Die Verlagskartographie in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Straßenkarten und Straßenatlanten


Bachelorarbeit, 2009

195 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Straßenkarten und Straßenatlanten
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Straßenkarten
2.1.2 Straßenatlanten
2.2 Klassifizierung von Straßenkarten
2.2.1 Detailkarten
2.2.2 Regionalkarten
2.2.3 Großraumkarten
2.2.4 Übersichtskarten
2.3 Eigenschaften von Straßenatlanten
2.4 ISBN zur Abgrenzung nicht deutschsprachiger Verlage

3 Entwicklung der Straßenkarten und Straßenatlanten in Deutschland

4 Herausgeber von Straßenkarten und Straßenatlanten
4.1 Verlage und Verlagsgruppen in Deutschland
4.1.1 ADAC Verlag
4.1.2 Bacher Verlag
4.1.3 Borch Verlag
4.1.4 Busche Verlag
4.1.5 Höfer Verlag
4.1.6 IDEEmedia
4.1.7 Kartographischer Verlag Reinhard Ryborsch
4.1.8 MairDumont
4.1.8.1 ADAC Kartografie
4.1.8.2 Falk Verlag
4.1.8.3 Generalkarte / Generalatlas
4.1.8.4 Marco Polo
4.1.8.5 RV Verlag
4.1.8.6 Shell System Kartografie
4.1.8.7 Weitere Produkte
4.1.9 Michael Seipp Kartographie&Verlag
4.1.10 Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft
4.1.11 Reise Know-How Verlag
4.1.12 Stiefel Eurocart
4.1.13 Verlag Dr. Barthel
4.1.14 Verlag Wolfgang Kunth
4.2 Produkte ausländischer Verlage
4.2.1 AA Publishing, England
4.2.2 ANWB, Niederlande
4.2.3 Cartographia, Ungarn
4.2.4 Freytag-Berndt u. Artaria, Österreich
4.2.5 GeoCenter UK, England
4.2.6 Hallwag Kümmerly+Frey, Schweiz
4.2.7 Hammond, USA
4.2.8 Hema Maps, Australien
4.2.9 Insight Guides UK, England
4.2.10 ITMB Publishing, Kanada
4.2.11 Jāņa Sēta Map Publishers, Lettland
4.2.12 Michelin, Frankreich
4.2.13 Philip‘s, England
4.2.14 Road Editions, Griechenland
4.2.15 Rough Guides, England
4.2.16 SHOCart, Tschechien
4.2.17 Turinta, Portugal
4.2.18 VKÚ, Aktiengesellschaft, Slowakei

5 Benutzerfreundlichkeit und Nutzeranalyse

6 Ausblick

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Internetverzeichnis

1 Einleitung

„Die Karte ist heute zu einem fast alltäglichen Gebrauchsgegenstand geworden ... (Sie) hat nahezu alle Bereiche der Wissenschaft und des praktischen Lebens erobert; ... es gibt kaum einen Tag, an dem wir nicht mit ihr konfrontiert werden, als Autofahrer mit der Stra ß enkarte, als Fu ß gänger mit dem Stadt-plan und der Wanderkarte, in der Tagesszei-tung, in der Wirtschaft, Werbung und Politik ...“ (Witt, 1970: S. 7).

Diese Aussage über die Bedeutung von Karten in unserer Gesellschaft wurde von Werner Witt be-reits im Jahr 1970 getätigt. Und auch heute - fast 40 Jahre später - beeinflussen und bestimmen Karten in wesentlichen Teilen unser Denken, Pla-nen und Handeln.

Zu den Karten mit dem größten und vielschich-tigsten Benutzerkreis zählen die Straßenkarten. Sie gelten daher auch als gebräuchlichster Kar-tentyp (Internetverz. Nr. 1), was angesichts von über 32 Millionen Straßenkilometern von der Au­tobahn bis zur Schotterpiste weltweit nicht ver-wunderlich ist (Internetverz. Nr. 2). Eine solche Distanz entspricht knapp zehnmal der Entfernung von der Erde bis zum Mond oder ca. 800-mal der Länge des Äquators.

Laut dem World-Fact-Book des amerikanischen Geheimdienstes CIA belegt Deutschland mit knapp über 231.000 Kilometern lediglich einen Platz in den Zwanzigern der Länder mit den meis-ten Straßenkilometern weltweit. Zieht man aller-dings den Bestand an Kraftfahrzeugen heran, so liegt Deutschland mit über 47 Millionen Kraftfahr-zeugen im Jahr 2005 nach den USA und Japan an dritter Stelle (ALBRECHT et al., 2007). Allein diese Tatsache verdeutlicht den hohen Stellenwert von Straßenkarten und Straßenatlanten für Kraftfah-rer in Deutschland. Hinzu kommt ein in Deutsch­land sehr gut ausgebautes Straßennetz mit über 12.000 Kilometern Bundesautobahn, was mit die Popularität des Automobils hierzulande erklärt und damit die Erforderlichkeit von Straßenkarten und -atlanten nach sich zieht.

Umso erstaunlicher ist es, dass in den letzten 35 Jahren das Thema Straßenkarten und Straßenat-lanten in keiner wissenschaftlichen Untersuchung intensiv Einzug fand. Zuletzt beschäftigte sich Rudolf Kinauer im Jahr 1973 in seinem Werk „Bi-bliographie der Straßenkarten“ aus dem Kirsch­baum Verlag, Bonn-Bad Godesberg näher mit der Thematik. Ein erneutes Aufgreifen des Themas erscheint somit überfällig.

Die Herstellung von Straßenkarten und Straßen-atlanten obliegt in Deutschland den Verlagen. BoLLMANN & KoCH (2001) zufolge sind unter Kar-tenverlage Unternehmen zu verstehen, die sich auf kartographische Erzeugnisse spezialisiert haben. Die vorliegende Arbeit soll die aktuelle Situation der Straßenkartographie in Deutsch­land näher beleuchten. Den Schwerpunkt der Ar-beit stellt daher die Vorstellung der Verlagsland-schaft im Kapitel 4 dar. Ziel ist es eine möglichst lückenlose Dokumentation aller deutschen Verla-ge aufzustellen, die derzeit mit Straßenkarten und Straßenatlanten auf dem deutschen oder auslän-dischen Markt vertreten sind.

Ferner werden auch jene ausländischen Verlage berücksichtigt, die Straßenkarten und -atlanten hierzulande oder im Ausland anbieten, auf denen Deutschland einzeln oder in einer Kartenserie oder Produktfamilie flächendeckend abgebildet ist. Unter einer Kartenserie wird laut BoLLMANN & KoCH (2001) eine hinsichtlich Funktion, Maßstab, Kartenformat und Rahmenthematik einheitliche Anzahl von Karten in Form einzelner, aber zusam-mengehöriger Kartenblätter verstanden. Weniger stark eingegrenzt ist eine Produktfamilie. Hierzu gehören im Absatz miteinander verbundene Pro-dukte, wie z. B. Pflegeserien bei Kosmetika. Auf Karten bezogen bedeutet das, dass Karten in ei-ner Produktfamilie über unterschiedliche Formate und Maßstäbe verfügen können.

Neben einer umfassenden Vorstellung jedes Verlages in Bezug auf die Entwicklung, das Pro-duktsortiment, den Vertrieb oder Beziehungen zu anderen Verlagen erfolgt eine Beschreibung aus-gewählter Karten und Atlanten zu nahezu jedem deutschen und der Hälfte der vom Verfasser re-cherchierten ausländischen Verlage. Im Kapitel 5 schließt sich letztlich eine Untersuchung von Kar-ten und Atlanten in Bezug auf Benutzerfreundlich-keit an.

2 Straßenkarten und Straßenatlanten

Zunächst sollen die Begriffe „Straßenkarte“ und „Straßenatlas“ näher definiert werden, um eine klare Abgrenzung zu anderen Karten und Atlanten zu ermöglichen und so das Ge-samtverständnis der Thematik zu erhöhen.

2.1 Begriffsdefinitionen

Nach BOLLMANN & KOcH (2001) gehört die Straßenkarte zur Gruppe der Verkehrskarte. Eine Verkehrskarte ist eine Kartenart, „in der Objek-te und Sachverhalte des Verkehrswesens wie-dergegeben werden“ (BOLLMANN & KOcH, 2001: S. 406). In dem Zusammenhang haben HAKE & GRÜNREicH (2002) die Verkehrskarten genauer untersucht und eine Einteilung in „Karten über den Verkehr“ und in „Karten über die Verkehrs-wege“ vorgenommen.

Karten über den Verkehr: Sie dienen der Dar-stellung und Analyse des Verkehrsgeschehens. Dazu gehören Karten des Verkehrsaufkommens, der Verkehrsdichte, der Verkehrserschließung, der Hauptverkehrsmittel und typischer Verkehrs-räume.

„Karten über den Verkehr“ finden in der Untersu-chung keine Berücksichtigung.

Karten über die Verkehrswege: Sie dienen der Übersicht, Planung und Beurteilung von Fahrtrou-ten sowie der räumlichen Orientierung während der Fahrt bis hin zur exakten Navigation. Solche Verkehrskarten lassen sich nach der Art des Ver-kehrs bzw. des Verkehrsträgers klassifizieren. Danach sind insbesondere zu unterscheiden:

Karten für den Straßenverkehr (Straßenkar-ten),
- Karten für den Schienenverkehr (überwie-gend Eisenbahnkarten),
- Karten für den Verkehr auf Wasserwegen (Binnenschifffahrtskarten und Seekarten) und
- Karten für den Luftverkehr (Luftfahrtkarten).

Bezogen auf „Karten über die Verkehrswege“ be-fasst sich die Arbeit ausschließlich mit Karten für den Straßenverkehr, also den Straßenkarten.

2.1.1 Straßenkarten

BOLLMANN & KOcH (2001) definieren Straßenkar-ten als ein Hilfsmittel zur Planung von Fahrten und zur Orientierung bei Fahrten mit Kraftfahrzeugen. Sie sollen laut WiTT (1970) die für den Kraftfahrer nützlichen Inhaltselemente übersichtlich, klar und schnell erfassbar darstellen.

Straßenkarten zeigen in erster Linie „den Verlauf und die Qualifikation der Straßen, die Ortslagen und die Entfernungen zwischen den Hauptor-ten“ an (WiTT, 1970: S. 194). Dazu ist laut BOLL-MANN & KOcH (2001) eine Differenzierung des Straßennetzes nach dem Ausbauzustand oder dem Verkehrswert z. B. in Autobahn, sons-tige mehrspurige Autostraße, Fernstraße, Hauptstraße und Nebenstraße von Nöten. Für die Darstellung der Straßenkategorien im Kar-tenbild werden laut BOLLMANN & KOcH (2001) un-terschiedlich stark ausgeprägte Spurbreiten und differenzierte Farbgebungen eingesetzt. Bezogen auf die Lage der Ortschaften muss eine Siedlungs-klassifizierung und -darstellung vorgenommen und das Straßennetz darauf abgestimmt werden. Für eine schnelle Orientierung ist in dem Zusam-menhang zudem eine deutliche Ortsbeschriftung unabdingbar. Die Visualisierung von Entfernung-sangaben zwischen den Ortschaften erfolgt in der Regel in zwei Kategorien. Laut BOLLMANN & KOcH (2001) wird je nach Genauigkeitsgrad zwischen Nahkilometrierung und Fernkilometrierung unter-schieden. Zwischen kleineren Straßenabschnit-ten finden Nahkilometrierungen ihre Anwendung, zwischen größeren Straßenabschnitten werden Angaben für Fernkilometrierungen gemacht.

