„Er wird in didaktischer Hinsicht darauf zu achten haben, daß durch seine ästhetische Auf-fassung der strenge grammatikalische Gesichtspunkt nicht beeinträchtigt werde […] Er würde aber noch manche Lücke in der deutschen Literaturgeschichte und Grammatik aus-zufüllen haben, wenn er den deutschen Unterricht für alle Klassen übernehmen sollte.“
Dieses Worturteil vermerkte der Prüfungsausschuss im Examensprotokoll von Konrad Duden, dem Autor des wohl bekanntesten Nachschlagewerkes für Rechtschreibung in Deutschland. Jede Schülerin und jeder Schüler kennt das Buch und den Namen, aber wer war eigentlich Konrad Duden und welchen Einfluss hatte er auf die Entwicklung der deutschen Sprache, dass gerade sein Name den Titel eines Werkes ziert, das heute noch Leitfaden für den richtigen Schreibgebrauch ist. Welche Leistung vollbrachte er im Dienste der deutschen Orthografie und warum engagierte er sich so sehr für sie? Die Arbeit wird versuchen, den Beitrag Konrad Dudens zur Konstituierung der deutschen Orthografie herauszustellen. Zuerst wird es darum gehen, einen Abriss der Biografie Dudens bis zu dem Zeitpunkt zu geben, an dem er aktiv in die Geschichte der deutschen Orthografie eingreift. Daran anschließend werden zunächst die Grundlagen und Ziele seiner Arbeit dargestellt, bevor genauer auf seine Ausgangsschrift „Die Deutsche Rechtschreibung“ von 1872 eingegangen wird. Im Folgenden wird es dann darum gehen, die Beteiligung Dudens an wichtigen Etappen der Herausbildung einer einheit-lichen Orthografie im 19. Jahrhundert darzustellen. Es soll zunächst die I. Ortho-graphische Konferenz von 1876 beleuchtet werden. Genauer der Anlass, der Einfluss Konrad Dudens und das Ergebnis. Im weiteren Verlauf wird es dann darum gehen, Dudens „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch“ aus dem Jahr 1880 genauer zu betrachten und abschließend die II. Orthografische Konferenz von 1901 in den Blick zu nehmen. Alle Punkte stehen dabei unter der Prämisse, den Beitrag Konrad Dudens zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung herauszustellen.
Die vorliegende Arbeit ist im WS 2008/09 im Zuge des Hauptseminars „Die Ortho-grafie des Deutschen – Theorie und Praxis“ unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Schiewe entstanden. Der sprachgeschichtliche Aspekt, unter den die Arbeit fällt, war die Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit der deutschen Orthografie bis in die aktuelle Gegenwart.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konrad Duden
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Studium und Lehrertätigkeit
3. Duden und die Orthografie
3.1 Dudens Grundlagen
3.2 Dudens Ziele
3.3 „Die Deutsche Rechtschreibung“ von 1872
4. Konrad Duden und die I. Orthographische Konferenz 1876
4.1 Anlass und Grundlage der Konferenz
4.2 Dudens Mitwirkung an der Konferenz
4.3 Ergebnis der Konferenz
5. „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ 1880
5.1 Entstehung
5.2 Wirkungsgrad des Buches
6. Duden und die II. Orthographische Konferenz 1901
6.1 Anlass und Grundlage der Konferenz
6.2 Dudens Mitwirkung an der Konferenz
6.3 Ergebnis der Konferenz
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den maßgeblichen Beitrag von Konrad Duden zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung im 19. Jahrhundert. Im Zentrum steht die Analyse, wie Duden durch seine pädagogische Tätigkeit, seine theoretischen Schriften und sein engagement auf den orthographischen Konferenzen von 1876 und 1901 die Normierung der deutschen Sprache maßgeblich beeinflusste und den Grundstein für ein einheitliches Nachschlagewerk legte.
