Wie Hobbes seine Vertragstheorie in mehreren Anläufen entwickelt hat, Naturzustand, Vertragsschluss und Staat, so wird diese Arbeit auch die Dreischritt-Methode vornehmen, um vollständig in das Absolutismus-Konzept zu münden. Im ersten Kapitel werde ich den Übergang vom Naturzustand zum staatlichen Zustand erläutern, das heißt Hobbesche Anthropologie aufzuzeigen, wie der Mensch an sich ist, wie er sich zu Seinesgleichen verhält, ob er fähig ist einen Staat zu gründen und welche Gründe ihn dazu motivieren könnten. Danach wird die Mündung in den Staat durch den Gesellschaftsvertrag erklärt, seine Bildung und seine Funktion, die dann in mein Hauptthema, dem somit autorisierten "Staat", kommt. In diesem Hauptpunkt wird vor allem der Leviathan, sein Mythos und Absolutismus analysiert. Im letzten Kapitel werden die Grenzen des Leviathans verdeutlicht, das heißt wie absolut der Hobbesche Staat wirklich ist.
Der englische Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679), einer der wichtigsten Staatsdenker der Neuzeit und der Begründer des klassischen Kontraktualismus, machte einen revolutionären Schritt in die Weiterentwicklung der politischen Philosophie. So konnte er ein theoretisches Konzept des Gesellschaftsvertrages begründen, das durch naturwissenschaftliche Methoden beeinflusst war und es auf das Bereich der Politik übertragen, was schon die vorchristlichen Sophisten versucht haben, nämlich eine Vergesellschaftung der Menschen unter einer gesetzlichen Ordnung.
Hobbes löste somit die traditionell- klassische Antike Philosophie allen voran, den Aristotelismus und den Begriff des "zoon politikon", das heißt der Mensch ist von Natur aus ein politisches Wesen, der sich in der Polis selbst verwirklichen kann, ideologisch wie moralisch. Jetzt wird das politisch-philosophische Paradigma zum Primat des Einzelnen vor dem Ganzen umgedreht. Er begründete so einen individualistischen Gesellschaftsvertrag und bildete einen Gegenentwurf zum integrierten Gemeinschaftsmenschen der Antike. Für ihn spielte nicht die Qualität des Staates eine Rolle, wie für Aristoteles, sondern lediglich seine Legitimation durch einen vertraglichen Zusammenschluss der Individuen für ein stabiles Ordnungsstaat gegenüber einem Ordnungszerfall (Anarchie). Sein Gesellschaftsvertrag ist ein kontraktualistisch fundierter etatistischer (staatlicher) Absolutismus.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Vom rechtlosen zum staatlichen Zustand
1.1. Der Naturzustand
1.2. Der Vertragsschluss
2. Der absolutistische Staat
2.1. Das Bild des Leviathan
2.2. Die Rechte und Pflichten des Leviathan
3. Die Grenzen des Absolutismus
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das politische Konzept von Thomas Hobbes, insbesondere sein Modell des absolutistischen Leviathan-Staates, welches als Antwort auf den anarchischen Naturzustand und die menschlichen Leidenschaften konzipiert ist. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Legitimation, die absolute Machtfülle des Souveräns sowie die Grenzen seines Wirkens innerhalb des kontraktualistischen Staatsmodells.
- Die Analyse der pessimistischen Anthropologie bei Thomas Hobbes
- Die Transformation vom rechtlosen Naturzustand zum staatlichen Vertragsmodell
- Die detaillierte Untersuchung der Rechte und Pflichten des absoluten Souveräns
- Die kritische Erörterung möglicher Grenzen und Widersprüche im Absolutismus-Konzept
Auszug aus dem Buch
1.1. Der Naturzustand
Als Gegenthese des Aristotelismus unterstellt Hobbes, dass der Mensch kein geselliges Wesen ist, sondern ein gieriges Tier, das bloß auf seinen Vorteil bedacht ist und durch Begierde und Leidenschaft (Neid, Hass) bewegt wird, was der pessimistischen Anthropologie von Hobbes entspricht. Er konstruiert daher im berühmten 13. Kapitel des „Leviathan“ einen vorstaatlichen Zustand, nämlich den Naturzustand. In diesem isolierten und asozialen Zustand sind die Menschen unter sich potenzielle Feinde. Jeder Mensch ist dem anderen Menschen ein Wolf (homo homini lupus), Hobbes argumentiert diese Anthropologie auf Grund der Zeit in der er lebte, einer Zeit der großen Kriege, politischen Umbrüchen und Bürgerkriege. So ist für ihn der Naturzustand ein Kriegszustand, ein Zustand des Krieges aller gegen alle, der aber nicht aus ständigen Schlachten besteht, sondern durch die Bereitschaft der Menschen zum Krieg gegen einen anderen zu führen und rechnen immer mit einem Angriff auf sie oder ihr Heim.
