Um zu verstehen, wie sich das Berufsfeld des Sozialpädagogen/in in der Entwicklung der Sozialen Arbeit von ihren frühen Anfängen bis heute etablieren konnte, werde ich ihren historischen Verlauf mit Fokus auf die Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe skizzieren.
So wie sich die Soziale Arbeit aus ihren frühsten Anfängen der Armenfürsorge bis zu einem differenziertem und komplexen
Dienstleistungssystem entwickelte, so musste sich auch die Perspektive auf und das Wissen um die Kleinsten unserer Gesellschaft, nämlich den Kindern, erst im Laufe der Geschichte entwickeln.
Deshalb werde ich auf die wichtigsten Eckpfeiler in der Entstehung der Pädagogik eingehen. Diese Entwicklungsprozesse sind zu jeder Zeit in einen gesellschafts- politischen Kontext eingebettet und geraten somit immer mal wieder in ein Spannungsfeld von staatlicher Kontrolle und individueller Hilfe. Am Beispiel der Kindertagesbetreuung möchte ich veranschaulichen, wo meines Erachtens auch heute noch diese gegensätzlichen Kräfte vorzufinden sind. Welche Umstände oder Faktoren begünstigen das Spannungsfeld und wie schafft man es trotz aller Einflüsse eine Gemeinschaft zu formen, die sich als großartiges, familienergänzendes Angebot erlebt? Ich möchte in Anlehnung an Wolfgang Müllers Werk „Inseln der Zukunft“ versuchen, eine erste Antwort darauf zu finden, in dem ich die bei Müller skizzierten Zukunftsvisionen hinzuziehe.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. MERKMALE UND ANFORDERUNGEN DER SOZIALEN DIENSTE
2.1 Soziale Arbeit, Sozialarbeit oder Sozialpädagogik? - Versuch
einer Begriffsklärung
2.2 Sozialpädagogische Arbeit als Profession
2.3 Die drei Mandate in der sozialpädagogischen Profession
3. GESCHICHTE DER SOZIALEN ARBEIT
3.1. Von der Armenfürsorge zur Wohlfahrtspflege
3.2. Die Jugendfürsorge
3.3. Die Wohlfahrtspflege
4. DIE KITA ALS SOZIALES DIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN
5. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige Struktur der Sozialen Arbeit, unter besonderer Berücksichtigung der Kindertagesbetreuung als modernem sozialen Dienstleistungsunternehmen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich das Berufsfeld historisch etablieren konnte, welche Spannungsfelder zwischen staatlicher Kontrolle und individueller Hilfe existieren und wie moderne pädagogische Angebote innerhalb dieses Systems gestaltet werden können.
- Historische Evolution der Sozialen Arbeit von der Armenfürsorge bis zur Wohlfahrtspflege.
- Differenzierung und Begriffsklärung zwischen Sozialer Arbeit, Sozialarbeit und Sozialpädagogik.
- Analyse des professionellen Selbstverständnisses anhand des Tripelmandats.
- Die Kindertagesstätte als soziales Dienstleistungsunternehmen im Kontext moderner Managementanforderungen.
- Herausforderungen der pädagogischen Arbeit im Spannungsfeld von ökonomischer Effizienz und kindzentrierter Förderung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Von der Armenfürsorge zur Wohlfahrtspflege
Im 13. Jahrhundert, also im Spätmittelalter, wurde der persönliche Status eines Menschen durch das vorherrschende Feudalsystem geprägt. Die Landesherren verfügten über Grundbesitz und Güter, dem sogenannten Lehnwesen. Die einfache bäuerliche Bevölkerung war entrechtet und ohne Bodenbesitz. Durch ihre kostenlose Arbeitskraft hielten sie die damals vorherrschende Naturalwirtschaft aufrecht. Hunger, Krankheit und Entbehrung prägte das Leben der Landbevölkerung. In den Städten wurden erste Spitäler erbaut. Es wurden Almosen an die Armen gespendet. Die Spenden waren abhängig von der Bereitschaft der zumeist wohlhabenden Bürger. Die Almosenlehre wurde theologisch untermauert und galt als ein christliches Gebot. Ein staatliches Fürsorgesystem gab es nicht. Da die Armut als von Gott gegeben aufgefasst wurde, musste die feudale Herrschaft auch nicht verändert werden. Der Arme blieb also in Abhängigkeit der Reichen. Ein Antrieb für soziale Fürsorge wurde durch die christliche Almosenpraxis, einer Gottgefälligkeit, unterbunden. Wenn in dieser Zeit überhaupt von sozialer Fürsorge gesprochen werden kann, so waren es die Kirchen und Klöster, die karikativ tätig waren, indem sie die Armen, Kranken und Pflegebedürftigen versorgten.
