Walther von der Vogelweide und seine Lieder


Referat (Ausarbeitung), 2008

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie
2.1 Walthers erste Jahre
2.2 Walther am Wiener Hof
2.3. Walthers erste Wanderzeit
2.4. Das Preislied
2.5. Walthers zweite Wanderzeit
2.6. Reinmars Tod
2.7. Das Lehen
2.8. Die 1220er-Jahre

3. Überlieferung von Walthers Werk
3.1. Überlieferung der Texte
3.2. Überlieferung der Lieder

4. Walthers Lieder
4.1. Minnesang
4.1.1. Hohe Minne: Lieder nach der Art Reinmars
4.1.2. Hohe Minne: Walther will sich von Reinmar absetzen
4.1.3. Mädchenlieder
4.1.4. Vierte Liedgruppe: Forderung der gegenseitigen Liebe
4.1.5. Neue Hohe Minne
4.2. Sangspruchdichtung
4.3. Religiöse Lieddichtung / Altersdichtung

5. Walthers Lieder: Das Palästinalied

6. Schlussbemerkung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Walther von der Vogelweide war im deutschen Mittelalter offenbar eine berühmte Dichterpersönlichkeit, denn er wurde von vielen Zeitgenossen erwähnt und stand bei diesen „in hohem Ansehen“ (Aarburg, 219). Seit dem späten 13. Jahrhundert findet sich sein Name regelmäßig in Dichterkatalogen; die Meistersänger zählten ihn gar zu ihren zwölf Vorbildern (Brunner, 447). Doch wer war eigentlich dieser Walther und womit hat er sich so verdient gemacht?

2. Biographie

Über die Biographie Walthers von der Vogelweide ist nicht viel bekannt; die meisten Informationen stammen aus seinen eigenen Liedern; manche aus denen anderer Minnesänger.

2.1. Walthers erste Jahre

Walther wurde um 1170 geboren; sein Geburtsort ist umstritten. Vermutlich wurde er in Österreich geboren (Scholz, 5). Deutlich ist nur eins: „Ze Ôsterrîche lernt ich singen unde sagen“ (32,14; alle Zitate nach Cormeau 141996); „also: Österreich – d.h. wohl genauer Nieder-Österreich, Wien – war Walthers geistige Heimat“ (Halbach, 19).

Der Beiname Vogelweide lässt ebenfalls keine Rückschlüsse auf Walthers Abkunft zu, denn dieser Name war im mittelalterlichen Süddeutschland häufig zu finden. Es ist möglich, dass Walther sich diesen Namen selbst, sozusagen als Künstlernamen, gegeben hat (Aarburg, 216; Scholz, 8).

Auch Walthers Standangehörigkeit ist unsicher: Er klagte häufig, er sei unbegütert und auf fürstliches Patronat angewiesen; so noch in seiner Bitte an den späteren Kaiser Friedrich II: „lât iuch erbarmen, daz man mich bi sô rîcher kunst lât alsus armen“ (28,1 f.). Die einzige erhaltene, noch zu seinen Lebzeiten verfasste Aktennotiz nennt Walther jedoch „cantor“; daher gehörte er wahrscheinlich dem niederen Adel an (Aarburg, 216).

2.2. Walther am Wiener Hof

Walthers vermutlich frühester Gönner (in den 1190er Jahren) war der österreichische Herzog Leopold V. (1177-1194), sicherlich aber Herzog Friedrich I. (1195-1198) (Aarburg, 216; Exner, 20; Obermeier, 38). In dieser Zeit lernte und wirkte Walther sehr wahrscheinlich am Hof der Babenberger in Wien und orientierte sich in musikalischer Hinsicht kurzzeitig an Reinmar von Hagenau (ca. 1160/70-1210) (Obermeier, 38). Dieser, auch Reinmar der Alte genannt, soll am Wiener Hof eine Stellung als Hofsänger innegehabt haben (Scholz, 129) und war ein klassischer Vertreter der hochhöfischen Minnelyrik. So standen Walthers frühe Lieder ganz im Zeichen Reinmars und damit in der Tradition der hochhöfischen Hohen Minne (Rump, 83). Bereits nach kurzer Zeit wandte sich Walther von Reinmars starren Formen ab; er wollte weg von der Lebensferne hin zum Realismus, die erstarrte Form des Minnesangs mit neuem Leben erfüllen (Obermeier, 220). Walther sah nicht die selbstverleugnende Unterwerfung des Mannes, sondern die Erfüllung der Liebe als Inhalt seines Minnesangs an. In der Folge begegnete er Reinmars Liedern parodierend und polemisch (z.B. „Schachlied“; 111,23): Es begann eine Art Sängerstreit, welchen die Germanisten als „Reinmar-Fehde“ bezeichnen (Obermeier, 38). Eine ganze Reihe ausgesprochener Fehde-Lieder lässt vermuten, dass diese Fehde - mit wechselnder Heftigkeit - bis zu Reinmars Tod fortgesetzt wurde.

