Die Bedeutung deutscher Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und in Bezug auf Lateinamerika


Bachelorarbeit, 2009
52 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlegendes zur Entwicklungszusammenarbeit
2.1. Entstehung und Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit
2.1.1. Entstehung der Entwicklungszusammenarbeit
2.1.2. Geschichte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
2.2. Ziele und Maßnahmen
2.2.1. Millenniumserklärung und internationale Gemeinschafts- ziele
2.2.2. Schwerpunkte deutscher Entwicklungszusammenarbeit
2.3. Wirkung und Kritik
2.4. Akteure der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
2.4.1. Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit
2.4.2. Europäische Entwicklungszusammenarbeit
2.4.3. Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit
2.5. Die Partnerländer Deutschlands

3. Herausforderungen und Entwicklungstendenzen deutscher Entwicklungspolitik in Lateinamerika
3.1. Situation und Probleme in Lateinamerika
3.2. Deutsche Entwicklungspolitik in Lateinamerika – allgemeine Informationen

4. Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH
4.1. Vorstellung des Unternehmens
4.2. Technische Zusammenarbeit
4.3. Die Ziele der GTZ in Lateinamerika

5. Die Erfolgskontrolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
5.1. Praxis
5.2. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick- lung (OECD) und Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC)
5.2.1. Kurzer Überblick über die OECD und den DAC
5.2.2. Die OECD/DAC-Kriterien für Evaluierungen
5.3. Probleme
5.4. Vorschläge für Verbesserungen und Veränderungen
5.5. Erfolgskontrolle der GTZ

6. Nachhaltige Entwicklung
6.1. Allgemeine Informationen zur nachhaltigen Entwicklung
6.2. Nachhaltige Entwicklung deutscher Entwicklungszusammen- arbeit

7. Die Wirkung deutscher Entwicklungszusammenarbeit in Latein-amerika gezeigt anhand von GTZ-Projektbeispielen
7.1. Förderung von Klein- und Mittelunternehmen in ausgewählten Regionen
7.2. Nachhaltiges Ressourcenmanagement und Förderung unter-nehmerischer Kompetenzen

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jedes Jahr zum 16. Oktober wird den Menschen gedacht, denen nicht genügend Lebensmittel zur Verfügung stehen und die hungern müssen. Am 16. Oktober ist Welternährungstag. Für das Jahr 2009 gibt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, kurz FAO, bekannt, dass noch niemals zuvor so viele Menschen an Hunger gelitten haben wie in diesem Jahr. Laut der Organisation haben derzeit etwa 1,02 Milliarden Menschen weltweit zu wenig zu Essen, also jeder sechste bis siebte Mensch auf der Erde.[1] Im Jahr 2007 waren es „nur“ gut 0,9 Milliarden Menschen.[2] Grund für diese negative Entwicklung sind verschiedene globale Krisen, die sich in den letzten Jahren ereignet haben: Die durch hohe Lebensmittelpreise verursachte Nahrungsmittelkrise 2007/2008, die Finanz- und Wirtschaftskrise, welche enorme indirekte Folgen für die arme Bevölkerung hat, und der Klimawandel, der sich durch Dürren und andere extreme Wettersituationen direkt auf die Lage der Menschen in Entwicklungsländern auswirkt[3]. 98,5 Prozent aller unterernährten Menschen weltweit leben in Entwicklungsländern[4].

