Inwieweit hat die soziale Herkunft von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund in Deutschland Auswirkungen auf die Chancengleichheit im Bildungssystem in der Primarstufe und Sekundarstufe 1?
Das deutsche Bildungssystem steht seit Langem im Fokus, da trotz der neunjährigen Vollzeitschulpflicht die Chancengleichheit noch nicht erreicht ist. Insbesondere die Diskussion über die Bildungsungleichheiten von Schüler:innen mit Migrationshintergrund ist durch den "PISA-Schock" und die Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen Schüler:innen mit und ohne Migrationshintergrund angeregt worden. Mit einem Anteil von 39 Prozent an allgemeinbildenden Schulen im Jahr 2019 ist die wachsende Zahl von Schüler:innen mit Migrationshintergrund ein zentraler Faktor. Die Ursachen dieser Ungleichheiten werden vielschichtig betrachtet, wobei ethnische Bildungsungleichheit als Sonderfall sozialer Ungleichheit herausgestellt wird. Diese resultiert nicht nur aus Diskriminierung, sondern auch aus historischen Einflüssen wie der Arbeitsmigration der 1950er Jahre und den damit verbundenen mangelnden Integrationsbemühungen des Staates. Sprache spielt eine zentrale Rolle, da mangelnde Lese- und Sprachkompetenz die Bildungsergebnisse beeinflussen. Die PISA-Studie hat die Debatte über Bildungsungleichheit vorangetrieben, indem sie die Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufgezeigt hat. Eine mögliche Lösung besteht darin, das Bildungssystem grundlegend zu reformieren und sich am skandinavischen Modell zu orientieren, das weniger auf Selektion und mehr auf individuelle Förderung setzt. Damit könnten die Chancenungleichheiten im deutschen Bildungssystem reduziert und die Integration von Schüler:innen mit Migrationshintergrund verbessert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Bildung-eine deutsche Altlast?
2. Ursachen der Bildungsungleichheit bei Schülern mit Migrationshintergrund
2.1 ethnische Bildungsungleichheit als Sonderfall der sozialen Ungleichheit
2.2 Geschichtlicher Hintergrund der Herkunftsbasierten Bildungsbenachteiligung
2.3 Die Rolle der Sprache und deren Korrelation zur Bildungsbenachteiligung
3. Die internationale Schulleistungsstudie PISA-Studie
4. Auswirkungen der Chancenungleichheit von Schüler_innen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
4.1 primäre Herkunftseffekte
4.2 sekundäre Herkunftseffekte
5. Bildungschancen für Migrantenkinder mit sozial schwachem und bildungsfernem Hintergrund
6. Forderungen und Lösungsansätze, um migrationsspezifische Bildungsungleichheit im Schulsystem zu begleichen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland innerhalb der Primar- und Sekundarstufe 1 und erörtert notwendige Strukturveränderungen im Bildungswesen.
- Analyse der Ursachen für Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem
- Untersuchung der Korrelation zwischen Sprachkompetenz, sozialer Stellung und Bildungserfolg
- Bewertung der Erkenntnisse aus internationalen Studien wie PISA
- Differenzierung zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten
- Diskussion skandinavischer Schulmodelle als Lösungsansatz
Auszug aus dem Buch
2. Ursachen der Bildungsungleichheit bei Schülern mit Migrationshintergrund
In kaum einem anderen Land ist die Korrelation von Bildung und sozioökonomischem Status so auffällig wie in Deutschland (Lübcke, n.d.), welche im Folgenden mit Hilfe der Ursachen der Bildungsungleichheit bei Schüler_innen mit Zuwanderungshintergrund aufgezeigt wird. In der Gesellschaft werden oft zwei Thesen über die Ursachen der Bildungsungleichheit bei Schüler_innen mit Migrationshintergrund vertreten. Die erste These ist, dass Migrantenfamilien für ihre nachteilige Bildungssituation selbst verantwortlich seien, da sie sich ein eigenes ethnisches Milieu einrichten, anstatt konsequent die deutsche Sprache zu lernen und sich um Bildung zu bemühen, aber auch die gegenteilige Position wird vertreten, in der von der Gesellschaft behauptet wird, dass Zuwanderer und Zuwanderinnen und ihre Nachkommen sehr wohl bildungsbewusst sind, aber durch Diskriminierung am Bildungsaufstieg gehindert werden (Hopf & Edelstein, 12.09.2018). Im Folgenden wird die erste These außer Acht gelassen, da meiner Meinung nach von nicht wollen von Seiten der Migranten und Migrantinnen oft keine Rede sein kann. Ganz im Gegenteil laut Jörg Dollmann und Cornelia Kristen haben viele Menschen mit Zuwanderungshintergrund in der Tat hohe Bildungsziele und streben zum Beispiel [z.B.] häufiger den Besuch eines Gymnasiums an als sozial ähnlich gestellte Personen ohne Migrationshintergrund.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bildung-eine deutsche Altlast?: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, warum Chancengleichheit in Deutschland trotz Schulpflicht ein ungelöstes Problem darstellt und welche Rolle die soziale Herkunft dabei spielt.