- Biografische Entwicklung von Konrad Duden bis zu seinem Wirken als Reformer
- Orthographietheoretische Grundlagen und Dudens Zielsetzung einer einheitlichen Rechtschreibung
- Die Rolle der I. Orthographischen Konferenz 1876 als gescheiterter erster Anlauf
- Die Entstehung und Bedeutung des „Vollständigen Orthographischen Wörterbuchs“ von 1880
- Die II. Orthographische Konferenz 1901 und die Etablierung einer reichsweiten Norm
Auszug aus dem Buch
3.1 Dudens Grundlagen
Als Konrad Duden begann, sich genauer der deutschen Orthografie zu widmen, gab es in Deutschland eine an der Aussprache orientierte Rechtschreibung, die Rudolf von Raumer als eine „in den meisten Punkten übereinstimmende“ bezeichnete. Diese Rechtschreibung war allerdings noch nicht einheitlich und verbindlich geregelt, wodurch es zu zahlreichen Schwankungen in der Anwendung kam. Sein orthografietheoretisches Konzept hatte Konrad Duden vor allem von Rudolf von Raumer übernommen. Dessen Grundsatz lautete: „Bringe deine Schrift und deine Aussprache in Übereinstimmung“ und er entwickelte damit die Grundposition für die sogenannte phonetische Richtung. Duden stützte sich damit auf eine bereits teilweise bekannte Grundlage und konnte dadurch von einem gewissen Grundstock an Wissen ausgehen. Für Duden standen somit Aussprache und Rechtschreibung in einem engen Zusammenhang. Das Hauptinteresse Rudolfs von Raumers galt der Erarbeitung von Grundsätzen für eine einheitliche Orthografie. Sein erklärtes Ziel lag darin, sich um die Belange der sprachwissenschaftlichen Praxis zu kümmern und sein orthografisches Ideal bestand in einer historisch fundierten, möglichst genauen Wiedergabe der gesprochenen Laute durch die Schreibung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Motivation der Arbeit, den Einfluss von Konrad Duden auf die Entwicklung der deutschen Rechtschreibung durch eine biografische und fachliche Untersuchung herauszustellen.
2. Konrad Duden: Dieses Kapitel behandelt die Kindheit, Jugend sowie das Studium und den Werdegang Dudens bis zum Beginn seiner intensiven Beschäftigung mit der Rechtschreibreform.
3. Duden und die Orthografie: Hier werden die theoretischen Wurzeln Dudens, insbesondere der Einfluss von Rudolf von Raumer, sowie Dudens eigene Zielsetzungen und seine frühe Publikation von 1872 analysiert.
4. Konrad Duden und die I. Orthographische Konferenz 1876: Das Kapitel dokumentiert den Anlass, Dudens aktive Rolle und das letztliche Scheitern der ersten Konferenz aufgrund öffentlichen Widerstands.
5. „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ 1880: Hier wird die Entstehung des Wörterbuchs als Instrument der Einigung und dessen Wirkungskraft trotz fehlender offizieller staatlicher Anerkennung dargelegt.
6. Duden und die II. Orthographische Konferenz 1901: Dieser Abschnitt beschreibt die finale Konferenz, die zur reichsweiten Festlegung einer einheitlichen Rechtschreibung führte, und Dudens Rolle als Protokollant und Umsetzer.
7. Schluss: Das Fazit fasst die zentrale Rolle Dudens als Vermittler zwischen Theorie und Praxis zusammen und würdigt seinen Beitrag zur Konstituierung der modernen deutschen Schriftsprache.
Schlüsselwörter
Konrad Duden, deutsche Rechtschreibung, Orthographie, Reform, Rechtschreibkonferenz, Normierung, Sprachgeschichte, Schreibung, Wörterbuch, phonetisches Prinzip, Vereinheitlichung, Pädagogik, 19. Jahrhundert, Schulorthographie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle von Konrad Duden bei der Konstituierung und Vereinheitlichung der deutschen Orthographie im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die biografischen Grundlagen Dudens, die theoretischen Konzepte der Rechtschreibung seiner Zeit, die beiden großen Orthographischen Konferenzen (1876 und 1901) sowie die Entwicklung seines wegweisenden Wörterbuches.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Duden durch kontinuierliches Engagement und die Vermittlung seiner Reformansichten in die Praxis den Prozess der sprachlichen Einigung in Deutschland maßgeblich vorangetrieben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-sprachwissenschaftliche Arbeit, die primär auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Protokolle und Dudens eigener Schriften basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden Dudens theoretische Konzepte, seine aktive Teilnahme an den Konferenzen in Berlin sowie die Genese und Akzeptanz seiner Wörterbücher detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind: Rechtschreibreform, orthographische Konferenz, Vereinheitlichung, phonetisches Prinzip, Schulorthographie und Normierung.
Warum wird die Konferenz von 1876 als "gescheitert" bezeichnet?
Obwohl fachliche Einigungen erzielt wurden, verhinderten eine massive Pressekampagne und politischer Druck die Einführung der Beschlüsse, weshalb sie in der Praxis zunächst nicht umgesetzt werden konnten.
Welche Rolle spielte das "Vollständige Orthographische Wörterbuch" von 1880?
Es diente als praktisches Hilfsmittel für die Allgemeinheit und ermöglichte durch den breiten Erfolg des Buches die schrittweise Etablierung einer einheitlichen Schreibung, auch ohne offizielle staatliche Vorgabe durch das Bismarck-Reich.
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- Harald Kocks (Author), 2009, Konrad Duden und sein Beitrag zur Konstituierung der deutschen Orthografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147648