Partizipation an politischen Entscheidungen und Jugendbeteiligung sind Themen, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und Europa vorangetrieben worden sind. Insbesondere die politische Partitzipation von Jugendlichen wird, in einer Zeit in der immer größere Politikverdrossenheit in der breiten Bevölkerung festzustellen ist, zu einem wichtigen Kriterium für das Gelingen unseres demokratischen Systems. Je früher junge Menschen anfangen Verantwortung zu übernehmen und sich zu beteiligen, desto stärker tun sie das auch in ihrem späteren Leben. Partizipation von Jugendlichen kann an dieser Stelle zu einer Art präventiver Arbeit gegen Politikverdrossenheit werden.
In Deutschland gibt es viele verschiedene Arten der Partizipation. Die vorliegende Arbeit möchte zwei Beteiligungsmodelle exemplarisch herausgreifen, nämlich das Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises (KJPVB) und das kommunale Jugendforum VOICE in Leipzig und hieran Gelingensbedingungen für erfolgreiche Partizipation von Jugendlichen unter dem Aspekt der Unterstützung durch eine hauptamtliche Betreuung untersuchen.
Die beiden Organisationen sind von ihrer Struktur grundsätzlich verschieden, haben jedoch beide Jugendbeteiligung als Existenzgrund. Außerdem stellt der Vergleich ein erfolgreiches Modell (das Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises als das älteste seiner Art auf Landkreisebene1), einem erfolglosen Modell (VOICE hat im Dezember 2005 die Arbeit eingestellt) gegenüber.
Die Arbeit soll hierbei folgende Fragen beantworten:
Welche Rolle spielt hauptamtliche Unterstützung für solche Beteiligungsmodelle? Welche Probleme können entstehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Methodik
1.3 Definitionen/Einordnung
2. Das Jugendforum VOICE Leipzig
2.1 Entstehung
2.2 Aufbau
2.3 Ziele
2.4 Wie es weiterging
3. Das Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises
3.1 Entstehung
3.2 Aufbau
3.3 Ziele
3.4 Erfolgsmodell und hauptamtliche Unterstützung
4. Vergleich
4.1 Entstehung
4.2 Aufbau
4.3 Ziele
4.4 Demographische Unterschiede
5. Abschluss
5.1 Fazit
5.2 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht anhand eines Vergleichs zwischen dem Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises und dem ehemaligen Jugendforum VOICE in Leipzig die Gelingensbedingungen für erfolgreiche Jugendpartizipation, wobei der Fokus insbesondere auf der Bedeutung und Problematik der Unterstützung durch hauptamtliche Betreuung liegt.
- Vergleich von Beteiligungsmodellen hinsichtlich Entstehung, Aufbau und Zielen.
- Analyse der Rolle hauptamtlicher Betreuung für die Stabilität von Jugendgremien.
- Untersuchung struktureller Herausforderungen und Probleme in der Selbstverwaltung.
- Evaluation der Auswirkungen von "Top-Down"- gegenüber "Bottom-Up"-Initiativen.
- Identifikation von Faktoren für das Scheitern oder den Erfolg solcher Organisationen.
Auszug aus dem Buch
3.4 Erfolgsmodell und hauptamtliche Unterstützung
In seiner nunmehr 17jährigen Geschichte hat das KJPVB verschiedenste Partizipationsmöglichkeiten erhalten. So zum Beispiel ein passives Rede- und direktes Antragsrecht im Kreistag, einen Sitz im Jugendhilfeausschuss, zwei Sitze im Verwaltungsausschuss des Jugendbildungswerkes sowie die mehrmalige Beteiligung an Anhörungsverfahren zu Gesetzen im Landtag.
Hierbei konnten die Jugendliche stets auf die Unterstützung mindestens einer hauptamtlichen Kraft zurückgreifen. Im Folgenden möchte ich auf diese Tatsache mit Hilfe der Ergebnisse der Expertenbefragung näher eingehen.
