Zunehmende Spezialisierung im Gesundheitswesen, vermeintlich aussagekräftige apparative Diagnostik, das Bestreben jede Krankheitsform eindeutig benennen zu müssen, geben medizinische Handlungssicherheit und rechtliche Absicherung. Der
Blick für das Wesentliche jedoch, das menschliche Individuum als Ganzes, geht dadurch verloren. Im Rahmen der klassischen Medizin überwiegt nach wie vor die Tendenz, Erkrankungen entweder der körperlichen, oder der psychischen Seite zuzuordnen. Der Patient erfährt vordergründig Sicherheit in Form einer klaren
Diagnosestellung. Diese wandelt sich jedoch in zunehmende Verunsicherung, wenn sich zu der Einen mehrere, unterschiedliche Diagnosen hinzugesellen. Komorbiditäten sind in der individuellen Krankheitskarriere keine Seltenheit. Zusammenhänge werden weder vom Patienten, noch vom jeweils behandelnden Spezialisten in der Zusammenschau erkannt, bzw. benannt.
Die psychosomatische Medizin, deren Aufgabe das Erkennen und Therapieren psychisch und körperlich einhergehender Krankheitsformen ist, steht nach wie vor im Schatten der Anerkennung klassischer Fachrichtungen im Gesundheitswesen. Gerade komplexe Krankheitsformen können nicht immer eindeutigen Krankheitsbildern zugeordnet werden. In der bürokratischen Ordnung unseres Gesundheitswesens erfolgt eine Anerkennung und somit Kostenerstattung allerdings nur, wenn die Erkrankung der
Klassifikation im Leistungskatalog auch zuordenbar ist. Eine fragwürdige Situation, in der die formelle Korrektheit, das Krankheitsbild bestimmt.
Neben persönlichem Leid verursachen Herz–Kreislauferkrankungen und die epidemieartige Entwicklung im Bereich psychischer Erkankungen, hohen wirtschaftlichen Schaden. Bis zum Jahr 2020 wird die Depression zur zweithäufigsten Krankheitsursache weltweit (vgl. WHO 2006). Treten psychische und physische
Erkrankungen in Kombination auf, vervielfachen sich die Kosten. Unter diesen Voraussetzungen wirksam zu Intervenieren bedeutet, frühzeitig zu Erkennen und adäquat zu Behandeln. Gerade bei der Vergesellschaftung psychischer- und somatischer Erkrankungen ist Dies von großer Wichtigkeit. Denn die Kuration der Einen, kann
schon die Prävention der Anderen bedeuten.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG
2 ZIELSETZUNG
3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Verbindung zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen
3.1.1 Psychische Erkrankungen und internistische Auffälligkeiten
3.1.2 Depression und Metabolisches Syndrom
3.1.3 Depression, Metabolisches Syndrom und Diabetes mellitus
3.1.4 Psychische und kardiovaskuläre Erkrankungen
3.1.5 Psychische Erkankungen, Metabolisches Syndrom und Mortalität
3.2 Neurobiologische Zusammenhänge
3.2.1 Traumatisierung und Prägung
3.2.2 Evolutionsbedingte Mechanismen, HPA- Achse
3.2.3 Neuroplastizität
3.2.4 Hyperkortisolismus
3.3 Modifizierbare Risikofaktoren und gesundheitliche Auswirkungen
3.3.1 Körperliche Aktivierung
3.3.2 Kognitive Verhaltenstherapie, stationäre Psychotherapie
3.3.3 Ernährung
3.3.4 Medikamente
3.4 Ökonomische Kennziffern
3.4.1 Bezifferbare Kosten
3.4.2 Nicht bezifferbare Kosten
3.4.3 Ökonomischer Nutzen von Interventionsmassnahmen
4 METHODIK
5 ERGEBNISSE
5.1 Depression und Metabolisches Syndrom
5.1.1 Depression als Risikofaktor körperlicher internistischer Erkrankungen
5.1.2 Neurobiologisches Krankheitsentstehungsmodell von Depression und Metabolisches Syndrom
5.2 Geeignete Interventionsmassnahmen
5.2.1 Körperliche Aktivierung
5.2.2 Verhaltenstherapie
5.2.3 Ernährung
5.2.4 Medikamente
5.3 Ökonomische Auswirkungen
6 DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, und körperlichen internistischen Krankheitsbildern. Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse der Zusammenhänge ein biopsychosoziales Behandlungsmodell für psychosomatische Kliniken zu entwickeln, das sowohl den Patienten als auch die ökonomischen Vorteile durch Prävention und effektive Therapie in den Fokus rückt.