Neben der Darstellung des Straßennetzes, der Ortschaften und Entfernungen enthalten Straßenkarten weitere für den Kartennutzer wich- tige Inhaltselemente. Von großer Bedeutung sind dabei verkehrstechnische Hinweise. Dazu gehö-ren nach BollMANN & KocH (2001) Eintragun-gen von Autobahn- und Straßennummern, die Kennzeichnung oder auch Benennung der Auto-bahnabfahrten sowie die Darstellung von Grenz-übergängen, Tankstellen, Raststätten, größeren Parkplätzen und Hotels bzw. Motels. Die meisten Straßenkarten enthalten darüber hinaus Hinweise auf besondere Streckenführungen und Verkehrs-schwierigkeiten. Darunter sind laut BollMANN & KocH (2001) u. a. zu verstehen: starke Steigun-gen, Pässe, Glatteis- und Nebelgefahr, Maut-strecken, gebührenpflichtige Tunnel und Fähren. Meistens weisen Straßenkarten auch eine Viel-zahl an touristischen Hinweisen bzw. Sehenswür-digkeiten auf wie Touristenstraßen, landschaftlich schöne Strecken, landschaftlich und kulturell se-henswerte Orte, Nationalparks, Naturschutzge-biete, Ausblicke, Bau- und Naturdenkmäler und Einrichtungen für Sport und Spiel wie z. B. Hal-len- und Freibäder oder Reit-, Golf- bzw. Tennis-plätze.

BollMANN & KocH (2001) erwähnen außerdem, dass viele Straßenkarten der besseren Orientie-rung wegen Verwaltungsgrenzen und insbeson-dere Karten größeren Maßstabs, auch Eisen-bahnstrecken beinhalten. Oft wird die Darstellung durch ausgewählte topographische Einzelobjek-te, Waldflächen und eine Reliefdarstellung z. B. in Form einer Schummerung ergänzt. Um die Ori-entierung zu erleichtern sind vielen Straßenkar-ten zudem Ortsdurchfahrtspläne und ein Ortsver-zeichnis beigelegt.

Ein für Straßenkarten sehr wichtiges Merkmal ist die Aktualität des Karteninhalts. So sollten bei-spielsweise „in Bau befindliche Straßenabschnit-te ... als Signaturabwandlung dargestellt werden“ (BollMANN & KocH, 2001: S. 58). Zusätzlich ist die Angabe des Zeitpunktes der vorgesehenen Freigabe für den Verkehr sinnvoll. Große Bedeu-tung kommt zudem der Lesbarkeit zugute. Dies ist vor allem bei eingeschränkten Lichtverhältnis-sen wichtig.

Der Begriff der Straßenkarte wird oft als Synonym für andere Bezeichnungen verwendet. Häufig be-gegnet man Begriffen wie Autokarten, Urlaubs-karten, Regionalkarten, Länderkarten oder Konti-nentkarten. Die Verlage wollen so ihr oft umfang-reiches Straßenkartensortiment genauer gliedern und sich mit ihren eigenen Bezeichnungen von Konkurrenzprodukten unterscheiden. Im Regelfall handelt es sich bei allen Bezeichnungen um eine Straßenkarte.

Laut BollMANN & KocH (2001) wird der Begriff Straßenkarte auch für andere als den oben be-schriebenen Zweck verwendet, welche in dieser Arbeit zwar nicht berücksichtigt, der Vollstän-digkeit wegen aber erwähnt werden. So werden Karten als Straßenkarten bezeichnet, die für die Dokumentationen zum Bau, zur Unterhaltung und zur Verwaltung von Straßen benutzt werden. Sie werden u. a. von Straßenmeistereien und ande-ren Dienststellen genutzt.

Nicht zu den Straßenkarten gehören Stadtplä-ne und Stadtdurchfahrtspläne. Stadtpläne bilden eine Stadt und in der Regel das Umland meist im Maßstab zwischen 1:10.000 und 1:50.000 ab und dienen der exakten Orientierung in der Stadt (BollMANN & KocH, 2001). Sie umfassen im Gegensatz zu Straßenkarten alle Straßen eines Ortes inklusive ihrer Beschriftung. In Stadtdurch-fahrtsplänen (Maßstab bis 1:100.000) sind hin-gegen nicht alle Straßen eingezeichnet und nur die wichtigsten Straßen beschriftet, um so eine schnelle Orientierung durch die Stadt zu ermög-lichen. Straßenkarten sollen hingegen die Orien-tierung zwischen Städten ermöglichen.

Oft ist außerdem eine deutliche Abgrenzung zu Freizeitkarten, die in der Regel Maßstäbe zwi-schen 1:50.000 und 1:250.000 aufweisen, nicht immer möglich (Internetverz. Nr. 3). Dies ist ins-besondere dann verwirrend, wenn eine Karte sowohl die Bezeichnung Straßenkarte bzw. Au-tokarte als auch die Bezeichnung Freizeitkarte besitzt. Bei vielen Karten des österreichischen Verlags Freytag-Berndt u. Artaria KG ist das der Fall. Es kann angenommen werden, dass dies lediglich verkaufstechnische Gründe hat, um einen höheren Benutzerkreis anzusprechen. In diesem Fall hat der Verfasser alle Karten des Verlags Freytag-Berndt u. Artaria KG mit einem Maßstab 1:100.000 oder kleiner zu den Straßenkarten ge-zählt.

2.1.2 Straßenatlanten

Ein Atlas ist zunächst einmal eine „systematische Folge ... von Karten in Buchform oder als lose Folge von Einzelkarten (Loseblattatlas) oder als Datei für die elektronische Präsentation am Bild-schirm“ (BOLLMANN & KOcH, 2001: S. 39). Abwei-chend von der Definition, dass ein Atlas norma-lerweise Kartenmaterial enthält bzw. Karten nor-malerweise Hauptbestandteil eines Atlasses sind, verwenden manche Verlage das Wort auch, um ein mit viel Bildmaterial versehenes Nachschla-gewerk zu einem bestimmten Wissensbereich als Atlas zu bezeichnen (z. B. Bruckmanns Atlas der Alpenstraßen, Bruckmann Verlag, 2005).

Der Begriff Straßenatlas beinhaltet nach BOLL-MANN & KOcH (2001) die Zusammenfassung ei-ner systematischen Folge von Straßenkarten in gebundener Form bei ausreichender Größe des abgebildeten Gebiets. Für die Karteninhalte von Straßenatlanten gelten die gleichen Bedingun-gen, wie für die Karteninhalte von Straßenkarten (vgl. Kapitel 2.1.1).

Hauptbestandteil eines Straßenatlasses ist immer ein Kartenteil, der sich aus Kartenserien verschie-dener Maßstäbe zusammensetzen kann. Der Hauptkartenteil, der meist ein ganzes Land ab-deckt, liegt je nach Atlas in der Regel im Maßstab zwischen 1:150.000 und 1:400.000 vor. Weitere mögliche Kartenserien sind Stadtdurchfahrtsplä-ne, Innenstadtpläne, Großraumkarten und Über-sichtskarten. Straßenatlanten enthalten demnach im Vergleich zu Straßenkarten eine höhere Zahl an weiterführenden Informationen.

Über den reinen Kartenteil hinaus beinhaltet ein Straßenatlas meist auch einen Informationsbe-reich mit unterschiedlichem Umfang. Dieser setzt sich beispielsweise aus einem Ortsregister, ei-nem Hotelverzeichnis, Entfernungstabellen und Verkehrsvorschriften zusammen. Eine wichtige Rolle spielen so WiTT (1970) zudem der Karten-schnitt, die Lesbarkeit bei eingeschränkten Licht-verhältnissen, das Überlappen der Anschlusskar-ten, die rasche Auffindbarkeit eines Ortes und die Bindeform, also das Plan- oder Nichtplanliegen der aufgeschlagenen Atlasseite.

Genau wie für Straßenkarten gibt es auch für Straßenatlanten unterschiedliche Bezeichnungen mit gleicher Bedeutung. So sind Straßenatlanten häufig mit Autoatlanten und Reiseatlanten gleich-gesetzt.

2.2 Klassifizierung von Straßenkar-ten

Jedes Produkt muss unter Berücksichtigung des Käuferbenutzerkreises gestaltet werden. Je kom-plexer dieser ist, umso mehr Kompromisse muss der Hersteller eingehen. „Straßenkarten dürfen wohl den Anspruch erheben, einen sehr viel-schichtigen Benutzerkreis ansprechen zu müs-sen“ (FiNKE, 1966: S. 195). Es müssen die Be-dürfnisse des Autofahrers, der eine Fernreise pla-nen will genauso berücksichtigt werden, wie die eines Autofahrers, der sich in einem bestimmten Land exakt orientieren und gegebenenfalls auch Abstecher während seiner Fahrt vornehmen will. Ein Motorradfahrer oder Lastwagenfahrer stellt zudem andere Ansprüche an eine Straßenkarte als ein Autofahrer. All diese Bedürfnisse in eine Karte zu vereinen ist laut FiNKE (1966) unmöglich und auch nicht erstrebenswert, da die Folge eine Überladung des Kartenbilds wäre und so der Ge-brauch einer Straßenkarte zu kompliziert ist. Da­her muss das Ziel zur Herstellung von Straßen-karten sein, „dem Kraftfahrer für den jeweiligen Zweck ein brauchbares Orientierungsmittel in die Hand zu geben“ (FiNKE, 1966: S. 195).

Es stellt sich nun die Frage, nach welchem Kri-terium sich der Bestimmungszweck einer Karte am genauesten festlegen lässt. Hierzu haben verschieden Autoren wie FINKE (1966) oder BollMANN & KocH (2001) den Maßstab herange-zogen. Der Maßstab gibt Auskunft über den Ge-neralisierungsgrad und damit einen Hinweis auf den Benutzerkreis. Vereinfacht kann gesagt wer-den, je genauer der Benutzer ein Gebiet mit dem Auto erforschen will, umso mehr Details muss die Straßenkarte enthalten, umso größer muss also der Maßstab sein. Umgekehrt sollte umso stärker generalisiert werden, je mehr die Karte die Funkti-on haben soll, eine Übersicht über ein weitläufiges Gebiet zu bieten. Der Maßstab stellt darüber hin-aus einen weiteren Vorteil dar. Es ist ein schnell erfassbares Merkmal, was vor allem angesichts der Masse an Straßenkarten, die auf dem Markt vertreten sind, ein wichtiges Kriterium ist. Auf na-hezu jedem Umschlag einer Straßenkarte ist der Maßstab aufgeführt, so dass er mit einem Blick wahrnehmbar ist und so eine rasche Einordnung des Benutzerkreises zulässt.

