Eine Reihe von spektakulären Unternehmenskrisen und -zusammenbrüchen hat den deutschen Gesetzgeber veranlasst, umfangreiche Maßnahmen in Form von Gesetzen zu ergreifen. Diese sollten zu einer Verbesserung der Unternehmensführung und –
überwachung führen. Mit dem im Rahmen des KonTraG eingeführten § 91 Abs. 2 AktG wird die Sorgfaltspflicht des Vorstands einer Aktiengesellschaft durch die Verpflichtung zur Einrichtung eines Überwachungssystems „(…) damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden (…)“ verdeutlicht.
Vielfache Änderungen des Umfelds eines Unternehmens machen ein unternehmensweites Risikomanagement erforderlich. Die verstärkte Globalisierung und Dynamisierung des Wettbewerbs, eine rasant zunehmende Internationalisierung unternehmerischer Tätigkeiten, die Inanspruchnahme internationaler Kapitalmärkte und die damit
zusammenhängende Unsicherheit über externe Bedingungen erhöhen die Anforderungen an interne Systeme, die z.B. ein effizientes Risikomanagementsystem, zur Sicherstellung des Erfolgs unternehmerischer Aktionen. Auch die Identifikation steuerlicher
Risiken sowie diese zu erfassen – sog. Tax Risk Management – wird für Unternehmen immer bedeutender. Dies hängt zum einen u.a. damit zusammen, dass der Eintritt von steuerlichen Risiken erhebliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen hat, zum anderen besteht die Gefahr eines Imageverlustes durch Steuer- und
Bilanzskandale. Das gestiegene Interesse der Öffentlichkeit und der Stakeholder zwingt die Unternehmen, seine steuerlichen Risiken genau zu analysieren.
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Begriff, Ursachen und Auswirkungen steuerlicher Risiken
2.1 Begriff des steuerlichen Risikos
2.2 Ursachen steuerlicher Risiken
2.3 Auswirkungen steuerlicher Risiken
3 Fundierung eines steuerlichen Risikomanagementsystems
3.1 Gesetzliche Fundierung
3.1.1 Internationale Sicht
3.1.2 Nationale Sicht
3.2 Theoretische Fundierung
4 Aufbau und unternehmensexterne Berichterstattung eines steuerlichen Risikomanagementsystems
4.1 Betriebswirtschaftlicher Rahmen
4.2 Komponenten
4.2.1 Steuerliches Frühwarnsystem
4.2.2 Steuerliches Internes Überwachungssystem
4.2.3 Steuer-Controlling
4.3 Unternehmensexterne Berichterstattung
4.4 Problembereiche
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert den Aufbau und den Einsatz eines steuerlichen Risikomanagementsystems im Kontext nationaler und internationaler gesetzlicher Anforderungen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie ein solches System konzipiert sein muss, um unternehmensinterne Kontrollen sowie die Überwachung steuerlicher Prozesse effizient zu gestalten und den Anforderungen an eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) gerecht zu werden.
- Grundlagen und Systematik steuerlicher Risiken in Unternehmen.
- Gesetzliche Anforderungen an das Risikomanagement (KonTraG, Sarbanes-Oxley Act).
- Komponenten eines steuerlichen Risikomanagementsystems (Frühwarnsystem, IÜS, Controlling).
- Integration in die unternehmensexterne Berichterstattung und Reporting.
- Praktische Herausforderungen bei der Implementierung von Tax Risk Management.
Auszug aus dem Buch
2.2 Ursachen steuerlicher Risiken
Steuerliche Risiken können auf eine Reihe von Ursachen zurückgeführt werden, die sich in sog. Risikokategorien einteilen lassen. Dabei lassen sich externe und interne Ursachen unterscheiden.
Zu den extern verursachten Risiken zählen die Umfeldrisiken. Dies sind solche Unsicherheiten, die aus dem Erlass von Steuergesetzen und deren Interpretation durch die Steuerbehörden und Gerichte entstehen und nicht vom Steuerpflichtigen selbst verursacht sind. Steuerliche Risiken ergeben sich hierbei aus der Unsicherheit der Anwendung der Gesetze auf bestimmte Sachverhalte sowie möglichen Änderungen der Steuergesetzgebung und –praxis. Das Steuersystem befindet sich in einer stetigen Entwicklung und unterliegt vielen Steuergesetzesänderungen und geänderten Steuerrechtsprechungen, die z.T. auch „rückwirkend“ gelten. Dadurch ist es für den Steuerpflichtigen äußerst schwierig, eine langfristige Steuerplanung zu erstellen.
