Die Gefallenenrede des Perikles in der Kritik der Politik des Aristoteles


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Leben und Werk des Thukydides
1.1 Biographie
1.2 Das Werk
1.3 Glaubwürdigkeit der Überlieferung

2. Die Gefallenenrede des Perikles
2.1 Aufbau und Gliederung
2.2 Inhalt
2.3 Analyse

3. Aristoteles Politik
3.1 Inhalt
3.2 Attische Demokratie in der Kritik

Quellenangaben

Eigenständigkeitserklärung

Das wohl berühmteste Selbstzeugnis der antiken Demokratie liefert uns der Geschichtsschreiber des Peloponnesischen Krieges[1], Thukydides, in Form der Grabrede, die der Staatsmann Perikles[2] auf die Gefallenen im ersten Jahr des Krieges in Athen gehalten haben soll (2,35-46). In dieser Rede beschreibt er die Merkmale und Vorteile der demokratischen Verfassung Athens in Gegenüberstellung zu Sparta, dem großen Gegner Athens. In dieser Textquellenanalyse soll der berühmte Epitaphios behandelt werden, dessen Ziel offensichtlich war, „den Athenern die Grundlagen und das Wesen ihrer gesellschaftlichen und individuellen Existenz bewusst zu machen“[3], das Volk in seiner Motivation zum Kampf für diese großartige Stadt zu stärken, und „nach außen hin (...) eine propagandistische Wirkung zu erzielen“[4]. Im Anschluss soll die Auffassung der attischen Demokratie des Perikles in der Kritik zur Politik des Aristoteles betrachtet werden.

Über das Leben des Historikers der Antike ist wenig bekannt. Einige autobiographische Angaben in seinem Werk ‚Der Peloponnesische Krieg‘[5] als auch die Thukydides-Biographie von Markellinos und Einträge in das griechische Lexikon Suda[6] liefern jedoch einige Hinweise zum Leben und Zeit des Autors. So wurde Thukydides um 460 v. Chr. in Athen als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Er lernte Rhetorik und Philosophie und war gut vertraut mit dem Werk seines Vorläufers Herodot[7], dessen Vorlesung er selbst beiwohnte. Als 431 v. Chr. der Peloponnesische Krieg um die Vormachtstellung in Griechenland ausbrach, der Krieg zwischen der jungen, der Demokratie zugeneigten Macht Athen und der alten, oligarchisch verfassten Macht Sparta, erahnte Thukydides bereits die historische Dimension des Krieges und beschloss, ihn zu beschreiben, in der Erwartung, der Krieg werde bedeutender werden und denkwürdiger als alle früheren. Thukydides war im attischen Militär als General tätig und nahm als Flottenkommandant am Peloponnesischen Krieg teil. Da er dabei den Fall der Stadt Amphipolis an den spartanischen Feind nicht verhindern konnte, wurde er für 20 Jahre aus Athen verbannt und kehrte wohl erst nach Kriegsende 404 v. Chr. nach Athen zurück. Der gescheiterte General verbrachte sein Exil in Thrakien, wo die Familie ausgedehnte Besitztümer besaß. Diese erzwungene Ruhepause gab ihm in den folgenden Jahren die Gelegenheit, den Verlauf des Krieges genau zu beobachten und zu analysieren. Auf diese Weise schuf Thukydides sein umfangreiches Geschichtswerk, in dem er zur Klärung der Vorgeschichte und der Ursachen des Krieges weit in die altgriechische Geschichte vorgriff, um daran die chronologische Darstellung des Krieges bis zum Jahr 411 v. Chr. anzuschließen. Hier bricht das Buch allerdings unvermittelt und unvollendet ab. Vermutlich starb Thukydides bevor er sein Werk vollenden konnte.[8]

Thukydides Werk über die Geschichte des Peloponnesischen Krieges ist streng chronologisch aufgebaut und in acht Bücher unterteilt. Er definierte das Geschehen als erster in jahreszeitliche Abschnitte und datiert dadurch für die antike zeit relativ genau. Es war das erste Werk in attischer Sprache. Er bemühte sich stets um strenge Objektivität, untersuchte Quellen nach ihrem Wahrheitsgehalt, und versuchte als erster Historiograph zwischen äußeren Anlässen und tieferen Ursachen geschichtlicher Ereignisse zu unterscheiden. Erstmals zeigte sich ein Geschichtsschreiber um Faktengenauigkeit bemüht, während er unbelegbare Traditionen, Legenden und Mythen aus seiner Erzählung ausklammerte. Thukydides konnte für seine Darstellung aus einem reichen Schatz an eigenen Erfahrungen in den Bereichen Politik, Heereswesen und Kriegführung schöpfen. Er stützte sich sowohl auf eigene Beobachtungen und Forschungen, als auch auf die Aussagen von Augenzeugen und Urkunden.[9]

Nachfolgend soll die vorangegangene Beschreibung der Methodik des Thukydides in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Überlieferung der Gefallenenrede des Perikles untersucht werden.

