Das Unsagbare sagen: Peter Handke und der Krieg im ehemaligen Jugoslawien


Magisterarbeit, 2007

88 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.Einführung

II. Theoretische Vorüberlegungen

III. Forschungsgrundlagen

IV. Die Unsagbarkeit in Peter Handkes Prosa aus theologischer Sicht
IV.1 Direkter und indirekter Ausdruck des Numinosen nach Rudolf Otto - die Arabeske, das Dunkel und das Schweigen
IV.2 Strategien der Negativen Theologie und Apophatik in Peter Handkes Prosa über den Jugoslawienkrieg
IV.2.1 Politische Strategien der Negativen Theologie nach Jacques Derrida bei Peter Handke
IV.2.2 Das Geheime als Träger der negativen Rede
IV.2.3 Die Erfindung als Methode, Unsagbares zu sagen
IV.2.4 Die Metaphorik der Unsagbarkeit
IV.2.5 Der Ort in der negativen Rede
IV.3 Religiöse Sprache in den Jugoslawien-Texten Handkes - Innovation und „investiertes Schweigen“
IV.4 Irreligiöse Sprachen des Unsagbaren - Peter Handkes arabeske Miniaturbilder als negative Redeweise
IV.5 Tropen und Figuren der Unsagbarkeit und Negativität - Apostrophe, Personifikation, Metapher
IV.6 Durch das Symbol vom Unsagbaren sprechen
IV.6.1 Grenz-Erfahrungen durch die Sprache bei Handke
IV.6.2 Vielfältigkeit des Unsagbaren
IV.7 Apophasis als Teil des Mystizismus und der Unsagbarkeit bei Peter Handke

V. Resümee
VI. Literaturverzeichnis
VI.1 Primärliteratur
VI.2 Sekundärliteratur
VI.3 Lexika und Nachschlagewerke
VI.4 Zeitungen und Zeitschriften
VI.5 Internetquellen

I. Einführung

Auf dass die Bresche nie wieder von schlimmen oder vergifteten Worten verstopft werde. Hinaus böse Geister. Verlasst endlich die Sprache. Lernen wir die Kunst des Fragens, reisen wir ins sonore Land, im Namen Jugoslawiens, im Namen eines anderen Europas. Es lebe Europa. Es lebe Jugoslawien. Zivela Jugoslavija.1

Dieses vorangestellte Zitat soll das Leitmotiv der vorliegenden Arbeit sein, denn es birgt alle Stichwörter, die die Intentionen des Schriftstellers Peter Handke2 wie eine Maxime beinhalten. Es spricht von den „vergifteten Worte[n]“, die die „Bresche“ „verstopft[en] und zu der Absicht führten, ein Werk zu schaffen, das mit Worten arbeitet, welche die „Sprache verlass[en]“, um „Jugoslawien“ zu ehren.

Mehr als zehn Jahre arbeitete Handke literarisch die Sezessionskriege auf dem Balkan3 auf. In dieser Arbeit werden darum die Texte Peter Handkes analysiert, die die Konflikte auf dem Balkan Ende des 20. Jahrhunderts thematisieren. Allerdings ist es erforderlich auch seine früheren Werke für die Analyse zu berücksichtigen. Somit bezieht sie sich auf sieben Bücher aus den Jahren 1986 bis 2005, deren Genre mit den Worten „essayistische Reiseberichte“, „Medien- und Prozesskritiken“4 und „märchenhaftes Theaterstück“5 wohl am besten beschrieben werden können6: Die Wiederholung, Noch einmal für Thukydides (1992), der Sammelband mit den drei Beiträgen für die „Süddeutsche Zeitung“: Abschied des Träumers vom Neunten Land. Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien. Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise, Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg (1999), Unter Tränen fragend. Nachträgliche Aufzeichnungen von zwei Jugoslawien-Durchquerungen im Krieg, März und April 1999 (2000), Rund um das Große Tribunal (2003) und schließlich Die Tablas von Daimiel. Ein Umwegzeugenbericht zum Prozeß gegen Slobodan Milosevic (2005). Diese Werke können als „Opus“ bezeichnet werden, welches erst Jugoslawien und später Serbien gewidmet ist.7 Sie werden auf ihre Konstituierung aus Wortgestaltungen untersucht, die wie mediale Konstruktionen wirken. Besonders auffällig bei der Lektüre dieser Texte ist, dass in ihnen eine andere Art von Sprache herrscht8 -anders als die nebulöse Sprache der Medienberichterstattungen über den Jugoslawienkrieg9 und anders als die unversöhnliche Sprache, die in den politischen Texten zum Balkankonflikt vorzufinden ist. Diese andersartige Sprache in den Texten wird v. a. hervorgerufen durch den nuancierten, detaillierten Blick des Erzählers, der dazu führt, dass die kleinen Dinge, die den anderen, oberflächlicheren Beobachtern nicht sofort offenbart werden, in poetische und figurative Sprachbilder münden. Der poetische Blick sucht, was den westlichen Medien keine Aufmerksamkeit wert ist, bspw. die serbischen Flüchtlinge aus Kroatien, Bosnien und dem Kosovo, die Handke in der serbischen Provinz in ihren Elendsquartieren besuchte.10

Die Texte kontrastieren außerdem zum Gesamtwerk Handkes, weil in ihnen eine wirkliche, tatsächliche und emotionalere Dimension mitschwingt, die sich zum einen begründen lässt durch Handkes biografisch motivierte Zuneigung zu Jugoslawien (insbesondere Slowenien)11 und zum anderen durch den Realitätsbezug, da die Texte zum Zeitpunkt ihres Erscheinens als (teilweise sehr polemische) Gegendarstellung zu aktuellen politischen und medialen Balkan­Diskursen12 gemeint waren.

Ein Zitat Handkes aus einem SPIEGEL-Interview auf die Frage, ob „schöne Prosa über Waldpilze“ funktioniert, wenn gleichzeitig Fernsehbeiträge Bilder vom Jugoslawienkrieg liefern, verdeutlicht die Möglichkeiten, die ein Autor hat, der vom Krieg erzählt:

Diese Diskussion wird bis ans Ende der Menschheit gehen und wird nie gelöst werden. Sie ist nur dadurch zu lösen, daß einer von einem Buch erzählt, was er damit erlebt hat, oder daraus vorliest oder einem anderen damit auf den Kopf schlägt oder schweigt und weggeht.13

Dieses Interview wurde wenige Jahre vor Handkes Jugoslawienreise durchgeführt und wird von der Verfasserin als nahezu programmatisch für seine Kriegsreisebücher verstanden. In dem Gespräch wird deutlich, dass Handke sich sehr viel mit der Sprache als Werkzeug (um etwas auszusprechen) beschäftigt und der Frage nachgeht, was er durch sie bewirken kann. Das gesamte Schaffen Handkes zeigt diese Konsequenz der Sprache, die einen Wirklichkeitszugang für das Dasein bzw. ein epiphanisches Dasein ermöglichen soll14.

In dieser Arbeit werden die Werke Handkes betrachtet, die vom Balkan, von dessen Bewohnern, ihren Konflikten15 und dem Jugoslawienkrieg erzählen - immer wieder im Hinblick auf die besondere, nicht schlagzeilenartige Gewalt seiner Sprache, mit der er anders und einzigartig über den Krieg spricht, besonders aber das zu sagen versucht, was unsagbar ist. Zu dieser Unsagbarkeit zählen, in Handkes Augen, der bosnische Holocaust, das Massaker von Srebrenica, die Konzentrationslager und die in den Medien nicht geäußerte Schuld der anderen Seite. Dieses, nach Meinung Handkes, Ungesagte steht in konträrer Position zu dem Gesagten der Medien. Handke sieht sich als einzelner Sprecher gegen die Propaganda. Damit einhergehend wird das Unsagbare in den Texten Handkes als inszeniert betrachtet, im Hinblick auf die Sprecher, die nicht sprechen.16 Wie dieses Unsagbare trotzdem sagbar und lesbar wird, soll hier eruiert werden.