Es ist somit sinnvoll, den Maßstab als Orientie-rung für den Zweck einer Karte einzusetzen. Be-trachtet man eine Reihe von Straßenkarten, so stellt man allerdings fest, dass es eine enorme Variation an Maßstäben gibt. Laut BollMANN & KocH (2001) liegen die Maßstäbe bei Straßenkar-ten zwischen 1:200.000 und ca. 1:1.000.000. Bei ausländischen Gebieten sind die Maßstäbe in der Regel noch kleiner.

Daher ist es angebracht die Vielfalt an Maßstäben in einzelne Maßstabsgruppen zu gliedern. Hierzu hat FiNKE (1966) die folgende Einteilung vorge-schlagen. Er hat Straßenkarten in drei Maßstabs-bereiche klassifiziert und daraus den jeweiligen Benutzerkreis abgeleitet. Nach seiner Definition sind Straßenkarten im Maßstabsbereich zwischen 1:200.000 und 1:500.000 als Spezialstraßenkar-ten zu verstehen, die eine Orientierung durch den Vergleich zwischen Karte und Natur ermöglichen sollen. Karten mit den Maßstäben 1:500.000 bis 1:1.500.000 werden als Planungsstraßenkarten bezeichnet. Dem Kraftfahrer soll dadurch die Pla-

nung einer längeren Fahrt ermöglicht werden. Die dritte und letzte Kategorie stellen die Übersichts-straßenkarten dar, die im Maßstab zwischen 1:1.5.000.000 und 1:5.000.000 vorkommen. Der Betrachter soll hier einen groben Eindruck über die zu befahrende Strecke erhalten.

Ebenfalls in drei Kategorien sind Straßenkarten auf der Verlagshomepage von Bacher (Inter-netverz. Nr. 3) eingeteilt worden. Die Einteilung weicht allerdings zum Teil deutlich von der von Finke ab. In die erste Gruppe fallen Straßenkar-ten im Maßstab 1:150.000 bis 1:300.000. Ihnen folgen die Regionalkarten im Maßstabsbereich 1:300.000 bis 1:700.000. Länder- bzw. Groß-raumkarten decken die Maßstäbe 1:700.000 bis 1:4.00.000 ab.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach den genannten Gliederungen die Maßstäbe von Straßenkarten zwischen 1:150.000 und 1:5.000.000 liegen und dass verschiedene Au-toren die Maßstabsbereiche sehr unterschiedlich festlegen.

Der Verfasser orientiert sich vornehmlich an der Gliederung von FiNKE. Zusätzlich wird eine vierte Kategorie aufgestellt, die den Maßstabsbereich zwischen 1:100.000 und 1:250.000 berücksich-tigt. Die Klassifizierung sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Unterteilung deckt Straßenkarten mit Maß-stäben gleich und kleiner als 1:100.000 ab. Nach eingehender Recherche existieren auch Karten mit größeren Maßstäben als 1:100.000, die als Straßenkarten bezeichnet werden. Als Beispiel dienen die Karten des Verlags Hartmann-Plan, der „Straßenkarten“ in den Maßstäben 1:20.000 bis 1:30.000 von Bezirken und Vororten Ham-burgs anbietet. Solche Karten werden in der Un-tersuchung nicht berücksichtigt, da diese in der

Regel nur von lokalen bzw. regionalen Interes-se sind und gleichzeitig den Rahmen der Arbeit sprengen würden.

In den folgenden Kapiteln werden Detail-, Regi­onal-, Großraum- und Übersichtskarten näher definiert. Hierbei muss erwähnt werden, dass keine einheitlichen Regeln existieren, welche Inhaltselemente (und in welcher Anzahl) in wel-chem Maßstabsbereich ihre Verwendung finden. So kann die Detailkarte eines Verlags über sieben verschiedene Straßenklassen verfügen, während ein anderer Verlag eine Detailkarte mit zehn ver-schiedenen Straßenklassen herausbringt. Eine Straßenkarte im Maßstab 1:1.000.000 enthält eine Geländeschummerung, während eine andere Karte des gleichen Maßstabs ohne Reliefdarstel-lung auskommt. Die nachfolgenden Definitionen dienen daher lediglich als Orientierung, wie eine Straßenkarte in dem jeweiligen Maßstabsbereich aussehen kann.

2.2.1 Detailkarten

Für Detailkarten hat der Verfasser den Maßstabs-bereich von 1:100.000 bis einschließlich 1:250.000 angeordnet. Detailkarten bilden auf Deutschland bezogen oft nur einen Landesteil (z. B. ein Bun-desland) ab. Sie sind nicht selten in Kartenserien zusammengefasst und stellen zusammengenom-men oft mehrere Bundesländer bis hin zu einem ganzen Land dar.

Detailkarten sollen in einem begrenzten Gebiet das Aufsuchen kleinster Ortschaften und Straßen ermöglichen und so eine hohe Übereinstimmung mit den wirklichen Gegebenheiten besitzen. Dazu ist eine sehr detaillierte Klassifizierung der Straßen erforderlich. Detailkarten enthalten daher in der Regel die meisten Straßenklassen, oft bis zu schmalsten Nebenstraßen, Fahrwegen und Fußwegen. Dadurch kann der Nutzer auch auf nicht für Kraftfahrzeuge zulässige Straßen zu Fuß Abstecher machen.

Für eine genaue Orientierung ist es weiter von großer Bedeutung, dass auch Siedlungen diffe-renziert dargestellt werden. Typisch für viele De-tailkarten ist daher die Einzelhausdarstellung (s. Abb. 1).

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Abb. 1: Ausschnitt einer Detailkarte aus „Falk Regionalkarte 6 Berlin und Umgebung“ 1:150.000

In der Regel enthalten Detailkarten - wie auch Re­gional-, Großraum- und Planungskarten - Entfer-nungsangaben und Hinweise verkehrstechnischer Art. Speziell bei Detailkarten ist laut FiNKE (1966) darauf zu achten, dass diese Angaben nicht nur entlang von Autobahnen erfolgen, sondern auch an anderen weniger stark befahrenen Straßen.

Detailkarten stellen die größte Gruppe der Straßenkarten dar. Der Maßstab 1:150.000 ist au-ßerdem der größte Maßstab für den es flächen-deckend Karten von Deutschland gibt. So wird in diesem Maßstab Deutschland auf 16 Blättern in der Kartenserie der „Falk Regionalkarten“ und auf 23 Blättern in der Serie der „Shell Regional-karten“ (beide MairDumont) komplett dargestellt. Deutlich mehr Straßenkartenserien gibt es für den Maßstab 1:200.000. Hier wird Deutschland durch die „ADAC AutoKarten Deutschland“, durch die „ADAC StraßenKarten Pocket Deutschland“, durch die „Generalkarte Extra Deutschland“ (alle MairDumont) und durch die „Aral Regionalkarten“ (Busche Verlag) flächendeckend abgedeckt.

Darüber hinaus bringt beispielsweise der Ver-lag MairDumont einige Produktfamilien mit europäischen Regionen als Detailkarten heraus wie die „ADAC UrlaubsKarten“, die „Shell Ur-laubskarten“ und die „Generalkarten“. Außerdem

haben viele Verlage Kartenserien für kleinere Regionen im Angebot, wie z. B. der Höfer Ver-lag mit einer zehnteiligen Straßenkartenserie von Regionen Polens im Maßstab 1:200.000 oder der Verlag Dr. Barthel mit einer fünfteiligen Serie von Regionen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ebenso im Maßstab 1:200.000.

Schließlich existiert auch eine große Anzahl an Detailkarten, die in Produktfamilien mit sehr unter-schiedlichen Maßstäben vorkommen. Hierzu zäh-len u. a. die „Urlaubskarten“ von Michael Seipp, Kartographie&Verlag mit Maßstäben zwischen 1:100.000 und 1:5.400.000 oder die Straßenkar-ten vom Borch Verlag mit Maßstäben zwischen 1:160.000 und 1:4.000.000.

2.2.2 Regionalkarten

Karten mit Maßstäben kleiner als 1:250.000 bis 1:500.000 werden als Regionalkarten bezeichnet. Regionalkarten bilden auf Deutschland bezogen oft mehrere Bundesländer ab oder bei kleine-ren Ländern auch ein ganzes Land, wie z. B. die Schweiz. Sie sind wie Detailkarten oft in Karten-serien zusammengefasst.

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Abb. 2: Ausschnitt einer Regionalkarte aus „Falk Bundesländer-karte 5 Berlin / Brandenburg“ 1:300.000

Regionalkarten sollen wie Detailkarten dem Au-tofahrer unmittelbar zur Orientierung bei seiner Fahrt dienen. Sie sind allerdings maßstabsbe-dingt weniger detailliert und enthalten daher in der Regel weniger Straßenkategorien. Regional-karten bieten jedoch eine bessere Übersicht als Detailkarten, da sie ein weiträumigeres Gebiet abdecken. Sie sollen im Unterschied zu Detail-karten die Verbindung zu größeren Ortschaften stärker verdeutlichen. Dementsprechend müs-sen vor allem Straßen mit hohem Verkehrswert, also beispielsweise Autobahnen, autobahnähnli-che Straßen und Fernstraßen deutlich dargestellt werden.

Unterschiede gibt es auch bei der Siedlungsdar-stellung. Die in Detailkarten oft verwendete Ein-zelhausdarstellung findet in Regionalkarten keine Berücksichtigung mehr. Siedlungen werden hier entweder als zusammenhängende kompakte Flä-chen oder bei kleineren Ortschaften als Signatur wiedergegeben (s. Abb. 2).

Für die Gruppe der Regionalkarten stehen ex-emplarisch die Serie der Michelin „REGIONAL-Karten“, die Deutschland auf sechs Karten im Maßstab 1:350.000 abbildet und die Serie der „Aral Deutschland Karten“ (Busche Verlag), die Deutschland auf acht Karten im Maßstab 1:400.000 abdeckt. Hinzu kommen wie bei den Detailkarten eine Vielzahl von Regionalkarten, die in Produktfamilien auftreten.

2.2.3 Großraumkarten

Als Großraumkarten hat der Autor Straßenkar-ten mit Maßstäben kleiner als 1:500.000 bis einschließlich 1:1.500.000 festgelegt. In der Re-gel wird ein ganzes Land dargestellt, wie z. B. Deutschland. Großraumkarten stellen oft mit Re-gionalkarten und Übersichtskarten zusammen eine Produktfamilie dar und bilden zusammenge-fasst meist mehrere Länder eines Kontinents oder einen ganzen Kontinent ab.

