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Alfred Russel Wallace und die Entstehung der modernen Selektionstheorie

Title: Alfred Russel Wallace und die Entstehung der modernen Selektionstheorie

Examination Thesis , 2003 , 31 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefanie Hanau (Author)

Biology - Evolution
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Summary Excerpt Details

Mit dem Begriff der Evolutionstheorie (und als Teil davon der Selektionstheorie) verbinden die meisten von uns unweigerlich den Namen eines Mannes: Charles Robert Darwin; Anhänger "seiner" Theorie werden als "Darwinisten" bezeichnet. Die wenigsten fachlich Interessierten wissen jedoch, daß die sogenannte Evolutionstheorie gleichzeitig beinahe unabhängig voneinander (wenn auch auf den gleichen Vorarbeiten aufbauend) von zwei sehr
verschiedenen Männern entwickelt wurde. Lediglich einer dieser Namen taucht regelmäßig im Zusammenhang mit dem Begriff Evolution" auf, der andere wird, wenn überhaupt, höchstens in einem Nebensatz erwähnt: Alfred Russel Wallace ist der wissenschaftlichen Welt, und noch viel mehr der Allgemeinheit, zumindest in diesem Zusammenhang so gut wie unbekannt.
Auf der Suche nach den Gründen für dieses Mißverhältnis bieten sich viele Erklärungsversuche an, unter anderem von "Experten" auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie: Darwin sei "das freilich größere Genie" (Storch, V., Welsch, U., Wink, M.: "Evolutionsbiologie", Springer, Heidelberg, 2001; S. 19), und dies vor allem aufgrund einer erdrückenden Anzahl von in seinem 1859 erschienenen Werk "Über die Entstehung der Arten..." aufgelisteten Beweisen, doch wird hier vergessen, daß diese Arbeit erst anderthalb Jahre nach der Erstveröffentlichung der Evolutionstheorien erschien und wesentliche Teile daraus dem Werk
Wallaces verdankt.
Trotz der sehr unterschiedlichen Bildungs- und Lebenshintergründe der beiden Männer ähneln sich ihre Thesen in verblüffendem Maße, wenn sie auch nicht völlig übereinstimmen. Im ersten Abschnitt soll daher ein Vergleich vorgenommen werden, um zu klären, ob
möglicherweise inhaltliche Unterschiede die ungleiche Behandlung dieser Wissenschaftler begründen können.
Der zweite Abschnitt behandelt die historischen Ereignisse vor und nach der geschichtsträchtigen Verlesung beider Aufsätze vor der Linne´schen Gesellschaft am 01. Juli 1858, die dazu beigetragen haben, daß Wallace als Urheber der Evolutionstheorie in Vergessenheit geriet.
Schließlich soll untersucht werden, welche persönlichen Gründe diese für Wallace so unbefriedigende Entwicklung begünstigten.
Es wurde Wert darauf gelegt, möglichst viel Primärliteratur zu verwenden, da die Wissenschaftsgeschichte bekanntlich - und besonders in diesem Fall- zu Verzerrungen neigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort

1. Einführung

2. Vergleich der Hypothesen von Wallace und Darwin

3. Warum Wallace als Begründer der Evolutionstheorie in Vergessenheit geriet

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und persönlichen Umstände, die dazu führten, dass Alfred Russel Wallace trotz seiner wesentlichen wissenschaftlichen Beiträge zur Entwicklung der modernen Selektionstheorie weitgehend hinter Charles Darwin in den Hintergrund rückte. Die Forschungsfrage hinterfragt, ob inhaltliche Unterschiede in den Hypothesen der beiden Forscher die ungleiche Rezeption rechtfertigen können oder ob andere, externe Faktoren die Wahrnehmung maßgeblich beeinflusst haben.

  • Vergleichende Analyse der Evolutionshypothesen von Wallace und Darwin.
  • Untersuchung des Einflusses der wissenschaftlichen Öffentlichkeit und des sozialen Status auf die Anerkennung von Forschungsergebnissen.
  • Kritische Beleuchtung der Ereignisse rund um die Doppellesung bei der Linne´schen Gesellschaft 1858.
  • Analyse der persönlichen Haltung und Charakterzüge von Wallace und Darwin im Kontext der Prioritätsrechte.

Auszug aus dem Buch

3. Warum Wallace als Begründer der Selektionstheorie in Vergessenheit geriet

Zu allererst soll die Frage behandelt werden, warum Wallaces Artikel nicht allein verlesen wurde. Die Tatsache, daß auch Darwins Exzerpt auf dem Protokoll der Sitzung stand, wird meist nicht hinterfragt, ist aber eine Überlegung wert. Darwin hatte sein großes Opus, das vierbändige "Species book" bei weitem nicht vollendet, sondern gerade erst im Jahr zuvor begonnen zu schreiben, als er Wallaces Ternate-Aufsatz erhielt (Brooks, J. L.: "Just Before The Origin", Columbia University Press, 1984; S. 230).

Bereits zuvor hatte Wallace wiederholt durch veröffentlichte Artikel zum Thema "Ursprung der Arten" auf sich aufmerksam gemacht, und auch Darwin war dies nicht entgangen. Trotzdem sträubte er sich weiterhin, auch nur einen Auszug seiner Arbeit zu veröffentlichen. Er teilte sich nur wenigen Freunden mit (namentlich Charles Lyell und Joseph Hooker sowie Asa Gray), welche ihn und seine Hypothesen wohlgesonnen betrachteten und ihn ermutigten, weiterzumachen und möglichst schnell zu publizieren, auch aus Besorgnis, jemand anderes könnte Darwin vielleicht zuvorkommen.