Es war im Winter 199517 als der Autor Peter Handke privat nach Serbien reiste, um, wie er selbst sagt, eine persönliche „Augenzeugenschaft“18 von der lokalen Situation zu erhalten. In der „Süddeutschen Zeitung“ erschien im Januar 1996 sein Reisebericht unter dem Titel Gerechtigkeit für Serbien. Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina, wobei laut Lothar Bluhm der erste Teil des Titels „Gerechtigkeit für Serbien“ von der Redaktion der Zeitung stammte. Dieser Bericht und die darauf folgenden Werke Handkes wurden in den Medien teils heftig diskutiert und führten zu einer beispiellosen, nun schon über ein Jahrzehnt währenden Polarisierung.19 Kritisiert wurde besonders die Rechtfertigung des Anlasses der Reise und deren Bedeutung für den Autor: „Es war vor allem der Kriege wegen, daß ich nach Serbien wollte, in das Land der allgemein so genannten Aggressoren’20 “. Es wurden Handke u. a. nicht genug Kenntnisse der Sachlage vorgeworfen,sowie „Befangenheit in subjektiver Selbstbespiegelung“ und fehlende Differenzierung.21

So wird Handkes Winterliche Reise bspw. als „Text, der die Öffentlichkeit extrem herausfordert [,..]“22 diskutiert. Lothar Bluhm nimmt an, dass Handke darauf abzielt, dass das, in den Augen des Autors, „verzerrte Bild von der verwickelten Wirklichkeit“ des Unheils „zumindest für sich selbst zu klären“ sei, aber dies geschähe durch eine überzogene und polemische Medienschelte, die ironisch und zuweilen sarkastisch dabei sogar Persönliches verletze23, indem er bspw. die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ als „Zentrale[s] europäische[s] Serbenfreßblatt“24 betitelt. Auch Carolin Emcke empfindet die Winterliche Reise als bedenklich:

Eine Beschreibung einer Reise Peter Handkes nach Serbien, in der er der Friedfertigkeit von serbischen Zivilisten nachspürt, harmlose Naturbetrachtungen anstellt, Menschen beim Tanken oder Blumenpflücken beobachtet - und das alles als Beleg für die einseitige Dämonisierung Serbiens in den west-europäischen Medien deutet. Nun, das ist ungefähr so intelligent, wie eine Reise in die Weite der russischen Steppe zu stalinistischen Zeiten zu unternehmen und alle Berichte über den Archipel Gulag als Propaganda abzulehnen.25

Dass sich diese „harmlosen Naturbetrachtungen“ als Inszenierung der Unsagbarkeit erweisen,soll die Aufarbeitung der Texte Handkes in dieser Arbeit bestätigen.26

An dieser Stelle soll Bezug nehmend auf Thomas Assheuer betont werden, dass die politische und öffentliche Person Peter Handke samt seiner Stellungnahmen von der Instanz des Erzählers zu unterscheiden ist und seine literarischen Schilderungen differenziert von seinen Äußerungen in den Medien angesehen wird. Assheuer fragt:

Warum politisiert Handke seine künstlerische Weltanschauung? Warum verwechselt er den Traum seiner Poesie mit einer gerechten Welt? Vielleicht ist es ganz einfach. Handkes Dichtung, die soviel weiß von der modernen Erschöpfung, kennt nur Krieg oder Frieden, das Reine oder das Unreine, den Haß oder die Liebe. In der Literatur besitzt dieser Traum sein natürliches Recht, aber wohl nur dort.27

Auch die für Handke essenzielle Frage nach einer adäquaten „Bilderbeschreibung“28 und der aus dieser Frage resultierende eigene Anspruch, arabesk und in Kleinstbildern29 zu erzählen, ist ein signifikanter Teil des vom Erzähler durch „Sprache geformten, kodierten Blick[s]“30. Diese ornamentale Erzähltechnik erschwert es dem Leser, die Texte als reine Reiseberichte31 zu akzeptieren. Durch die Ich-Perspektive32 entsteht der Eindruck eines dokumentarischen und auch essayistischen Stils. Eine genauere Einordnung der Textart Handkes lässt sich bei Peter J. Brenner33 finden. Der Begriff „Reisebericht“ dient, laut Brenner, dazu, die Gattung treffend zu bezeichnen, denn er markiert relativ neutral die Frage, um die es geht: „die sprachliche Darstellung authentischer Reisen“34. Dem Verfasser werde damit einige Freiheit hinsichtlich Wahrheit und Fiktion gewährleistet. Als moderne Form des Reiseberichts und vorläufigen Abschluss der Entwicklung der Gattung sieht Brenner die Tourismus-Beiträge35. Durchaus können hier aber neuartige Wahrnehmungsansätze verwirklicht werden, die sich von der Tradition der Gattung unterscheiden.36 Solche Aspekte lassen sich auch in den Reisebüchern Peter Handkes finden. Handkes Ansätze könnten die Gattung neu anregen. Interessant ist es nun, seine Reisebücher auch im Hinblick auf den heutigen Massentourismus zu betrachten, der nach Herbert Jost dazu geführt hat, in geistig-kultureller Hinsicht ebensoviel zu verändern wie in technologischer und wirtschaftlicher Perspektive. Reisen wurde dadurch neu bewertet, dass die Reiseaktivität expandierte, was sich auch auf die Beweggründe, ein bestimmtes Land verschiedenartig kennen zu lernen, und auf die Erlebnisse der Reisenden auswirkte37. Damit verbunden sind natürlich auch die Medien. Nach Jost beeindrucken die Sprachbilder des Erzählers von der Welt kaum noch großartig den Leser, der in der heutigen Zeit die Bilder der Welt aus den Medien kennt38. Entgegen Josts Meinung steht die Annahme, dass Handkes Sprachbilder indes beachtet wurden, was sich v. a. in der umfangreichen öffentlichen Kritik seiner Werke widerspiegelt. Das Motiv der Reise wird daher nach Jost zunehmend als ein literarisches dazu genutzt, eine Verknüpfung zwischen der „Bewegung durch die Außenwelt mit einer Bewegung durch die Innenwelt“39 hervorzubringen. Dies könne entweder durch die Autobiografie verwirklicht sein oder

[...] im freien Fall durch die Maschen einer selbstgestrickten Philosophie, mit der man den Panzer der Äußerlichkeiten zu durchdringen sucht, um - wenn es gelingt - dort auf die Klischees der ,neuen Innerlichkeit’ zu stoßen, die ermüdenden Wegzeichen der immer gleichen Seelensuche.40

Das in diesem Zitat Gesagte trifft beispielhaft auf die Reiseberichte Handkes zu - auch er reist nach dem Muster seiner eigenen „literarischen Route“41 und trifft auf „Klischees der neuen Innerlichkeit“ in Serbien. Bei Handke wird außerdem das Phänomen der Abgrenzung gegen die apodiktisch vorgegebene Richtung der Massenmedien deutlich, die die Reise zu einer Unternehmung macht, das der Selbstbestätigung dient und als Gegendarstellung Bezug nimmt auf die obstinaten, massenmedialen Einflüsse und die publizierten, strengen Verhaltensnormen42. Dies führt laut Jost schließlich dazu, dass aktuell die literarische Gattung dem „Prinzip der Subjektivität verpflichtet ist“43, wie das auch in Handkes Reisebeschreibungen zweifellos erkennbar ist.

Indem der Erzähler Menschen, Freunde, die Natur und andere Objekte eben nicht sprechen lässt oder nicht als Teil einer kollektiven Sprache ansieht, bezieht er mehr als deutlich Stellung für die bereisten Länder. Somit spricht er metonymisch durch Sprache von Sprachlosigkeit bzw. Verschwiegenheit und lässt seine Akteure der Erzählungen wortlos sprechen, vor allem mit Hilfe von figurativen Beschreibungen und negativer Redeweise. Darauf rekurrierend bezieht sich der Titel dieser Arbeit mit dem Paradoxon „Das Unsagbare sagen“. Die Frage, wie Handke das Schweigen ins Sagbare transformiert und umgekehrt, ist dabei die Leitfrage.

