Ziel der Bachelorarbeit ist es, die medizinische Sichtweise mit dem Ansatz der Neurodiversität bezüglich einer adulten ADHS zu vergleichen und im Rahmen dessen aktuelle Berufsberatungskonzepte zu beurteilen. Dazu wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt und es wurden auf Grundlage des PIKE-Schemas die Forschungsfragen definiert.
Durch die Zunahme von chronisch und psychisch Kranken und multimorbiden Patienten unterliegt das Gesundheitssystem einem steigenden Kostendruck. Arbeitslosigkeit, Frühverrentung und Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen stetig zu. Berufsberatungskonzepte auf Grundlage des medizinischen Ansatzes bzw. des Ansatzes der Neurodiversität sollen Betroffenen Strategien und Ressourcen aufzeigen, um im Berufsleben zu bestehen.
Vor dem Hintergrund, dass die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung eine der am häufigsten gestellten psychiatrischen Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen ist, und eine durchschnittliche Prävalenz der adulten ADHS von 4,4 % vorliegt, werden in der vorliegen-den Arbeit folgende Fragestellungen untersucht: In welchen Gesichtspunkten unterscheiden sich die medizinische Sichtweise und der Ansatz der Neurodiversität hinsichtlich einer adulten ADHS? Welche Problematiken bestehen bzw. können bei einer adulten ADHS hinsichtlich des Berufslebens auftreten? Auf Grundlage welchen Ansatzes sollten Berufsberatungskonzepte für Menschen mit einer ADHS basieren?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problem- und Zieldarstellung
1.2 Zentrale Fragestellung
2 Methode Literaturrecherche
2.1 Systematik der Recherche
2.2 Kritische Beurteilung der verwendeten Literatur
3 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung - ADHS
3.1 Definition der ADHS
3.2 Klassifikation der ADHS
3.2.1 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD-10)
3.2.2 Diagnostic Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5)
3.3 Epidemiologie der ADHS
3.4 Symptomatik
4 Medizinische Sichtweise
4.1 Definition Gesundheit und Krankheit
4.2 Ätiologie
4.2.1 Genetische Faktoren
4.2.2 Exogene Faktoren
4.2.3 Neurochemische, neuroanatomische und neuropsychologische Faktoren
4.3 Diagnostik
4.3.1 Klinische Untersuchung
4.3.2 Interview
4.3.3 Selbst- und Fremdbeurteilungsskalen
4.4 Differenzialdiagnose und Komorbiditäten
4.5 Therapie
4.5.1 Medikamentöse Therapieform
4.5.2 Nicht-Medikamentöse Therapieformen
5 Neurodiversität
5.1 Definition
5.2 Normalität; Begriffserklärung
5.3 ADHS als Normvariante
6 ADHS im Berufsleben
6.1 Kriterien zur Auswahl des Berufes
6.2 Strategien/Ressourcen von Menschen mit ADHS
6.3 Berufsberatung
6.4 Professionelle Beratung
6.5 Beratungskonzept bei ADHS
7 Diskussion
8 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Unterschiede zwischen der medizinischen Sichtweise und dem Ansatz der Neurodiversität im Kontext der adulten ADHS und deren Auswirkungen auf das Berufsleben sowie auf Berufsberatungskonzepte.
- Kritische Gegenüberstellung medizinischer und neurodiverser Modelle.
- Analyse der Symptomatik und Herausforderungen im Berufsleben für Erwachsene.
- Evaluierung bestehender beruflicher Beratungsangebote und Anforderungen.
- Diskussion der Eignung multimodaler Therapieansätze im beruflichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problem- und Zieldarstellung
„Ob der Phillipp heute still wohl bei Tische sitzen will? Also sprach in einem ernsten Ton der Papa zu seinem Sohn, [...] Doch der Phillipp hörte nicht, Was zu ihm der Vater spricht. Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhle hin und her. [...] Er schaukelt gar zu wild, bis der Stuhl nach hinten fällt; da ist nichts mehr, was ihn hält; nach dem Tischtuch greift er, schreit. [...]“ (Dr. Heinrich Hoffmann, 1846)
Der Arzt Heinrich Hoffmann schenkte 1844, seinem dreijährigen Sohn zum Weihnachtsfest, sein wohl bekanntestes Werk „Struwwelpeter“. In der 1845 veröffentlichten, gedruckten Version, sowie in den folgenden weiteren Auflagen skizzierte Hoffmann die mannigfaltigen Facetten einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Der von Hoffmann beschriebene Zappelphilipp wurde namensgebend für die Symptomatik einer ADHS (Zappelphilipp-Syndrom). Obwohl eine ADHS bereits 1775 in Lehrbüchern beschrieben wurde, wurde das Störungsbild erst Anfang des 20. Jahrhunderts umfangreicher erforscht. Die im weiteren Verlauf, als häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung geltende Störung, wurde in Deutschland erst Ende des 20. Jahrhunderts als psychiatrische Erkrankung im Erwachsenenalter anerkannt. Mit einer durchschnittlichen Prävalenz der adulten ADHS von 4,4 % rückt, das von motorischer Unruhe, mangelnder Impulsivitätskontrolle und geringer Aufmerksamkeit charakterisierte Bild der ADHS, zunehmend in den Fokus der Wissenschaft und der Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die historische Einordnung und die wachsende Bedeutung der adulten ADHS in der Gesellschaft sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Methode Literaturrecherche: Erläutert das methodische Vorgehen bei der systematischen Suche und kritische Beurteilung der wissenschaftlichen Literatur.
