Wohlfahrtspflege im Nationalsozialismus

Über die Instrumentalisierung der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt


Hausarbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Methodik
1.3. Definition

2. Theoretische Einordnung
2.1. Funktion von Sozialpolitik
2.2. Instrumente der Sozialpolitik
2.3. Hypothesen zur Wohlfahrtspolitik im dritten Reich

3. Die nationalsozialistische Volkswohlfahrt
3.1. Geschichte und Ideologie
3.2. Das „Winterhilfswerk“
3.3. Das Hilfswerk „Mutter und Kind“

4.Fazit

5.Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Vorwort

Die nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) zählte mit 17 Millionen Mitgliedern zu den größten Massenorganisationen im „Dritten Reich“. Sie war die bekannteste NS-Organisation im täglichen Leben der Bevölkerung, wahrscheinlich auch die populärste. Dabei wirkte die NSV bis tief in die Bevölkerung hinein und war somit ein wichtiger Brückenkopf, um das Leben der Gesamtbevölkerung nach dem nationalsozialistischen Selbstverständnis der Partei zu gestalten. Wohlfahrtspflege wurde ein wichtiges Instrument der Nationalsozialisten.

Wohlfahrtspflege im „Dritten Reich“ diente dazu, die „Volksgemeinschaft“ zu stützen und war somit eng mit der Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen verbunden. Das Grundmotiv der Weimarer Republik, das Lebensrecht und die Würde des Individuums zu schützen, wurde zur Zeit des Nationalsozialismus radikal umgekehrt. Wohlfahrtspflege war ab jetzt für die gesunde, reinrassige deutsche Familie vorgesehen. Arme, Schwache und alle Nicht-Mitglieder der Volksgemeinschaft waren von diesen Leistungen weitestgehend ausgeschlossen oder bekamen nur einen Bruchteil dessen. Dementsprechend veränderten sich auch die Motivgrundlagen der Wohlfahrtspolitik. Zur Zeit der Weimarer Republik diente sie dazu, die Legitimität des jungen demokratischen Staates abzusichern und förderte gesellschaftliche Integration und Solidarität. Während des „Dritten Reiches“ wurde Wohlfahrtspolitik vorwiegend als Herrschaftsinstrument zur gesellschaftlichen Indoktrination verwendet, wie ich im weiteren Verlauf darlegen werde.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit genau diesem Sachverhalt. Die Hauptfrage lautet:

Wie hat die nationalsozialistische Volkswohlfahrt die Wohlfahrtspflege als Herrschaftsinstrument genutzt?

Die Leitfragen innerhalb der Hausarbeit werden folgende sein:

Welche Rolle spielte die NSV zur Durchsetzung der NS-Ideologie?

Welche Hauptorgane der NSV gab es und welche Funktion hatten diese?

1.2. Methodik

Hierbei wird die Vorgehensweise historisch analytisch sein. Zur Auswertung der Quellen bediene ich mich der hermeneutischen Methode. In Kapitel zwei werde ich kurz den theoretischen Rahmen verorten und Grundlagen der Sozialpolitik beschreiben. Dies wird eine sehr allgemeine und knappe Betrachtung, um die Hausarbeit nicht zu überfrachten. Kapitel drei werde ich zunächst die nationalsozialistische Volkswohlfahrt einführen und anschließend die Teilbereiche des „Winterhilfswerk“ (WHW) und der Hilfswerk „Mutter und Kind“ (MuK) nach der obigen Fragestellung untersuchen. Insbesondere in der Untersuchung der beiden Teilbereiche sind nur wenige, aber dafür sehr ausführliche Quellen verfügbar. Besonders die Werke von Herwart Vorländer und Peter Zolling liefern eine ausgezeichnete empirische Grundlagenarbeit für dieses Themengebiet. Auch der Titel Eckhard Hansen ist hervorzuheben, allerdings beschäftigt dieser sich Schwerpunktmäßig mit dem Verhältnis der NSV zur öffentlichen Fürsorge und den damit verbundenen Machtkämpfen.