II. Theoretische Vorüberlegungen

Die Arbeit widmet sich religiösen und rhetorischen Diskursen der Unsagbarkeit. Im historischen Kontext erschließen sich wiederholt unsagbare Geschehnisse, die mystisch und theologisch bis hin zur Psychoanalyse und Kunst seit der Antike kontinuierlich aufbereitet wurden. Dirk Vanderbeke drückt diese Tatsache treffend aus: „Dabei zeigen sich hinter dem heterogenen Material wiederkehrende Erklärungsmuster - metaphorische bzw. tropologische Weltentwürfe, die [...] als Indizien für eine „Rhetorik des Undarstellbaren’ [gesehen werden].“44 Eines dieser „Indizien“ ist enthalten in Handkes biografisch begründbaren „Weltentwurf“, wie er in seinen Reiseberichten offenbart wird:

Und diese Landschaft vor mir, diese Horizontale, mit ihren, ob sie lagen, standen oder lehnten, daraus aufragenden Gegenständen, diese beschreibliche Erde, die begriff ich jetzt als >die Welt<; und die Landschaft, ohne daß ich damit das Tal der Save oder Jugoslawien meinte, konnte ich anreden als >Mein Land!<; und solches Erscheinen der Welt war zugleich die einzige Vorstellung von einem Gott, welche mir über die Jahre geglückt ist.45

Hier findet man diese „Rhetorik des Undarstellbaren“ unmittelbar offenbart. Handkes Weltentwurf wird von ihm parallelisiert mit einer „Vorstellung von Gott“. Der Entwurf verhilft ihm zur Darstellung von etwas Undarstellbaren. Darin lässt sich eine signifikante Parallele zu den religiösen Theorien wie z. B. der Negativen Theologie, Mystik und Apophatik erkennen.

Das Unsagbare ist nicht einzig der Mystik zuzuordnen. Die vorliegende Arbeit weist nach, dass auch in der modernen Literatur über Unsagbares gesprochen wird. Auch die mystische Sprache wird außerhalb der Mystik gebraucht. Die Mystik thematisiert die Vereinigung mit Gott, die nicht mit Worten artikulierbar ist. Diese Erfahrung ist aber durch Sprache oder bildliche Darstellungen, wie man sie vor allem aus den Ostkirchen kennt vermittelbar. Doch nicht nur in der Mystik erfordert diese Undarstellbarkeit Ingeniösität und innovative Sprachverfahren, sondern auch in der Literatur. Diese Arbeit wird sich somit unter dem Punkt VI.4 der irreligiösen Sprache zuwenden, wobei jedoch Analogien zu den Mystikern ersichtlich werden. Auch Peter Handke als moderner Autor irreligiöser Texte empfindet die Sprache als unzureichendes Medium. Doch anstatt zu schweigen, schafft er eine andersartige literarische Sprache. Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen sprachlichen Mittel zu dokumentieren, um den Beweis zu erbringen, dass man nicht schweigen muss über das, worüber man nicht sprechen kann.

Dieses „Wiederkehren“, das Vanderbeke meint, zeigte sich auch während der Lektüre und Bearbeitung der Texte von Jacques Derrida, Michael A. Sells, Wolfgang Iser, Sanford Budick u. a., die immer wieder die Negative Theologie zum Thema haben. Negative Theologie, als deren Begründer Platon gilt, versucht mittels der menschlichen Ratio die Transzendenz der göttlichen Wesen begrifflich zur Darstellung zu bringen. Dem liegt folgende Prämisse zugrunde: das Fragen nach den Mitteln und der Methode des Redens von Gott46. Die Antwort auf die Frage, wie sich diese religiösen Theorien zu Handke und dem Erkenntnisinteresse dieser Arbeit verhalten, liegt in der Annahme, dass auch Handke mit Verfahren der Mystifikation und Mythologisierung arbeitet. Wie dies geschieht, wird in den folgenden Kapiteln analysiert.

Die Negative Theologie supponiert, dass das Wesen Gottes nicht in Worten erfassbar ist. Sie verneint alle Prädikationen bezüglich des Numen, wobei sie apriorisch seine Existenz annimmt, auf die nur verwiesen werden kann. Pseudo-Dionysius Areopagita prägte das gesamte Mittelalter mit seiner „via triplex“, die die „via affirmativa“, „via negativa“ und „via eminentiae“ enthielt. Meister Eckhart abstrahierte das Gottesbild durch die Negative Theologie „zum Nichts der Gottheit“47. Eng mit dieser Disziplin verbunden ist die Apophatische Theologie, die ebenfalls im theoretischen Fundament dieser Arbeit eine Rolle spielen soll.

Apophatisch bedeutet das Ablehnen der Formulierung bzw. „individuellen begrifflichen Erfassung“48 des Erkennens und Ausschöpfens der Wahrheit, wobei ebenso die Trinitätslehre an Bedeutung gewonnen hat, die auch bei Derrida49 thematisiert wird. Um die Wahrheit der Kirche auszudrücken, bedient sich diese Form der Theologie der affirmativen (also bejahenden) und negativen (verneinenden) Aussagen, ohne jedoch damit präzise die Wahrheit formulieren zu können. Der Begriff „Apophasis“50 ist mit der „via negativa“ sprachlich analog - er lässt sich herleiten vom griechischen Verb „ablehnen oder ,nein’ sagen“51. Seit dem 5. Jahrhundert sind die Prinzipien der Apophatik für die Kirche in den areopagitischen Schriften festgehalten. Darin heißt es, dass die apophatische Theologie den Bedeutungsgehalt der gemeinsamen sprachlichen Begriffe weder dementiert noch falsifiziert und Position und Negation sowie die Synthese beider appliziert. Die Wahrheit der Theologie könne, wird sie rein apophatisch ausgedrückt, nur bildhaft erfolgen, weil eine mutuale Aufhebung der Begriffe stattfindet, „damit das Überschreiten ihres selbstverständlichen Inhalts möglich werde.52 “ Aus den theoretischen Antithesen soll erkenntlich werden, dass der Mensch in seiner Ganzheit „an der auszudruckenden [sic!] Wahrheit erfahrbar teilhaben kann“. Dies geschieht durch das Sprechen von einer übergöttlichen Gottheit, namenlosen Namen, Erkennen im Nichterkennen, unsagbaren Worten, wobei letzteres das Hauptinteresse dieser Arbeit ist. Durch diese antithetische Verwendung der Begriffe wird die „begriffsbestimmte Selbstverständlichkeit“ überstiegen und ein Bild konstituiert, „das mit Worten eine Wahrheit erläutert, jedoch jenseits der Worte.53 “ Es wird angenommen, dass auch Handke seine Erfahrungen versucht, „jenseits der Worte“ auszudrücken. Ob dieses theoretische Fundament auf Peter Handkes Poetik und seine literarischen Verfahren anwendbar ist, soll Haupterkenntnis dieser Arbeit sein.

Es wird überprüft, wo und wie Handkes Erzählungen in diesen Diskurs der Unsagbarkeit einzuordnen sind. Die Art seines Schweigens lässt sich anhand zahlreicher Beispiele mit dem Schweigen vom Numen und der negativen und apophatischen Rede verknüpfen. So wird z. B. im Sommerlichen Nachtrag zu einer winterlichen Reise das „Treffen mit jenem Mann aus S., der, [...] als vermutlicher Kriegsverbrecher auf der Liste des internationalen Gerichtshofs stand“ geschildert, der eine Seite später weiter namenlos, als „eben der von der Haager Liste“54 verbleibt. Die Abkürzung des Heimatortes des Gesuchten - „S.“ - wird dabei in ornamentaler, arabesker Form zu einem symmetrischen, figürlichen Bild und damit der Ebene der Sprache enthoben. Das Erwähnen des Mannes ist für den Autor gerechtfertigt durch die negative Art der Sprache und den Hinweis, dass er „ziemlich schweigsam war“ - nur so, schweigsam also, kann er in der Sprache des Textes existieren.

Ein weiteres Beispiel für die negative Sprache Handkes findet man auch in folgender Aussage der Erzählung: „Gewiß haben sich dort auch Kinder gezeigt, aber das Gedächtnis hat weder Bilder noch Worte für sie.“55 Liest man diesen Satz, so entsteht eben doch ein Bild von den Kindern durch Worte. Für die Kinder muss es also deshalb auch Worte geben - diese werden in diesem einen Satz vom Erzähler kreiert und somit unausgesprochen, aber geschrieben oder verbildlicht durch Sprache56.

Ein weiterer Grund für die Untersuchung der Werke Handkes ist der poetische Versuch, mit den Reisen und den Berichten darüber eine versöhnliche Identität zu stiften, die Sprache also als identitätsstiftendes Instrument zwischen den in erster Linie jugoslawischen, aber auch europäischen Völkern einzusetzen.57 Diese Annahme verstärkt sich durch folgendes Zitat aus der Nachbemerkung in Handkes Buch Noch einmal für Thukydides: „Im dichterischen Sprechen stiftet sich Zusammenhang. Der Leser wohnt einer Mythisierung der Welt bei.58 “ Das Zitat „Die Zeit ist Richterin“ des islamischen Mystikers Muhyiuddin Muhammad Ibn Arabi, welches Handkes Prozessbericht Die Tablas von Daimiel einleitet, lässt eine eklatante Bezugnahme auf mystische Theorien konstatieren.