- Verbindung zwischen Depression und dem Metabolischen Syndrom
- Neurobiologische Ursachen und Stressreaktionsmechanismen
- Einflussfaktoren durch Bewegung, Ernährung und Verhaltenstherapie
- Ökonomische Auswirkungen psychischer Erkrankungen und deren Prävention
Auszug aus dem Buch
3.2 Neurobiologische Zusammenhänge
Wurden in den vorangegangenen Unterpunkten die Ausprägungsformen psychischer und physischer Erkrankungen und Ihre Verknüpfungen dargestellt, dient dieser Abschnitt zu eruieren, wie es überhaupt zu diesen Krankheitsmanifestationen kommt. Moderne bildgebende Verfahren, wie die Positronen-Emissions- Tomographie (PET) sowie die funktionelle Kernspintomographie, ermöglichen es mittlerweile, biologische Vorgänge im Gehirn in Verbindung mit Wahrnehmung und Emotion darzustellen. So können zur Ausprägung psychischer und physischer Erkrankungen wertvolle Erkenntnisse gewonnen und mit bestehenden Theorien, abgeglichen werden. Genetik, frühkindliche Erfahrungen, Stressoren, deren individuelle Wahrnehmung und die physiologischen Konsequenzen spielen hierbei, wie im Folgenden dargestellt, eine entscheidende Rolle. Insbesondere die Kortisolausschüttung, als entwicklungsgeschichtlich geprägte Reaktion auf Gefahr, und die Abschnitte der kaskadenartigen Innervation der Hypophysen-Hypothalamus-Nebennieren Achse (HPA- Achse, HHNA), sind als Krankheitsinitiatoren bei gestörter Funktion und Stressantwort zu sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG: Beleuchtung der zunehmenden Spezialisierung im Gesundheitswesen und der Vernachlässigung des Individuums bei gleichzeitig steigender Relevanz psychosomatischer Erkrankungen.
2 ZIELSETZUNG: Definition der Bachelor-Thesis zur Belegung der Effektivität biopsychosozialer Therapieansätze bei Depression und internistischen Komorbiditäten.
3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND: Detaillierte wissenschaftliche Aufarbeitung der Verbindungen zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen sowie deren neurobiologische Ursachen und Risikofaktoren.
4 METHODIK: Beschreibung des Vorgehens zur Informationsbeschaffung durch Sichtung führender wissenschaftlicher Studien und Metaanalysen.
5 ERGEBNISSE: Zusammenfassung der signifikanten Zusammenhänge zwischen Depression und internistischen Krankheiten sowie Vorstellung konkreter Interventionsmaßnahmen.
6 DISKUSSION: Synthese der Ergebnisse in ein praxisnahes psychosomatisches Behandlungskonzept unter Berücksichtigung klinischer Notwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Depression, Metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus, kardiovaskuläre Erkrankungen, Psychosomatik, Stressreaktion, HPA-Achse, Neuroplastizität, Verhaltenstherapie, körperliche Aktivierung, Ernährung, Gesundheitsökonomie, Prävention, Komorbidität, Bio-psycho-soziales Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die engen Zusammenhänge zwischen psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, und körperlichen internistischen Krankheitsbildern wie dem Metabolischen Syndrom.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Bereiche neurobiologische Pathogenese, gesundheitliche Auswirkungen modifizierbarer Risikofaktoren sowie die wirtschaftliche Relevanz von Präventions- und Interventionsmaßnahmen ab.
Was ist das primäre Ziel der Bachelor-Thesis?
Ziel ist der Nachweis, dass ein biopsychosozialer, verhaltenstherapeutischer Ansatz im stationären psychosomatischen Setting ein wirksames Mittel zur kurativen Behandlung und Prävention von Komorbiditäten darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autor hat eine fundierte Literaturrecherche auf Basis führender medizinischer Datenbanken wie MEDLINE, EMBASE und der COCHRANE-LIBRARY durchgeführt, wobei der Schwerpunkt auf Metaanalysen liegt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der Aufarbeitung des aktuellen Wissensstandes über die Vergesellschaftung von Erkrankungen widmet sich der Hauptteil den neurobiologischen Grundlagen wie der HPA-Achse und evaluiert Interventionsmaßnahmen durch Bewegung, Verhaltenstherapie und Ernährung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Depression, Metabolisches Syndrom, Psychosomatik, Stress, gesundheitlicher Nutzen, ökonomische Auswirkungen und verhaltenstherapeutische Intervention.
Warum ist das "Selfish brain"-Konzept für die Arbeit relevant?
Das Konzept erklärt, wie das Gehirn bei Energiemangel oder chronischem Stress die Körperperipherie anweist, Energie zu speichern, was zur Entstehung von Adipositas und damit zum Metabolischen Syndrom führen kann.
Welche Rolle spielt das stationäre Setting für die Therapie?
Das stationäre Setting ermöglicht einen multimodalen Zugang zum Patienten, bei dem körperliche, psychische und soziale Faktoren zeitgleich bearbeitet werden können, was im ambulanten Rahmen schwieriger ist.
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- Ulrich Hamberger (Autor), 2008, Psyche und Körper - Auswirkung psychischer Erkrankungen auf Körper und Organsysteme, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147612