1.3. Definition

Eine genaue Definition des Wohlfahrtsstaates erweist sich als kein leichtes Unterfangen. Gerade in der deutschen Sozialwissenschaft ist die Geschichte dieses Begriffes wechselhaft und schwer zu fassen. Nach F.X. Kaufmann besteht zumindest ein Konsens darüber, dass dieser Begriff „einen Wandel des Staatsbegriffes, genauer gesagt einen Zuwachs an Staatsaufgaben anzeigt“[1]. Im weiteren beschreibt er die Entwicklung dieses Begriffes gerade im deutschen Sprachraum und definiert abschließend den Begriff als spezifisches Organisationsmittel des Staates, indem er Individualrechte auf sozialer Ebene zur Lösung moderner Probleme einräumt. Ohne hier weiter auf diese zwar interessante, aber weitreichende Geschichte des Begriffes einzugehen, habe ich mich aus pragmatischen Gründen entschlossen eine oberflächlichere Definition als Grundlage meiner Hausarbeit zu wählen.

Ein Wohlfahrtstaat ist „ein Staat, der vergleichsweise weitreichende Maßnahmen mit dem Ziel der Steigerung des Wohlergehens seiner Bürger ergreift, insbesondere zur Herstellung sozialer Sicherheit gestaltend in die gesellschaftlichen Verhältnisse eingreift“[2].

Diese Definition kommt dem Typus des Sozialstaates sehr nahe. In der Literatur wird der Unterschied zum Sozialstaat so beschrieben, dass der Wohlfahrtsstaat seine Maßnahmen obrigkeitlicher und bevormundender als der Sozialstaat vollzieht[3].

2. Theoretische Einordnung

2.1. Funktion von Sozialpolitik

Sozialpolitik wird von keinem Staat zum Selbstzweck betrieben. Sie wird viel mehr von äußeren Antriebskräften angestoßen und dann mit den Absichten und Aktivitäten des Staates verbunden. Jedoch muss ein staatlicher Nutzen erkennbar sein. Die Krankenversicherung dient bspw. unter anderem der Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit und erfüllt an diesem Punkt einen ökonomischen Nutzen.

Kaufmann[4] gliedert diesen Sachverhalt in vier verschiedene Wirkungen sozial staatlicher Interventionen:

1. Ökonomische Wirkung durch Generierung und Aufrechterhaltung von Humankapital.
2. Politische Wirkung durch soziale Sicherung und somit die Milderung von Krisen und Unzufriedenheit.
3. Kulturelle Wirkung durch die Schaffung eines akzeptierten Leitbildes einer gerechten Gesellschaft und somit auch der Legitimität staatlichen Handelns.
4. Soziale Sicherung in Form von „Wohlfahrtsproduktion“ in privaten Haushalten, um private und somit auch sozial wirtschaftliche Ressourcen zu stabilisieren, was wiederum eine Rückwirkung auf die Ökonomie hat.

2.2. Instrumente der Sozialpolitik

Eine umfassende Beschreibung der sozialpolitischen Instrumente kann aufgrund der komplexen Thematik nicht erbracht werden. Ich möchte lediglich versuchen, einen Überblick zu geben und eine grobe Struktur festzulegen. Diese wird sich am aktuellen Modell der Bundesrepublik Deutschland ausrichten. Zwar ergeben sich hieraus gewisse Differenzen, ich halte es aber dennoch für sinnvoll, den theoretische Rahmen in den aktuellen Ist-Zustand einzubetten, da dies hier als die praktikabelste Lösung erscheint, um einer ausufernden Beschreibung des Sozialstaates zu umgehen. Einerseits werde ich nach Institutionen und andererseits nach der Funktion der sozialpolitischen Leistungen unterscheiden.