Großraumkarten umfassen ein sehr weiträumi-ges Gebiet und eignen sich insbesondere für den Durchgangsverkehr. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Wertung, z. B. dem Verkehrswert einer Straße oder die Attraktivität einer Stadt (FINKE, 1966). Daher müssen Straßen, die die Verbin-dung zwischen größeren Ortschaften herstellen, deutlich dargestellt und hierarchisch abgestuft

sein. Gleiches gilt für größere Ortschaften und ihrer Beschriftung. Wie schon in Regionalkarten sind Orte meist als Flächen und Signaturen dar-gestellt. Die Auswahl an flächenhaften Siedlun-gen ist allerdings in der Regel zugunsten der Sig-naturdarstellung stärker eingegrenzt (s. Abb. 3).

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Abb. 3: Ausschnitt einer Großraumkarte aus „Marco Polo Län-derkarte Deutschland“ 1:800.000

Als Beispiele für Produktfamilien, die Großraum-karten enthalten, dienen die „Aral Länderkarten“ in den Maßstäben 1:400.000 bis 1:1.000.000 (Busche Verlag), die „Shell Länderkarten“ in den Maßstäben 1:300.000 bis 1:750.000, sowie die „Falk Länderkarten“ und die „Marco Polo Auto-karten“ jeweils in den Maßstäben 1:300.000 bis 1:2.000.000 (alle MairDumont). Eine Produktfami-lie oder Kartenserie, die ausschließlich aus Groß-raumkarten besteht, konnte nicht recherchiert werden.

2.2.4 Übersichtskarten

Bei Karten mit einem Maßstab kleiner als 1:1.500.000 handelt es sich um Übersichtskarten. Übersichtskarten bilden - bei sehr großen Län-dern - ein ganzes Land ab, beispielsweise Brasili-en, oder einen ganzen Kontinent.

Übersichtskarten sind in erster Linie für die Pla-nung einer Fernreise konzipiert und dienen in ein-geschränktem Maße auch als Orientierung wäh-rend der Fahrt. Sie sollen lediglich einen groben Überblick über das zu befahrende Gebiet schaf-fen. Da Übersichtskarten auf den Fernverkehr ausgerichtet sind, sollte das Straßennetz auf die bedeutendsten Verkehrswege reduziert und die Verbindung zwischen den wichtigsten Städten und die Abzweigungen vereinfachend, aber ein-deutig gekennzeichnet sein.

Gleichzeitig müssen Metropolen prägnant wieder-gegeben werden. Das kann durch eine hervorste-chende Beschriftung ermöglicht werden, even-tuell auch in Verbindung mit einer flächenhaften Siedlungsdarstellung. Weniger große Ortschaften werden deutlich in den Hintergrund gestellt und durch kleinere Beschriftung und Punktsignatu-ren dargestellt. Eine solche Siedlungsdarstel-lung in Verbindung mit dem oben beschriebenen Straßennetz ermöglicht eine gute Übersicht der Verkehrswege zwischen bedeutenden Städten (s. Abb. 4).

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Abb. 4: Ausschnitt einer Übersichtskarte aus „Falk Länderkarte Europa“ 1:4.500.000

Entfernungsangaben sind besonders an höher-wertigen Straßen von großer Bedeutung, damit der Nutzer in für ihn wenig bekannten Gebieten große Entfernungen genau abschätzen und da-raufhin seine Reise planen kann. Für die Reise-planung ist außerdem die Nummerierung von Au-tobahnen und Fernstraßen wichtig. So kann sich der Nutzer besser auf dem Kartenbild orientieren und die Straßen mit Karten größeren Maßstabs vergleichen.

Übersichtskarten sind die kleinste Gruppe der Straßenkarten. Sie sind in der Regel in Produkt-familien zusammen mit Regional- und Groß-raumkarten gefasst. Dies ist u. a. bei den „Falk Länderkarten“, den „Marco Polo Kontinental- und Länderkarten“, den „Shell Länderkarten“ (alle MairDumont), den „Busche Maps“ (Busche Ver-lag) und den Straßenkarten vom Borch Verlag und des Reise Know-How Verlags der Fall. Wie schon bei den Großraumkarten konnte unter den untersuchten Verlagen keine Serie oder Produkt-familie ermittelt werden, die nur Übersichtskarten enthält.

2.3 Eigenschaften von Straßenat-lanten

Eine Klassifizierung nach Maßstäben, wie sie im Kapitel 2.2 bei Straßenkarten vorgenommen wurde, ist bei Straßenatlanten nicht möglich, da Straßenatlanten in der Regel Karten unterschied-licher Maßstäbe beinhalten (vgl. Kapitel 2.1.2).

Daher ist es ratsam für die Systematisierung von Straßenatlanten ein anderes Charakteristikum heranzuziehen. In Frage kämen z. B. folgende Merkmale:

- das Format
- die Art der Bindung
- die Art des Umschlags
- die Breite des Buchrückens
- die Höhe des Buchrückens
- die Seitenanzahl
- das Darstellungsgebiet

Der Verfasser wird in der Arbeit nicht näher auf die einzelnen Möglichkeiten der Klassifizierung von Straßenatlanten eingehen. Bei der Vorstel-lung der Verlage und Produkte im Kapitel 4 soll es ausreichen, wenn die Straßenatlanten jedes Verlags mit Titel, den dargestellten Gebieten und ihren Maßstäben aufgeführt werden ohne sie da-bei in Klassen zu gliedern.

2.4 ISBN zur Abgrenzung nicht deutschsprachiger Verlage

Wie in der Einleitung erwähnt, ist es Ziel der Un-tersuchung, sowohl Straßenkarten Straßenat-lanten deutscher Verlage als auch Straßenkar- ten und Straßenatlanten ausländischer Verlage - sofern diese einzeln oder in einer Serie oder Produktfamilie Deutschland vollständig abbilden - zu erfassen. Ein Indiz, aus welchem Staat oder zumindest aus welchem Sprachraum der Verlag eines bestimmten Produkts stammt, gibt die Inter­nationale Standardbuchnummer (ISBN).

Die ISBN wird seit ca. 1970 insbesondere im Buchhandel dazu benutzt, um Bücher weltweit eindeutig zu identifizieren und Bestellvorgänge zu vereinfachen (Internetverz. Nr. 4). Neben Bücher verfügen auch andere Produkte wie Broschüren, Hörbücher und Karten über eine ISBN.

Bis 2006 hatte der Nummernraum einer ISBN zehn Stellen. Als Resultat des immer stärker wachsenden Verlagswesens wurden die Num-mern allerdings viel schneller verbraucht, als ur-sprünglich bei der Einführung des ISBN-Systems angenommen. Besonders in Osteuropa und im englischen Sprachraum gab es Schwierigkeiten, für neue Verlage und Publikationen Nummern zu vergeben. Daher wurde beschlossen, die drei-zehnstellige ISBN-13 einzuführen. Alte ISBN im zehnstelligen Format werden nun als ISBN-10 bezeichnet. Der für die ISBN zur Verfügung ste-hende Zahlenraum konnte dadurch verdoppelt werden (Internetverz. Nr. 5).

Neben der Verdoppelung des Zahlenraumes war die Kompatibilität mit dem System internationaler Artikelnummern EAN (früher „European Article Number“), die die Identifikation von Handelsarti-keln aus aller Welt gewährleistet, der wichtigste Grund für die Umstellung. Das Format der ISBN-13 wurde so gewählt, dass die Zahlenfolge iden-tisch mit der zugehörigen EAN-13-Artikelnummer ist. So ist auch der für das EAN-System verwen-dete Strichcode mit dem ISBN-13-System kom-patibel.

Seit dem 1. Januar 2007 ist die Angabe der ISBN-13 verbindlich. 10-stellige ISBN werden seitdem nicht mehr vergeben. Die alten 10-stelligen ISBN wurden durch das Vorsetzen eines dreistelligen Präfixes problemlos in das EAN-System einge-gliedert.

Die ISBN-13 setzt sich aus 13 Stellen zusammen, die durch Bindestriche oder Zwischenräume in fünf Teile getrennt und denen die Buchstaben ISBN vorangestellt sind. Ein Beispiel soll das ver-deutlichen: ISBN 978-3-5281-6612-8

1. Teil: Die ISBN beginnt mit dem Präfix, einer dreistelligen Zahl, die von EAN International vor-gegeben wird. Das Präfix ist je nach Artikel 978 oder 979.

2. Teil: Dem folgt die Gruppennummer, die den Sprachraum kennzeichnet und von der Internati-onalen ISBN-Agentur in London festgelegt wird. Die Gruppennummer besteht je nach Sprach-raum aus einer bis fünf Ziffern. Die häufigsten Gruppennummern sind die 0 und 1. Sie stehen für den englischen Sprachraum. Deutschsprachi-ge Gebiete (Deutschland, Liechtenstein, Öster-reich, deutschsprachige Schweiz) werden durch die 3 gekennzeichnet (Internetverz. Nr. 6). Eine Übersicht zu allen Gruppennummern und ihrem entsprechenden Sprachraum ist im Anlagenband auf Seite 8 und 9 aufgeführt.

3. Teil: Der nächste Ziffernblock steht für die Ver-lagsnummer. In Verbindung mit der Gruppennum-mer lässt sich anhand der Verlagsnummer der pu-blizierende Verlag eines Produkts ermitteln. Die Verlagsnummer kann unterschiedlich viele Ziffern enthalten. Je kürzer sie ist, desto höher ist die An-zahl der Publikationen eines Verlags. Die Verlags-nummer wird von der nationalen oder regionalen ISBN-Agentur vergeben. Für Deutschland ist dies die ISBN-Agentur in Frankfurt am Main.

4. Teil: Die Titelnummer wird durch den 4. Teil der ISBN gekennzeichnet. Sie identifiziert im Zu-sammenhang mit der Verlagsnummer eindeutig ein einzelnes Produkt. Die Titelnummer kann vom Verlag frei gewählt werden. Dem Verlag stehen

umso mehr Stellen zur Verfügung, je geringer zu-sammengenommen die Stellenzahl der Gruppen-und Verlagsnummer ist.

5. Teil: Die ISBN schließt mit der Prüfziffer ab. Die Prüfziffer ermöglicht das Erkennen von Tipp-fehlern in einer ISBN. Erkannt werden kann ein einzelner Tippfehler und die Vertauschung von zwei Ziffern.

Zur Abgrenzung von in- und ausländischen Ver-lagen bietet die Gruppennummer als Merkmal für den Sprachraum also ein erstes Indiz. Hierbei ist das Kuriosum aufgetreten, dass ein ausländi-scher Verlag - GeoCenter UK - mit deutschspra-chiger ISBN im Ausland aktiv ist. Dies ist damit zu erklären, dass die Deutschlandkarten der Firma GeoCenter UK noch vor einiger Zeit unter dem Label „EuroCard“ auf dem deutschen Markt ange-boten wurden. Mittlerweile erscheinen die Karten in leicht modifizierter Form unter dem Label „Geo-Center“ im Ausland - mit einer deutschen ISBN.

