Aufbau und Einsatz eines steuerlichen Risikomanagementsystems


Seminararbeit, 2009

44 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Begriff, Ursachen und Auswirkungen steuerlicher Risiken
2.1 Begriff des steuerlichen Risikos
2.2 Ursachen steuerlicher Risiken
2.3 Auswirkungen steuerlicher Risiken

3 Fundierung eines steuerlichen Risikomanagementsystems
3.1 Gesetzliche Fundierung
3.1.1 Internationale Sicht
3.1.2 Nationale Sicht
3.2 Theoretische Fundierung

4 Aufbau und unternehmensexterne Berichterstattung eines steuerlichen Risikomanagementsystems
4.1 Betriebswirtschaftlicher Rahmen
4.2 Komponenten
4.2.1 Steuerliches Frühwarnsystem
4.2.2 Steuerliches Internes Überwachungssystem
4.2.3 Steuer-Controlling
4.3 Unternehmensexterne Berichterstattung
4.4 Problembereiche

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Eine Reihe von spektakulären Unternehmenskrisen und –zusammenbrüchen hat den deutschen Gesetzgeber veranlasst, umfangreiche Maßnahmen in Form von Gesetzen zu ergreifen. Diese sollten zu einer Verbesserung der Unternehmensführung und – überwachung führen. Mit dem im Rahmen des KonTraG eingeführten § 91 Abs. 2 AktG wird die Sorgfaltspflicht des Vorstands einer Aktiengesellschaft durch die Ver-pflichtung zur Einrichtung eines Überwachungssystems „(...) damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden (...)“ verdeutlicht. Vielfache Änderungen des Umfelds eines Unternehmens machen ein unternehmens-weites Risikomanagement erforderlich. Die verstärkte Globalisierung und Dynamisie-rung des Wettbewerbs, eine rasant zunehmende Internationalisierung unternehmeri-scher Tätigkeiten, die Inanspruchnahme internationaler Kapitalmärkte und die damit zusammenhängende Unsicherheit über externe Bedingungen erhöhen die Anforderun-gen an interne Systeme, wie z.B. ein effizientes Risikomanagementsystem, zur Si-cherstellung des Erfolgs unternehmerischer Aktionen.1 Auch die Identifikation steuer-licher Risiken sowie diese zu erfassen – sog. Tax Risk Management2 – wird für Un-ternehmen immer bedeutender. Dies hängt zum einen u.a. damit zusammen, dass der Eintritt von steuerlichen Risiken erhebliche finanzielle Auswirkungen auf das Unter-nehmen hat, zum anderen besteht die Gefahr eines Imageverlustes durch Steuer- und Bilanzskandale. Das gestiegene Interesse der Öffentlichkeit und der Stakeholder zwingt die Unternehmen, seine steuerlichen Risiken genau zu analysieren.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Bereich Steuern im Rahmen eines Risikomana-gementsystems und stellt die Komponenten dieses Systems im nationalen und interna-tionalen Vergleich dar. Der Untersuchung wird eine börsennotierte Aktiengesellschaft zugrund gelegt, da auf nationaler Ebene das KonTraG3 und auf internationaler Ebene der Sarbanes Oxley-Act eindeutige Verpflichtungen für Aktiengesellschaften enthal-ten.

1.2 Gang der Untersuchung

Im Rahmen meiner Arbeit möchte ich zunächst in Abschnitt 2 darauf eingehen, was unter dem Begriff „steuerliches Risiko“ verstanden wird und dann erarbeiten, welche steuerlichen Risiken die Betriebswirtschaftslehre kennt. In Abschnitt 2.2 werde ich auf mögliche Ursachen von steuerlichen Risiken eingehen, um dann die Konsequen-zen zu erörtern. Im dritten Abschnitt werde ich auf die Fundierung eines steuerlichen Risikomanagements eingehen. Hier werde ich zunächst die gesetzliche Fundierung aus internationaler und nationaler Sicht erläutern, um sodann auf die theoretische Fundierung einzugehen. In Abschnitt vier werden die Komponenten, die unterneh-mensexterne Berichterstattung sowie Problembereiche eines steuerlichen Risikoma-nagementsystems erarbeitet, um in Teil fünf ein Fazit zu ziehen.

2 Begriff, Ursachen und Konsequenzen steuerlicher Risiken

2.1 Begriff des steuerlichen Risikos

In DRS 5.9 „Risikoberichterstattung“ wird Risiko definiert als „die Möglichkeit von negativen künftigen Entwicklungen der wirtschaftlichen Lage des Konzerns“4, worun-ter grundsätzlich die Abweichung der Unternehmensentwicklung von den geplanten Zielen verstanden wird.5 Für den Steuerbereich handelt es sich dementsprechend bei Steuerrisiken um solche Unsicherheiten, die zu negativen Auswirkungen bei den ver-schiedenen Steuerarten für das Unternehmen führen können.6

