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"Vom Volk für das Volk"

Die Utopie sozialistischer Architektur am Beispiel der Stalinallee

Title: "Vom Volk für das Volk"

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Katharina Hoffmann (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Die Karl-Marx-Alle, vormals Stalinallee, davor Große Frankfurter Straße genannt, ist heute die imposanteste Allee in Berlin, nicht nur Ost-Berlins. Das Besondere der Straße ist deutlich im Vergleich mit anderen großen Straßenzügen in West- und Osteuropa zu erkennen. Die Westberliner Architektur wirkt kleinstädtisch im Gegensatz zu dem Stolz und der Siegesgewissheit der Anfangsjahre des Sozialismus, den die Allee ausstrahlt. In der Literatur zu sozialistischer Architektur beziehungsweise DDR- Architektur ist die Stalinallee ein häufig behandeltes Thema, das Historiker und Architekten von damals wie heute beschäftigt.
Es sind vor allem die Ausmaße der Magistrale, die die Stalinallee zum Vorbild und Sinnbild der sozialistischen Architektur machten. Eine Straßenbebauung von sieben- bis neungeschossigen Wohngebäuden mit homogenen Fassaden auf 1,8 Kilometer Länge, zwischen Straußberger Platz und Frankfurter Tor, dazu die schalenförmige Randbebauung am Straußberger Platz mit Punkthäusern von bis zu dreizehn Geschossen. Und das alles wurde in nur zweijähriger Bauzeit unter der Beteiligung des Ostberliner Bevölkerung errichtet.
Es ist auch die Idee des Neuen, die Neuformung der Gesellschaft, die dank der Restaurierung und des Denkmalschutzes wieder lebendig wurde.
Die sozialistische Ideologie, die in der Sowjetunion so großes geschaffen hatte, sollte auch in Ostdeutschland ihre Spuren hinterlassen. Nach dem Ende des Dritten Reiches und den Jahren von Tod und Zerstörung war eine neue gemeinsame Perspektive das, was die Berliner zu einem solchen Projekt bewegte. Die rasche Fertigstellung der Magistrale sollte gleichzeitig den weiteren Weg des Sozialismus aufzeigen. „Die Vorzüge des Lebens im Sozialismus“ waren hervorzuheben. Insofern ist die Stalinallee als Propagandabau zu verstehen.
Der Stalinallee ließ auch die Westmächte nicht unbeeindruckt. Die West-Berliner Stadtpolitik geriet in Zugzwang. Im zerstörten Deutschland wurde im Osten wie im Westen um die Überlegenheit einer Ideologie über die andere gekämpft. Wie in anderen Bereichen des täglichen Lebens, war besonders in den Fünfziger Jahren die Architektur ein Mittel des Machtgebahres der Besatzungsmächte.
In der folgenden Arbeit möchte ich die Entstehung der Stalinallee von der Ausfallstraße Richtung Frankfurt/Oder zur Repräsentation des Sozialismus und der DDR betrachten und dabei darstellen, inwiefern das Konzept des Baus „Vom Volk für das Volk“ tatsächlich umgesetzt wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Hauptteil

II.1. Aufbau

II.1.1. Die Große Frankfurter Straße bis zum Zweiten Weltkrieg

II.1.2. Erst Neubebauung und Entstehung des Ausbaugesetzes

II.1.3. Planung der Neubebauung

II.1.4. Aufbau

II.2.Symbolik und Propaganda

II.2.1. „Vom Volk für das Volk“

II.2.2. Wirkung auf den Westen

II.2.3. Leben in der Stalinallee

II.2.4. Konsum und Vergnügen

III. Schluss

IV. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung der Stalinallee in Berlin als zentrales Projekt zur Repräsentation sozialistischer Architektur und Ideologie in der DDR. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit das propagierte Konzept „Vom Volk für das Volk“ in der praktischen Umsetzung sowie im Alltag der Bewohner tatsächlich realisiert wurde.