Darwin verfolgte den wissenschaftlichen Diskurs über alle Fragen zur Evolutionshypothese, die in den namhaften englischen Fachzeitschriften erörtert wurden, sehr aufmerksam. Der Sarawak-Beitrag von Wallace (1855) entging ihm nicht - in seinem Exemplar der betreffenden Zeitschrift finden sich zahlreiche Randbemerkungen im Artikel- doch erkannte er dessen Bedeutung nicht (siehe weiter oben). Lyell hingegen wies Darwin frühzeitig auf Wallaces Bedeutung hin. Wallace selbst bewunderte Charles Darwin, seit er dessen Journal über die Reise mit der Beagle gelesen hatte und pflegte Briefkontakt mit ihm. In seinen Briefen teilte Wallace Darwin die eigenen Ideen und Denkansätze zum Thema Ursprung der Arten mit, ohne jedoch im Gegenzug von Darwin über dessen Fortschritte auf diesem Gebiet unterrichtet zu werden.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Vorwort: Einleitung in die Themenstellung und Erläuterung der Motivation, die Rolle von Wallace kritisch zu beleuchten.

1. Einführung: Darstellung des wissenschaftlichen Wissensstandes vor der Entstehung der Evolutionstheorie sowie der Einflüsse von Vorläufern und Zeitgenossen.

2. Vergleich der Hypothesen von Wallace und Darwin: Detaillierte Gegenüberstellung der Theorien, wobei die inhaltliche Überlegenheit von Wallaces Beobachtungen in der freien Natur gegenüber Darwins zuchtbasiertem Ansatz hervorgehoben wird.

3. Warum Wallace als Begründer der Evolutionstheorie in Vergessenheit geriet: Analyse der historischen Ereignisse, insbesondere der Doppellesung von 1858, und der Rolle einflussreicher Freunde Darwins.

4. Zusammenfassung: Abschließende Reflexion über die Duplizität der Entdeckungen und das Ungleichgewicht der historischen Anerkennung zugunsten Darwins.

Schlüsselwörter

Evolutionstheorie, Selektionstheorie, Alfred Russel Wallace, Charles Robert Darwin, Artbildung, Selektion, Wissenschaftsgeschichte, Natürliche Zuchtwahl, Prioritätsrechte, Linne´sche Gesellschaft, Speziation, Inselbiogeographie, Divergenzprinzip, Wissenschaftliches Klima, Evolutionsbiologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum Alfred Russel Wallace trotz seiner eigenständigen und teils überlegenen theoretischen Beiträge zur Evolutionstheorie im Schatten von Charles Darwin blieb.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die wissenschaftsgeschichtliche Aufarbeitung der Theorien von Wallace und Darwin, die Analyse der Ereignisse von 1858 sowie die Untersuchung persönlicher und soziopolitischer Einflussfaktoren.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die ungleiche historische Behandlung beider Forscher kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob sie sachlich begründet ist oder auf Manipulation und sozioökonomischen Faktoren beruhte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine historisch-kritische Analyse unter Einbeziehung von Primärliteratur und zeitgenössischer Korrespondenz, um Verzerrungen in der bisherigen Wissenschaftsgeschichte aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit dem Vergleich der Hypothesen, der detaillierten Betrachtung der Ereignisse um die Doppellesung sowie den persönlichen Gründen für Wallaces Zurückhaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Evolutionstheorie, Wallace, Darwin, Prioritätsrechte und Wissenschaftsgeschichte charakterisiert.

Welche Rolle spielt Charles Lyell in den Ereignissen von 1858?

Lyell agierte als Unterstützer Darwins und war maßgeblich daran beteiligt, die Doppellesung zu organisieren, um Darwins Priorität trotz der publikationsreifen Ausarbeitung von Wallace zu sichern.

Warum wird Wallaces Ternate-Aufsatz als theoretisch überlegen bewertet?

Der Text argumentiert, dass Wallace seine Theorie auf direkten Beobachtungen in der Natur stützte, während Darwins Analogien aus der Tierzucht methodische Schwächen aufwiesen.

Inwiefern beeinflusste der soziale Status die Anerkennung?

Die Autorin weist darauf hin, dass Wallace als "kommerzieller Sammler" in den akademischen Kreisen des damaligen Englands weniger geachtet war, was seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit erschwerte.

Wie reagierte Wallace auf die historische Marginalisierung?

Wallace verhielt sich zeitlebens loyal gegenüber Darwin und reklamierte die Urheberschaft nie aktiv für sich, was die Autorin auf eine Mischung aus Charakterfestigkeit und Resignation gegenüber den damaligen Machtverhältnissen zurückführt.

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Details

Title
Alfred Russel Wallace und die Entstehung der modernen Selektionstheorie
College
University of Bremen
Grade
1,3
Author
Stefanie Hanau (Author)
Publication Year
2003
Pages
31
Catalog Number
V147762
ISBN (eBook)
9783640584901
ISBN (Book)
9783640584710
Language
German
Tags
Darwin Wallace Evolutionstheorie Evolution
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Hanau (Author), 2003, Alfred Russel Wallace und die Entstehung der modernen Selektionstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147762
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