Der erwachsene Experte schilderte die Aufgaben der hauptamtlichen Betreuung für das KJPVB so, dass diese die "Logistik" übernimmt, mit der die Jugendlichen sonst wohl überfordert wären, befördert den Dialog zwischen Politik und Jugendliche und fungiert auf Wunsch als Begleitung und Beistand, bspw. wenn die Jugendlichen zum Bürgermeister ihrer Gemeinde gehen möchten. Der Experte hält es für unrealistisch, die organisatorischen Arbeiten auf die Schultern der ehrenamtlichen Abgeordneten zu verteilen. Die Betreuung spielt in seinen Augen daher eine "große Rolle für den Fortbestand" und im Falle eines Wegfallens der Betreuung würde "die Arbeit einschlafen". Weiterhin betont er, dass die Betreuer sich ständig kritisch hinterfragen sollten und die inhaltliche Arbeit der Jugendlichen nur dann bereichern, wenn sie um eine Stellungnahme gebeten würden. Auch auf die Frage was verbessert werden könnte kam er zu dem Ergebnis, "dass es gut läuft" und es daher keinen Grund gibt etwas zu verändern. Lediglich bei neuen Großprojekten müsste geschaut werden wie man diese umsetze.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Jugendbeteiligung und Vorstellung der beiden untersuchten Modelle sowie der Forschungsfragen.
2. Das Jugendforum VOICE Leipzig: Detaillierte Darstellung der Entstehungsphasen, des strukturellen Aufbaus und der Ziele sowie der Gründe für die Einstellung der Arbeit des Forums.
3. Das Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises: Beschreibung der Gründung, der Organisation und der Ziele des Gremiums, unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der hauptamtlichen Unterstützung für den langfristigen Erfolg.
4. Vergleich: Gegenüberstellung der beiden Modelle hinsichtlich Entstehungsprozess, strukturellem Aufbau, Zielsetzung und demografischer Rahmenbedingungen.
5. Abschluss: Fazit zu den Gelingensbedingungen für Jugendpartizipation sowie ein Ausblick auf weitere Forschungsfragen bezüglich der Rolle von Erwachsenen in Jugendgremien.
Schlüsselwörter
Jugendpartizipation, Jugendparlament, Vogelsbergkreis, VOICE Leipzig, Beteiligungsmodelle, Politische Partizipation, Hauptamtliche Betreuung, Politikverdrossenheit, Demokratiebewusstsein, Jugendbeteiligung, Interessenvertretung, Strukturaufbau, Organisation, Selbstverwaltung, Kommunalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht zwei unterschiedliche Modelle der Jugendbeteiligung, um Faktoren zu identifizieren, die über den Erfolg oder das Scheitern solcher Gremien entscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Aufbau von Beteiligungsstrukturen, die Bedeutung von hauptamtlicher Unterstützung sowie die Herausforderungen der Interessenartikulation junger Menschen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Rolle der hauptamtlichen Betreuung bei der Unterstützung von Beteiligungsmodellen zu untersuchen und Probleme zu identifizieren, die bei der praktischen Umsetzung entstehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Vergleichsstudie, ergänzt durch Experteninterviews mit Jugendlichen und Erwachsenen sowie die hermeneutische Auswertung von Originaldokumenten und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung und Analyse des Jugendforums VOICE in Leipzig und des Kinder- und Jugendparlaments des Vogelsbergkreises, gefolgt von einem direkten Vergleich dieser beiden Organisationen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Jugendpartizipation, Beteiligungsmodelle, Politikverdrossenheit und den Einfluss hauptamtlicher Betreuung auf die politische Mündigkeit von Jugendlichen charakterisieren.
Warum wird das Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises als erfolgreich eingestuft?
Es wird als erfolgreich eingestuft, da es seit 17 Jahren besteht, stabile Partizipationsmöglichkeiten bietet und durch eine kontinuierliche hauptamtliche Betreuung in seinen organisatorischen Aufgaben entlastet wird.
Was führte laut der Analyse zum Scheitern des Jugendforums VOICE in Leipzig?
Das Scheitern wird auf strukturelle Überlastung, fehlende hauptamtliche Moderation zur Entlastung von Verwaltungsaufgaben sowie Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung und effektiven Arbeitsorganisation zurückgeführt.
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- Stefan Korn (Author), 2009, Jugendparlamente im Vergleich: Das Kinder- und Jugendparlament des Vogelsbergkreises und das kommunale Jugendforum VOICE in Leipzig, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147726