  • Historische Entwicklung der Magistrale von der Vorkriegszeit bis zum Aufbauprojekt
  • Einfluss sowjetischer Architekturvorgaben und die Rolle der 16 Grundsätze des Städtebaus
  • Finanzierung und Mobilisierung der Bevölkerung durch nationale Aufbauprogramme
  • Symbolik der Stalinallee als politisches Instrument im Kalten Krieg
  • Alltagsleben der Erstbewohner im Spannungsfeld zwischen sozialistischer Utopie und Realität

Auszug aus dem Buch

II.2.3. Leben in der Stalinallee

Die ersten Bewohner zogen im Januar 1953 in die neuen Wohnungen. Währenddessen wurde noch gebaut und die Straße war voll von Bauschutt. In die Stalinallee zogen dem Versprechen der DDR Führung entsprechend tatsächlich Arbeiter und Professoren nebeneinander ein. Das hatte es zuvor noch nicht gegeben. Und auch später in der DDR sollte es das so nicht mehr geben. Diese in ihrem Status nach gleichen Menschen lebten in modernen Häusern, deren Äußeres jeder traditionellen Herrschaftsarchitektur entsprach. Über diesen Widerspruch wird bis heute diskutiert: es heißt, die Bewohner „sollten sich über die Architektur in ihrer Rolle, an der neuen gesellschaftlichen Herrschaft mitzuwirken, dargestellt sehen.“50 Unklar ist, ob die Bewohner sich dessen bewusst waren, oder ob sie sich überhaupt des Widerspruch der gleichen Gesellschaft in den Herrenhäusern bewusst waren. Irene Henselmann, Ehefrau des Architekten Hermann Henselmann (1905-1995) erzählte in einem Interview, dass die linken Architekten schockiert gewesen seien, dass ihre modernen Entwürfe abgelehnt wurden und stattdessen für die Arbeiter Häuser im Stile des Großbürgertums gebaut wurden.51

Die Wohnungen empfanden die Bewohner als Luxus. Sie waren großzügig geschnitten und modern eingerichtet. Sie verfügten über separate Badezimmer und die Häuser waren mit Fahrzügen ausgestattet. Zusätzlich hatten Küche und Badezimmer Einbaumöbel, die Wohnungen verfügten über Fernwärme. Die Miete war subventioniert und betrug 0,90 Ostmark, ohne Rücksicht auf die Baukosten. Erstbewohner, die ihre Wohnungen neu eingerichtet hatten und diese zur Besichtigung zur Verfügung stellten, wurden von der SED mit Kleinigkeiten entlohnt. Wolgang Ribbe sieht hierbei eine deutliche Diskrepanz zwischen dem hochherrschaftlichen Bauen für Arbeiter und den Realitäten des täglichen Lebens. Die Menschen allerdings empfanden dies nicht so, sie glaubten, wie es ihnen die Partei versprach, an die Zukunft des neuen sozialistischen Deutschlands. Und diese Zukunft konnten sie 1953 in manchen Wohnungen bereits besichtigen.52

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die architektonische Sonderstellung der ehemaligen Stalinallee und definiert den Forschungsansatz, der die Straße als Propagandabau und Mittel der ideologischen Repräsentation betrachtet.

II. Hauptteil: Dieser Abschnitt unterteilt sich in die Analyse der baulichen Genese unter Berücksichtigung der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sowie der nachfolgenden Untersuchung von Symbolik, Propaganda und der Lebensrealität der Bewohner.

II.1. Aufbau: Dieses Kapitel behandelt den historischen Wandel der Großen Frankfurter Straße, die Einführung der sozialistischen Bauprinzipien, die Planung der Neubebauung und den organisatorischen Prozess des Aufbaus.

II.1.1. Die Große Frankfurter Straße bis zum Zweiten Weltkrieg: Darstellung der städtebaulichen Situation vor dem Krieg, geprägt durch enge Hinterhofbebauung und ihre Zerstörung.

II.1.2. Erst Neubebauung und Entstehung des Ausbaugesetzes: Erörterung der ersten Planungen, der Rolle der DDR-Gründung und der Hinwendung zum sowjetischen Modell des Städtebaus.

II.1.3. Planung der Neubebauung: Analyse der Arbeit der Deutschen Bauakademie und der architektonischen Leitlinien wie Symmetrie und Monumentalität.