Mit dem Tod Friedrich I. 1198 kam dessen jüngerer Bruder Leopold VI. an die Macht. Zeitgleich mit diesem Regierungswechsel musste Walther den „wünneclîchen hof ze Wiene“ (84,10) verlassen (Aarburg, 216); die Gründe hierfür sind unklar: „Entweder hatte sein Gegner Reinmar gut vorgearbeitet, oder Leopold war von Haus aus kein Freund der Sänger und Dichter: Reinmar kann bleiben und Walther muß gehen.“ (Obermeier, 43). Walther verließ den Hof jedoch nur ungern:

Mir ist versperrt des Glückes Tor,

als Waise steh’ ich nun davor,

da hilft mir auch kein Klopfen.

Was könnt ein größres Wunder sein?

Es regnet links und rechts sich ein,

und trifft mich doch kein Tropfen!

Der noble Fürst von Österreich

ist einem milden Regen gleich,

erquickt die Menschen und das Land.

Er ist wie eine bunte Wiese,

auf der man schöne Blumen pflückt,

wär’ ich mit einer nur beglückt

von seiner sonst so noblen Hand,

mit frohen Worten ich ihn priese!

So sei er jetzt an mich gemahnt.

(20,31)

2.3. Walthers erste Wanderzeit

Daraufhin begann, notgedrungen, Walthers erste Wanderzeit. Als fahrender Berufsdichter „wurde [er] zwischen Trave, Seine, Po und Mur umhergetrieben“ (31,13), immer auf der Suche nach neuen Mäzenen. In dieser Zeit begegnete er verschiedenen Königen und Fürsten und diente auch dem einen oder anderen kurzzeitig (so z.B. 1198-1201 dem Staufer König Philipp von Schwaben oder auch dem Landgrafen Hermann von Thür auf der Wartburg) (Aarburg, 216). Fortwährend bemühte er sich, bei Herzog Leopold VI. dauerhaft Aufnahme zu finden, sein Unterfangen blieb jedoch erfolglos (Brunner, 447).

2.4. Das Preislied

1203 kehrte Walther anlässlich des Hochzeitfests Leopold VI. an den Wiener Hof zurück (Brunner, 447). Zu diesem Anlass verfasste er u.a. das so genannte Preislied (56,14).

Das Preislied wurde auch erstes Deutschlandlied genannt (z.B. Exner 116) und ist unter

„allen Liedern und Sprüchen Walthers (...) dasjenige, das für die Nachwelt die größte Bedeutung gewonnen hat. Denn Hoffmann von Fallersleben hat es 1841 zusammen mit der 1797 dem römisch-deutschen Kaiser Franz II. gewidmeten Hymne (...) zum Vorbild seines „Lied der Deutschen“ genommen, das später zur heute noch oder wieder geltenden Nationalhymne geworden ist. (...) Nach Meinung von Gerhard Hahn und anderen verfaßte Walther das Lied, um am Wiener Hof wieder in Gnaden aufgenommen zu werden, den er 1198 in Ungnaden überstützt hatte verlassen müssen.“ (Exner, 32)

Eine Aktennotiz vom 12. November 1203 lässt vermuten, dass Walther sich zu dieser Zeit im Gefolge des Bischofs von Passau Wolfger von Erla befand (Exner, 63). Die Eintragung verzeichnet ein Geldgeschenk desselben an „Walthero cantori de Vogelweide“ in Zeiselmauer bei Wien, offenbar zum Zwecke eines Pelzmantelkaufs (Obermeier, 85). Dies ist „der einzige unstrittige urkundliche Nachweis Walthers“ (Brunner, 447).

2.5. Walthers zweite Wanderzeit

An dieses Ereignis schloss sich Walthers zweite Wanderzeit an. Wieder einmal zog er von Hof zu Hof, blieb überall kürzer oder länger, wurde aber auch immer wieder fortgejagt, so z.B. 1207, als er nach seinem so genannten „Spießbratenspruch“ König Philipps Hof verlassen musste.

2.6. Reinmars Tod

Zum Tode Reinmars von Hagenau widmet Walther diesem einen ergreifenden Nachruf; die erste deutsche Totenklage um einen Dichterkollegen (Scholz, 140):

Ach, daß sich Weisheit nicht und Jugend,

noch des Menschen Schönheit oder Tugend

forterben, wenn der Leib vergeht!

Jeder Kunstfreund hat jetzt Grund zum Klagen

und wird schwer nur den Verlust ertragen

an hoher Kunst, die mit dir, Reinmar, verweht.

Doch niemals wollen wir es dir vergessen,

daß du unermüdlich und besessen

verherrlicht hast die Frauen mit guten Sitten.

Damit hast du für ewig ihren Dank gewonnen

Und hättest du nur dieses eine Lied ersonnen

„Gepriesen seist du, Weib – wie schön klingt

dieses Wort“,

hättest du für sie so hohen Ruhm erstritten,

daß alle Frauen für dich um Gnade müßten bitten.

(82,24, übersetzt von Hans-Urs von Balthasar)

Wie ernst dieser gemeint ist, sei jedoch dahin gestellt. Im weiteren Verlauf dieser „Totenklage“ zeigt sich nämlich „wieder der alte Walther, das Schandmaul“ (Obermeier, 117):

[...]

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Details

Titel
Walther von der Vogelweide und seine Lieder
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V147420
ISBN (eBook)
9783640597536
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walther, Vogelweide, Lieder
Arbeit zitieren
Xandra Fritz (Autor), 2008, Walther von der Vogelweide und seine Lieder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147420

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