Wieso aber kann so ein Angriff passieren? Dazu gibt Hobbes drei Ursachen. Das Problem der menschlichen Existenz liegt ja vor allem darin, dass die Menschen alles was ihnen gefällt sogleich begehren. Für Hobbes ist jeder Mensche frei, d.h. er ist ungehindert seinen Willen durchzusetzen. Nicht aber der Wille sondern der Trieb, bzw. das Verlangen selbst ist die Freiheit nach Hobbes. Auf Grund des Misstrauens fühlt sich jeder unsicher und rüstet sich deshalb auf, verschließt die Türen und ist immer bereit sich der Bedrohung zu stellen und mit Gewalt abzuwehren, denn keiner kann ja auf Selbstverteidigung verzichten. Der Tod ist zwar unvermeidlich, aber es liegt an dem Menschen selbst, ob er kürzer oder länger leben wird. Darauf bildet sich eine Hoffnung, da alle Menschen hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Kapazität ziemlich gleich sind und deshalb jeder denkt, dass er dem anderen überlegen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Sektion führt in die politische Philosophie von Thomas Hobbes ein und stellt die methodische Vorgehensweise zur Analyse des Kontraktualismus dar.
1. Vom rechtlosen zum staatlichen Zustand: Es wird erörtert, wie Hobbes den Naturzustand als einen des "Krieges aller gegen alle" definiert und warum der Mensch diesen Zustand mittels eines Sozialvertrages verlassen muss.
1.1. Der Naturzustand: Der Text beschreibt die anthropologischen Grundlagen bei Hobbes sowie die Ursachen für das zwischenmenschliche Misstrauen und die daraus resultierende Gefahr von Bürgerkriegen.
1.2. Der Vertragsschluss: Dieses Kapitel behandelt das Zustandekommen des Staatsvertrages und die notwendige Übertragung aller Rechte auf eine zentrale Sanktionsmacht, um Ordnung zu garantieren.
2. Der absolutistische Staat: Hier steht die Etablierung des Leviathan-Staates im Fokus sowie die Begründung, warum absolute Herrschaft als Friedensinstrument dient.
2.1. Das Bild des Leviathan: Es wird die Symbolik und die funktionale Struktur des Leviathan-Modells als mechanisches Abbild eines geeinten Staatskörpers erklärt.
2.2. Die Rechte und Pflichten des Leviathan: Diese Sektion analysiert die uneingeschränkte Macht des Souveräns, insbesondere in Bezug auf Religiosität, Eigentum und Gesetzgebung.
3. Die Grenzen des Absolutismus: Der Autor hinterfragt, ob es innerhalb des Hobbes'schen Systems rechtliche oder moralische Momente gibt, die den absoluten Herrscher in seinem Handeln einschränken können.
4. Schlussbetrachtung: Das abschließende Fazit resümiert die Bedeutung von Hobbes als Friedenstheoretiker und bewertet die Relevanz seines Staatskonzepts in der Moderne.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Kontraktualismus, Leviathan, Absolutismus, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Souveränität, Kriegszustand, politische Philosophie, Rechtspositivismus, Machtkonzentration, Menschenbild, Staatsmodell, Friedenstheorie, Gehorsam.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das politische Werk von Thomas Hobbes und expliziert dessen Beitrag zur Entstehung des modernen Kontraktualismus durch die Begründung des absolutistischen Staates.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der anthropologischen Fundierung des Naturzustandes, der Logik des Gesellschaftsvertrages und der Analyse der absoluten Herrschaft des Leviathans.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Hausarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hobbes durch ein technisches Staatsmodell den Übergang von einem anarchischen Kriegszustand zu einer friedlichen, aber absolutistischen Ordnung begründet.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?
Der Autor wendet eine "Dreischritt-Methode" an, um das Hobbes'sche Denken systematisch vom Naturzustand über den Vertragsschluss hin zum fertigen Absolutismus-Konzept zu führen.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Rechte und Pflichten des Souveräns sowie der symbolischen und funktionalen Bedeutung des Leviathans als "Friedensmaschine".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Begriffe wie Kontraktualismus, Naturzustand, Souveränität und der explizite Name "Leviathan" sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Wie definiert Hobbes nach Ansicht des Autors das Verhältnis zwischen Souverän und Untertanen?
Das Verhältnis ist durch eine einseitige Übertragung von Macht definiert, bei der die Untertanen Gehorsam leisten, während der Souverän die Aufgabe der Friedens- und Sicherheitssicherung übernimmt.
Gibt es laut der Darstellung eine Möglichkeit zum Widerstand gegen den Leviathan?
Laut dem Text gibt es in der Regel kein Widerstandsrecht, jedoch existieren spezifische Klauseln, unter denen eine Gehorsamsverweigerung zur Selbstverteidigung des eigenen Lebens gerechtfertigt sein kann.
- Arbeit zitieren
- Timur Makhmudov (Autor:in), 2008, Thomas Hobbes und der Absolutismus des Leviathan. Der neuzeitliche Kontraktualismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1477110