Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, was man unter dem politischen Lexikon einer Sprache zu verstehen hat. Um diese Frage zu beantworten, wird nach einer kurzen Erläuterung des Begriffes der „politischen“ Sprache ein Blick auf die möglichen Gliederungen des politischen Lexikons geworfen. Danach wird näher auf das Ideologievokabular, sein Kernbestand – Symbolwörter und ihre Klassifizierung eingegangen. Die folgenden Kapitel sollen aufzeigen, wie wichtig es Politikern ist, „Begriffe zu besetzen“ um bestimmte Wörter zu parteispezifischen Markenzeichen zu machen und warum Politiker in unserer sich ständig verändernden Welt neue Schlagwörter benutzen müssen. Anschließend soll eine Video-Ansprache des Präsidenten Medvedev an Internet-Nutzer auf Nominationssektoren untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der „politischen“ Sprache
2.1. Umfang und Gliederung des politischen Lexikons nach Dieckmann
2.2. Einteilung des politischen Vokabulars nach Klein
3. Das Ideologievokabular
3.1. Symbolwörter/ Schlagwörter
3.2. Klassifizierung der Symbolwörter
3.2.1. Differenzierung durch Evaluation
3.2.2. Differenzierung durch Gebrauch
4. Der Kampf um Wörter
4.1. Bezeichnungskonkurrenz / Nominationskonzept
4.2. Deskriptive Bedeutungskonkurrenz
4.3. Deontische Bedeutungskonkurrenz
4.4. Sprachthematisierungen als Indikatoren semantischer Konkurrenz
5. Einige sprachliche Veränderungen und Neuerungen im Russischen
6. Textanalyse
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische Lexikon einer Sprache und analysiert, wie politische Akteure durch die bewusste Verwendung von Sprache versuchen, ihre Interessen und Deutungen bei den Adressaten durchzusetzen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der strategischen Rolle des "Kampfes um Wörter" und der Analyse sprachlicher Veränderungen im Russischen seit der Perestrojka sowie einer praktischen Untersuchung einer Video-Ansprache des russischen Präsidenten.
- Strukturelle Einteilung des politischen Vokabulars
- Funktionsweise und Klassifizierung von Symbolwörtern und Schlagwörtern
- Strategien der Bezeichnungskonkurrenz und Bedeutungskonkurrenz
- Sprachthematisierungen als Indikatoren semantischer Kämpfe
- Analyse von sprachlichen Neologismen und Umwertungsprozessen
Auszug aus dem Buch
3.1. Symbolwörter / Schlagwörter
Die so genannten Symbolwörter bilden den Kernbestand des Ideologievokabulars. In der Sprache-und-Politik-Forschung sind zahlreiche alternative Termini für Symbolwörter in Gebrauch (z.B.: Schlüsselwort, Leitvokabeln, Grundwerte-Lexeme). Die Symbolwörter (wie z.B. Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Recht auf Selbstbestimmung) können als einzelnes Wort oder als Wortgruppe auftreten; haben die Funktion, die komplexe Wirklichkeit vereinfachend, reduzierend und verdichtend darzustellen; sind leicht verfügbar in der öffentlich-politischen Kommunikation; besitzen eine starke emotionale Anziehungskraft auf die Adressaten.
Das Symbolwort stellt einen historisch gewachsenen Orientierungspunkt dar und ist fest in das ideologische Wertsystem einer Gemeinschaft eingebunden. Girnth schreibt, dass die Erforschung der Symbolwörter, die in einer bestimmten historischen Epoche verwendet wurden, einen wertvollen Beitrag zum Verständnis dieser Epoche leisten kann.
Das Symbolwort teilt seine Funktion, die komplexe Wirklichkeit zu reduzieren und emotional zu wirken, mit dem Schlagwort. Schlagwörter sind insofern besonders auffällige und für linguistische Untersuchungen interessante sprachliche Einheiten, als sie über einen bestimmten Zeitraum hinweg in öffentlicher politischer Kommunikation häufig auftreten, mit ihnen oft ein ganzes politisches Programm kondensiert erfasst und gleichzeitig die positive oder negative Einstellung gegenüber dem bezeichneten Programm transportiert wird. Mit Hilfe von Schlagwörtern werden Programme, Ideen oder Beschreibungen von Sachverhalten verkürzt ausgedrückt. „Insofern haben Schlagwörter zunächst eine kognitive Funktion, indem sie komplexe Dinge sprachlich so vereinfachen, dass Kommunikation über sie möglich wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das Ziel, das politische Lexikon sowie die Bedeutung des Ideologievokabulars und des Kampfes um Begriffe zu untersuchen.