Bei den Produktrecherchen hat sich außerdem ergeben, dass einige Verlage über mehrere Ver-lagsnummern verfügen. So haben die ADAC und Shell Produkte von MairDumont eine andere Ver-lagsnummer als die vom selben Verlag stammen-den Produkte von Falk. Auch der Kunth Verlag ist mit mehreren Verlagsnummern vertreten. Zu erklären ist dieser Umstand z. B. durch die Über-nahme von Fremdverlagen oder durch Kooperati-onen mit Tochterunternehmen.

3 Entwicklung der Stra-ßenkarten und Straßenat-lanten in Deutschland

„Kaum eine andere Stra ß engattung erfreute sich seit früher Zeit eines größeren Zuspruchs als jene, in denen Stra ß enzüge zur Abbildung gelangten“ (BoNAckER , 1973: S. VI).

So sind beinahe alle kartographischen Erzeug-nisse, die aus ältester Zeit überliefert sind, als eine Art Wegekarte aufzufassen. Insbesondere in der römischen Zeit entstanden eine Vielzahl von Karten mit Eintragungen von Flächenanteilen der Grundeigentümer, Straßen und Flüssen. Das bekannteste Werk dieser Zeit ist laut BoNAcKER (1973) die Peutingersche Tafel, die das gesamte Römische Reich abdeckt.

Die Erfindung des Buchdrucks um 1440 sorgte für einen ungeahnten geistigen Aufschwung und für eine damit verbundene enorme Verbreitung von Karten. Als Folge dessen entstanden in Italien am Ende des 15. Jahrhunderts die ersten Kartenver-lage (BollMANN & KocH, 2001).

In Deutschland kamen erste Kartenverlage im 18. Jahrhundert auf. Als bedeutendster Verleger dieser Zeit gilt Johann Baptist Homann. Homann und andere Verleger wie Matthäus Seutter und Tobias Conrad Lotter produzierten u. a. Karten und Kartenfolgen, die als Frühform der moder-nen Straßenkarten gelten. Zu verdanken war dies insbesondere dem Postwesen. Da ständig neue Postrouten speziell zwischen Deutschland, Eng­land und Frankreich entstanden, war die Nach-frage nach Reisekarten und Atlaswerken mit Dar-stellung der Postwege groß. So stellte BoNAcKER (1973) fest, dass in keinem anderen Land zu die-ser Zeit so viele Postroutenkarten erstellt wurden wie in Deutschland.

Im 19. Jahrhundert wurde durch das Aufkommen der Eisenbahnen und Telegrafeneinrichtungen das Postwesen revolutioniert. Im Zuge dessen nahm die Produktion von Straßenkarten weiter zu. Eine der bedeutendsten Karten zu dieser Zeit war so BoNAcKER (1973) die „General-Post- und Reisekarte von Mitteleuropa“ der Autoren Hend-schel und Ravenstein. Führende kartographische Verlage waren in Deutschland z. B. das Bibliogra-phische Institut von Meyer in Hildburghausen und Justus Perthes in Gotha.

Die Entwicklung der Straßenkarten und -atlanten im 20. Jahrhundert ist eng mit der Entwicklung des Automobils verknüpft. Straßenkarten und Straßenatlanten entsprachen nun immer mehr den heutigen modernen Straßenkarten und -at-lanten, also solchen, die der Planung von Fahrten und der Orientierung bei Fahrten mit Kraftfahr-zeugen dienen. So brachte beispielsweise das französische Unternehmen Michelin als Folge der zunehmenden Popularität des Automobils 1910 seine erste französische Straßenkarte heraus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Welche Kartenverlage in Deutschland vor dem 1. Weltkrieg Straßenkarten produzierten ist nur schwer nachvollziehbar. Das landkartenarchiv. de hat für diese Zeit lediglich die Verlage Raven-stein-Liebenow’s und Mittelbach’s recherchiert (Internetverz. Nr. 7). Die „Ravenstein-Liebenow’s Rad- und Automobilkar-ten“ von Mitteleuropa im Maßstab 1:300.000 decken auf 164 Karten ganz Mitteleuropa ab. Vom Mittelbach’s Ver-lag aus Leipzig gab es eine 80-teilige regiona-le Straßenkartenserie im Maßstab 1:300.000 - die „Mittelbach’s Neue Rad-, Auto und Verkehrskarte“ - für Deutschland, Schweiz, Österreich, Norditalien und der Tsche-choslowakei (s. Abb. 5).

In den 20er und 30er Jahren wurden Straßenkar-ten auch in Deutschland zunehmend von Reifen-firmen hergestellt. So machte sich Continental aus Hannover nicht nur durch die Fabrikation von Autoreifen, sondern auch durch die Produktion

von Straßenkarten und Straßenatlanten einen Na-men. Laut dem landkartenarchiv.de ist die 1934 erschienende Continental Autokarte Deutschland 1:1.500.000 die älteste deutschlandweite Stra-ßenkarte (Internetverz. Nr. 8) (s. Abb. 6). Neun Jahre zuvor veröffent-lichte Continental seinen ersten Straßenatlas, den „Continental Atlas für Kraftfahrer“, der Vorläu-fer des großen Conti-At-lasses. Noch bis weit in die 80er Jahre gehörten die so genannten „Con-tis“ zur Grundausstattung jedes Automobils. Auch Michelin hatte in den 30er Jahren den deut-schen Markt für sich ent-deckt und brachte 1931 seine erste Straßenkarte mit deutschem Gebiet heraus (Internetverz. Nr. 9). Heute produziert Mi­chelin Straßenkartenserien flächendeckend von Deutschland im Maßstab 1:350.000.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben Reifenherstellern sind es vor allem Kraft-stofffirmen, die Kartenverlage unterstützen oder sie direkt mit der Herstellung von Straßenkarten und -atlanten beauftragen. So stellte bereits vor dem 2. Weltkrieg die Fritz Busche Druckereige-sellschaft (heute Busche Verlagsgesellschaft) für die Organisation BV Benzolverband (heute Aral) seine ersten Straßenkarten her, die so genann-ten „blauen“ Straßenkarten. In den 30er Jahren erschien außerdem eine 30-Teilige Straßenkar-tenserie von Deutschland im Maßstab 1:250.000 unter dem Label Esso. Zwischen 1934 und 1939 produzierte der Shell-Reisedienst fünf Auflagen einer 20 bis 25-teiligen Straßenkartenserie des Deutschen Reichs. Die Karten waren, mit Ausnah-me des ersten Jahrgangs 1934/35 (1:725.000) im Maßstab 1:470.000. Weitere Mineralölfirmen mit Straßenkarten im Angebot waren Olex (Vorläufer-firma der Deutschen BP) und Leuna (heute nicht mehr existent).

Eine große Rolle bei der Verbreitung von Straßenkarten und Straßenatlanten spielen dar-über hinaus Automobilclubs. Der Deutsche Auto-mobilclub (DDAC) - Vorgänger des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) - brachte in den 30er und 40er Jahren Straßenkarten von Ge-samtdeutschland in den Maßstäben 1:1.000.000 und 1:1.250.000 heraus.

Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 hatte zur Folge, dass der Absatz von Kraft-fahrzeugen anstieg - und damit auch die Nach-frage nach Straßenkarten und Straßenatlanten. Abbildung 7 zeigt den Bestand an Kraftfahrzeu-gen in Deutschland von 1920 bis 2007. Bis zum 2. Weltkrieg ist nur ein leichter Anstieg von unter einer Million auf ca. vier Millionen Kraftfahrzeu-ge zu verzeichnen. Mit Beginn des 2. Weltkriegs sank der Bestand innerhalb von sieben Jahren auf etwa eine Million. Seitdem ist der Kfz-Be-stand mit nur wenigen Ausnahmen - im negativen Sinne 1974 hervorgerufen durch die Ölkrise und im positiven Sinne 1990 bedingt durch die Wie-dervereinigung - linear auf über 55 Millionen im Jahr 2007 angestiegen. Proportional zum Absatz der Kraftfahrzeuge hat sich auch die Anzahl an Straßenkarten und Straßenatlanten entwickelt.

„Vor allem in den 60er Jahren wurden in ganz Deutschland sehr viele Autobahnen gebaut und viele Bundesstraßen ausgebaut, so dass die Ver-lage teilweise jedes halbe Jahr neue Straßenkar-ten veröffentlichen mussten“ (Internetverz. Nr. 10). Wegen der Vielzahl an bestehenden und der Unmenge an geplanten Autobahnen wurden laut dem landkartenarchiv.de die Autobahnen in den 70er Jahren nummeriert. Neben den Europastra-ßennummern gab es nun ein einheitliches Num-merierungssystem auf den westdeutschen Auto-bahnen. Auch das war für viele Verlage Anlass neue Auflagen ihrer Karten und Atlanten zu ver-öffentlichen. Ansonsten gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keine gravierenden inhaltlichen Verän-derungen in Straßenkarten und Straßenatlanten.

Nach 1945 tauchten in der Kartographie zwei neue Namen auf: Falk revolutionierte mit den pa-tentierten Falk-Plänen die Welt der Stadtpläne. Ab sofort konnte man einen großen Stadtplan wie ein kleines Buch benutzen. 1976 hatte Falk erst-mals einen Straßenatlas in sein Programm aufge-nommen (DER FAlK-VERlAG, 1995). Später folgten auch Straßenkarten.

Mairs Geographischer Verlag startete Anfang der 50er Jahre die Zusammenarbeit mit Shell, in des-sen Folge bereits 1950 der erste Shell Atlas auf den Markt kam. Wenig später gingen aus dieser Zusammenarbeit die „Shell-Wegweiser“ im Maß-stab 1:500.000 und die bis heute bekannten „Ge-neralkarten“ im Maßstab 1:200.000 hervor. Durch die Kooperation mit dem 1958 gegründeten ADAC Verlag wurden in den folgenden Jahrzehnten u. a. Stadtpläne, Stadtatlanten, Straßenkarten, Stras-senatlanten und Freizeitkarten herausgebracht. Mairs Geographischer Verlag entwickelte sich so zum Marktführer im Kartographiebereich.

Lange Zeit waren für Autofahrer die Aral Straßen-karten und Straßenatlanten ein unverzichtbarer Bestandteil, die von der Fritz Busche Druckerei-gesellschaft produziert wurden. Diese gründete 1972 einen eigenen Verlag, die Kartographische

Verlags Busche GmbH (heute Busche Verlags-gesellschaft mbH), um den wachsenden Ansprü-chen des Großkunden Aral gerecht zu werden.

