Rezension zu Winfried Böhms "Geschichte der Pädagogik"


Rezension / Literaturbericht, 2009

6 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Böhm, Winfried: Geschichte der Pädagogik. Von Platon bis zur Gegenwart. 2. Auflage, München: C.H. Beck 2007 (Originalausgabe 2004).

Winfried Böhm wurde am 22.03.1937 in Schluckenau in der Tschechoslowakei geboren. Nachdem er eine Banklehre abgeschlossen hatte, studierte er Philosophie, Theologie, Psychologie, Geschichte, Politikwissenschaft, Musikwissenschaft und Pädagogik an mehreren Universitäten im mitteleuropäischen Raum und lernte somit bedeutende Persönlichkeiten wie zum Beispiel Theodor Adorno oder Romano Guardini kennen. Im Alter von 32 Jahren promovierte Böhm, um vier Jahre später seine Habilitation zu erreichen. Indes war er Professor für Pädagogik an der Universität Würzburg, wo er auch bis 2005 das Amt des Vorstands des Instituts für Pädagogik inne hielt. Böhm lehrt mittlerweile an hoch angesehenen Universitäten in Italien, den Vereinigten Staaten von Amerika und anderen Ländern. Außerdem besitzt er in Süd- und Nordamerika, Afrika und vielen europäischen Ländern Gastprofessuren. Böhms Interesse an der Pädagogik Maria Montessoris veranlasste ihn seit 1969 zahlreiche Werke zu verfassen und somit sogar von 1987 bis 2002 die Präsidentschaft der „Deutschen Montessori Gesellschaft“ zu besitzen. Im Jahr 2004 erhielt Böhm von Papst Johannes Paul II. den Titel „Ritter des Silvesterordens“ für seine wissenschaftlichen Dienste als Christ.