Zudem ist es für die Zusammenführung der Theologie mit Handkes Werken in dieser Arbeit essenziell, die Position der verschiedenen Religionen auf dem Balkan als eine der Ursachen für die Entstehung der Jugoslawienkonflikte zu berücksichtigen.59 Es lässt sich also ein legitimes Bindeglied zwischen den religiösen Theorien und der literarischen Praxis für diese Untersuchung feststellen. Diese Verbindung muss jedoch verknüpft sein mit der im Folgenden zu beantwortenden Frage, wie sich bei Handke das Göttliche, wie es in diesen religiösen Theorien existiert, äußert. Die Vermutung liegt nahe, dass sich innerhalb dieser Diskussion die Stelle des Numinosen substituieren lässt von stark konnotierten Worten wie „Kriegsopfer und -tote“ und „Serben“, mit denen vorsichtig operiert werden sollte. Eine weitere Mythisierung bei Handke erkennt man auch im bereisten Territorium und darin, wie der Autor versucht, einer politischen Mystifizierung durch allzu schnell gesagte Worte zu entkommen.

Ob und wie sich die These, es herrsche eine Kausalität zwischen mystischer, Negativer Theologie und Peter Handke, in seiner Literatur über den Jugoslawienkrieg instrumentalisieren lässt, soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit gezeigt werden.

III. Forschungsgrundlagen

Eine Untersuchung der Jugoslawien-Prosa Peter Handkes unter literaturwissenschaftlichen Prämissen kann bei der Ermittlung von Texten zunächst auf reichhaltige kritische Ressourcen zurückgreifen. Alle literaturwissenschaftlichen Publikationen, die sich explizit mit dem Schaffen Handkes seit dem Sammelband Abschied des Träumers vom Neunten Land befassen, sind nicht älter als neun Jahre. Dieser Band eröffnet dieses limitierte Interessengebiet.

Allerdings lieferten keine der einschlägigsten Bibliografien60 explizite Ergebnisse während der Suche nach der Unsagbarkeit in Handkes Werk. Es muss davon ausgegangen werden, dass mit dieser Arbeit eine erste Untersuchung der Unsagbarkeit in Handkes Jugoslawien­Texten vorliegt.

Erste bedeutsame kritische Exempel sind veröffentlicht worden im „Text und Kritik“- Band über Peter Handke61. Dieser beschäftigt sich vor allem mit dem Verhältnis von Handkes Poetik und seinen Jugoslawienbetrachtungen. Besonders die Aufsätze von Frauke Meyer- Gosau62 und Richard Wagner63 beschäftigen sich intensiv mit Handkes Schriften zu Serbien und zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Dabei setzt besonders Meyer-Gosau Handkes Reisebericht ins Verhältnis zu den Kulturseiten, aber auch zu seinem früheren Schaffen und versteht den Bericht als „politisches Pamphlet“. Wagner diskutiert besonders die Methode der Reisebeschreibung Handkes.

Aber auch die gesammelten Rezeptionen der Presselandschaft der Jahre 1996 und 1997 in Thomas Deichmanns Herausgeberschrift Noch einmal für Jugoslawien. Peter Handke64 sowie Tilman Zülchs Die Angst des Dichters vor der Wirklichkeit65 repräsentieren heterogene, wissenschaftliche Kommentare zu Peter Handkes Schaffen während der Jugoslawienkriege. Sie gehen der Frage nach, welche politische Relevanz seinen Werken beigemessen werden soll und inwiefern diese Zustimmung oder Ablehnung erfahren haben. Der von Deichmann editierte Band vereint dabei Beiträge von Autoren aus ganz Europa. Das in der Einleitung Versprochene, diese unpolemischen Beiträge lassen sich auf Handkes Denkweisen ein, ohne diese ausschließlich zu teilen, bewahrheitete sich. Die von Zülch herausgegebene Sammlung dagegen stellte sich als repräsentative Auswahl vehementer Stellungnahmen der Kritiker Handkes heraus.

Im weiteren Verlauf erwiesen sich diese Herausgeberschriften Deichmanns und Zülchs als elementare Arbeitsmittel, um Meinungen sowohl des Autors Handke als auch der Journalisten und Autoren zur Kontroverse über seine Serbien-Bücher zu erfahren und zur eigenen Meinungsbildung beizutragen.

Bezüglich der figurativen Potentiale der Prosa Handkes zum Jugoslawienkrieg bestätigte sich Roland Bogards Sprache als Bild66 als äußerst konstruktive Forschungsliteratur zu den sprachlichen Verfahren in Handkes jüngeren Werken. Er sieht Handkes Bücher seit Die Lehre der Sainte-Victoire67 als Schreibkonzepte des bloßen Bildes. Diese betrachtet er vergleichend zu den Sprachtheorien des beginnenden 19. Jahrhunderts von Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe und eröffnete dieser Arbeit produktive Reflexionen der arabesken Erzählweise.

Anschließend ergab sich aus der Recherche nach dem Thema „Unsagbarkeit“ ein Vorrat an theoretischen Hypothesen, die sich besonders auf Jacques Derridas Wie nicht sprechen. Verneinungen68 und auf Sanford Budicks und Wolfgang Isers Languages of the Unsayable69 stützen. Dieser Vortrag Derridas, 1987 in Jerusalem gehalten, zeigt in einer fundierten Erörterung von Texten von Dionysius Areopagita, Meister Eckhart, Platon und Martin Heidegger, dass die vermeintlich abwegige Frage der Negativen Theologie über eine erhebliche Gegenwärtigkeit für das Denken der Moderne verfügt. Derrida möchte mit seinem Text zeigen, dass abendländische Traditionen wie bspw. das Bilderverbot und die seit Dionysios Areopagita explizit benannte „Negative Theologie“ antagonistisch auf rationale und aufklärerische Theorien wirken. Die Negative Theologie versteht er als konsequent unabschließbare Rede von Gott. Diese Traditionen versteht er nicht nur im Kontext jüdischer oder plotinischer Philosophie (vermittelt durch Meister Eckhart oder Immanuel Kant), er spricht ihnen auch eine essenzielle Stellung in der Moderne zu (bei Denkern wie Heidegger und Theodor Adorno). Seine Überlegungen führen zu den Schnittpunkten der kataphatischen und apophatischen Theologie sowie der der Mystik und Aufklärung. Somit entfaltet Derrida einen wichtigen theologischen Diskurs.

Budicks und Isers Buch demonstriert, dass die Unsagbarkeit und Negativität als das vom Sagbaren nicht berücksichtigte eines der wichtigsten Gebiete der zeitgenössischen geisteswissenschaftlichen Studien ist. Der Band bringt 15 Stellungnahmen zur Negativität zusammen, um Methoden zu untersuchen wie das Unsagbare greifbar wird. Es ist eine anspruchsvolle und komplexe Sammlung, die Einblicke in signifikante Texte bietet und ein zentrales Thema der Literaturtheorie anspricht.

Rudolf Ottos Hauptwerk Das Heilige70 war elementar für den Prozess der Arbeit, da er in diesem Buch über das Heilige als Erfahrung und Mysterium schreibt und den Begriff des „Numinosen“ begründet. Diese Erfahrung inkludiert seiner Auffassung nach irrationale Aspekte, da mit ihr Gefühle einhergehen, die sich der rationalen Fassung entziehen und nur durch hinweisende Ideogramme empfunden werden können. Die irreduziblen Momente dieser Erfahrung bezeichnet er als „mysterium tremendum“ und „mysterium fascinosum“. Im erstgenannten Gefühl wird Gott sichtbar als Übermacht, vor der man erschauert und die als das ganz Andere die menschliche Vernunft transzendiert. Die faszinierende und beglückende Erfahrung des Göttlichen lässt dieses jedoch nicht als bloße Unheimlichkeit wirken. Otto bestimmt das Heilige zum Numinosen (als übernatürliches Wesen ohne genauere Vorstellung). Damit markiert er die irreduziblen Momente des Schauderns und Vertrauens. Diese Werke dienten der gezielten Suche nach Verknüpfungspunkten und Widersprüchen zu der Unsagbarkeit in Handkes Texten.

