Für die Archäologie stellt das keramische Fundmaterial traditionell eine zentrale Informationsquelle dar. Fragen nach Rohstoffgewinnung, Produktionsprozessen, Distribution und Funktion keramischer Gefäße sind dabei ebenso von Relevanz wie Aspekte einer chronologischen Gliederung des Materials. In der Arbeit habe ich das Thema des Produktionsprozesses aufgegriffen, bzw. die wesentlichen Werkzeuge der Produktion. Um ganz einfach ans Thema ran zu kommen, stellt man sich die Frage nach Bestandteilen des Herstellungsprozesses – Wie ist das gelaufen?
Gliederung
1 Die Einleitung
2 Das Formen der Gefäße
3 Das Brennen
3.1 Der Vorgang und der chemischer/physikalischer Prozess
3.2 Die Möglichkeiten des Brennens und die Ofentypen
3.3 Die Geschichte der Ofenentwicklung
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die technischen Aspekte und Werkzeuge der mittelalterlichen sowie neuzeitlichen Keramikproduktion, mit einem besonderen Fokus auf die Formgebung der Gefäße und die Entwicklung der Brenntechnik, um den Wandel vom Hauswerk zum spezialisierten Handwerk nachzuvollziehen.
- Methoden der Gefäßformung (Handformung vs. Töpferscheibe)
- Technologien und chemische Prozesse beim Brennvorgang
- Typologie und historische Entwicklung von Brennöfen
- Sozioökonomische Einflüsse auf die Produktionsweisen
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Möglichkeiten des Brennens und die Ofentypen
„Zum Brennen der Keramik gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste Art, Keramik zu brennen, ist der Meiler- oder Grubenbrand“32. Er ist archäologisch kaum nachweisbar. Beim Grubenbränden entsteht ein in der Regel reduzierendes Brennklima, punktuell können Temperaturen über 1000°C entstehen. Als Kennzeichen von Meiler oder Grubenbrand gilt im Allgemeinen eine fleckige, uneinheitliche Farbe der Keramik.
„Darüber hinaus sind an einigen wenigen Scherben Abplatzungen und scharfe Zick-Zack Brüche zu beobachten. Experimente belegen solche Schäden an meilergebrannter Keramik, Abplatzungen treten auch im Grubenbrand auf. Die Gefäße waren aber trotz solcher Mängel brauchbar und sind daher nicht als Fehlbrände aufzufassen“33.
Die Öfen, in denen hohe Brenntemperaturen erzielt werden können, mussten erst langsam entwickelt werden. „Ausschlaggebend ist dabei die Lage der aufeinander folgenden Ofenräume: Feuerung — Warenraum — Abzug. Befinden sich diese auf einer nur leicht ansteigenden Ebene hintereinander, sprechen wir von einem „liegenden" Ofen, sind diese aber senkrecht übereinander aufgebaut, so handelt es sich um einen „stehenden" Ofen“34.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz keramischen Fundmaterials für die Archäologie und grenzt das Thema auf den Produktionsprozess vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit ein.
2 Das Formen der Gefäße: Hier werden die Techniken der Handformung und die Einführung bzw. Verbreitung der Töpferscheibe sowie ergänzendes Kleinwerkzeug untersucht.
3 Das Brennen: Dieser Abschnitt befasst sich mit den chemisch-physikalischen Vorgängen beim Brennen, der Ofentechnik und der historischen Entwicklung verschiedener Ofentypen.
4 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über den Wandel der Produktionsanforderungen, bedingt durch sozioökonomische Faktoren und den Übergang von Hauswerk zu professionellen Handwerksstrukturen.
Schlüsselwörter
Keramikherstellung, Töpferscheibe, Produktionsprozess, Brennofen, Mittelalter, Neuzeit, Archäologie, Grauware, Handwerk, Hauswerk, Brennvorgang, Ofentypen, Keramikgefäße, Sinterung, Technikgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die technischen Fertigungsschritte der Keramikproduktion, insbesondere die Formgebung und Brenntechnik, im Zeitraum zwischen Frühmittelalter und Neuzeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Werkzeuge der Keramikherstellung, die Anwendung der Töpferscheibe sowie die konstruktive Entwicklung und Funktionsweise verschiedener Brennofentypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die technologische Entwicklung im Töpferhandwerk nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie diese eng mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen verknüpft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse archäologischer Funde, ethnologische Vergleiche sowie die Auswertung zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur zur Technikgeschichte.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei wesentliche Bereiche: das Formen der Gefäße durch verschiedene Techniken und eine tiefgehende Untersuchung der Brennprozesse und Ofentypen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Töpferscheibe, Brennofen, Keramikherstellung, Mittelalter, Produktionstechnik und technischer Wandel.
Was unterscheidet den liegenden vom stehenden Ofentyp?
Beim liegenden Ofen sind Feuerung und Brennraum hintereinander auf einer Ebene angeordnet, während beim stehenden Ofen der Brennraum vertikal über der Feuerung liegt.
Welche Bedeutung hat der Bodenabdruck für die archäologische Forschung?
Bodenabdrücke an Gefäßunterseiten erlauben Rückschlüsse darauf, ob die Keramik handgedreht oder mittels einer Töpferscheibe gefertigt wurde, und liefern damit Informationen über die verwendete Technologie.
- Arbeit zitieren
- Ilja Saev (Autor:in), 2008, Töpferhandwerk aus archäologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147440