3 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung - ADHS: Definiert die Störung, stellt die Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 dar und beleuchtet epidemiologische Daten sowie die Symptomatik.
4 Medizinische Sichtweise: Untersucht ADHS aus dem klinischen Blickwinkel, inklusive Ätiologie, Diagnostik, Differenzialdiagnosen, Komorbiditäten und Therapiemöglichkeiten.
5 Neurodiversität: Analysiert den alternativen Ansatz der Neurodiversität und betrachtet ADHS hier als genetische Normvariante anstatt als pathologische Störung.
6 ADHS im Berufsleben: Thematisiert Kriterien zur Berufswahl, notwendige Ressourcen sowie Aspekte der Berufsberatung und professionelle Konzepte.
7 Diskussion: Reflektiert kritisch die Divergenz zwischen dem biomedizinischen Modell und dem Neurodiversitätsansatz sowie die begrenzte Evidenzlage für Berufsberatungskonzepte.
8 Schlussfolgerung: Fasst die Ergebnisse zusammen und fordert weitere Studien zur Entwicklung evidenzbasierter, multimodaler Berufsberatungsangebote.
Schlüsselwörter
ADHS, adulte ADHS, Neurodiversität, Klassifikation, ICD-10, DSM-5, Berufsleben, Berufsberatung, multimodale Therapie, Symptomatik, Komorbiditäten, Stressbewältigung, Coping-Strategien, Arbeitsmarktentwicklung, psychiatrische Diagnose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die adulte Form der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und vergleicht das klassische medizinische Verständnis der Störung mit dem Ansatz der Neurodiversität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Hauptfelder umfassen die Definition, Klassifikation und Ätiologie der ADHS, die diagnostischen Verfahren, therapeutische Ansätze sowie die spezifischen Herausforderungen im Berufsleben und der Berufsberatung.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Es soll geklärt werden, wie sich die medizinische Sichtweise vom Neurodiversitätsansatz bei Erwachsenen mit ADHS unterscheidet und welche Folgen dies für die Gestaltung eines professionellen Berufsberatungskonzepts hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzte zur Datenerhebung eine systematische Literaturrecherche, bei der nationale und internationale evidenzbasierte Publikationen, Studien und Fachzeitschriften analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Analyse (Diagnostik, Ätiologie, Komorbiditäten, Therapie) und eine Auseinandersetzung mit der Neurodiversität, gefolgt von einer Untersuchung der Auswirkungen bei ADHS im Berufsleben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind adulte ADHS, Neurodiversität, diagnostische Klassifikation, multimodale Therapie, Berufsberatung im Kontext von ADHS und die Abgrenzung von Krankheit gegenüber Normvariante.
Warum ist die Diagnose im Erwachsenenalter oft schwieriger?
Die Diagnose bei Erwachsenen ist herausfordernd, da im Laufe des Lebens häufig Anpassungsprozesse stattfinden und die Symptomatik limitierende Auswirkungen auf die psychische und soziale Lebensführung hat.
Wie unterscheidet sich der Neurodiversitätsansatz vom biomedizinischen Modell?
Während das biomedizinische Modell ADHS als zu therapierende Störung oder Krankheit definiert, sieht der Neurodiversitätsansatz diese Merkmale als Teil der natürlichen menschlichen neurologischen Variation an.
Welche Rolle spielt die Berufsberatung bei ADHS?
Berufsberatung sollte bei ADHS-Betroffenen idealerweise als Teil eines multimodalen Therapie-Netzwerks fungieren, um durch individuelle Strategien Abbruchquoten zu senken und die berufliche Teilhabe zu fördern.
- Quote paper
- Sandra Scholz (Author), 2017, Adulte Form der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Medizinischer Ansatz vs. Ansatz der Neurodiversität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1475441