In den 80er Jahren traten einige bis heute exis-tierende Verlage hervor, die zwar in erster Linie keine Straßenkarten von deutschen Gebieten produzieren, aber dennoch in der Arbeit ihre Berücksichtigung finden sollen. 1985 wurde die Reise Know-How Peter Rump GmbH in Bielefeld gegründet. Der Verlag ist auf die Bedürfnisse von Fernreisenden spezialisiert und bietet neben Rei-seführern u. a. auch Straßenkarten von Regionen aus der ganzen Welt an. Im selben Jahr entstand der Höfer Verlag in Dietzenbach im Landkreis Of­fenbach, der Straßenkarten ausschließlich mittel-und osteuropäischer Regionen produziert. Der 1987 gegründete Kartographischer Verlag Rein­hard Ryborsch aus Obertshausen legt seinen Schwerpunkt auf Straßenkarten der Türkei.

Die Wiedervereinigung brachte einen kurzfristi-gen Absatzschub der Straßenkarten und -atlanten hervor. So konnte beispielsweise Mairs Geogra-phischer Verlag durch die kostenlose Verteilung von 300.000 Shell Atlanten „Straßen und Reisen“ an der DDR-Grenze am Tag des Mauerfalls 1989 und den Verkauf seiner Shell Atlanten ein Jahr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Entwicklung des Kfz-Bestands in Deutschland von 1920 - 2007 aus: www.guenzl.net/enthemmung/alt.htm

später zum Umtauschkurs 1:1 in den neuen Bun-desländern rasch expandieren (Internetverz. Nr. 11).

Für die Verlagslandschaft brachte die Vereinigung der beiden deutschen Staaten hingegen keine großen Veränderungen. So stellte ScHulz (2006) fest, dass lediglich drei Verlage nach der Wieder-vereinigung hinzugekommen sind: die VEB Her­mann Haack Geographisch-Kartographische An-stalt, der Tourist Verlag - der in der DDR u. a. für die Herausgabe von Straßenkarten zuständig war - und der VEB Räth-Globen. Allein der VEB Räth-Globen existiert auch heute noch unter der Be-zeichnung „Räthgloben 1917 Verlagsgesellschaft mbH“. Der Verlag ist in der Straßenkartographie allerdings nicht tätig.

In den 90er Jahren machte vor allem der Falk Verlag von sich reden. So kooperierte der Falk Verlag zu Beginn der 90er Jahre mit dem Rei-se- und Verkehrsverlag (RV Verlag). 1994 wur-den beide Verlage in die neu gegründete Firma GeoData Geographische Datenbanken GmbH zusammengefasst, um drei Jahre später zur Falk Verlag AG zu fusionieren. 1998 wurde die Falk Verlag AG durch die Bertelsmann AG übernom-men. Es kam zur Firmenumbenennung in die Falk Verlag GmbH. Noch im gleichen Jahr kaufte Mairs Geographischer Verlag schließlich die Firma Falk Verlag GmbH auf und baute dadurch seine füh-rende Position im Kartographiesektor aus. Ne-ben einer breiten Palette an Straßenkarten und Straßenatlanten konnte Mairs Geographischer Verlag sein Sortiment vor allem mit Falk Stadtplä-nen und Stadtatlanten erweitern. Die Übernahme machte insbesondere aus Gründen des Marketings Sinn, steht doch der Name Falk seit Jahrzehnten als Synonym für Stadtpläne, Straßenkarten und Straßenatlanten.

Nachdem sich Mairs Geographischer Verlag 1999 vom ADAC Verlag getrennt hatte, waren Mairs Geographischer Verlag und der ADAC Ver-lag die beiden marktbeherrschenden Kartogra-phieverlage in Deutschland. Dieser Zustand hielt allerdings lediglich acht Jahre an, da MairDumont

(ehemals Mairs Geographischer Verlag) 2007 die komplette ADAC Kartographie übernahm. Seit-dem ist MairDumont erneut alleiniger Marktführer im Kartographiesektor.

Neu am deutschen Markt sind seit 1997 vertreten der Kunth Verlag in München, der Verlag Michael Seipp Kartographie&Verlag mit Sitz in Frankfurt am Main, der Anfang 2008 die K+G Karto+Grafik Verlagsgesellschaft aufgekauft hat und der Borch Verlag, der 2003 aus der ehemaligen Berndtson & Berndtson GmbH entstand.

Aktuell existieren 14 Verlage in Deutschland, die Straßenkarten oder Straßenatlanten herausge-ben. Die auflagenstärksten Verlage, das heißt Verlage mit mehr als 50 Straßenkarten und Stra-ßenatlanten im Angebot sind in absteigender Fol-ge:

- MairDumont
- Reise Know-How Peter Rump GmbH
- Kunth Verlag
- Michael Seipp Kartographie&Verlag
- Busche Verlagsgesellschaft mbH

Davon sind lediglich zwei Verlage am deut-schen Markt vertreten, die Deutschland im Maß-stab 1:200.000 oder größer flächendeckend auf Straßenkarten oder Straßenatlanten abdecken:

- MairDumont mit der Kartographie vom ADAC, von Falk, von Shell und den Generalkarten und
- die Busche Verlagsgesellschaft mbH mit den Aral Karten.

Alle anderen Verlage:

- stellen Deutschland in ihrer Gesamtheit in kleineren Maßstäben dar (Bacher Verlag, Borch Verlag, Kartographischer Verlag Rein­hard Ryborsch, Naumann & Göbel Verlags-gesellschaft mbH, Stiefel Verlag, Verlag Wolf­gang Kunth),
- stellen nur bestimmte Regionen von Deutsch-
land dar (Höfer Verlag, IDEEmedia GmbH,
Michael Seipp Kartographie&Verlag, Verlag
Dr. Barthel)
- oder sind ausschließlich auf ausländische
Gebiete spezialisiert (Reise Know-How Peter
Rump GmbH).

Abgesehen von den deutschen Verlagen konnte eine hohe Zahl an ausländischen Verlagen erfasst werden, die Straßenkarten oder Straßenatlanten produzieren, auf denen Deutschland flächende-ckend abgebildet ist. Neben den bereits schon seit den 30er Jahren auf dem deutschen Markt vertretenden Produkten von Michelin sind insbe-sondere die Karten und Atlanten des Schweizer Verlagshauses Hallwag Kümmerly+Frey AG so-wie des österreichischen Verlags Freytag-Berndt u. Artaria KG zu nennen. Dazu kommen zahl-reiche Verlage, die meist nur eine Karte mit der Abbildung von Deutschland in der Regel im Maß-stab zwischen 1:700.000 und 1:1.000.000 an-bieten. Hierfür stehen exemplarisch die Verlage Cartographia (Ungarn), Hema Maps (Australien), Philip’s Maps (England), Road Editions (Grie-chenland) und SHOCart (Tschechien).

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Verlagskartographie seit einigen Jahren durch einen starken Konzentrationsprozess ge-kennzeichnet ist. Immer mehr Verlage schließen sich zu Verlagsgruppen zusammen oder werden von anderen Verlagen aufgekauft. Das Ergebnis ist oft eine Reduzierung der Kartenvielfalt. Diese Entwicklung betrifft auch die Straßenkartographie. Dennoch gibt es in Deutschland immer noch viele kleine Betriebe, die sich spezialisiert haben und sich durch ihre Nischentätigkeit auf dem Markt behaupten können. Überraschend ist darüber hi-naus die Vielzahl an ausländischen Verlagen, die mit Karten deutschen Gebiets hierzulande vertre-ten ist.

4 Herausgeber von Stra-ßenkarten und Straßenat-lanten

In den folgenden Kapiteln werden Verlage und ihre Produkte näher vorgestellt. Als Redakti-onsschluss wurde der 01.11.2008 festgelegt.

Im Kapitel 4.1 sind zunächst alle deutschen Verlage in alphabetischer Folge aufgeführt, die Straßenkarten und Straßenatlanten in ihrem Pro-duktsortiment haben. Dabei ist es irrelevant, ob die Verlage Karten und Atlanten mit deutschem oder ausländischem Gebiet produzieren. Eine geographische Übersicht der deutschen Verlage bietet die Abbildung 8.

Anders stellt sich die Lage bei den ausländi-schen Verlagen im Kapitel 4.2 dar. Hier wurden nur jene Verlage erfasst, die Straßenkarten und Straßenatlanten anbieten, auf denen Deutschland flächendeckend abgebildet ist oder die Deutsch­land in einer Serie oder Produktfamilie flächen-deckend abbilden - und zwar unabhängig davon, ob der Verlag seine Deutschlandkarten und -at-lanten nur im Ausland verkauft oder auch auf dem deutschen Markt tätig ist. Auch die ausländischen Verlage sind vom Verfasser in alphabetischer Reihenfolge behandelt worden.

Für die Produktrecherchen sind die aktuellen Ver-lagsprogramme und die Internetseiten der Ver-lage herangezogen worden. Straßenkarten und Straßenatlanten, die im Handel erhältlich, aller-dings nicht im aktuellen Verlagsprogramm oder auf der Verlagshomepage gelistet sind, fanden in dieser Arbeit keine Berücksichtigung. Dies gilt beispielsweise für die deutschen Karten des Reise Know-How Verlags, die zwar über ver-schiedene Internet-Versandhäuser zu bestellen sind, allerdings weder auf der Reise Know-How Homepage noch in dessen Verlagsprogramm aufgeführt sind.

Ebenfalls unberücksichtigt bleiben Produkte, die nicht über eine ISBN verfügen. Dies trifft beispiels-weise auf Waren zu, die über Handelsketten (z. B. Aldi, Lidl, Penny) vertrieben werden sowie auf kartografische Sonderanfertigungen für Firmen.

Neben einer reinen Verlags- und Produktrecher-che wurden von den meisten Verlagen ein oder mehrere Produkte näher beschrieben.

Die Auswahl der Produkte hing zunächst einmal davon ab, welche Freiexemplare die Verlage zur Verfügung gestellt haben. Daneben wurden, wenn vorhanden, Karten gewählt, die Gesamtdeutsch-land oder Berlin und seine Umgebung abbilden. Da die finanziellen Mittel begrenzt waren, konnten letztlich nicht von jedem Verlag Produkte unter-sucht werden.

Bei der Produktbeschreibung wurde zum einen auf Merkmale wie die Größe der Karte im gefalteten und ungefalteten Zustand, das Material des Kar-tendeckels bzw. Buchdeckels, die Art der Falzung und das Vorhandensein und die Positionierung von Nebenkarten, Legende und Ortsverzeichnis eingegangen. Zum anderen wurde das Karten-bild näher untersucht, ohne dabei allerdings auf eine detaillierte Beschreibung jedes einzelnen Inhaltselements einzugehen. Die Untersuchung bezog sich in erster Linie auf die Art der Darstel-lung der Straßen und Ortschaften, da dies die für eine Straßenkarte wichtigsten Inhaltselemente sind (vgl. Kapitel 2.1.1). Daneben wurden Beson-derheiten und Auffälligkeiten im Kartenbild sowie der Gesamteindruck der Karte beschrieben.