Die weltweite Unterernährung und der Lebensmittelmangel sind nicht die einzigen globalen Probleme: Analphabetismus, Armut, lebensgefährliche Krankheiten, Mangel an sauberem Trinkwasser oder Menschenrechtsverletzungen sind einige der Probleme, mit denen viele Länder zu kämpfen haben. Die wirtschaftlich starken und politisch stabilen Staaten versuchen, den ärmeren und Not leidenden Staaten zu helfen. Doch oftmals stellt sich diese Entwicklungshilfe, die seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts offiziell als Entwicklungszusammenarbeit bezeichnet wird, als sehr problematisch und schwierig dar. Ebenso problematisch ist es, die erzielte Wirkung der Entwicklungshilfe beziehungsweise einzelner Projekte zu ermitteln. In diesem Zusammenhang kommen einige Fragen auf. Beispielswiese ist es wichtig zu wissen, welchen Aufgaben die Entwicklungszusammenarbeit zukünftig – im Zeitalter des Klimawandels und der Globalisierung – gegenübersteht. Fraglich ist auch, ob und wie eine nachhaltige Entwicklung geschaffen werden kann und ob Entwicklungszusammenarbeit überhaupt sinnvoll ist.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung deutscher Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und in Bezug auf Lateinamerika. Es wird zunächst auf Grundlegendes zur Entwicklungszusammenarbeit eingegangen, wie beispielsweise auf die Entstehung der Entwicklungszusammenarbeit, die Geschichte deutscher Entwicklungszusammenarbeit, die Ziele und Maßnahmen sowie die Wirkung und Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit, die Akteure der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und die Partnerländer der Bundesrepublik Deutschland. Anschließend werden die Herausforderungen und Entwicklungstendenzen deutscher Entwicklungspolitik in Lateinamerika erläutert, wobei die Situation in Lateinamerika und allgemeine Informationen zur deutschen Entwicklungspolitik in Lateinamerika dargelegt werden. Im vierten Kapitel wird die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH insbesondere in Bezug auf ihre Ziele in Lateinamerika vorgestellt. Anschließend folgt die Erfolgskontrolle deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Im sechsten Kapitel wird das Problem der nachhaltigen Entwicklung behandelt, bevor im siebten Kapitel die Wirkung deutscher Entwicklungszusammenarbeit anhand von zwei ausgewählten GTZ-Projektbeispielen in Lateinamerika aufgezeigt wird. Die Begriffe ‚Entwicklungszusammenarbeit’ und ‚Entwicklungspolitik’ werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

2. Grundlegendes zur Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche Regierung sieht Entwicklungszusammenarbeit als „internationale Gemeinschaftsaufgabe, zu der Deutschland wirksame und sichtbare Beiträge leistet“[5]. Daher bilden internationale Gemeinschaftsziele den Rahmen für die deutsche Entwicklungspolitik. Dennoch hat die deutsche Entwicklungspolitik eigene Leitmotive und das Aktionsprogramm 2015 entwickelt. Zudem gilt die Entwicklungspolitik als eigenständiger Teil der deutschen Außenpolitik und ihr wird eine entscheidende Rolle als Teil deutscher Friedenspolitik zugesprochen.[6] Nichtsdestotrotz sind die Motive hinter der Entwicklungshilfe nicht immer nur rein ethisch-moralisch; auch eigene Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen der Industrienationen spielen eine große Rolle. Ein gutes Beispiel dafür ist die Art und Weise wie die internationale Entwicklungshilfe entstanden ist.

In den folgenden drei Unterpunkten soll kurz auf die Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit, die Ziele der internationalen Entwicklungspolitik und schließlich auf die Wirkung internationaler Entwicklungspolitik eingegangen werden.

2.1. Entstehung und Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit

Auch wenn die Beziehungen und der Handel auf internationaler Ebene schon seit Jahrhunderten immer intensiver wurden, so hat der Entwicklungsgedanke und die Entwicklungszusammenarbeit an sich erst im vergangenen Jahrhundert Eingang in die internationale Politik gefunden.[7] Um die Hintergründe dafür zu verstehen, wird im Folgenden die Entstehung und Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit wie wir sie heute kennen kurz erläutert. Anschließend wird auf die Geschichte deutscher Entwicklungszusammenarbeit eingegangen, gleichzeitig wird die wichtigste Institution der deutschen Entwicklungspolitik, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorgestellt.

2.1.1. Entstehung der Entwicklungszusammenarbeit

Im Zuge der Dekolonisation der ‚Dritten Welt‘ nach dem Zweiten Weltkrieg und der plötzlich auf sich allein gestellten neuen Staaten kam bei den großen Mächten, in erster Linie den USA, England und der damaligen Sowjetunion, die Frage auf, wie ihnen beim Aufbau ihrer Volkswirtschaften zu helfen sei.

