1 Einleitung
Das Behavioral Accounting (B.A.) versucht verhaltenstheoretische Annahmen aus Nachbardisziplinen, wie der Soziologie und Psychologie, mit dem internen und externen Rechnungswesen zu verbinden. Das folgende Zitat des Sozialwissenschaftlers und Wirtschaftsnobelpreisträgers Herbert Alexander Simon aus dem Jahre 1986 zeigt wie wichtig die Beachtung anderer Disziplinen für die Wirtschaftswissenschaften ist:
“Economics without psychological and sociological research to determine the givens of the decision-making situation, the focus of attention, the problem representation, and the processes used to identify alternatives, estimate consequences, and choose among possibilities – such economics is a one-bladed scissors. Let us replace it with an instrument capable of cutting through our ignorance about rational human behavior.”1
Eine weitere Motivation sich mit diesem Thema zu beschäftigen besteht in der Wichtigkeit der Mitarbeiter, weg von der der Definition als Produktionsfaktor, hin zum Menschen. Das Rechnungswesen sollte sich somit mehr mit dem individuellen Verhalten und den sozialen Aspekten beschäftigen.
In der folgenden Arbeit soll ein kurzer allgemeiner Überblick über die wesentliche Ziele, Aufgaben, Methoden und Erkenntnisse des B.A. gegeben werden, um anschließend auf ausgewählte Fragestellungen der internen Unternehmensrechnung einzugehen. In einem abschließenden Fazit erfolgen eine kurze Beurteilung der bisherigen Forschungen und ihrer Ergebnisse sowie ein Ausblick auf weitere mögliche Untersuchungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen des Behavioral Accounting
2.1 Definition, Ziele und Aufgaben des Behavioral Accounting
2.2 Notwendigkeit und Entwicklung des Behavioral Accounting
2.3 Die Bereiche des Behavioral Accounting
2.4 Ausgewählte Methoden der Behavioral Accounting Forschung
3 Ausgewählte Fragestellungen des Behavioral Accounting in der internen Unternehmensrechnung
3.1 Problemstellungen für das Behavioral Management Accounting
3.1.1 Die Aufgabe bzw. das Problem der Verhaltenssteuerung
3.1.2 Principal-Agent-Theorie und Informationsasymmetrien
3.2 Instrumente der Verhaltenssteuerung und Erkenntnisse über diese aus dem Behavioral Accounting
3.2.1 Budgetierung
3.2.2 Verhaltenswirkungen von Budgetvorgaben
3.2.3 Verhaltenswirkung von Partizipation am Budgetierungsprozess
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über das multidisziplinäre Forschungsfeld des Behavioral Accounting zu geben und dessen Relevanz für die interne Unternehmensrechnung, insbesondere unter dem Aspekt der Verhaltenssteuerung, zu untersuchen.
- Grundlagen und Definition des verhaltenswissenschaftlich orientierten Rechnungswesens
- Anwendung von Erkenntnissen aus Psychologie und Soziologie auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen
- Analyse von Informationsasymmetrien und Anreizproblemen mittels der Principal-Agent-Theorie
- Untersuchung verhaltenspsychologischer Effekte von Budgetvorgaben und Budgetierungsprozessen
- Diskussion der empirischen Forschungsmethoden im Behavioral Accounting
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Principal-Agent-Theorie und Informationsasymmetrien
Die PAT beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen mindestens zwei Vertragspartnern, wobei der Prinzipal (P) den Agenten (A) mit einem Auftrag betraut. Diese Theorie soll nun untersuchen, inwieweit ein Vertrag ausreicht, um das Verhalten des A zu steuern. Eine wichtige Annahme der PAT ist, dass beide Seiten stets versuchen ihren eigenen Nutzen zu maximieren. Eines der bedeutendsten Probleme, das im Rahmen dieser Theorie untersucht wird, ist die Informationsasymmetrie zwischen den Partnern. Dabei ist meistens der P der Benachteiligte, da der A seine eigenen Fähigkeiten, Absichten und Anstrengungsbereitschaft kennt. Bei den Informationsasymmetrien können drei Formen unterschieden werden, die in Tabelle 1 dargestellt sind. Diese Divergenzen führen in der Regel zu Anreiz- und Risikoteilungsproblemen.
Für diese Arbeit sind besonders die versteckten Informationen und Aktivitäten von Bedeutung, da diese sich auf das Verhalten der A beziehen und außerdem auch durch bestimmte Systeme gesteuert werden können.