Obermayr charakterisiert steuerliche Risiken als die Gefahr der unbewussten Schlecht- oder Nichterfüllung steuerlicher Verpflichtungen, was negative Konsequen-zen für die Entscheidungsträger oder das gesamte Unternehmen haben kann.7 Zu den steuerlichen Verpflichtungen zählt die fristgerechte und betragsmäßig korrekte Zah-lung des Steuerbetrages, die Ausstellung steuerlich korrekter Rechnungen i.S.d. Um-satzsteuergesetzes sowie die Mitwirkung des Steuerpflichtigen im Fall eines Besteue-rungsverfahrens. Verstöße gegen all diese Verpflichtungen führen zu negativen Fol-gen für das Unternehmen.8 Neben der Nicht- oder Schlechterfüllung der Verpflichtun- gen erfasst das Steuerrisiko im weiteren Sinne aber auch noch die Entstehung höherer Steuerzahlungen als Folge einer nicht optimalen Auslegung des Steuerrechts. Somit ist im weiteren Sinne auch die Nichtgeltendmachung von Steuerbegünstigungen Teil des Steuerrisikos, da hierdurch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens einge-schränkt wird.9

2.2 Ursachen steuerlicher Risiken

Steuerliche Risiken können auf eine Reihe von Ursachen zurückgeführt werden, die sich in sog. Risikokategorien einteilen lassen.10 Dabei lassen sich externe und interne Ursachen unterscheiden.11

Zu den extern verursachten Risiken zählen die Umfeldrisiken. Dies sind solche Unsi-cherheiten, die aus dem Erlass von Steuergesetzen und deren Interpretation durch die Steuerbehörden und Gerichte entstehen und nicht vom Steuerpflichtigen selbst verur-sacht sind. Steuerliche Risiken ergeben sich hierbei aus der Unsicherheit der Anwen-dung der Gesetze auf bestimmte Sachverhalte sowie möglichen Änderungen der Steu-ergesetzgebung und –praxis.12 Das Steuersystem befindet sich in einer stetigen Ent-wicklung und unterliegt vielen Steuergesetzesänderungen und geänderten Steuerrecht-sprechungen, die z.T. auch „rückwirkend“ gelten.13 Dadurch ist es für den Steuer-pflichtigen äußerst schwierig, eine langfristige Steuerplanung zu erstellen.

Aber auch interne, d.h. vom Steuerpflichtigen selber verursachte, Steuerrisiken sind möglich. In diesem Zusammenhang ist das Risiko aus unvollkommener Information (Informationsrisiko) zu nennen. Es ergibt sich aus der Unsicherheit über die einer steuerlichen Entscheidung zugrunde liegenden Annahmen. Diese können auf der un-richtigen Darstellung eines Sacherhalts oder falschen Zahlen beruhen.14

Ebenfalls zu den internen Risiken gehören die Prozessrisiken15 oder auch Complian-ce-Risiken16. Hierbei handelt es sich um Unsicherheiten im Zusammenhang mit der (zeitgerechten) Erfüllung steuerlicher Vorschriften, wobei unter Compliance die Ein-haltung gesetzlicher und rechtlicher Regelungen zu verstehen ist. Beispielhaft zu nen-nen ist hier die unzureichende Dokumentation von steuerlich relevanten Sachverhal-ten, was dazu führt, dass diese steuerlich nicht geltend gemacht werden können, oder die fehlerhafte oder nicht fristgerechte Erstellung von Steuererklärungen. Zusätzlich kommt bei multinationalen Unternehmen hinzu, dass mehrere, sich zum Teil erheblich unterscheidende, nationale Steuerrechte zu beachten sind.17

Des Weiteren bestehen auch operationelle Risiken, die sich aus der fehlerhaften An-wendung von Steuergesetzen im Tagesgeschäft ergeben, aus spezifischen oder einma-ligen Transaktionen entstehende Transaktionsrisiken18 sowie Risiken aus menschli-chem Fehlverhalten, wozu eine mangelnde fachliche Ausbildung, fehlende Motivation oder gar Betrug zählen.19 Schließlich bezeichnet das Implementierungsrisiko Risiken aus einer mangelhaften Umsetzung von Steuerkonzepten.20 Selbst bei Bestehen einer Steuerstrategie können sich mögliche Risiken auch daraus ergeben, dass diese in den verschiedenen Bereichen des Unternehmens nicht ordnungsgemäß umgesetzt wird.

2.3 Auswirkungen steuerlicher Risiken

Neben dem bereits erwähnten Reputationsverlust für das Unternehmen ergeben sich vor allem auf finanzieller Ebene drastische Folgen aus Steuerrisiken, denn schließlich stellen Steuern einen der bedeutendsten Aufwandsposten eines Unternehmens dar.21 Diese finanziellen Folgen können in Form von Steuernacherhebungen mit Verzugs-zinsen, Prozesskosten für Steuerverfahren, Geldstrafen oder Säumniszuschlägen auf-treten. Bei Verspätungs- und Säumniszuschlägen handelt es sich um steuerliche Ne-benleistungen i.S.d. § 3 Abs. 4 AO, die den nichtabziehbaren Aufwendungen des § 10 KStG zuzurechnen. Sie erhöhen also den steuerlichen Gewinn und infolgedessen die Ertragsteuerbelastung.22 Ebenso gravierend ist die Einleitung eines finanzstrafrechtli-chen Verfahrens wegen Steuerbetrugs oder persönlicher Bereicherung23, was auch Auswirkungen auf die Reputation des Unternehmens haben könnte.