Nach diesen Recherchen war es außerdem notwendig, zum komplexen Verständnis der Debatte um die Werke Handkes, Medienberichterstattungen der letzten Jahre über Peter Handke zu studieren. Herangezogen wurden sowohl Dossiers des „Spiegel“, der „Zeit“ und der „Süddeutsche Zeitung sowie Artikel aus dem „Stern“, „Focus“ und geisteswissenschaftlichen Aufsatzsammlungen.

Bezüglich der Ereignisse während der Kriegsjahre und deren Chronologie wurden die Werke von Cathrin Schütz, Sabrina P. Ramet, Marc Weller, Timothy Garton Ash und Holm Sundhaussen71 berücksichtigt. Hilfreich waren diese Quellen auch hinsichtlich der Frage, wie dieser Konflikt entstehen konnte.

Zusammenfassend wurde für diese Magisterarbeit Sekundärliteratur zu Rate gezogen, die größtenteils aus den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts stammt und somit als aktuell und zeitnah zu den Veröffentlichungen der einschlägigen Werke Handkes angesehen wird.

IV. Die Unsagbarkeit in Peter Handkes Prosa aus theologischer Sicht

IV.1 Direkter und indirekter Ausdruck des Numinosen nach Rudolf Otto - die Arabeske, das Dunkel und das Schweigen

Wie schon in der Einleitung erwähnt, soll der Begriff „Gott“ als nicht benennbares Überwirkliches, wie ihn die Negative Theologie begreift, in dieser Arbeit substituiert werden mit dem Begriff des „Numinosen“. Es lässt sich somit, verstanden als etwas, das außerhalb der alltäglichen Sphäre stattfindet, hervorragend mit Peter Handkes Mystifizierung Jugoslawiens in Verbindung bringen, denn das Numinose bewegt sich in der Sphäre des Anderen, welches dargeboten wird durch einen Zwiespalt, der hervorgerufen wird durch die Angst auf der einen Seite und die Faszination auf der anderen72. Laut Rudolf Otto73, der den Begriff des „Numinosen“ prägte, lässt dies sich zunächst direkt am besten ausdrücken in ,„heiligen’ Situationen“, bevor im nächsten Schritt versucht wird, diese Situationen anschaulich zu schildern und wiederzugeben. Indirekt kann das Numinose am primitivsten im „Fürchterlichen“ oder Erschreckenden veranschaulicht werden (tremendum). Die Ausdrucksmittel des Scheußlichen machen die indirekte (religiöse) Scheu realisierbar.

Genau dieses Schema lässt sich als motivierendes Charakteristikum der literarischen Arbeiten Peter Handkes erkennen. Seine Sprache in den Jugoslawien-Texten bedient sich Worten, die der alltäglichen Sphäre enthoben wurden. Es ist eine mystische Art Sprache, die als Basis der Handkeschen Mystifikation angesehen wird. Heilige Situationen, wie z. B. die Sonntagsmesse und der anschließende Besuch des Gräberfeldes in Višegrad, erlebt der Erzähler im „Sommerlichen Nachtrag“74. Der Besuch des Gottesdienstes findet in einer gleichsam stummen Atmosphäre statt. Nur die Glockenrufe ertönen, aber es ist niemand da zum Fragen und somit bleiben die Fragen unausgesprochen.

[...]


1 Handke, Peter: Am Ende ist fast nichts mehr zu verstehen. In: www.sueddeutsche.de. Ressort Kultur. 31. 05. 2006. (Und“ Süddeutsche Zeitung“ vom 01. 06.20 06.) URL: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/99/77022/6/ [letzter Zugriff: 12. 03. 2007].

2 Peter Handke wurde 1942 in Griffen/Kärnten geboren, verbrachte aber einen Teil der Kindheit und Jugend in Berlin. 1961 begann Handke in Graz ein Jurastudium und wurde dort Mitglied der Künstlergruppe „Forum Stadtpark“. Er veröffentlichte erste kürzere Prosatexte und arbeitet für den Rundfunk. Nachdem 1966 sein erster Roman Die Hornissen (Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1966) erschien, gab er das Studium auf und entschied sich, künftig als freier Schriftsteller zu existieren. Bekannt wurde er zudem durch seine Äußerung in Princeton. Während einer Tagung der „Gruppe 47“ warf er der zeitgenössischen Literatur „Beschreibungsimpotenz“ vor. Seine Position ist: Literatur soll ihm zur Selbstklarheit verhelfen. Literatur könne bisher verborgene Wirklichkeitssituationen aufdecken und Konventionen in den Bedeutungen zerstören, was realistische Literatur nicht verwirkliche. Er vertritt die Meinung, dass literarisch verwendete Sprache selbstreflexiv arbeite und nicht auf außersprachliche Wirklichkeit verweise. Handke schrieb auch Hörspiele und Film-Drehbücher und ist als Übersetzer tätig. Vgl: Lutz, Bernd; Jeßing, Benedikt (Hg.): Metzler-Autoren-Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 3. aktualisierte und erweiterte Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt, 2004. S. 268.

3 Die Themenstellung dieser Arbeit ging aus dem Seminar „Diskursivierung des Balkan“ von Dr. Tanja Zimmermann an der Universität Erfurt (Sommersemester 2006) hervor. In diesem sollte besonders die Fragestellung beleuchtet werden, wie west- und osteuropäische literarische Werke über den Balkan sprechen. In diesen Werken ist der Balkan kein spezifisch explizierter, sondern meist ein trivialisierter geographischer Ort. In der Literatur, so auch bei Peter Handke, dient er oft als rhetorisch geformtes „Irgendwo“, das bestimmte unerlaubte Themen der Politik, Religion oder Moral visualisierbar macht. Verminderte logische Strukturen in der Sprache kennzeichnen diesen Diskurs. Der Balkan wird durch unterschiedliche Verfahren, wie durch die Arabeske, das Oxymoron oder die völlige Abwendung vom Text (z. B. durch das Verschweigen) zum literarischen Ort der Abwesenheit. Zur Analyse des Reduktionismus und der Stereotypisierung des Balkans vgl.: Todorova, Maria: Die Erfindung des Balkans. Europas bequemes Vorurteil. Aus dem Englischen übersetzt von Uli Twelker. Primus-Verlag. Darmstadt, 1999. S. 17-41. Nach Maria Todorova hat der Name „Balkan“ seinen Ursprung im osmanischen Zeitalter, in welchem er als Bezeichnung für Südosteuropa diente. Diese „osmanischen Faktoren“ (S. 30) riefen laut Todorova auch die Klischees hervor. Sie stellt zudem fest, dass der Begriff „Balkanismus“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa als Schimpfwort galt. Balkanismus stand synonymisch für Rückschritt und Unkultiviertheit. Zur Zeit der Balkankriege (1912-1913) konsolidierte sich dies zu einem hartnäckigen und eingefrorenen „Image“. Oft verbunden mit dem Balkan waren nach Todorova in der Literatur auch mystische Eindrücke.Zum Balkan s. auch: Bjelic, Dušan I.; Savie, Obrad (Hg.): Balkan as Metaphor. Between Globalization and Fragmentation. MIT Press. Cambridge-London, 2002.

4 Im Fall von Die Tablas von Daimiel. Ein Umwegzeugenbericht zum Prozeß gegen Slobodan Miloševic. (In: Literaturen. Das Journal für Bücher und Themen. Friedrich Berlin Verlag (Hg.). Jg. 6 (2005). Nr. 7/8. S. 84-103) und Rund um das Große Tribunal. (Sonderdruck Edition Suhrkamp. Originalausgabe, 1. Aufl., Suhrkamp. Frankfurt am Main, 2003).

5 Im Fall von Die Fahrt im Einbaum oder das Stück zum Film vom Krieg. (1. Aufl. Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1999).

6 Vgl.: o. A.: Noch einmal für Jugoslawien. In: Literaturen. Das Journal für Bücher und Themen. Friedrich Berlin Verlag (Hg.). Jg. 6 (2005), Nr. 7/8. S. 82.: „Handkes Essay ist alles zugleich: Streit- und Friedensschrift, Medien- und Prozesskritik, Selbstreflexion, Grübelei über die Frage der Kriegsschuld, Gefängnis-Reportage und Reisebericht aus den einstigen Kriegsgebieten wie auch von deren Peripherie.“

7 Selbstverständlich werden andere Werke und Schriften Peter Handkes wie z. B. Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten. (1. Aufl. Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1994) und das Gespräch mit Herbert Gamper, erschienen unter dem Titel Aber ich lebe nur von den Zwischenräumen. Ein Gespräch, geführt von Herbert Gamper. (1. Aufl. Ammann Verlag. Zürich, 1987), unumgänglich eine erhebliche Rolle für diese Untersuchung spielen.