Aber auch interne, d.h. vom Steuerpflichtigen selber verursachte, Steuerrisiken sind möglich. In diesem Zusammenhang ist das Risiko aus unvollkommener Information (Informationsrisiko) zu nennen. Es ergibt sich aus der Unsicherheit über die einer steuerlichen Entscheidung zugrunde liegenden Annahmen. Diese können auf der unrichtigen Darstellung eines Sacherhalts oder falschen Zahlen beruhen.
Ebenfalls zu den internen Risiken gehören die Prozessrisiken oder auch Compliance-Risiken. Hierbei handelt es sich um Unsicherheiten im Zusammenhang mit der (zeitgerechten) Erfüllung steuerlicher Vorschriften, wobei unter Compliance die Einhaltung gesetzlicher und rechtlicher Regelungen zu verstehen ist. Beispielhaft zu nennen ist hier die unzureichende Dokumentation von steuerlich relevanten Sachverhalten, was dazu führt, dass diese steuerlich nicht geltend gemacht werden können, oder die fehlerhafte oder nicht fristgerechte Erstellung von Steuererklärungen. Zusätzlich kommt bei multinationalen Unternehmen hinzu, dass mehrere, sich zum Teil erheblich unterscheidende, nationale Steuerrechte zu beachten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit von Risikomanagementsystemen aufgrund zunehmender Unternehmenskrisen und regulatorischer Anforderungen wie dem KonTraG.
2 Begriff, Ursachen und Auswirkungen steuerlicher Risiken: Dieses Kapitel definiert steuerliche Risiken, kategorisiert ihre externen und internen Ursachen und erörtert die finanziellen sowie reputativen Konsequenzen für Unternehmen.
3 Fundierung eines steuerlichen Risikomanagementsystems: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen im internationalen (SOA) und nationalen Kontext sowie die theoretischen Fundierungen eines steuerlichen Risikomanagements beleuchtet.
4 Aufbau und unternehmensexterne Berichterstattung eines steuerlichen Risikomanagementsystems: Das Kernkapitel analysiert den betriebswirtschaftlichen Rahmen und die spezifischen Komponenten wie Frühwarnsysteme, das interne Überwachungssystem und das Steuer-Controlling.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Bedeutung von Risikomanagement für den Unternehmenserfolg und hält fest, dass trotz Umsetzungsaufwänden ein professioneller Umgang mit steuerlichen Risiken essenziell ist.
Schlüsselwörter
Steuerliches Risikomanagement, Risikomanagementsystem, KonTraG, Sarbanes-Oxley Act, Steuer-Controlling, Internes Überwachungssystem, IKS, Corporate Governance, Steuerplanung, Compliance, Frühwarnsystem, Risikotransparenz, Steuerrisiken, Stakeholder, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, der Konzeption und dem Aufbau eines steuerlichen Risikomanagementsystems innerhalb von Aktiengesellschaften, um auf aktuelle regulatorische Anforderungen und unternehmerische Risiken zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die gesetzliche Verankerung von Risikomanagement (speziell KonTraG und SOA), die Identifikation von Risikoursachen sowie der praktische Aufbau steuerlicher Überwachungs- und Steuerungssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein funktionsfähiges Risikomanagementsystem dazu beitragen kann, steuerliche Risiken frühzeitig zu erkennen, zu steuern und somit den Bestand des Unternehmens zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine konzeptionelle Arbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung gesetzlicher Rahmenbedingungen basiert, um Anforderungen an ein betriebswirtschaftliches Risikomanagementsystem abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Risikomanagements und die detaillierte Darstellung seiner Komponenten, namentlich das steuerliche Frühwarnsystem, das IÜS und das Steuer-Controlling.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Steuerliches Risikomanagement, Corporate Governance, Internes Kontrollsystem (IKS), Compliance und KonTraG.
Warum ist die Unterscheidung zwischen interner und externer Risikoursache so wichtig?
Die Unterscheidung ist für die Steuerung relevant, da externe Risiken (wie Gesetzesänderungen) nur bedingt beeinflussbar sind, während interne Risiken (wie Prozessfehler) durch gezielte Kontrollmaßnahmen direkt minimiert werden können.
Welche Rolle spielt die Interne Revision in diesem System?
Die Interne Revision fungiert als prozessunabhängige Instanz, die die Qualität und Funktionsfähigkeit der Risikomanagement-Maßnahmen sowie die Einhaltung interner Kontrollen überprüft.
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- Anna Lena Slowikowski (Author), 2009, Aufbau und Einsatz eines steuerlichen Risikomanagementsystems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147817