Harry S. Truman, der 33. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, griff dieses Thema bei seiner Antrittsrede zu seiner zweiten Amtszeit auf. Diese Rede vom 20. Januar 1949 wird als Gründungsdokument der Entwicklungspolitik angesehen. Truman prägte in seiner Rede den Begriff der ‚Unterentwicklung‘[8] und er sprach vom Elend, dem sich ein Großteil der Erdbevölkerung gegenüber sah, und von der Möglichkeit, diesen Menschen in Not zu helfen:

[…] we must embark on a bold new program for making the benefits of our scientific advances and industrial progress available for the improvement and growth of underdeveloped areas. More than half the people of the world are living in conditions approaching misery. Their food is inadequate. They are victims of disease. Their economic life is primitive and stagnant. Their poverty is a handicap and a threat both to them and to more prosperous areas. For the first time in history, humanity possesses the knowledge and the skill to relieve the suffering of these people.[9]

Erst seit diesen Worten spricht man in diesem Zusammenhang von ‚Entwicklung‘.[10] Diese Rede und die Entstehung der Entwicklungshilfe fielen jedoch in die Zeit des Kalten Krieges. Das hatte zur Folge, dass Entwicklungshilfe nicht nur rein humanitäre Hilfe für arme Länder, sondern vielmehr Teil des „globalen Systemkonflikts“ war. Die Supermächte und ihre Blöcke versuchten vor allem, „einen politischen, wirtschaftlichen oder militärisch-geostrategischen Vorteil gegenüber der anderen Seite zu erringen“[11], indem sie sich die Gunst der Empfängerländer mit finanziellen und materiellen Zuwendungen sicherten.

Immer wieder betonte Truman während seiner Rede, welchen Ländern er Hilfe zusicherte: freien Ländern, die sich an der Friedenssicherung beteiligten. Nur im Kontext des Kalten Krieges ist auch der folgende Satz von Trumans Rede zu verstehen: "I believe that we should make available to peace-loving peoples the benefits of our store of technical knowledge in order to help them realize their aspirations for a better life"[12]. Mit peace-loving peoples bezog er sich auf die nicht-kommunistischen Länder. Das Gleiche spielte sich jedoch auch auf der gegnerischen Seite ab. Das Äquivalent zur Truman-Rede war die Schdanow-Rede von 1947. Der „Chefideologe“ Stalins erklärte, dass die UdSSR alle Länder, „in denen kommunistisch geführte Widerstandsgruppen tätig seien“[13], unterstützen würde. Damit gab er die Richtung für die Entwicklungspolitik seines Landes vor.

Durch diese Abhängigkeit der Entwicklungshilfe von der Weltordnung im Kalten Krieg war folgerichtig auch die Teilnahme der Entwicklungsländer an der Weltwirtschaft von der damaligen Weltordnung abhängig – sie wurde praktisch von den Blöcken des Kalten Krieges kontrolliert. So wurden vor allem die Länder gefördert und unterstützt, die über große Mengen an Roh-stoffen oder eine für den Kalten Krieg nützliche strategische Position verfügten.[14]

Trotz aller Kritik an der Abhängigkeit der Entwicklungshilfe vom Kalten Krieg und vieler unerfüllter Erwartungen gab es dank der Entwicklungshilfe einige Fortschritte in den Empfängerländern zu verzeichnen. So konnte zum Beispiel der Analphabetismus in den Entwicklungsländern bis Mitte der 80er Jahre um rund ein Drittel gesenkt werden, während sich die Lebenserwartung um fast ein Drittel erhöht hatte.[15]

2.1.2. Geschichte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche Entwicklungspolitik wird vom BMZ, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, gelenkt. Doch schon vor der Gründung des Ministeriums 1961 war Deutschland in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. 1952 leistete die Bundesrepublik erstmals einen finanziellen Beitrag zum "Erweiterten Beistandsprogramm der Vereinten Nationen"[16]. Vier Jahre später wurde zum ersten Mal ein Fonds in Höhe von 50 Millionen DM für die Entwicklungszusammenarbeit eingerichtet.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung internationaler Entwicklungszusammenarbeit wurde die Verantwortung für dieses politische Feld, welche bis dahin auf mehrere Ministerien und Abteilungen verteilt gewesen war, gebündelt und dem neu gegründeten BMZ, das bis 1993 nur Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit hieß, übertragen. In den ersten beiden Jahrzehnten konzentrierte sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, wie es international üblich war, darauf, das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern zu fördern. Diese Strategie änderte man jedoch Ende der 60er Jahre und versuchte zusehends, durch soziale und strukturelle Projekte direkt die Lebensqualität in diesen Ländern zu verbessern.[17]