Böhm beginnt sein Werk mit der Beschreibung der Zustände in der Antike vorrangig in Griechenland. Er geht vor allem auf die, seiner Meinung nach, wichtigen Personen ein und kommt dann zügig zur Epoche des Mittelalters. Die ersten von ihm genannten Pädagogen, welche sich als Philosophen verstanden, waren die Sophisten. Jene lagen besonderen Wert auf den Pathos und die Rhetorik ihrer Reden und Redner, denn „Gut ist, was nützt.“ (Böhm – München 2007, S. 15) Dass der Wahrheitsgehalt darunter litt, kritisierte als erster Isokrates, welcher noch von den Sophisten selbst unterrichtet wurde, jedoch darauf plädierte, dass die Wahrheit stärker in den Mittelpunkt rücken solle. Ebenso besaß Sokrates andere Ansichten und lehrte die Besinnung auf die eigene Person, also zur „Selbsterkenntnis“ (vgl. ebd., S. 20). Auch Platon, welcher als Erster die Gesellschaft analysierte, und Cicero, der die Meinung vertrat, die Verderbnis des Menschen käme aus eben dieser, werden in diesem Abschnitt von Böhm erwähnt, bevor er sich auf das Mittelalter und dessen zwei für die Pädagogik wichtigen Hauptströmungen bezieht. In der Scholastik, so Böhm, findet sich der Versuch, die heidnische Antike und das Christentum, welches immer stärkeren Zuwachs erfuhr, miteinander zu vereinen. Vernunft und Glaube sollten keinen Widerspruch mehr darstellen. Auch auf die Mystik wird eingegangen, da diese die Bildung im Mittelalter durch die Entstehung des neuen christlichen Denkens von Erlösung und Wiedergewinnung der Unschuld und Güte durch Jesu Tod (vgl. ebd., S. 33f.), stark prägte. Weiterführend setzt sich Böhm mit der Bildung im Zeitalter der Renaissance und der Reformationspädagogik auseinander. „Zum Menschen wird man nicht durch Geburt, sondern durch Bildung und Erziehung“ (ebd., S. 45), war der zentrale Gedanke der Pädagogen in der Renaissance, welche sich nun noch stärker auf den Menschen und dessen Handeln konzentrierten. Darin lagen die Wurzeln des Humanismus, der zu dieser Zeit, mit genau jenem Leitprinzip, welches im obig genannten Zitat dargestellt wird, entstand. In der anschließenden Epoche, der von Luther und Erasmus von Rotterdam stark beeinflussten Reformpädagogik, wurde Mitte des 16. Jahrhunderts durch Jean Cauvin zum ersten Mal die Sozialisation zum Thema und Begriff. Die Vervollkommnung wurde nun als „Einpassung in die (Glaubens-)Gemeinschaft“ (ebd., S. 51) betrachtet. Auch Comenius‘ Lehre im 16. und 17. Jahrhundert basierte auf dem gemeinschaftlichen Gedanken. Dieser fordert erstmalig eine Art „Allgemeinbildung“ (ebd., S. 54), welche für alle Menschen, jeder Rasse, jedes Lebensalters, beider Geschlechter et cetera zugänglich gemacht werden sollte. Im 17. und 18. Jahrhundert sollte sich vieles verändern. Es begann die Epoche der Aufklärung. Die Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik, die Auswirkungen von geographischen Entdeckungsreisen, der Streit der Konfessionen und die Kriege der Frühen Neuzeit hatten starken Einfluss auf die Lebensart und somit auch auf die Erziehung und Bildung der Menschen. Es kam also zu einer grundlegenden Veränderung der Denkensart, des Lebensgefühls und des Lernens. In den folgenden Abschnitten des Buches geht Böhm auf die prägenden Persönlichkeiten dieser Zeitepoche genauer ein. An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass nicht alle von ihm genannten Pädagogen besprochen werden, sondern eine Auswahl getroffen wurde, um die Grundgedanken und die Vielseitigkeit der Aufklärung zu illustrieren. John Locke hatte das Ziel einen „wohlerzogenen und brauchbaren Menschen [zu] bilden“ (ebd., S. 60; Anpassung und Umstellung: Robert Schich). Er war der Meinung, die Praxis würde den Menschen besser Lehren, als die Theorie. So erarbeitete er einen umfassenden Katalog, nachdem der Mensch zu erziehen sei. Locke steht als Beispiel für eine stärkere Konzentration auf die physische Brauchbarkeit des Menschen und die Fokussierung der Person auf sich selbst, weg von der Naturbezogenheit und hin zur Nutzung der eigenen Vernunft. Wenn von Aufklärung gesprochen wird, dann muss zwingend Jean Jacques Rousseau betrachtet werden, welcher als Erster, so Böhm, die Erziehung als eigenen Gegenstand und eigene Wissenschaft versteht. Mit seinen Büchern über die Utopie der Erziehung des fiktiven „Emile“ schuf er eine vollkommen neue Betrachtungsweise jener und beeinflusste etliche andere Pädagogen und Menschen wie zum Beispiel Pestalozzi, dessen Wirken nach dem Model Rousseaus aber des Öfteren scheiterte. Rousseaus Absicht war es auch nicht, eine „Erziehungsvorschrift“ zu schaffen, sondern vielmehr die Grundfrage nach der „Natur des Menschen“ (ebd., S. 68) zu betrachten. Weiterführend war die Aufklärung von verschiedenen Strömungen durchzogen, so auch von den Philanthropen, welche die Vervollkommnung der Erziehung durch das Vertrauen in die menschliche Natur erstrebten und der Meinung waren, die Unordnung der Gesellschaft wäre am „Bösen“ der Menschen schuld (Egoismus, Verderbnis et cetera). Auch der Pietismus entstand während der Aufklärung. Sein Ziel war es, den Eigenwillen des Kindes zu brechen und es so zu Disziplin und Arbeitseifer zu erziehen. Weitere Einflussreiche Pädagogen (in der Zeitepoche der Aufklärung) waren Kant (Humanisierung), Herbart (Moralität), Schleiermacher (familiäre Generationenaufgabe), Hegel, Humboldt (preußische Bildungsreformen), Marx (Entfremdung des Menschen), Nietzsche, die Romantiker Schiller und Fröbel (Ludifizierung der Pädagogik) und viele andere auf die hier leider nicht weiter eingegangen werden kann. (Die genannten Persönlichkeiten waren nicht alle Aufklärer, aber sie fallen in die Zeitepoche der Aufklärung. Es gab auch Kritiker, wie zum Beispiel Nietzsche.) Im letzten Abschnitt des Buches leitet Böhm über den Naturalismus, welchen er am Beispiel der Lehren Diesterwegs über die freie Entfaltung des Kindes (vgl. ebd., S. 109f.) in der frühen Erziehung, und die am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts datierte Reformpädagogik, welche sich gegen die „Verkopfung“ (ebd., S. 112) der Schule und durch die Geringschätzung des Lernens auszeichnete, zur gegenwärtigen, allgemeinen, erziehungswissenschaftlichen Pädagogik über, welche sich in unzählige Teilbereiche wie zum Beispiel Betriebspädagogik, Erlebnispädagogik, interkulturelle Pädagogik, Geschlechtspädagogik und viele andere, gliedert. Nun stünde die „pädagogische Idee“ (vgl. ebd., S. 121f.) mit dem „Ich als Prinzip“ (ebd., S. 122) und der „Natur und Gesellschaft als Bedingungen“ (ebd., S. 122) im Mittelpunkt der Betrachtungen.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Rezension zu Winfried Böhms "Geschichte der Pädagogik"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Fakultät für allgemeine Erziehungswissenschaft)
Note
bestanden
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V147767
ISBN (eBook)
9783640573691
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Pädagogik, Winfried, Böhm, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Robert Schich (Autor), 2009, Rezension zu Winfried Böhms "Geschichte der Pädagogik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147767

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