Ende des 13. Jahrhunderts kam es zu einer Veränderung in der Almosenverteilung. Die Veränderung begann in den Städten, es kam zu einer Spital- und Almosenverwaltung. Die Almosen wurden nun nach bestimmten Kriterien der Notwendigkeit und Berechtigung durch eigens dafür geschaffene Behörden verteilt. Die Aufgabe der Almosenverteilung wurde aus der Zuständigkeit der Kirche herausgenommen. Das Bettelwesen wurde in einzelnen Städten konzessioniert, es musste nachgewiesen werden, wer betteln durfte um Almosen zu empfangen. Diese erste kommunale Armen- und Bettelordnung stellt m.E. den Versuch dar, die Gewährung von Hilfen (Almosen) auf kommunaler Ebene zu reglementieren und damit auch zu kontrollieren und einzudämmen. Der Prozess der Kommunalisierung, Rationalisierung und Pädagogisierung der Armenfürsorge führte zu einem Verbot der Almosen. Die städtischen Bettler und Armen wurden in arbeitsunfähig oder arbeitsfähig unterteilt. Auf diese nun sollte erzieherisch eingewirkt werden um sie wieder in den Wirtschaftsprozess zu integrieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin führt in ihre Motivation ein, ihre Tätigkeit in einer Kita zu reflektieren und den historischen Kontext der Sozialen Arbeit zu beleuchten.
2. MERKMALE UND ANFORDERUNGEN DER SOZIALEN DIENSTE: Dieses Kapitel erörtert die Begrifflichkeiten, die Professionalisierung durch das Tripelmandat und die Triadik der Sozialen Arbeit.
3. GESCHICHTE DER SOZIALEN ARBEIT: Der historische Abriss skizziert die Entwicklung von der mittelalterlichen Armenfürsorge und Jugendfürsorge bis hin zu den strukturellen Veränderungen im 20. Jahrhundert.
4. DIE KITA ALS SOZIALES DIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN: Hier wird die Kita unter modernen betriebswirtschaftlichen und pädagogischen Aspekten als Dienstleister unter staatlichen Rahmenbedingungen analysiert.
5. RESÜMEE: Die Autorin reflektiert ihre Erkenntnisse und wagt einen Ausblick auf die Gestaltung einer liebenswerten, achtsamen Zukunft im Kontext sozialer Anforderungen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Armenfürsorge, Jugendfürsorge, Wohlfahrtspflege, Tripelmandat, Kindertagesstätte, Ökonomisierung, Dienstleistungsunternehmen, Pädagogik, Kindeswohl, Qualitätsmanagement, Sozialstaat, Intervention, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beleuchtet die Entwicklung der Profession der Sozialen Arbeit, beginnend bei ihren Ursprüngen in der Armenfürsorge, bis hin zum modernen Verständnis von Kindertageseinrichtungen als soziale Dienstleister.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Vordergrund?
Die zentralen Themen sind die historische Genese sozialer Hilfeleistungen, die Professionalisierung durch fachliche Konzepte wie das Tripelmandat sowie die Herausforderungen durch die zunehmende Ökonomisierung sozialer Dienste.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Verlauf und die strukturellen Bedingungen der Sozialen Arbeit zu verstehen, um das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle in der heutigen Praxis der Kindertagesbetreuung einordnen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?
Die Arbeit verwendet eine historische Analyse und Literaturrecherche, um die Entwicklung der Sozialpädagogik nachzuzeichnen und in den aktuellen gesellschaftspolitischen Kontext einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit der Profession, eine historische Herleitung der Sozialen Arbeit von der Armenfürsorge zur Wohlfahrtspflege und eine Fallbetrachtung der Kindertagesstätte als modernes Unternehmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind das Tripelmandat, soziale Dienstleistungen, die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und der Bildungsauftrag in der Kindertagesbetreuung.
Warum wird die Kita in dieser Arbeit als "Dienstleistungsunternehmen" bezeichnet?
Der Begriff spiegelt die heutige Arbeitsweise moderner Kitas wider, die nach betriebswirtschaftlichen Kriterien wie Qualitätsmanagement, Effizienz und Konkurrenz geführt werden, während sie gleichzeitig soziale Betreuungsleistungen erbringen.
Welche Bedeutung hat das "Tripelmandat" für die Soziale Arbeit?
Das Tripelmandat erweitert das frühere Doppelmandat (Hilfe und Kontrolle) um die verpflichtende Einhaltung der Menschenrechte, was der Profession mehr Autonomie und eine ethische Grundlage gegenüber Staat und Gesellschaft verleiht.
Wie beeinflusst die Geschichte der Armenfürsorge das heutige Verständnis von Sozialer Arbeit?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Soziale Arbeit stets in gesellschaftspolitischen Spannungsfeldern steht; die frühe Kopplung von Hilfe an Disziplinierung unterstreicht die Notwendigkeit, heutige Standards wie Partizipation kritisch zu reflektieren.
- Arbeit zitieren
- Artemi Kapsalis (Autor:in), 2021, Geschichte der Sozialen Arbeit. Die Kita als soziales Dienstleistungsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1473938