Die 70er und 80er Jahre waren von den Ölkrisen und der darauf folgenden globalen Rezession geprägt. Die Folge war, dass die Unterschiede zwischen den armen und den reichen Ländern immer größer wurden und die Unterstützung der ärmsten Länder an Bedeutung für die Entwicklungspolitik gewann. Durch weitere Wirtschaftskrisen, dem Verfall von Rohstoff- preisen, der Ausbreitung von HIV/AIDS, wachsendem Drogenhandel, der Umweltzerstörung und der zunehmenden Verschuldung vieler Entwicklungs-länder kam es zu einem Umdenken in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Es setzte immer mehr ein Globalisierungsgedanke ein und es entstand das Bewusstsein, dass alle Veränderungen und Entwicklungen weltweit voneinander abhängig sind. Gleichzeitig rückte man von der Praktik ab, den Empfängerländern Entwicklungsziele vorzuschreiben.[18]

In den 90er Jahren führten das Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung Deutschlands erneut zu einer Veränderung der Entwicklungspolitik. Zum einen wurde die Entwicklungspolitik der DDR berücksichtigt und zum anderen hatte sich die Idee einer globalisierten Welt durchgesetzt. Außerdem wurde nun mehr Wert darauf gelegt, dass die Partnerländer die Menschenrechte und demokratische Prinzipien beachteten.[19]

Heute wird die Entwicklungspolitik vor allem als Struktur- und Friedenspolitik verstanden. Zurzeit wird die deutsche Entwicklungspolitik im Rahmen des Aktionsprogramms 2015 durchgeführt.[20] Dieses Programm wurde vom BMZ entwickelt, damit die Bundesrepublik dazu beitragen kann, dass die internationalen Ziele, die in der Millenniumserklärung, im Monterrey Konsensus und im Aktionsplan von Johannesburg genannt werden, erreicht werden.[21] Auf die internationalen Gemeinschaftsziele und die Schwerpunkte deutscher Entwicklungspolitik wird im nächsten Abschnitt eingegangen.

2.2. Ziele und Maßnahmen

Entwicklungspolitik wird heutzutage – ganz im Sinne der Globalisierung – nur noch im Rahmen internationaler Vereinbarungen betrieben. So richtet sich auch die deutsche Entwicklungspolitik an der internationalen Entwicklungspolitik aus. Für diese wiederum hat man mit der Millenniumserklärung und den dazugehörigen Vereinbarungen einen angemessenen Bezugsrahmen gefunden.

2.2.1. Millenniumserklärung und internationale Gemeinschaftsziele

Beim bis dahin größten Gipfeltreffen der Vereinten Nationen im September 2000 wurde die Millenniumserklärung verabschiedet. Sie ist der wichtigste Bestandteil der internationalen Gemeinschaftsziele der Entwicklungszusammenarbeit. Hierzu gehören jedoch auch, wie oben schon erwähnt, der Monterrey Konsensus und der Aktionsplan von Johannesburg.