Formal gehört die Rede des Perikles zur Gattung des Epitaphios, der öffentlich vorgetragenen Leichenrede. Wichtig für die Authentizität der Rede ist die Frage, ob Perikles die Rede tatsächlich so gesprochen hat, oder ob Thukydides einen großen Eigenanteil an der Gestaltung der Rede trägt. In dem sogenannten Methodenkapitel (1,22) zu Beginn seines achtbändigen Werkes erklärt Thukydides, er habe die Reden in Anschluss an das Wirklich gesagte wiedergegeben, räumt aber ein, dass er nicht den genauen Wortlaut der gehaltenen Reden wiedergibt, sondern den Inhalt auf seine eigenen Erinnerungen und Aussagen anderer Zeugen stütze. „Wie aber meiner Meinung nach jeder Einzelne über den jeweils vorliegenden Fall am ehesten sprechen musste, so sind die Reden wiedergegeben“[10]. Viele Forscher sind sich darüber einig, dass die Rede des Perikles in der Form, wie Thukydides sie überliefert, nicht gehalten worden ist. Dafür spricht die in einem einheitlichen, teils schwer verständlichen Stil verfassten Reden auch anderer Persönlichkeiten in seinem Werk, die bestehenden und kunstvoll wirkenden Zusammenhänge der verschiedenen Reden im Gesamtkontext zum Werk und der abweichende Aufbau des Epitaphios von dem üblichen Schema der Grabreden. Perikles geht vornehmlich mehr auf die Staatsverfassung, als auf die zu Bestattenden ein. Das die gestaltende Hand von Thukydides in starken Maße tätig gewesen sein kann, spricht nicht zwangsläufig gegen die Historizität der Rede. Wenn er den Inhalt, wie er in seinem Methodenkapitel beschreibt, auf seine Erinnerung und Aussagen anderer Zeugen stützt, könnte das enthaltene Gedankengut charakteristisch für jene Zeit sein und implizieren, das er sich sinngemäß an die Ausführung des Perikles gehalten hat. Es ist also anzunehmen, das Thukydides die stilisierten Reden benutzt, um diese Person selbst und ihre Motive und Ziele näher zu beschreiben und somit den geistigen Hintergrund der Ereignisse zu verständlich darzulegen.

[...]


[1] Der Peloponnesische Krieg (431-404 v. Chr.) entsprang aus einem langen Konkurrenzkampf der Bündnissysteme beider Poleis im 5. Jahrhundert. Athen und Sparta schlossen zwar 446/5 einen 30-jährigen Frieden, dieser war aber aufgrund zahlreicher politischer Konflikte ziemlich instabil und wurde von Sparta schon im Herbst 432, nach einigen Auseinandersetzungen als gebrochen angesehen. Nach einigen gegenseitigen Forderungen und Protesten zwischen den beiden Poleis beschlossen auch die Athener den Krieg, der dann im Sommer 431 begann.

[2] Perikles hatte seine politische Laufbahn 462 nach dem Tode des Ephialtes begonnen, war ein hoch angesehener Staatsmann, Sohn berühmter Eltern. Sein Vater Xanthippos besiegte 479 das persische Heer in der Landschlacht bei Mykale, seine Mutter Achariste war die Enkelin des Kleisthenes. Zu Herkunft und Familie des Perikles siehe Plutarch, Perikles III, 1., Leipzig, S. 5.

[3] Nickel D. 1976: Das gesellschaftliche Leitbild der Gefallenenrede des Perikles bei Thukydides, S. 168.

[4] Vgl. Nickel, Leitbild, S. 169.

[5] Thukydides, 1996: Der Peloponnesische Krieg, Stuttgart, ( 1.1; 2. 48; 4. 104-107; 5. 26).

[6] Markellinos, 5.-6. Jh. n.Chr. und Einträge in der Suda, griech. Lexikon, 1000 n. Chr.

[7] Herodot (* 490/480 v. Chr.; † um 424 v. Chr.) war ein antiker griechischer Historiograph, Geograph und Völkerkundler. Er wurde von Cicero (De leg. 1,5) als „Vater der Geschichtsschreibung“ bezeichnet. Sein erhaltenes neun Bücher umfassenden Werk Historien, schildert in Form einer Universalgeschichte den Aufstieg des Perserreichs im späten 6. Jahrhundert v. Chr. und die Kriege der Griechen mit den Persern im frühen 5. Jahrhundert v. Chr.

[8] Klaus Meister, 1997: Einführung in die Interpretation historischer Quellen 1. Griechenland. UTB, Stuttgart.

[9] MSN Encarta Enzyklopädie, http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761553155/Thukydides.html, Abfragedatum: 15.07.

[10] Vgl. Thuk. 1, 22.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Gefallenenrede des Perikles in der Kritik der Politik des Aristoteles
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V147763
ISBN (eBook)
9783640573684
ISBN (Buch)
9783640573462
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gefallenenrede, Perikles, Kritik, Politik, Aristoteles
Arbeit zitieren
Rike Gerhard (Autor), 2009, Die Gefallenenrede des Perikles in der Kritik der Politik des Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147763

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