2. Ursachen der Bildungsungleichheit bei Schülern mit Migrationshintergrund: Hier werden zentrale Hypothesen, der historische Kontext der Arbeitsmigration sowie die Bedeutung der Sprache als maßgebliche Faktoren für Bildungsbenachteiligung beleuchtet.
3. Die internationale Schulleistungsstudie PISA-Studie: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der PISA-Studie und deren Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und schulischem Erfolg.
4. Auswirkungen der Chancenungleichheit von Schüler_innen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem: Basierend auf Raymond Boudon werden die Konzepte der primären und sekundären Herkunftseffekte auf den Bildungsweg der Schülerinnen und Schüler angewandt.
5. Bildungschancen für Migrantenkinder mit sozial schwachem und bildungsfernem Hintergrund: Dieser Abschnitt thematisiert die Möglichkeiten trotz schwieriger Ausgangslagen, wobei insbesondere Bildungsaspirationen der Familien betrachtet werden.
6. Forderungen und Lösungsansätze, um migrationsspezifische Bildungsungleichheit im Schulsystem zu begleichen: Hier werden Reformvorschläge diskutiert, wobei insbesondere der Vergleich mit dem skandinavischen Bildungssystem als Impuls für strukturelle Veränderungen dient.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Problematik zusammen und betont die Notwendigkeit einer politischen Reform des Schulsystems aus Sicht der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Migrationshintergrund, Chancengleichheit, PISA-Studie, Primäre Herkunftseffekte, Sekundäre Herkunftseffekte, Bildungssystem, Bildungsaspiration, Integration, Sprachkompetenz, Schulreform, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die soziale Herkunft von Schülern mit Migrationshintergrund in Deutschland die Chancengleichheit innerhalb des Bildungssystems, speziell in der Primar- und Sekundarstufe 1, beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ursachen für Bildungsungleichheit, die Bedeutung von Sprachkenntnissen, die Auswirkungen der sozioökonomischen Herkunft sowie mögliche strukturelle Reformen des Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Hauptziel ist es, die bestehenden Benachteiligungen aufzuzeigen und durch einen Vergleich mit anderen Bildungssystemen (z.B. Skandinavien) Anstöße für eine politische Veränderung hin zu mehr Chancengleichheit zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle forschungswissenschaftliche Erkenntnisse, Daten aus der PISA-Studie und soziologische Theorien, wie die von Raymond Boudon, ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen von Bildungsungleichheit, die Auswertung internationaler Studien, die theoretische Differenzierung von Herkunftseffekten sowie die Diskussion konkreter politischer Forderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Migrationshintergrund, Chancengleichheit, Bildungsaspiration und Integration.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten?
Primäre Effekte beziehen sich auf direkt im Unterricht erzielte Leistungen und Noten, während sekundäre Effekte die bildungsbiographischen Entscheidungen beschreiben, die Familien aufgrund ihrer sozioökonomischen Lage treffen.
Warum wird das skandinavische Bildungssystem als Referenz herangezogen?
Das skandinavische System wird als Kontrast zum gegliederten deutschen Modell angeführt, da es durch längeres gemeinsames Lernen, weniger Selektion und Notenfreiheit eine höhere Bildungsgerechtigkeit ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Auswirkungen der Chancenungleichheit von Schüler_innen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1474059