Zu erwähnen ist abschließend, dass trotz sorgfäl-tiger und umfangreicher Recherche, vermutlich nicht alle Verlage und Produkte - dies gilt insbe-sondere für die ausländischen - lückenlos erfasst wurden. Dennoch geben die nachfolgenden Ka-pitel einen umfassenden Einblick über die Vielfalt an Verlagen, Verlagsgruppen und Produkten aus dem Straßenkartensektor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Karte der Bundesrepublik Deutschland mit Darstellung der Verlage, die Straßenkarten und / oder Straßenatlanten produzieren

4.1 Verlage und Verlagsgruppen in Deutschland

Für Deutschland konnten 14 Verlage re-cherchiert werden, die Stra ß enkarten und Stra ß enatlanten produzieren. Diese werden nachstehend vorgestellt.

4.1.1 ADAC Verlag

Der ADAC Verlag ist eine von vielen Sparten des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC). Er entwickelte sich neben MairDumont zu einem der größten Kartographie- und Reise-führerverlagen in Deutschland und ist - trotz des Verlustes fast des gesamten ADAC-Kartogra-phieprogramms im Jahr 2007 an MairDumont - in diesem Gebiet zum Teil auch heute noch Markt-führer.

Tab. 1: Firmenprofil des ADAC Verlags

Der ADAC Verlag beschäftigte 2007 220 Mitarbei-ter und machte im selben Jahr einen Umsatz von fast 88 Millionen Euro bei 4,8 Millionen verkauften Printprodukten. In der Top-100 des „buchreports“ der größten Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz belegt der ADAC Verlag Platz 43 (Internetverz. Nr. 12).

Seit seiner Gründung im Jahr 1958 hat der ADAC Verlag mehr als 100 Millionen Exemplare seiner Printprodukte (ohne die Zeitschrift „Motorwelt“) verkauft. Damals beschloss der ADAC einen eige-nen Verlag zu gründen, um den Mitgliedern „das Wissen der ADAC-Experten ... auch in Buchform zugänglich zu machen“ (ScHulz, 2006: S. 26). So wurden zunächst neben der bis heute erschei-nenden Zeitschrift „Motorwelt“ auch Campingfüh-rer und kleinformatige Ratgeber herausgebracht. Bis in die 80er Jahre blieb das Sortiment über-schaubar. Später kamen zahlreiche Reiseführer, Naturführer, Ratgeber und Nachschlagewerke hinzu, sowie Atlanten, Straßenkarten und Stadt-pläne. Dies wurde in erster Linie dank einer Viel-zahl von Zusammenschlüssen realisiert. So über-nahm 1984 Mairs Geographischer Verlag den Vertrieb von 60 ADAC-Titeln. 1990 erfolgte eine Kooperation mit dem Springer Verlag, in dessen Zuge die ADAC Reisemagazine neu erschienen. 1994 kooperierte der ADAC Verlag mit dem Pries-ter Verlag zur Gründung der ADAC-Reiseführer. Wieder vier Jahre später folgte die Integration des Haupka Verlags, der für die Produktion der ADAC Stadtatlanten und Stadtpläne zuständig war.

Im Jahr 1999 trennte sich der ADAC Verlag von Mairs Geographischer Verlag. Ein Jahr später wurde der Carto-Travel Verlag gegründet, der den Vertrieb und die kartographische Produktion übernahm. Gesellschafter des Carto-Travel Ver-lags waren der ADAC Verlag und Haupka zu je-weils 50%. 2005 nahm der ADAC Verlag die 50% Gesellschaftsanteile von Haupka an sich und wurde alleiniger Gesellschafter von CartoTravel. 2007 übernahm MairDumont (ehemals Mairs Ge-ographischer Verlag) schließlich den CartoTra-vel Verlag und damit auch das komplette ADAC Kartographieprogramm. Der CartoTravel Verlag wurde daraufhin aufgelöst, ADAC blieb jedoch als Marke erhalten. MairDumont vermarktet heute unter der Marke ADAC Straßenkarten, Straßenat-lanten, Stadtpläne, Stadtatlanten, Freizeitkarten und Planokarten.

Trotz des Verlustes fast aller kartographischen Produkte zählt der ADAC Verlag auch weiterhin zu den größten deutschen Verlagen für Reiseli-teratur. Für die Urlaubs-, Freizeit- und Reisepla-nung werden zahlreiche Reiseführer, Ratgeber, Zeitschriften, Nachschlagewerke und digitale Tourenplaner herausgebracht. In den Bereichen Camping-Führer, Stellplatz-Führer, Ski-Führer und Reisemagazinen ist der ADAC Verlag Markt- führer (AllGEMEiNER DEuTScHER AuToMoBil-cluB E.V., 2008). Weitere Verlagserzeugnisse sind Weltatlanten, Magazine und Literatur zum Thema Auto und Verkehr sowie zahlreiche Bücher z. B. zu Gesundheitsthemen. Der Vertrieb aller ADAC Produkte erfolgt durch Travel House Media, Mün-chen. Die Produkte sind im Buch- und Zeitschrif-tenhandel, in Warenhäusern, an Tankstellen, in den ADAC-Geschäftsstellen und über das Inter­net erhältlich.

Selbst eine überschaubare Zahl an Straßenkar-ten in Form der „ADAC CampingKarte“ hat der Verlag im Angebot. Die Campingkarten stammen noch aus der Zeit vor dem Verkauf der Kartogra-phieabteilung, was der Copyrighthinweis (Carto-Travel Verlag) und das Erscheinungsjahr (2006) verraten. Bei den Campingkarten handelt es sich um eine Kombination von Straßenkarte und Cam-pingführer. So sind in der Straßenkarte zahlreiche Campingplätze gekennzeichnet, die in einem Bei-heft ausführlich beschrieben und nach verschie-denen Kategorien (Sanitärausstattung, Stand-platzgestaltung, Freizeitgestaltung etc.) bewertet werden. Ferner wird auf der Karte auf touristisch interessante Orte hingewiesen, die ebenfalls im Beiheft näher beschrieben werden. In dem Heft ist darüber hinaus ein Ortsverzeichnis enthal-ten. Bisher sind vier Titel erschienen: „Deutsche Küste“ 1:325.000, „Bayerische Alpen“ 1:200.000, „Kroatische Küste“ 1:230.000 und „Oberitalieni-sche Küste“ 1:200.000. Die Karten und das jewei-lige Beiheft sind in einer Schutzhülle aufbewahrt.

Die Karte „Deutsche Küste“ soll im Folgenden näher beschrieben werden. Sie stellt die Region rund um die Nord- und Ostsee von den ostfriesi-schen Inseln bis Usedom dar. Auf der Vorderseite des Umschlags ist eine Indexkarte aufgedruckt. Die Rückseite ist mit der Legende versehen.

Das Kartenbild ist sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite enthalten, wodurch es nicht möglicht ist das Kartenbild als Ganzes zu betrachten. Bestimmte Urlaubsregionen wie Sylt und Helgoland sind auf Nebenkarten abgebildet. Außerdem sind eine Nebenkarte von Berlin sowie eine Fernstraßenkarte von Norddeutschland ent-halten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: „ADAC CampingKarte - Deutsche Küste“

Auffällig sind im Kartenbild die Darstellung der zahlreich vorhandenen Campingplätze in Form von Signaturen sowie die Beschriftung größerer Ortschaften, die durch einen gelben Hintergrund hervorgehoben werden. Das Straßennetz, ins-besondere Autobahnen (rot-orange) und Fern-verkehrsstraßen (rot), sind durch Signalfarben schnell erfassbar.

Durch den überwiegend weiß gehaltenen Unter-grund wirkt das Kartenbild insgesamt sehr hell, was den Vorteil hat, dass sich die Karteninhalte deutlich absetzen und im Allgemeinen gut lesbar sind. Aufgrund der Vielzahl an Beschriftungen macht die Karte zuweilen allerdings einen überla-denen Eindruck. Die Karte verfügt außerdem über eine dezente Schummerung, die aber nur einen geringen Höheneindruck vermittelt, so dass das Relief kaum wahrnehmbar ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Produktfamilie des ADAC Verlags

4.1.2 Bacher Verlag

Der Bacher Verlag ist ein auf Büroorganisations-karten spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Sulz-Kastell. Der Verlag übernimmt die Kaschie-rung, Laminierung, Rahmung und zum Teil auch die Produktion der Karten.

Geschäftsführer des Bacher Verlags ist Hubert Bacher. Der Verlag existiert seit 1992. Den Grund-stein für das heutige Unternehmen legte Hubert Bacher jedoch schon während seiner Schulzeit, als er in der Handwerksbuchbinderei seines Va-ters in Horb-Ihlingen, in der Nähe von Stuttgart

gearbeitet hatte. Dort fand er eigene Wege und Ideen zur Lösung von Einrahmungsproblemen, weshalb dieser Bereich in der Folge stärker aus-gebaut wurde. Schließlich führte Hubert Bacher den Geschäftszweig in eigener Verantwortung (Internetverz. Nr. 13).

1987 gelang dem Unternehmen durch die Verar-beitung von Büroorganisationskarten der Durch-bruch. Da diese Dienstleistung bis dahin in nur zwei bis drei Großstädten in Deutschland angebo-ten wurde, gab es bundesweit eine große Nach-frage. 1993 wurde das Unternehmen schließlich in die ein Jahr zuvor gegründete Bacher Verlags GmbH eingebracht.

Der Bacher Verlag produziert und vertreibt seine Produkte größtenteils selbst. So erfolgt die ge-samte Produktion der Rahmen, Kaschierplatten und Veredlungsfolien in den Verlagsgebäuden. Als Kaschierplatten werden Holzfaserplatten benutzt, auf die die Karte aufgezogen wird. Als Beschichtungsfolien dienen Antireflexfolien. Die Rahmung erfolgt durch eine Aluleiste, die es er-möglicht, die Karte sowohl an die Wand als auch an die Decke zu hängen (Internetverz. Nr. 14).

Die zu verarbeitenden Karten stellt der Verlag selbst her oder bezieht sie von anderen Verlagen oder Firmen. Hierzu gehören u. a. die Geographic Media GmbH, Kümmerly + Frey, der Kunth Ver-lag, Freytag & Berndt, Michelin und Hema Maps. Es ist zudem möglich, dass Kunden ihre eigenen Karten zur Bearbeitung hinterlassen. Der Vertrieb läuft über die GeoCenter Touristik Medienservice GmbH Stuttgart (im Folgenden „GeoCenter Stutt­gart“).

Karten vom Bacher Verlag können nach Kun-denwünschen modifiziert werden, indem z. B. Vertriebs- oder Verwaltungsgebiete, Niederlas-sungen oder Standorte hervorgehoben werden und die Karten einen eigenen Titel und eine an-gepasste Legende erhalten. Zudem können Kar-ten auch als digitale Datensubstanzen erworben werden (Internetverz. Nr. 15).