8 Handke selbst sagt zu seiner „Winterlichen Reise“: „Ich habe mich gefragt [...], was kann ich sagen und wie kann ich es sagen. [...] Ich bin kein Journalist, und ich kann auch nicht schreiben als Journalist. Mein Impuls war es, etwas anderes zu schreiben [...].“ In: Grüner, Gabriel: Bosnien. Streitgespräch mit Peter Handke über sein Plädoyer für die Serben. In: Stern. Das deutsche Magazin. Nr. 10, Bd. 49, 1996. S. 46.Zur anderen Sprache äußert er sich außerdem noch folgendermaßen: „Die Mauern wurden in Bezug auf die jugoslawische Frage sofort gezogen. Es gab gleich welche, die wussten: So und so ist die Lage, und so muss man darüber reden. Man kann nur das und das sagen und nur auf die journalistische Weise. Mittlerweile ist ein anderes Sprechen in Gang gekommen, eines, das nicht mehr ganz verloren gehen kann.“ In: O.A.: Der lange Abschied von Jugoslawien. Peter Handke über den Untergang des Vielvölkerstaates und seine umstrittene Parteinahme für Serbien. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. 6. 2006.URL: http://www.nzz.ch/2006/06/17/li/articleE7H0L.html [letzter Zugriff: 13. 03. 2007].

9 Vgl. dazu: „Der Dichter ist kein Leitartikler“. In: Nenning, Günther: Lyrischer Lampion. Reitet für Serbien. Zum Glück ist Handke so verrückt. In: Et Cetera PPF. Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden.Universität-Gesamthochschule Siegen, 1999, Nr. 2, S. 38.

10 Vgl.: o. A., Noch einmal für Jugoslawien, S. 82.

11 Vgl.: „Das Land jenseits der Karawanken ist für Handke seit je das Ursprungsland der Poesie, und es ist in beinahe allen Büchern, selbst in denen, die scheinbar im andalusischen Hochland oder in der so genannten westlichen "Zwickelwelt" angesiedelt sind, der Ort der Verwandlung, der Versöhnung zwischen Wort und Ding, Welt und Schrift.“ In: Radisch, Iris: Peter Handkes Unfall. Wie der Dichter eine geopolitiche Ästhetik suchte und sich in Serbien verirrte. In: Die Zeit.: URL: http://www.zeit.de/archiv/2000/18/200018.l-handke_.xml?page=2 [letzter Zugriff: 23. 03. 2007].

12 Vgl.: Foucault, Michel: Die Archäologie des Wissens. Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1994. S. 31-104. Im Folgenden wird „Diskurs“ hier in Ahnlehnung an Michel Foucault verwendet, dessen Diskurstheorie in der Literaturgeschichte eine tragende Rolle spielt. Er definiert den Diskurs als Sprachverfahren, das die Realität einer Epoche sichtbar werden lässt. Dabei folgt der Diskurs bestimmten Regeln einzelner Kontexte der Sagbar- bzw. Sichtbar- und Unsagbar- bzw. Unsichtbarkeit. Somit meint Diskurs einen verbal hervorgebrachten Sinnzusammenhang, der Realität generiert und strukturiert. In diesem Sinne lässt sich Peter Handkes Stimme als eine im Diskurs der westlichen Medien nicht vorkommende sehen. Zur Mehrdeutigkeit des Begriffes „Diskurs“ s. auch: Habermas, Jürgen: Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen. Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1986 und Apel, Karl-Otto: Diskursethik und Diskursanthropologie. Aachener Vorlesungen. Alber. Freiburg im Breisgau (u. a.), 2002.

13 Hage, Volker; Schreiber, Mathias: SPIEGEL-Gespräch: "Gelassen wär’ ich gern". In: Der Spiegel. Nr. 49. Jg. 1994. 05. 12. 1994. S. 176.

14 Vgl.: Lutz ; Jeßing, Autoren-Lexikon, S. 270.

15 Zur Chronologie der Balkankreise vgl.: Sundhaussen, Holm: Experiment Jugoslawien. Von der Staatsgründung bis zum Staatszerfall 1918-1991. Bibliographisches Institut, Mannheim (u. a.), 1993 ; Garton Ash, Timothy: Zeit der Freiheit. Hanser, München, 1999 ; Ramet, Sabrina P.: The Three Yugoslavias: State­building and Legitimation, 1918—2004. Indiana University Press. Bloomington, 2005. Zur Kosovo-Krise: Weller, Marc: The Crisis in Kosovo 1989-1999. From the Dissolution of Yugoslavia to Rambouillet and the Outbreak of Hostilities. International Documents and Analysis, Vol. 1. Cambridge, 1999.

16 Stephan Jaeger und Christer Petersen stellen fest, der Krieg evolviert sich in Sprechakten; wird also bestimmt durch publizierte Zeichen und durch die Darbietung von symbolischen Signifikanten. In: Jaeger, Stephan; Petersen, Christer (Hg.): Zeichen des Krieges in Literatur, Film und den Medien, Bd. 2: Ideologisierung und Entideologisierung. Verlag Ludwig. Kiel, 2006. S. 8. Susanne Düwell stellt fest, dass die Texte Handkes von der Ansicht durchzogen werden, dass der Krieg das traditionelle Erzählen unmöglich macht, also keine sinnstiftende Narration mehr besteht. Sie sieht darin die Ursache für das „anachronistische, klischeehafte, poetisierende oder triviale Erzählmuster“. Durch die Kritik an den westlichen Medien in den Büchern „soll ein autoreflexives Repräsentationsmodell profiliert werden“. Alternierend zu den ideologischen Klischees der Medien wird ein Nachdenken entfaltet, das die Medien- und Sprachkritik einschließt. Auch die unmittelbare, nahe Sicht auf die scheinbar alltäglichen und banalen Details zählt zu dieser differenten Methode der Narration der Kriegsereignisse und -orte. Somit wird ein literarisches Bild des Krieges erschaffen, das nicht unbedingt das authentischere sein muss. Vgl.: Düwell, Susanne: »»Ein Toter macht noch keinen Roman«. Repräsentationen des Jugoslawienkrieges bei Peter Handke und Norbert Gstrein. S. 115f. In: Ebd., S. 92-117.

17 Auf den 11. Juli 1995 wird das Massaker von Srebrenica datiert: in Bosnien und Herzegowina erobern die Serben die UN-Schutzzone Srebrenica. Anfang August 1995 fliehen 200.000 Serben aus der Krajina, die vorher von Kroatien zurückerobert wurde. Vgl.: Silber, Laura; Little, Allan: Bruderkrieg. Der Kampf um Titos Erbe. Dt. Bearbeitung von Walter Erdelitsch. Verlag Styria. Graz (u. a.), 1995. S. 443. Die erste Serbienreise unternahm Handke vom 27. November bis 19. Dezember. Sie führte ihn nach Belgrad und Zentralserbien zum Fluß Morawa und an die Drina.

18 Handke, Peter: Abschied des Träumers vom Neunten Land. Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien. Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise. Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1998. Original-Ausgabe. 1. Aufl., Suhrkamp., Frankfurt am Main, 1999. S. 39.

19 Laut der „Literaturen“-Redaktion begann „dieser Streit“ 1995 „mit dem Ende des Bosnienkrieges [und] entzündete sich 1999 erneut, mit den NATO-Bombenangriffen im so genannten Kosovo-Konflikt“ und wird seit dem Prozessauftakt am UN-Tribunal der Kriegsverbrechen auf dem Balkan weitergeführt. In: o. A.: Literaturen. Das Journal für Bücher und Themen. Friedrich Berlin Verlag (Hg.). Jg. 6 (2005). 2005. Nr 7/8. Editorial.