Ein wesentliches Problem des Steuersystems ist die Tatsache, dass sich über einen gewissen Zeitraum nach der Verwirklichung eines Sachverhaltes keine sicheren Aus-sagen über die zukünftige, daraus resultierende Steuerbelastung und den Zeitpunkt der Belastung treffen lassen.24 Der Steuerpflichtige trifft seine Entscheidungen auf Grund-lage der aktuell gültigen Gesetzgebung. Nach einer Änderung der Rechtslage hat er keine Möglichkeiten der Einflussnahme auf seine Entscheidung mehr.25 Unvollständi-ge Informationen, sich ständig ändernde Umweltzustände und die Unsicherheit über steuerrechtliche Entwicklungen können zur Folge haben, dass sich die Vorteilhaftig-keit einer Handlungsalternative umkehrt bzw. eine zunächst als vorteilhaft ermittelte Alternative sich nun als nachteilig erweist.26

3 Fundierung eines steuerlichen Risikomanagement-systems

3.1 Gesetzliche Fundierung

3.1.1 Internationale Sicht

Mit dem SOA aus dem Jahre 2002 wurde die erste bundesweit in den USA geltende Regelung im Bereich Corporate Governance geschaffen, deren Anwendungsbereich sich auf alle Unternehmen erstreckt, die einen Kapitalmarkt in Anspruch nehmen, welcher der US-amerikanischen Börsenaufsicht unterliegt.27 Somit sind auch deutsche Unternehmen (sog. foreign public issuers) unmittelbar von dieser Regelung betroffen, wenn sie an der SEC registrierungspflichtig sind und an einer US-amerikanischen Börse gehandelt werden.28 Der amerikanische Gesetzgeber erließ dieses Gesetz u.a. als Reaktion auf die spektakulären Bilanzskandale von Enron und Worldcom.29

Der SOA verfolgt das Ziel, den Vertrauensverlust der Investoren in den Kapitalmarkt u.a. durch eine verschärfte Verantwortung der Unternehmensführung30, verbesserte interne Kontrolle und Dokumentation sowie zusätzliche Offenlegungspflichten zu vermindern, die Transparenz von Unternehmensprozessen sowie die Information der Adressaten der Finanzberichterstattung zu verbessern31 und eine Korrektur der Schwächen der US-amerikanischen Corporate Governance zu erwirken.

[...]


1 Vgl. FIEGE 2006, S. 1.

2 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 295.

3 Allerdings geht der Gesetzgeber von einer Ausstrahlungswirkung des Aktiengesetzes auf andere Gesellschaftsformen aus, insbesondere die Gesellschaft mit beschränkter Haftung; vgl. BEGRREGE KonTraG 1998, BT-Drucksache 13/9712, S. 15.

4 DRS 5.9 Tz. 9

5 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 296; WALL 2002, S. 383.

6 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 297.

7 Vgl. OBERMAYR 2006, S. 87.

8 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 297.

9 Vgl. OBERMAYR 2006, S. 87.

10 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 297.

11 Vgl. FRANZ 2000, S. 52.

12 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 297.

13 Vgl. ROSE 1998. 535.

14 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 297.

15 Vgl. HENSELMANN/ROSE 2001, S. 189.

16 Vgl. STEINER/BELZ 2009, S. 97.

17 Vgl. ROSE 1992, S. 5.

18 Vgl. INAUEN/DELL´ANNA 2008, S. 20.

19 Vgl. RÖTHLISBERGER/ZITTER 2005, S. 297.

20 Vgl. ebenda, S. 297.

21 Vgl. FREIDANK/MAMMEN 2008, S. 285, 287.

22 Vgl. ebenda, S. 288.

23 Vgl. FREIDANK/MAMMEN 2008, S. 298.

24 Vgl. ROSE 1992, S. 11.

25 Vgl. HENSELMANN/ROSE 2001, S. 190.

26 Vgl. LUDENIA 2006, S. 25.

27 Vgl. LENZ 2002, S. 2271.

28 Vgl. CASPARI/MAIER/CASPARI 2005, S. 719.

29 Vgl. KAJÜTER 2004, S. 17.

30 Vgl. BUDERATH 2004, S. 40.

31 Vgl. HÜTTEN/STROMANN 2003, S. 2223.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Aufbau und Einsatz eines steuerlichen Risikomanagementsystems
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
44
Katalognummer
V147817
ISBN (eBook)
9783640578474
ISBN (Buch)
9783640578122
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Risikomanagement, steuerliches Risikomanagement;, steuerliches Risikomanagementsystem;, steuerliches Risiko;
Arbeit zitieren
Anna Lena Slowikowski (Autor), 2009, Aufbau und Einsatz eines steuerlichen Risikomanagementsystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147817

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