Ein spezielles Phänomen von Informationsasymmetrien ist auch der budgetary slack (oder auch organizational slack), der dem B.A. einen weiteren Forschungsansatz liefert. Er bezeichnet die Differenz zwischen tatsächlich vom Manager benötigten und den vorhandenen bzw. vorgegebenen Ressourcen. Dieses „Ziel-Polster“ wird durch die Teilnahme der Manager am Budgetierungsprozess geschaffen. Diese neigen dabei dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu untertreiben bzw. ihren Bedarf zu übertreiben. Ein Slack kann aber auch vom A bewusst angelegt werden, indem er verfälschte Informationen weiterleitet, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen. Es ist hier wichtig zu beachten, dass ein budgetary slack sowohl positive als auch negative Wirkungen haben kann. Einerseits kann der Slack helfen auf etwaige Änderungen flexibel zu reagieren und somit eine unverschuldete Bestrafung des A verhindern. Auf der anderen Seite muss allerdings die nicht optimale Ressourcenallokation gesehen werden, die zu verminderter Wirtschaftlichkeit führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Verbindung von verhaltenstheoretischen Annahmen mit dem Rechnungswesen ein und erläutert die Motivation, den Mitarbeiter als Menschen stärker in den Fokus zu rücken.
2 Grundlagen des Behavioral Accounting: Dieses Kapitel definiert das Behavioral Accounting als multidisziplinären Forschungsansatz und beschreibt dessen historische Entwicklung sowie die wesentlichen Methoden und Bereiche.
3 Ausgewählte Fragestellungen des Behavioral Accounting in der internen Unternehmensrechnung: Das Kapitel überträgt die theoretischen Ansätze auf konkrete Problemstellungen im Controlling, wie die Verhaltenssteuerung und den Umgang mit Budgetierungsinstrumenten.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, weist auf die Schwierigkeiten einer einheitlichen Theoriebildung hin und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit stärkerer Forschung im deutschen Kontext.
Schlüsselwörter
Behavioral Accounting, Verhaltenssteuerung, Unternehmensrechnung, Controlling, Principal-Agent-Theorie, Informationsasymmetrien, Budgetierung, Budgetvorgaben, Zielvereinbarungen, Motivation, Goal-Setting-Theory, empirische Forschung, Managementkontrollsysteme, Verhaltensinterdependenzen, Budgetary Slack
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Behavioral Accounting, einem Forschungszweig, der Erkenntnisse aus den Verhaltenswissenschaften wie Psychologie und Soziologie nutzt, um Prozesse im internen und externen Rechnungswesen besser zu verstehen und zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Verhaltenssteuerung in Unternehmen, der Einfluss von Rechnungssystemen auf das individuelle Mitarbeiterverhalten sowie die Analyse von Anreiz- und Kontrollmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, einen Überblick über den Stand der Forschung im Bereich des Behavioral Management Accounting zu geben und die Auswirkungen von Budgets sowie Partizipationsprozessen auf das Verhalten von Managern kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, wobei sie auf empirische Studien, Experimente und theoretische Modelle der verhaltenswissenschaftlichen Rechnungswesenforschung zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die interne Unternehmensrechnung (Controlling), diskutiert das Principal-Agent-Problem, erläutert die Wirkungsweisen von Budgetvorgaben und beleuchtet die Rolle der Partizipation am Budgetierungsprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Behavioral Accounting, Verhaltenssteuerung, Budgetierung, Principal-Agent-Theorie und Zielvorgaben charakterisiert.
Was versteht man in diesem Kontext unter "Budgetary Slack"?
Budgetary Slack bezeichnet ein sogenanntes "Ziel-Polster", bei dem Manager im Budgetierungsprozess ihre Fähigkeiten untertreiben oder den Ressourcenbedarf übertreiben, um sich Vorteile zu verschaffen oder Risiken abzufedern.
Welche Erkenntnisse liefert die Goal-Setting-Theory bezüglich der Leistung?
Die Theorie besagt, dass die Performance steigt, je schwieriger und diffiziler die Ziele sind, sofern ein hohes "Goal-Commitment" besteht; allerdings führt eine Beteiligung am Prozess nicht zwangsläufig zu mehr Leistung.
Warum ist laut Autor eine stärkere Forschung im deutschen Raum notwendig?
Der Autor argumentiert, dass bisherige Erkenntnisse überwiegend aus dem amerikanischen Raum stammen und sich aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen nur schwer eins-zu-eins auf deutsche Unternehmen übertragen lassen.
- Quote paper
- Lisa Burgdorff (Author), 2009, Behavioral Accounting, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147486