II.1.4. Aufbau: Beschreibung der Finanzierung durch Lotterien und der aktiven Einbindung der Bevölkerung in Form von freiwilligen Arbeitsschichten.

II.2.Symbolik und Propaganda: Untersuchung der Stalinallee als ideologisches Instrument der SED zur Darstellung des „neuen Menschen“ und des Sozialismus.

II.2.1. „Vom Volk für das Volk“: Analyse des Propagandakonzepts, der Sowjetisierung der Architektur und des Zuckerbäckerstils.

II.2.2. Wirkung auf den Westen: Vergleich mit westlichen Bauvorhaben wie der Ernst-Reuter-Siedlung und dem Hansaviertel als architektonische Gegenreaktionen.

II.2.3. Leben in der Stalinallee: Beschreibung der Wohnbedingungen für die Erstbewohner und das Spannungsfeld zwischen modernem Wohnkomfort und politischer Kontrolle.

II.2.4. Konsum und Vergnügen: Auswertung der nicht erreichten Ziele einer funktionalen Einkaufsstraße und der Rolle kultureller Einrichtungen wie Kinos und Cafés.

III. Schluss: Fazit über das Scheitern der Planungsvorgaben bei gleichzeitigem Entstehen einer eigenen Lebensart und dem heutigen Kultstatus der Straße.

IV. Literatur: Auflistung der verwendeten Monographien, Aufsätze und Quellen.

Schlüsselwörter

Stalinallee, Sozialistische Architektur, DDR-Geschichte, Städtebau, Propaganda, Aufbaugesetz, Architektur, Berlin, Wohnungsbau, Sozialismus, Repräsentation, 16 Grundsätze, Stadtplanung, Kulturgeschichte, Kalter Krieg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Entstehung und Bedeutung der Stalinallee in Berlin als architektonisches und politisches Projekt der DDR in den 1950er Jahren.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Im Fokus stehen die städtebauliche Historie, die ideologische Symbolik, die Mobilisierung der Bevölkerung durch Propaganda sowie die Wohnrealität der Erstbewohner.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Autorin möchte aufzeigen, inwiefern das propagierte Konzept „Vom Volk für das Volk“ in der Realität der Bebauung und des Alltagslebens tatsächlich umgesetzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische und soziologische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung zeitgenössischer Dokumente und Zeitzeugenaussagen basiert.

Was wird im Hauptteil der Publikation behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Baugeschichte, die architektonischen Richtlinien, die symbolische Funktion im Kalten Krieg sowie eine Analyse des Konsum- und Alltagsverhaltens in der Stalinallee.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Stalinallee, sozialistische Architektur, Propaganda, DDR-Geschichte und Städtebau bestimmt.

Wie reagierte der Westen auf den Bau der Stalinallee?

Die West-Berliner Stadtpolitik sah sich unter Zugzwang und antwortete mit eigenen Projekten wie der Ernst-Reuter-Siedlung und dem Hansaviertel, um architektonische Überlegenheit zu demonstrieren.

Was bedeutet der Begriff „Zuckerbäckerstil“ in diesem Kontext?

Es handelt sich um eine sowjetisch geprägte Interpretation des Klassizismus, die sich durch monumentale Fassaden, Symmetrie und dekorative Elemente wie Reliefs auszeichnete.

Inwieweit lässt sich das Leben in der Stalinallee als kontrolliert beschreiben?

Die Hausgemeinschaften dienten der SED-Führung als Instrumente der Kontrolle, beispielsweise durch die Aufforderung zur geschlossenen Teilnahme an Wahlen oder durch politische Appelle über Haussprechanlagen.

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Details

Title
"Vom Volk für das Volk"
Subtitle
Die Utopie sozialistischer Architektur am Beispiel der Stalinallee
College
University of Constance
Course
Hauptseminar: Die sozialistische Stadt
Grade
2,0
Author
Katharina Hoffmann (Author)
Publication Year
2009
Pages
17
Catalog Number
V147701
ISBN (eBook)
9783640585373
ISBN (Book)
9783640585502
Language
German
Tags
Architektur Sozialismus Stalinallee Frankfurter Allee Ostberlin Kalter Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Hoffmann (Author), 2009, "Vom Volk für das Volk", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147701
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