Aus der Millenniumserklärung wurden folgende acht Ziele abgeleitet, die gemeinsam von der internationalen Gemeinschaft erreicht werden sollen:[22]

1. den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren
2. allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen
3. die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken
4. die Kindersterblichkeit verringern
5. die Gesundheit der Mütter verbessern
6. HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
7. den Schutz der Umwelt verbessern
8. eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen[23]

Diese Ziele wurden durch insgesamt 21 Zielvorgaben und 60 Indikatoren konkretisiert, welche in erster Linie helfen sollen, die Fortschritte messbar zu machen. So lautet zum Beispiel die genaue Zielvorgabe für das vierte Ziel: „Zwischen 1990 und 2015 die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel senken“[24]. Die dazugehörigen Indikatoren zur Messung der Fortschritte sind die „Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren“, die „Säuglingssterblichkeitsrate“ und der „Anteil der Einjährigen, die gegen Masern geimpft wurden“.[25]

Dadurch, dass die Millenniumsziele von den Entwicklungs- und Industrieländern weltweit gemeinsam entwickelt wurden und sie einen überprüfbaren, globalen Rahmen für die internationale Entwicklungszusammenarbeit darstellen, bieten sie eine große Chance hinsichtlich der weltweiten Bemühungen, die Lebensqualität aller Menschen in Not zu verbessern. Darüber hinaus geschieht dies unter Berücksichtigung der Umwelt. Um diesen Punkt zu betonen und weiterzuentwickeln, wurde im Jahr 2002 der Aktionsplan von Johannesburg von der internationalen Gemeinschaft verabschiedet.[26] Dabei wurde vereinbart, die „sich gegenseitig stützenden Säulen der nachhaltigen Entwicklung – wirtschaftliche Entwicklung, soziale Entwicklung und Umweltschutz – auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene auszubauen und zu festigen"[27]. Der Plan umfasst sieben Punkte, in denen es um den Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Steigerung erneuerbarer Energien, das Klimaschutz-Protokoll von Kyoto, den Abbau von umweltschädlichen Subventionen, das Artensterben, den Verlust von natürlichen Ressourcen und die negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur bei der Produktion und den Gebrauch von Chemikalien geht.[28]

Um die Finanzierung der internationalen Gemeinschaftsziele hat sich die internationale Gemeinschaft im selben Jahr im mexikanischen Monterrey Gedanken gemacht. „In Monterrey haben sich Entwicklungs- und Industrieländer zum ersten Mal mit allen denkbaren Finanzierungsquellen der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt.“[29] Das Ergebnis ist der Monterrey-Konsensus, welcher ebenfalls sieben Punkte umfasst. Unter anderem hat man sich darauf geeinigt, dass in den Entwicklungsländern mehr Haushaltsmittel mobilisiert werden sollen, dass ausländische Direktinvestitionen die Wirtschaft in den Entwicklungsländern stärken sollen und dass bei der Reform der internationalen Handels- und Finanzarchitektur die Interessen von Entwicklungsländern berücksichtigt werden sollen.

2.2.2. Schwerpunkte deutscher Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, „an der Verwirklichung der Ziele, die in der Millenniumserklärung, im Monterrey Konsensus und im Aktionsplan von Johannesburg genannt werden, aktiv mitzuwirken.“[30] Die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik muss sich an diesen Beschlüssen orientieren, weshalb im Jahr 2001 das Aktionsprogramm 2015 beschlossen wurde, welches 10 Punkte umfasst:

1. Wirtschaftliche Dynamik und aktive Teilhabe der Armen erhöhen
2. Das Recht auf Nahrung verwirklichen und Agrarreformen durchführen
3. Faire Handelschancen für die Entwicklungsländer schaffen
4. Verschuldung abbauen und Entwicklung finanzieren
5. Soziale Grunddienste gewährleisten und soziale Sicherheit stärken
6. Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen sichern und eine intakte Umwelt fördern
7. Alle Menschenrechte verwirklichen und die Kernarbeitsnormen respektieren
8. Die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern
9. Die Beteiligung der Armen am gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben sichern und verantwortungsvolle Regierungsführung stärken
10. Konflikte friedlich austragen und menschliche Sicherheit und Abrüstung fördern[31]

Dieses Programm stellt die heutige Grundlage für die deutsche Entwicklungspolitik dar, wobei neue globale Herausforderungen wie der Klimaschutz oder die Nahrungsmittel- und Finanzkrise die stetige Konkretisierung und Erweiterung erfordern, um den Plan laufend an aktuelle Erfordernisse anzupassen. Beispiele dafür sind der Menschenrechtsaktionsplan, der im März 2008 von der Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul vorgestellt wurde, die Beschlüsse von Heiligendamm beim G8-Gipfel im Jahr 2007 und der Operationsplan zur Umsetzung des Accra Aktionsplans, welcher im März 2009 vom BMZ beschlossen wurde.[32]