Der Bacher Verlag bietet außerdem die Bearbei-tung und den Druck von individuellen Kartenaus-schnitten an. Da der Verlag über die Lizenz zum Nachdruck von Kartenmaterialien u. a. von Falk, Hallwag Kümmerly+Frey und Freytag&Berndt verfügt ist dies nicht nur mit Bacher Karten mög-lich. Eine weitere Dienstleistung ist die Erstellung von Anfahrtsskizzen sowohl für Internetseiten als auch für Printmedien. Außerdem produziert der Verlag Software u. a. zur Darstellung von Kun-denstandorten, zur Gebietsplanung und zur Visu-alisierung geografischer Daten.

Auf Karten bezogen produziert der Bacher Ver-lag ausschließlich Planokarten und druckt sie bei kleinen Auflagen bis zehn Stück direkt im Ver- lagshaus. Zum Produktsortiment gehören Post-leitzahlenkarten, Organisationskarten, Verwal-tungskarten, Straßenkarten, politische Karten und Reliefkarten.

Die Bacher Straßenkarten gibt es in fünf Ausfüh-rungen: „Straßenkarte Deutschland 1:700.000“, „Straßenkarte Deutschland 1:500.000“, „Stra ß en-karte Norddeutschland 1:500.000“, „Straßenkarte Süddeutschland 1:500.000“ und „Straßenkarte Deutschland Miniposter 1:1.400.000“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 5: „Bacher Straßenkarte Deutschland 1:700.000“

Die vom Verlag zur Verfügung gestellte „Straßenkarte Deutschland 1:700.000“ wird nach-stehend vorgestellt. Die Karte hat ein Format von 98x129cm. Sie ist einseitig bedruckt und unge-falzt und dient damit, wie alle anderen Karten des Bacher Verlags ausschlie ß lich zum Aufhängen an die Wand oder an die Decke.

Als Kartengrundlage wurde eine physische Dar-stellung gewählt, die durch ihre Kombination aus Schummerung und Höhenschichtenfarben die Topographie mit einem Blick erfassbar macht, das Lesen der Kartenbestandteile aber dennoch nicht beeinträchtigt. Speziell das Autobahn- und Schnellstra ß ennetz fallen durch ihre orange-rote Farbe sofort ins Auge. Auch das Fernstra ß en-netz, in rot dargestellt, ist sehr auffällig.

Grö ß ere Ortschaften sind durch fette Beschriftun-gen und einer flächenhaften Darstellung schnell erfassbar. Sehenswerte Orte hat der Verlag durch eine gelbe Hintergrundfarbe zusätzlich hervorge-hoben. Ortsbeschriftungen sind in einer hohen Anzahl vorhanden und gut lesbar. Positiv anzu-merken ist au ß erdem die Berücksichtigung der Standorte von Sehenswürdigkeiten durch grüne Beschriftungen. Insgesamt macht das Kartenbild einen aufgeräumten und übersichtlichen Eindruck und zeigt zugleich die natürlichen Gegebenheiten deutlich auf.

Die Karte besitzt ein Suchgitter. Der dazu pas-sende Ortsindex ist allerdings nur im Internet zum kostenlosen Download erhältlich. Negativ anzu-merken ist au ß erdem, dass nicht alle Kartenbe-standteile in der Legende gelistet sind, wie bei-spielsweise Europastraßennummern, Autobahn-nummern, Stra ß ennummern, Eisenbahnnetze und Flughäfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 6: Produktfamilien des Bacher Verlags

4.1.3 Borch Verlag

Die Borch GmbH ist ein kleines Unternehmen mit einer jungen Vergangenheit, das auf die Produk-tion von Stadtplänen und Straßenkarten speziali-siert ist. Der Verlag entstand 2003 aus der ehe-maligen Berndtson & Berndtson GmbH, die kurz zuvor Insolvenz anmelden musste. Alle Mitarbei-ter des Borch Verlags stammen daher vom Verlag Berndtson & Berndtson. Insbesondere Schlüs-selpositionen konnten erhalten bleiben, darunter auch die der Kartographen, was laut Frau Kerstin Borch, Geschäftsführerin der Borch GmbH, ein wichtiges Kriterium zum Erreichen der Unterneh-mensziele darstellt (E-Mailverz. Nr. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 7: Firmenprofil des Borch Verlags

Neben einigen Mitarbeitern wurde weitestgehend auch die Kartographie von Berndtson & Berndt-son übernommen. Als Bearbeitungssoftware fin-den QuarkXPress, Macromedia Freehand und Adobe Illustrator Anwendung. Gedruckt werden die Verlagsprodukte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Vertrieb erfolgt weltweit. In Deutschland übernehmen den Vertrieb die Um-breit GmbH & Co. KG Bissingen, die Libri GmbH Hamburg und der Landkartenvertrieb Schorpp Bad Waldsee (Internetverz. Nr. 16). Großhänd-ler bzw. Verkaufsrepräsentationen befinden sich außerdem u. a. in Australien, Belgien, Costa Rica, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Kanada, Litauen, Niederlande, Neusee-land, Norwegen, Österreich, Rumänien, Spanien, der Schweiz und den USA.

Der Borch Verlag produziert - mit Ausnahme eines Straßenatlasses und eines satirischen Reisefüh-rers - ausschließlich Stadtpläne und Straßenkar- ten. Insgesamt 56 Stadtpläne und 47 Straßenkar-ten sind derzeit im Handel erhältlich (offiziell 50 Straßenkarten, drei Karten haben jedoch einen Maßstab größer als 1:100.000 und fallen in die-ser Arbeit daher nicht in die Rubrik Straßenkarte). Dabei werden Städte, Länder und Regionen welt-weit abgedeckt.

Die Borch Straßenkarten sind alle in einem ein-heitlichen Layout gehalten. Sie haben im unge-falzten Zustand ein schmales, handliches Format von 11x24cm. Auffällig ist das folienbeschichtete Papier, das sehr leicht zu falten, langlebig, was-serabweisend und abwischbar ist.

Näher vorgestellt werden sollen die Borch Straßenkarten der Schweiz und Brasilien. Die Kar-te der Schweiz hat einen Maßstab von 1:400.000. Sie ist beidseitig bedruckt und als Leporello ge-falzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 8: „Borch Straßenkarte Schweiz“

Die Hauptkarte befindet sich auf der Vorder-und Rückseite. Die Karte enthält wie jede Borch Straßenkarte zusätzliche Nebenkarten, die für das Reisen ins Ausland hilfreich sein können. So verfügt jede Borch Straßenkarte über eine Zeit-zonenkarte und Umrechnungstabellen für Tem-peraturen, Maße und Gewichte, Klimadiagramme mit Temperaturen, Sonnenscheindauer, Nieder-schlag und Luftfeuchtigkeit und allgemeine Infor-mationen zum jeweiligen Land wie Einwohnerzahl und größte Städte. Diese Informationen sind alle in englischer Sprache gehalten. Die „Straßen-karte Schweiz“ enthält darüber hinaus eine poli-tische Übersichtskarte der Schweiz im Maßstab 1:1.050.000. Alle Nebenkarten sind nummeriert,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 9: Produktfamilie des Borch Verlags

mit einem Titel versehen und durch einen dicken Rand vom Rest der Karte getrennt, was zur Über-sichtlichkeit beiträgt.

Die mehrsprachige Legende (englisch, deutsch, französisch, italienisch, spanisch) gilt sowohl für die Haupt- als auch für die Nebenkarten. Die Le-gende ist auf beiden Kartenseiten abgebildet. So-wohl Haupt- als auch Nebenkarten sind mit einem Suchgitter und einem jeweiligen Index versehen, das auf Orte und Sehenswürdigkeiten hinweist.

Jede Borch Straßenkarte hat eine physische Grundlage. Die Schummerung in der Karte der Schweiz lässt das Relief deutlich hervortreten und gewährleistet eine natürliche und ausgeglichene Kartengrundlage, die dennoch die Lesbarkeit des Kartenbilds nicht beeinträchtigt. Insbesonde-re Autobahnen, als blaue Linien dargestellt und Schnellstra ß en, als orange-rote Linien dargestellt, treten deutlich hervor. Selbiges gilt für die Num-merierung von Stra ß en und Autobahnausfahrten. Beschriftungen sind in einer angenehmen Grö ß e gehalten und ermöglichen das rasche Aufsuchen vor allem größerer Ortschaften. Allerdings ist die schlechte Lesbarkeit von Schriften und Signatu-ren auf den Staats- und Bundeslandgrenzen auf-fällig, da die Grenzen zum Teil über den Schriften und Signaturen liegen.

Die Straßenkarte von Brasilien liegt im Ma ß stab 1:4.000.000 vor, ist ebenfalls beidseitig bedruckt und leporello-gefalzt. Auf der Vorderseite befin-den sich die Hauptkarte sowie ein Ortsverzeich-nis. Die Rückseite enthält eine Übersichtskarte im Ma ß stab 1:8.000.000, zwölf Stadtpläne, eine Legende, ein Ortsindex, eine Zeitzonenkarte, Kli-madiagramme und weitere Landesinformationen.

Das Kartenbild ist überwiegend klar und über-sichtlich. Der grö ß tenteils in grünen und beigen Farbtönen gehaltene Untergrund hinterlässt einen natürlichen Eindruck. Die Kartenbestandteile, ins-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 10: „Borch Straßenkarte Brasilien“

besondere Schnellstra ß en und die Beschriftung größerer Ortschaften, sind gut lesbar. Lediglich in Ballungsregionen macht das Kartenbild durch die Vielzahl an Ortsbeschriftungen einen leicht über-ladenen Eindruck. Dennoch ist auch in diesen Re-gionen die Schrift deutlich zu entziffern. Auffällig ist die Kennzeichnung der zahlreich vorhandenen Strände durch Signaturen und Beschriftungen.

Kartenausschnitt: s. Anlagenband S. 17

Neben Straßenkarten produziert der Boch Verlag auch einen Stra ß enatlas, den „Reiseatlas Austra-lien/Neuseeland“. Der Atlas im DinA4-Format ist 145 Seiten stark und stellt auf mehreren Einzel-karten Neuseeland im Ma ß stab 1:1.300.000 und Australien im Ma ß stab 1:4.000.000 dar. Er enthält Stadt- und Umgebungspläne, Fotos, einen Text-teil über landeskundliche Fakten und touristische Sehenswürdigkeiten sowie ein Orts- und Textre-gister.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 11: Atlastitel des Borch Verlags

[...]

Ende der Leseprobe aus 195 Seiten

Details

Titel
Die Verlagskartographie in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Straßenkarten und Straßenatlanten
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
195
Katalognummer
V147747
ISBN (eBook)
9783640586745
ISBN (Buch)
9783640586646
Dateigröße
7431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verlagskartographie, Deutschland, Berücksichtigung, Straßenkarten, Straßenatlanten
Arbeit zitieren
Benjamin Friedrich (Autor:in), 2009, Die Verlagskartographie in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Straßenkarten und Straßenatlanten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147747

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