2. Der Begriff der „politischen“ Sprache: Es werden Ansätze zur Strukturierung des politischen Lexikons durch Dieckmann und Klein vorgestellt, die die Schwierigkeit der Abgrenzung politischer Sprache betonen.
3. Das Ideologievokabular: Dieses Kapitel widmet sich den Symbolwörtern und Schlagwörtern als Kernbestand ideologisch geprägter Sprache und klassifiziert diese nach verschiedenen Kriterien.
4. Der Kampf um Wörter: Es wird analysiert, wie Politiker durch Bezeichnungskonkurrenzen und gezielte Sprachthematisierungen versuchen, Deutungshoheit über politische Sachverhalte zu gewinnen.
5. Einige sprachliche Veränderungen und Neuerungen im Russischen: Anhand des gesellschaftlichen Umbruchs seit der Perestrojka werden Prozesse wie Umwertung, Reaktivierung und Neubildungen untersucht.
6. Textanalyse: Die Video-Ansprache von Präsident Medvedev wird als Fallbeispiel zur Anwendung von Nominationssektoren in der modernen politischen Kommunikation analysiert.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit rekapituliert die Ergebnisse zur Funktion von Schlagwörtern und betont die ständige Aktualität des Kampfes um sprachliche Deutungen.
Schlüsselwörter
Politisches Lexikon, Ideologievokabular, Symbolwörter, Schlagwörter, Bezeichnungskonkurrenz, Bedeutungskonkurrenz, Sprachthematisierung, Nomination, Neologismen, Perestrojka, politische Kommunikation, Evaluative Merkmale, Deontische Bedeutung, Semantische Konkurrenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Aufbau und die Funktion des politischen Lexikons sowie die Art und Weise, wie politische Akteure durch die gezielte Wahl von Wörtern versuchen, ihre Interessen und politischen Standpunkte in der Öffentlichkeit zu positionieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Zentrale Themen sind die Strukturierung des politischen Vokabulars, die Analyse ideologisch geladener Sprache, der sogenannte „Kampf um Wörter“ zwischen politischen Gegnern sowie der sprachliche Wandel am Beispiel des Russischen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sprache als strategisches Instrument politischer Auseinandersetzung genutzt wird und wie sich die „Besetzung“ von Begriffen auf die öffentliche Wahrnehmung von Sachverhalten auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse linguistischer Modelle (u.a. von Dieckmann, Klein, Girnth, Popp) und wendet diese theoretischen Erkenntnisse in einer exemplarischen Textanalyse auf eine Video-Ansprache des russischen Präsidenten an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des politischen Lexikons, die detaillierte Klassifizierung von Symbol- und Schlagwörtern sowie eine Untersuchung von Konkurrenzphänomenen bei der Bezeichnung politischer Sachverhalte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Politisches Lexikon, Ideologievokabular, Bezeichnungskonkurrenz, Sprachthematisierung und die verschiedenen Formen der Nomination.
Welche Rolle spielt die Video-Ansprache von Präsident Medvedev in der Analyse?
Sie dient als praktisches Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie moderne Politiker durch die bewusste Verwendung von Nominationssektoren ihre Intentionen ausdrücken und sich durch einen sprechsprachlichen Stil von früheren sowjetischen Rhetorikmustern abgrenzen.
Welche Rolle spielt der Begriff "Ideologiegebundenheit" für die Untersuchung?
Er ist zentral, da er beschreibt, wie die Bedeutung von Wörtern durch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten ideologischen System determiniert wird, was zu unterschiedlichen Bewertungen derselben Sachverhalte durch verschiedene Gruppen führt.
- Citar trabajo
- Ada Gorskih (Autor), 2009, Lexikon und Nomination, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147434