20 Handke, Abschied/Winterliche Reise/Sommerlicher Nachtrag, S. 38f.

21 Vgl.: Lutz; Jeßing, Autoren-Lexikon, S. 269 sowie o. A., Noch einmal für Jugoslawien, S. 83.: „Handkes Gegner warfen ihm vor, er politisiere sein poetisches Programm einer »Gegengeschichtsschreibung«, die gerade das Unscheinbare als ereignisreich betrachtet, und poetisiere nur sein eigenes pro-serbisches Vorurteil. Sie stellten seine Integrität infrage und entfachten eine Medienkampagne gegen ihn, die im Grunde nur wenig differenziert bis heute anhält, mehr genährt als relativiert oder gar entkräftet durch Handkes Folgeschriften [...].“

22 Mohr, Reinhard: Autoren. Eine böse Harmonie. SPIEGEL-Redakteur Reinhard Mohr über Peter Handkes Leseprozession zum Wohle der Serben. In: Der Spiegel. Nr. 12. Jg. 1996. 18. 03. 1996. S. 216f.

23 Bluhm, Lothar: "Schon lange ... hatte ich vorgehabt, nach Serbien zu fahren". Peter Handkes Reisebücher. In: Rölleke, Heinz (Hg.): Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre. Trier, Wissenschaftlicher Verlag Trier, 1998, Jg. 48, N. 1, S. 68-91. S. 71.

24 Handke, Abschied/Winterliche Reise/Sommerlicher Nachtrag, S. 151.

25 Emcke, Carolin: Handke-Debatte. Versuch über das geglückte Kriegsverbrechen. In: SPIEGEL online. 04. 06. 2006. URL: http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-419661 [letzter Zugriff: 13. 03. 2007].

26 Susanne Düwell und Frauke Meyer-Gosau konstatieren in den Werken Handkes eine weitestgehende Unsichtbarkeit des Krieges. Vgl.: Düwell, Repräsentationen des Jugoslawienkrieges, S. 96; Meyer-Gosau, Frauke: Kinderland ist abgebrannt. Vom Krieg der Bilder in Peter Handkes Schriften zum jugoslawischen Krieg. In: Arnold, Heinz-Ludwig (Hg.): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. Peter Handke. Heft 24. 6. Aufl., Neufassung. München, 1999. S. 3. Düwell erkennt darin einen Kontrast zwischen der Wahrnehmung der friedlichen Natur bzw. Landschaft und des Kriegszustandes. Das Darstellungsproblem dieses Krieges manifestiert sich im Gefühl der Ungleichzeitig- und Unwirklichkeit, das vorherrscht, wenn versucht wird, die Kriegsrealität zu betrachten. Auch Düwell fragt sich, warum die scheinbar nicht in die Zeit passende Landschafts- und Naturbeschreibung angebracht scheint, Informationen oder Erlebnisse zu vermitteln. Sie sieht diese Vorgehensweise Handkes darin begründet, dass er die Medienberichterstatter mit seiner Reisebeschreibung, die auf Landschaft, Menschen und Kriegsspuren ausgerichtet ist, konfrontieren will.

27 Vgl.: Assheuer, Thomas: Irrfahrt im Einbaum. Peter Handkes neues Stück ist erschienen: Trägt der Westen die Schuld am Balkankrieg? In: Die Zeit. Hamburg, Zeitverlag Gerd Bucerius, 1999, Bd. 54, Nr. 18. S. 46.

28 Handke, Abschied/Winterliche Reise/Sommerlicher Nachtrag, S. 223. Gemeint ist hier auch die Problematik des islamischen Bilderverbotes, das besonders, nach Meinung des Erzählers, in Verbindung mit dem Ort Srebrenica begreifbar wird. Es lässt sich in diesem Bilderverbot aber auch eine Allusion auf die medialen Bilder erkennen, denen die Kleinstbilder in seinen Erzählungen entgegenwirken sollen.

29 Vgl.: Handke über sich selbst: „Ich bin ein Wörter-Spezialist und Kleinbild-Spezialist.“. In: Grüner, Streitgespräch, S. 50 und Handke, Abschied/Winterliche Reise/Sommerlicher Nachtrag, S. 224ff.

30 Roland Borgards bezeichnet dies als „ein Element von Handkes »Grundproblem«“ - den „»regard déjà codé«“. Vgl.: Borgards, Roland: Sprache als Bild. Handkes Poetologie und das 18. Jahrhundert. Wilhelm Fink Verlag. München, 2003. S. 238.

31 Vgl.: Handke: „Was ich da geschrieben habe, ist ja nur eine Reiseerzählung, verbunden mit Sprachkritik. Alles andere geht über meine Kompetenz.“ In: Grüner, Streitgespräch, S. 46.

32 Vgl.: „[...] jede Form von Wahrheitsbildung im Krieg [ist] nicht nur medial vermittelt, sondern auch perspektivisch gebunden.“ In: Jaeger/Petersen: Zeichen des Krieges, S. 9.

33 Brenner, Peter J. (Hg.): Der Reisebericht. Die Entwicklung einer Gattung in der deutschen Literatur. Suhrkamp. Frankfurt/Main, 1989.

34 Ebenda, S. 9.

35 Vgl.: Jost, Herbert: Selbst-Verwirklichung und Seelensuche. Zur Bedeutung des Reiseberichts im Zeitalter des Massentourismus. In: Brenner, Peter J. (Hg.): Der Reisebericht. Die Entwicklung einer Gattung in der deutschen Literatur. Suhrkamp. Frankfurt/Main, 1989. S. 490-507.

36 Als Beispiele nennt Peter J. Brenner hier: Brinkmann, Rolf Dieter: Rom, Blicke. (Erstausg. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg, 1979) und Enzensberger, Hans Magnus: Ach Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern. (1. Aufl., Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1987.) Vgl.: Brenner, Reisebericht, S. 12.

37 Vgl.: Jost, Selbst-Verwirklichung und Seelensuche, S. 490.

38 Ebd., S. 504.

39 Ebd.

40 Jost, Selbst-Verwirklichung und Seelensuche, S. 504.

41 Vgl.: Schütte, Wolfram: Arabesken eines Sprachlosen in S.. Visuelle und akustische Welt-Erfahrung: Peter

42 Handke reist ein zweitesmal durch serbisches Land und träumt von einem Western. In: Deichmann, Thomas:

43 Noch einmal für Jugoslawien: Peter Handke. Original Ausgabe, 1. Aufl., Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1999.

44 Vanderbeke, Dirk: Worüber man nicht sprechen kann. Aspekte der Undarstellbarkeit in Philosophie, Naturwissenschaft und Literatur. M&P Verlag für Wissenschaft und Forschung. Stuttgart, 1994. Buchrücken.

45 Handke, Peter: Die Wiederholung. 1. Aufl., Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1986. S. 114.

46 6 Im Folgenden soll hier statt von Gott vom „Numinosen“ gesprochen werden. Der Religionswissenschaftler Rudolf Otto verwendete diesen Begriff erstmals, um die geheimnisvolle Anwesenheit eines gestaltlosen Göttlichen zu bezeichnen. Das Numinose oder Numen steht für die Sphäre des Heiligen, der verborgenen Wirklichkeit, die mit keiner Erscheinung vergleichbar ist. Das Numinose ist das „ganz Andere“, das sich nach Otto in einer grundlegenden Ambivalenz darbietet: als Angst oder Entsetzen („mysterium tremendum“) und Anziehung („mysterium fascinans“). Vgl.: Otto, Rudolf (1917): Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen. Beck. München, 1991. S. 79-90.Weiterführend zu Otto vgl.: Ballard, Steven: Rudolf Otto and the Synthesis of the Rational and the Non-Rational in the Idea of the Holy. Some Encounters in Theory and Practice. Lang. Frankfurt am Main (u. a.), 2000; Tribuljak, Tomislav: Philosophie und Theologie bei Rudolf Otto. Hochschulschrift. München, 2000; Machos Henryk: Religiöse Erfahrung zwischen Emotion und Kognition. William James’, Karl Girgensohns, Rudolf Ottos und Carl Gustav Jungs Psychologie des religiösen Erlebens. (Münchner Beiträge zur Psychologie). Utz. München, 2005; Gooch, Todd A.: The Numinous and Modernity. An Interpretation of Rudolf Otto’s Philosophy of Religion. (Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Bd. 293.) De Gruyter. Berlin/Ney York, 2000.

47 Vgl.: Fahlbusch, Erwin (Hg.): Evangelisches Kirchenlexikon. Internationale theologische Enzyklopädie. Bd. 3/8. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen, 1986-1997. S. 658f.

48 Ebd., Bd. 1/1. S. 217.

49 Derrida, Jacques: Wie nicht sprechen. Verneinungen. Hg. von: Peter Engelmann. Passagen-Verlag. Wien,

50 1989. (Der Text ist zudem in der englischen Übersetzung How to Avoid Speaking. Denials enthalten in: Budick, Sanford; Iser, Wolfgang (Hg.): Languages of the Unsayable. The Play of Negativity in Literature and Literary Theory. Stanford University Press. Stanford, 1996. S. 3-71).

