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Die Darstellung mittelalterlicher Normen und Rituale bei Gottfrieds von Straßburg "Tristan"

Title: Die Darstellung mittelalterlicher Normen und Rituale bei Gottfrieds von Straßburg "Tristan"

Term Paper (Advanced seminar) , 2024 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christa Gries (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit versucht, die Funktionen der jüngst in der mediävistischen Forschung erkannten und erforschten "Spielregeln" im mittelalterlichen Leben in einem der bedeutendsten mittelhochdeutschen Romane, nämlich im Tristan von Gottfried von Straßburg, zu erkennen. Wo hält sich der Dichter an die Realität, wo nicht, wo ist er ausführlich, wo überspringt er Details? Welche Motive verfolgt er dabei? Inwieweit lassen sich Erkenntnisse für die historische Forschung ableiten? Dabei werden zwei Szenarien im Roman detailliert verfolgt und hinterfragt, nämlich die Aktionen bei der Versöhnung zwischen den verfeindeten Ländern Irland und Cornwall und den steilen Aufstieg Tristans am Hof Markes.

Gemäß dem Befund Tomašeks ist davon auszugehen, dass sich in Gottfrieds literarischer Ausgestaltung der Liebesgeschichte von Tristan und Isolde einige konkrete Schilderungen von damals üblichen Ritualen finden lassen. Mit meiner Arbeit ziele ich darauf ab, ihre Darstellungsweise im Tristanroman zu untersuchen. Gibt es Stellen in der Handlung, in denen Gottfried die Protagonisten nach den Spielregeln agieren lässt? Wo sind Abweichungen erkennbar? Welche Funktionen erfüllen diese Darstellungen und Abweichungen im Roman?

Zur Analyse der aufgeworfenen Fragen habe ich zwei exemplarische Handlungsstränge ausgewählt, die meines Erachtens als rituelles Verhalten im obigen Sinne interpretierbar sind. Für beide Szenenfolgen versuche ich, rituelle Elemente und für das Mittelalter spezifische Verhaltensweisen aufzuzeigen und ihre Darstellung bei Gottfried im Spiegel des erwartbaren Modells zu erörtern. Bei der Analyse möchte ich vor allem Auffälligkeiten herausarbeiten und daraus die Bedeutung der Darstellung im Roman erschliessen. Als Quelltext diente mir die dreibändige Edition, Übersetzung und Kommentierung des Romans von Rüdiger Krohn in der 6. Ausgabe von 1993.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. NORMEN UND RITUALE BEI GOTTFRIED VON STRAẞBURG

1.1 DIE KONFLIKTBEILEGUNG ZWISCHEN IRLAND UND CORNWALL

1.1.1 Der Fußfall als Einleitung zur Versöhnung

1.1.2 Versöhnung und Friedensküsse

1.1.3 Der Friedensschluss mit König Gurmun

1.1.4 Zusammenfassung

1.2 VERLETZTE EHRE AM HOF

1.2.1 Der neue Jegermeister

1.2.2 Der Günstling des Königs

1.2.3 Der Neffe und Erbe des Königs

1.2.4 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung mittelalterlicher Normvorstellungen und ritueller Handlungsabläufe in Gottfrieds von Straßburg „Tristan“. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Autor rituelles Verhalten gestaltet, welche Funktionen diese Darstellungen innerhalb der Romanhandlung erfüllen und inwieweit Gottfried dabei von historisch belegten Normen abweicht, um diese teils ironisch zu kommentieren oder die Spannung der Erzählung zu forcieren.

  • Analyse ritueller Konfliktbeilegungen am Beispiel der zwischen Irland und Cornwall eskalierenden Spannungen.
  • Untersuchung von Ehr- und Rangkonflikten am Hof König Markes und deren Auswirkungen auf die soziale Hierarchie.
  • Evaluation von Gottfrieds Umgang mit festen rituellen Standards des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung seiner kritischen Haltung zum zeitgenössischen Adel.
  • Deutung der literarischen „Verkürzung“ und „Verdrehung“ von Ritualen als erzählerisches Mittel zur Gestaltung der Romanhandlung.
  • Kontrastierung von Gottfrieds fiktionaler Inszenierung mit soziokulturellen Erkenntnissen der modernen Mediävistik (wie etwa der Theorie Althoffs).

Auszug aus dem Buch

1.1.1 Der Fußfall als Einleitung zur Versöhnung

Die beiden Isoldes und ihre Vertraute Brangäne schwanken noch zwischen ihrem Bedürfnis nach Rache und dem Bruch der Sicherheitsgarantie, die die Königin dem noch nicht enttarnten Tantris gegeben hatte (9559–9565).15 Bereits während der Szene im Bad hatte Mutter Isolde ihre Präferenz klar ausgedrückt. Jede Hilfe zur Vermeidung des enormen Verlusts an Ansehen und Ehre, der durch eine Heirat ihrer Tochter mit dem niedriggestellten Truchsess entstünde, wäre für sie wichtiger als die Rache für ihren Bruder (10297–10310). Während der Beratung (10410–10458) plädiert Brangäne ganz im Sinne ihrer Tante dafür, den Feind anzuhören, da er von edlem Stand sei (10450–10452) und vielleicht das Problem mit dem Truchsess lösen könnte (10424–10434). Als die Damen zu Tristan zurückkommen, ist ihre Entscheidung zwar dem Leser, aber nicht dem Helden bekannt. Er wirft sich auf den Boden und bittet um Gnade:

Tristan sîn selbes niht vergaz. er vuor ûf balde gegen in und viel sâ gegen in allen hin und lac den höfschen süezen vlêhliche zuo den vüezen und sprach ouch mit dem valle: (10462–10466)

Tristan scheint eine vollständige Prostration mit dem Gesicht am Boden ausgeführt zu haben, denn er lac vor den Füßen der Damen. Die Geste bedeutete die demütige Bitte eines Übeltäters um die Wiederaufnahme in die Huld des Geschädigten.16 Sie war dem Adel vorbehalten und konnte nach den Spielregeln auch bei schwersten Vergehen kaum abgelehnt werden.17

Zusammenfassung der Kapitel

1. NORMEN UND RITUALE BEI GOTTFRIED VON STRAẞBURG: Einführung in die methodische Herangehensweise und die Untersuchung zweier zentraler Handlungsstränge, die rituelles Verhalten in den Fokus rücken.