Außerdem hat die deutsche Entwicklungspolitik ihre eigenen vier Leitmotive: Die deutsche Entwicklungshilfe soll dazu beitragen, „die weltweite Armut zu bekämpfen, den Frieden zu sichern und Demokratie zu fördern, die Globalisierung gerecht zu gestalten und die Umwelt und das Klima zu schützen.“[33]

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bundesrepublik mit ihrer Entwicklungspolitik große und lobenswerte Ziele verfolgt. Für große Ziele benötigt man aber auch ausreichende finanzielle Mittel. Im Haushaltsjahr 2009 steht dem BMZ ein Budget von 5,8 Milliarden Euro für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung, was eine Steigerung von gut 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Bis zum Jahr 2015 wird es noch weitere Steigerungen im Budget für Entwicklungshilfe geben, da sich die Mitgliedsstaaten der EU verpflichtet haben, bis zum Jahr 2015 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen; zur Zeit liegt das Budget in Deutschland bei ca. 0,4 Prozent des Bruttonationaleinkommens.[34]

2.3. Wirkung und Kritik

Die internationale Entwicklungspolitik kann dank der Ausrichtung an der Millenniumserklärung einige Erfolge aufweisen. Dennoch ist es sehr ungewiss, ob die Ziele bis zur angestrebten Frist im Jahr 2015 vollständig erreicht werden können. Immerhin ist die Zahl der Menschen, die mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen müssen, auf unter eine Milliarde gesunken, während im Jahr 1990 – bei einer deutlich geringeren Weltbevölkerung – noch 1,24 Milliarden Menschen unter derart schrecklichen und aussichtslosen finanziellen Bedingungen lebten. Zudem ist die Zahl der Kinder, die in Afrika eine Schule besuchen können, seit dem Jahr 2000 um 29 Millionen gestiegen. Auch die Trinkwasserversorgung hat sich weltweit deutlich verbessert.[35] Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es sich im Allgemeinen als sehr schwer darstellt, positive Entwicklungen in der sogenannten Dritten Welt der Arbeit der internationalen Entwicklungshilfe zuzuschreiben.

[...]


[1] Vgl. FAO (1), 4

[2] Vgl. FAO (2)

[3] Vgl. DIE

[4] Vgl. FAO (1), 11

[5] BMZ (1)

[6] Vgl. BMZ (1)

[7] Vgl. Worsley 30

[8] Vgl. Esteva, 6

[9] Encyclopædia Britannica

[10] Vgl. Esteva, 6

[11] Stöver 314

[12] Rist, 71

[13] Stöver, 319

[14] Vgl. Stöver, 318 f.

[15] Vgl. Stöver, 326 f.

[16] BMZ (3)

[17] Vgl. BMZ (3)

[18] Vgl. BMZ (3)

[19] Vgl. BMZ (3)

[20] Vgl. BMZ (3)

[21] Vgl. BMZ (4)

[22] Vgl. BMZ (5)

[23] BMZ (5)

[24] BMZ (20)

[25] BMZ (20)

[26] Vgl. BMZ (6)

[27] Vereinte Nationen, 1

[28] Vgl. BMZ (6)

[29] BMZ (7)

[30] BMZ (4)

[31] BMZ (4)

[32] Vgl. BMZ (4)

[33] BMZ (2)

[34] Vgl. BMZ (8)

[35] Vgl. Wieczorek-Zeul, 6

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung deutscher Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und in Bezug auf Lateinamerika
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (FASK Germersheim)
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
52
Katalognummer
V147647
ISBN (eBook)
9783640584840
ISBN (Buch)
9783640584659
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Entwicklungszusammenarbeit, Beispiel, Deutschen, Gesellschaft, Technische, Zusammenarbeit, Bezug, Lateinamerika
Arbeit zitieren
Michael Kofler (Autor), 2009, Die Bedeutung deutscher Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und in Bezug auf Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147647

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