Die vier institutionellen Bereiche der Sozialpolitik sind: 1. soziale Sicherung, 2. Arbeitgeberleistungen, 3. Entschädigungen und 4. soziale Hilfe und Dienste.

Der erste Bereich umfasst vor allem die verschiedenen gesetzlichen Versicherungen sowie Kindergeld und Pensionen. Bereich zwei betrifft Aufwendungen von Unternehmern zur betrieblichen Altersvorsorge sowie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Bereich drei kann unter Entschädigungen für die Folgen politischer Ereignisse zusammengefasst werden. Bereich vier beinhaltet die Armenfürsorge, Jugendhilfe, Ausbildungsförderung und die öffentliche Gesundheitsfürsorge[5].

Ein Sozialstaat verfügt über drei Instrumente: 1. Anrechte, 2. Geld und Sachleistungen, 3. Beteiligung.

Das erste Instrument beschreibt die Rechtssicherheit bezüglich des Anspruches auf soziale Hilfe. Der Staat erzeugt mit diesem Instrument nicht nur Sicherheit, sonder auch Loyalität unter den Bürgern. Mittels des zweiten Instrumentes werden diese Anrechte verwirklicht. Instrument drei manifestiert sich durch das soziale Grundversprechen in Artikel 20 und 28 des Grundgesetzes. Es bedarf der Mithilfe durch seine Bürger, damit der Sozialstaat seine Probleme lösen kann. Beteiligung meint die Interaktion zwischen Leistungsbeziehenden und Leistungserbringenden; dies ist besonders im Pflegebereich wichtig. Allgemein sind die Bürger der Sozialverwaltung zur Mitwirkung verpflichtet[6].

2.3. Hypothesen zur Wohlfahrtspolitik im dritten Reich

Wohlfahrtspolitik im „Dritten Reich“ und die Aktivitäten der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt dienten vorallem der Systemstabilisierung.

Zum einen war sie dazu da, die „Volksgemeinschafts-Parole“ zu bestärken und breiten Bevölkerungsteilen eine Identifikationsmöglichkeit mit derselben zu geben. Volksgemeinschaft wurde durch die NSV nicht mehr aus einer parteipolitischen Perspektive beleuchtet und bot so auch regimekritischen Bevölkerungsschichten eine Möglichkeit zur Identifikation mit dieser Idee. Letztendlich entstand ein legitimationstiftender Effekt, der sich zwar nur auf die Akzeptanz eines Teiles des nationalsozialistischen Regimes bezog, aber trotzdem integrativ wirkte.

[...]


[1] KAUFMANN, Franz-Xaver: Sozialpolitik und Sozialstaat; VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden: 2005, S. 186

[2] LANGE, Jutta und CZEMPIEL, Ernst-Otto: Der Brockhaus, Politik: Ideen, Systeme und Prozesse; Brockhaus; Mannheim; Leipzig: 2008, S. 501

[3] Im weiteren Verlauf wird diese Behauptung am Beispiel des NS-Wohlfahrtsstaates belegt werden.

[4] Vgl. DIETZ, Berthold und FREVEL, Bernhard: Sozialpolitik kompakt; VS Verlag für Sozialwissenschaften; Wiesbaden: 2004, S. 68

[5] Vgl. DRECHSLER, Hanno: Gesellschaft und Staat: Lexikon der Politik; Vahlen; München: 2003, S. 900

[6] Vgl. DIETZ/FREVEL, S. 50ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wohlfahrtspflege im Nationalsozialismus
Untertitel
Über die Instrumentalisierung der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V147725
ISBN (eBook)
9783640631568
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NSV, Volkswohlfahrt, Nationalsozialismus, Wohlfahrtspflege, drittes Reich, nationalsozialistische Volkswohlfahrt, Goebbels, Sozialpolitik, Winterhilfswerk, Hilfswerk Mutter und Kind
Arbeit zitieren
Stefan Korn (Autor), 2010, Wohlfahrtspflege im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147725

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