Artemidos Inschrift (Abb. 2) lobt Hatschepsut zunächst wortreich ihren eigenen immensen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes und ihre Darbietungen an die zuvor vermeintlich missachteten Götter; während sie sich später im Text über die „Asiatics“ (Hyksos) beklagt und ihnen zahlreiche Miseren zur Last legt, die Ägypten vor ihrer eigenen Herrschaft heimgesucht haben sollen. Aufgrund der Lage der Inschrift an der Außenfassade kann davon ausgegangen werden, dass ihr Inhalt einer breiten Schicht zugänglich gemacht und von jedem, der des Lesens mächtig war, auch gelesen werden sollte. Es ist anzunehmen, dass es sich hierbei um eine extrem einseitige Darstellung aus der Warte Hatschepsuts handelt.
Die Inschrift bezichtigt die Hyksos schwerster Verfehlungen, wie der Gottlosigkeit, und beschreibt, wie sie das Land verfallen ließen: „I never slumbered as one forgetful, but have made strong what was decayed. I have raised up what was dismembered, (even) from the first time when the Asiatics were in Avaris of the North Land, (with) roving hordes in the midst of them overthrowing what had been made; they ruled without Re […]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Propaganda in der Antike und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich Hatschepsuts Legitimation durch die Hyksos-Schmähungen.
2 Hatschepsut als Pharaonin: Analyse der Rolle Hatschepsuts als Alleinherrscherin und ihrer verschiedenen Strategien zur Legitimierung ihres Machtanspruchs, unter anderem durch göttliche Abstammung.
3 Propaganda gegen die Hyksos: Detaillierte Untersuchung der Speos Artemidos Inschrift und Erläuterung, wie die Hyksos als politisches Mittel für Hatschepsuts Zwecke instrumentalisiert wurden.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die Hatschepsuts geschickte Kombination verschiedener Legitimationsbausteine als Schlüssel zu ihrer erfolgreichen und unangefochtenen Herrschaft hervorhebt.
Schlüsselwörter
Hatschepsut, Pharaonin, Altes Ägypten, Hyksos, Speos Artemidos, Propaganda, Legitimation, Amun, Thutmosis III, Sobekneferu, Herrschaftsanspruch, Antike, Politische Rhetorik, Neue Reich, Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Herrschaft der Pharaonin Hatschepsut und analysiert, wie sie Propaganda einsetzte, um ihre ungewöhnliche Position als Alleinherrscherin im Alten Ägypten zu legitimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen antike Legitimationsstrategien, das politische Wirken Hatschepsuts, ihr Verhältnis zu ihren männlichen Verwandten und die propagandistische Instrumentalisierung der historischen Gruppe der Hyksos.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Hatschepsut die Schmähung der Hyksos in einer Inschrift nutzte, um sich selbst als Retterin und rechtmäßige Pharaonin zu inszenieren.
Wie sieht die wissenschaftliche Methodik der Arbeit aus?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse der Speos Artemidos Inschrift unter Einbeziehung aktueller ägyptologischer Fachliteratur, um Hatschepsuts politische Vorgehensweise historisch einzuordnen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf Hatschepsuts verschiedenen Strategien der Machtfestigung, der detaillierten Untersuchung ihrer Inschrift in Speos Artemidos und der kritischen Reflexion über die Instrumentalisierung vergangener Missstände.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe wie Hatschepsut, Legitimation, Propaganda, Speos Artemidos und die Hyksos-Problematik definieren den Kern der Arbeit.
Wird auch das Verhältnis zu Thutmosis II beleuchtet?
Ja, die Arbeit diskutiert, warum Hatschepsut in ihrer Darstellung ihren Ehemann Thutmosis II weitestgehend überging und wie sie durch die Hyksos-Propaganda von politischen Versäumnissen seiner Regierungszeit ablenkte.
Welche Rolle spielt die Göttin Mut in Hatschepsuts Programm?
Die Integration der Göttin Mut diente Hatschepsut dazu, ein weibliches Element in ihr Legitimationsprogramm aufzunehmen, welches durch die Verbindung zum Hauptgott Amun zusätzlich an Bedeutung gewann.
- Arbeit zitieren
- Romy Zhang (Autor:in), 2020, Hatschepsut und die Hyksos. Propaganda im Alten Ägypten. Die Speos Artemidos Inschrift, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1473913