1.1 DIE KONFLIKTBEILEGUNG ZWISCHEN IRLAND UND CORNWALL: Analyse der Versöhnungsprozesse zwischen den Konfliktparteien unter besonderer kritischer Betrachtung der rituellen Verkürzungen und Verfremdungen im Roman.

1.1.1 Der Fußfall als Einleitung zur Versöhnung: Detaillierte Untersuchung des Fußfalls als ritueller Akt der Unterwerfung und der Reaktion der irischen Damen darauf.

1.1.2 Versöhnung und Friedensküsse: Analyse des Friedenskusses als erzwungene oder strategische Handlung, die über den Fortgang der Liebesgeschichte entscheidet.

1.1.3 Der Friedensschluss mit König Gurmun: Untersuchung der Vereinfachung offizieller Friedensverhandlungen durch ihre Darstellung als familiäre Privatangelegenheit zwischen Herrscher und Ehefrau.

1.1.4 Zusammenfassung: Reflexion über die erzählerische Funktion der Rituallisteneinsatzes, der oft als Karikatur zeitgenössischer gesellschaftlicher Zustände fungiert.

1.2 VERLETZTE EHRE AM HOF: Analyse der gesellschaftlichen Dynamik am Hof von Cornwall mit Fokus auf Identitätswechsel und deren Auswirkung auf die höfische Ehre.

1.2.1 Der neue Jegermeister: Untersuchung der spontanen Ämtervergabe an Tristan und deren irritierender Wirkung auf das bestehende Ranggefüge.

1.2.2 Der Günstling des Königs: Analyse der öffentlichen Bevorzugung Tristans durch Marke und die daraus resultierende Integration des Fremden in die höfische Gesellschaft.

1.2.3 Der Neffe und Erbe des Königs: Betrachtung der Konsequenzen, die sich aus der Aufdeckung von Tristans adliger Herkunft und seiner Ernennung zum Erben ergeben.

1.2.4 Zusammenfassung: Bewertung der Bedeutung sozialer Anerkennung, von Ehre und der daraus resultierenden Intrigen als treibende Kraft für die Romanhandlung.

Schlüsselwörter

Tristan und Isolde, Gottfried von Straßburg, mittelalterliche Rituale, höfische Ehre, Konfliktbeilegung, Spielregeln, mittelalterlicher Adel, Literaturwissenschaft, Friedenskuss, Fußfall, Höfische Gesellschaft, Herrschaftslegitimation, Sozialgeschichte, Mediävistik, Ideologiekritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Gottfried von Straßburg im „Tristan“ mittelalterliche Rituale und Normvorstellungen literarisch inszeniert und diese gezielt nutzt oder bricht, um die Handlung voranzutreiben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den Mechanismen der Konfliktbeilegung sowie der Bedeutung von Rang, Ehre und Gunstbezeugungen innerhalb der höfischen Welt Markes von Cornwall.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass die rituellen Darstellungen im Roman oft verkürzt oder verzerrt sind, um entweder die Komik der Situation hervorzuheben oder als satirische Kritik an der deutschen Adelsgesellschaft des 13. Jahrhunderts zu fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Verfasserin greift auf die ritualtheoretischen Ansätze von Mediävisten wie Gerd Althoff zurück, um die literarischen Szenen im Kontrast zum „Modell des erwartbaren Verhaltens“ des Mittelalters zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte: Die Konfliktbeilegung zwischen Irland und Cornwall im ersten Teil sowie die Analyse von Ehrverlusten und Aufstiegsszenarien am Hof im zweiten Teil.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind „Rituale“, „Ehre“, „höfische Welt“, „Gottfried von Straßburg“ und „Konfliktbeilegung“.

Warum ist die Darstellung des „Fußfalls“ im Roman bemerkenswert?

Der Fußfall durch Tristan wirkt rituell verstörend, da Tristan ihn spontan und ohne vorausgehende Absprache einsetzt, was die königlichen Damen verwirrt und von Gottfried teils mit komischen oder spöttischen Untertönen erzählt wird.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Hofes bei Tristans Aufstieg?

Obwohl die Höflinge als anonyme Kulisse fungieren, betont die Autorin, dass ihr „Einvernehmen“ nötig war und ihr plötzlicher Widerstand erst erwacht, als sie sich durch Tristans Handeln in ihrer eigenen Ehre oder Sicherheit bedroht fühlen.

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Details

Title
Die Darstellung mittelalterlicher Normen und Rituale bei Gottfrieds von Straßburg "Tristan"
College
LMU Munich
Course
Hauptseminar Tristan und Isolde
Grade
1,0
Author
Christa Gries (Author)
Publication Year
2024
Pages
23
Catalog Number
V1475670
ISBN (PDF)
9783389028391
ISBN (Book)
9783389028407
Language
German
Tags
Ritualforschung mittelhochdeutsche Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christa Gries (Author), 2024, Die Darstellung mittelalterlicher Normen und Rituale bei Gottfrieds von Straßburg "Tristan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1475670
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