51 Ebd., Anm. 5/S. 112: ,„Apophasis’ ist im Griechischen der Terminus für die ,Verneinung’ - entsprechend ist ,Kataphasis’ die ,Bejahung’. ,Apophansis’ heißt ein sprachliches Konstrukt, das wahr oder falsch sein kann.“

52 Vgl.: Fahlbusch, Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 1/1. S. 217. Ebd.

53 Ebd., S. 219.

54 Handke, Abschied/Winterliche Reise/Sommerlicher Nachtrag, S. 230f.

55 Ebd., S. 235.

56 Vgl.: Düwell, Repräsentationen des Jugoslawienkrieges, S. 92: Susanne Düwell stellt fest, dass die Konzeption der Prosa Handkes den Vorteil der Kontemplation sprachlicher Darstellungsformen bietet.

57 Zum Balkankonflikt und seinen Völkern vgl.: Perica, Vjekoslav: Balkan Idols. Religion and Nationalism in Yugoslav States. Oxford University Press. Oxford (u. a.), 2002 sowie Ramet, Sabrina P.: Balkan Babel. The Disintegration of Yugoslavia from the Dead of Tito to the Fall of Milosevic. Fourth Edition. Westview Print. Boulder/Colorado u. a., 2002 und Sundhaussen, Holm (Hg.): Südosteuropa zu Beginn der neunziger Jahre. Reformen, Krisen und Konflikte in den vormals sozialistischen Ländern. Harrassowitz-Verlag. Berlin, 1993. S. 107-145, 211-233.Folgendes Zitat verdeutlicht den Anspruch Handkes, den er schon in seinem früheren Werk an die Sprache hatte: „Anstatt so zu tun, als könne man durch die Sprache schauen wie durch eine Fensterscheibe, sollte man die tückische Sprache selber durchschauen und [...] zeigen, wie viele Dinge mit der Sprache gedreht werden können. Diese stilistische Aufgabe wäre [...] auch eine gesellschaftliche.“. In: Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms. Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1972., S. 3. Ebenso sieht Roland Borgards einen Zusammenhang zwischen Frieden und Sprache: „Das erste Opfer des Krieges ist die Sprache. [.] diese Überzeugung [bestimmt] Handkes gesamte Wahrnehmung des Jugoslawienkonfliktes und seine ganze serbische Poetik [...]. Borgards, Sprache als Bild, S. 240.

58 Handke, Peter: Noch einmal für Thukydides. Reclam. Stuttgart, 1992. S. 46.

59 Vgl.: Beinsen, Achim: Muslimanstvo and ‘Bosniakdom’: Islam in the discourse of Muslims in Bosnia- Herzegovina. In: South-East Europe Review for Labour and Social Affairs. Quarterly of the Hans Böckler Foundation. Nr. 1. Vol. 5 (2002). S. 17-27. URL: http://www.ceeol.com/aspx/getdocument.aspx?logid=5&id=515C483E-EECE-447B-905E-D08013FF9898 [letzter Zugriff: 13. 05. 2007] und Weithmann, Michael W.: Renaissance der Religion auf dem Balkan. In: Gewerkschaftliche Monatshefte. Hg. vom Bundesvorstand des DGB. Ausgabe 12/1995. S. 753-769. URL: http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1995/1995-12-a-753.pdf [letzter Zugriff: 17. 04. 2007].

60 Gesucht wurde in der Modern Language Association International Bibliography (MLA) und in der Bibliografie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft (BDSL).

61 Arnold, Heinz-Ludwig (Hg.): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. Peter Handke. Heft 24. 6. Aufl., Neufassung. München, 1999.

62 Meyer-Gosau, Kinderland ist abgebrannt, S. 3-20.

63 Wagner, Richard: ,An diesem wie weltfernsten Ort’. Zu Peter Handkes Serbien-Betrachtungen. In: Arnold, Heinz-Ludwig (Hg.): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. Peter Handke. Heft 24. 6. Aufl., Neufassung. München, 1999. S. 21-27.

64 Deichmann, Thomas: Noch einmal für Jugoslawien. Peter Handke. Original Ausgabe, 1. Aufl., Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1999.

65 Zülch, Tilman (Hg.): Die Angst des Dichters vor der Wirklichkeit. 16 Antworten auf Peter Handkes Winterreise nach Serbien. 1. Aufl., Steidl Verlag. Göttingen, 1996.

66 Borgards, Roland: Sprache als Bild. Handkes Poetologie und das 18. Jahrhundert. Wilhelm Fink Verlag. München, 2003. S. 237-266.

67 Handke, Peter: Die Lehre der Sainte-Victoire. Suhrkamp. Frankfurt/Main, 1980.

68 Derrida, Jacques: Wie nicht sprechen. Verneinungen. Hg. von: Peter Engelmann. Passagen-Verlag. Wien, 1989. (Orig.: Comment ne pas parler. Dénégations. In: Derrida, Jacques: Psyché. Inventions de l’autre. Galilée. Paris, 1987. S. 535-595).

69 Budick, Sanford; Iser, Wolfgang: Languages of the Unsayable. The Play of Negativity in Literature and Literary Theory. Stanford University Press. Stanford, 1996.

70 Otto, Rudolf (1917): Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen. Beck. München, 1991.

71 Schütz, Cathrin: Die NATO-Intervention in Jugoslawien. Hintergründe, Nebenwirkungen und Folgen. Braumüller. Wien, 2003. S. 88-98. Garton Ash, Timothy: Zeit der Freiheit. Hanser, München, 1999. Ramet, Sabrina Petra: Balkan Babel. The Disintegration of Yugoslavia from the Dead of Tito to the Fall of Milosevi'c. Westview Print. Boulder/Colorado (u. a.), 2002, sowie The Three Yugoslavias: State-building and Legitimation, 1918—2004. Indiana University Press. Bloomington, 2005. Sundhaussen, Holm (Hg.): Südosteuropa zu Beginn der neunziger Jahre. Reformen, Krisen und Konflikte in den vormals sozialistischen Ländern. Harrassowitz- Verlag. Berlin, 1993. S. 107-145, 211-233 sowie Experiment Jugoslawien. Von der Staatsgründung bis zum Staatszerfall 1918-1991. Bibliographisches Institut, Mannheim (u. a.), 1993. Weller, Marc: The Crisis in Kosovo 1989-1999.From the Dissolution of Yugoslavia to Rambouillet and the Outbreak of Hostilities. International Documents and Analysis, Vol. 1. Cambridge, 1999. S. 15-24.

72 Vgl. dazu: „Numen“ als Bezeichnung für ein konkretes göttliches Wesen. Nach R. Otto als Ausdruck des Göttlichen mit anziehender und abschreckender Komponente. In: Kasper, Walter (Hg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Bd. 7. Maximilian bis Pazzi. 3., völlig neu bearb. Aufl. Herder Verlag. Freiburg im Breisgau (u. a.), 1998. S. 943.

73 Vgl.: Otto, Das Heilige, S. 79-90.

74 Vgl.: Handke, Abschied/Winterliche Reise/Sommerlicher Nachtrag, S. 208-216.

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Das Unsagbare sagen: Peter Handke und der Krieg im ehemaligen Jugoslawien
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
88
Katalognummer
V147487
ISBN (eBook)
9783640582549
ISBN (Buch)
9783640582266
Dateigröße
1211 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Katrin Saalbach widmet sich in ihrer Magisterarbeit den literarischen Verfahren, das Unsagbaren zu evozieren [...] in Handkes hochkontroversen Werken aus den 90er Jahre bzw. nach dem Jahr 2000 [...]. Die untersuchten Texte sind Serbien gewidmet [...] - für den Schriftsteller ein mystischer Ort der Ursprünglichkeit wurde. [...] Trotz kleinerer Mängel in der Verschriftlichung der Forschungsergebnisse wurde das Thema gründlich erforscht und die umfangreiche Sekundärliteratur angemessen resümiert und im Detail berücksichtigt.
Schlagworte
Unsagbare, Peter, Handke, Krieg, Jugoslawien
Arbeit zitieren
Katrin Saalbach (Autor), 2007, Das Unsagbare sagen: Peter Handke und der Krieg im ehemaligen Jugoslawien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147487

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