Neorealismus - ist Kooperation möglich?


Referat (Ausarbeitung), 2008

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Ist Kooperation im Neorealismus möglich?

3. Endbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Neorealismus ist eine Theorieschule, welche sich in der zweiten Hälfte des 21. Jh. aus dem durch Carr und Morgenthau begründeten Realismus entwickelt hat.

Darin ringen Staaten um Macht und um die Maximierung von Sicherheit. Die Theorie soll klären, inwieweit dieses Sicherheitsdilemma überwunden werden kann und welche Handlungsoptionen die Akteure im außenpolitischen Prozess besitzen. Ihre Entstehungszeit befindet sich auf dem Höhepunkt des Ost- Westkonfliktes.

Bei der Umsetzung dieser Theorie tritt insbesondere Kenneth N. Waltz in den Vordergrund, welcher mit seinem strukturellen Neorealismus diese Theorie maßgeblich gestaltet hat.

Spricht man vom Neorealismus, so wird Waltz als der typische Vertreter dieser Theorie genannt, da seine Überlegungen, aufgrund ihrer einfachen Darstellung, die meisten Verbreitungen in der Literatur finden.

Neben ihm existieren noch weitere Vertreter, wobei in diesem Bericht nur Stephen Walt und Robert Gilpin zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen werden.

Dabei ist die Fragestellung, ob Kooperation im Neorealismus möglich ist, nicht ohne Schwierigkeiten zu bewältigen.

Die Literaturlage bietet hierzu meist nur die Erläuterungen von Waltz, als typischen Vertreter dieser Theorie.

Kooperation zwischen Staaten findet in seinen Überlegungen nur bedingt, wenn nicht sogar überhaupt nicht statt, womit eigentlich schon die Fragestellung als gelöst erscheint.

Jedoch bieten seine Erläuterungen auch Anlass zur Kritik, wobei nichts weniger als die Anwendbarkeit dieser Theorie auf unsere heutige Welt in Frage steht.

Dies führte zu Weiterentwicklungen des Neorealismus, wobei natürlich auch die Frage der Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Staaten neu aufgerollt wurde.

Daher werde ich zunächst den Neorealismus nach Waltz in seinen Grundüberlegungen und den daraus resultierenden Folgen skizzieren und daran die Möglichkeiten zur Kooperation untersuchen. Im Anschluss werde ich mich mit der Kritik an dieser Theorie und den Neuansätzen des Neorealismus durch Walt und Gilpin befassen, um die Fragestellung klären zu können.

2. Ist Kooperation im Neorealismus möglich?

Für Waltz ist das Problem der Kooperation von Akteuren miteinander oder deren Verweigerung eine zentrale Fragestellung im Neorealismus.

Er untersucht die Theorie hinsichtlich von Faktoren, die über Krieg und Frieden entscheiden.

Dabei skizziert er drei Analyseebenen. Die erste Ebene hat das Individuum zur Grundlage, wie beim Realismus. Die zweite Ebene untersucht das politische System, inwieweit innenpolitische Prozesse das außenpolitische Verhalten beeinflussen. Die dritte Ebene setzt bei der Struktur des internationalen Systems an.

Die ersten beiden Ebenen können nach Waltz jedoch nicht das Verhalten von unterschiedlichen Staaten im internationalen System erklären und führen aufgrund von zu vielen Variablen, welche durch innenpolitische Prozesse entstehen, zu keinem Ergebnis.

Daher konzentriert er sich auf die dritte Ebene des internationalen Systems, um das Verhalten von Staaten im außenpolitischen Prozess zu erklären.1

Dabei geht er davon aus, dass das internationale System anarchisch gegliedert ist, d.h. es gibt keine übergeordnete Autorität. In diesem System agieren souveräne Staaten als Akteure, welche dem Selbsthilfeprinzip unterliegen. Dabei müssen sie stets für ihre Sicherheit sorgen, indem sie rüsten oder Bündnisse und Gegenbündnisse mit anderen Staaten eingehen.

Die Staaten verfügen über ein gefestigtes Inneres und können somit nach Außen ihre Interessen durchsetzen. Im System sind alle Staaten gleichberechtigt, es besteht jedoch untereinander ein Unterschied bezüglich ihrer Machtpotentiale. Der Verteilung von Macht kommt daher zentrale Bedeutung zu. Machtgleichgewichte können sich nur durch die Bildung von Allianzen und Gegenallianzen bilden, wobei eine bipolare Weltordnung, d.h. zwei zentrale Supermächte, am besten für eine friedenserhaltende Konstellationen geeignet sind.2 Eine weitere Möglichkeit der Mächtekonstellation wäre eine unipolare Ordnung, wobei ein dominierender Hegemon das internationale System bestimmt, wodurch sich schwächere Staaten gegen diesen Hegemon verbünden würden, um eine „balance of power“ herzustellen. Weiterhin gibt es noch die multipolare Ordnung, in der jeder Staat durch viele andere Staaten bedroht werden kann. Diese Ordnung ist am anfälligsten für Kriege, da sie sehr instabil ist.3

In dieser Darstellung durch Waltz streben also alle Akteure nach der Maximierung der eigenen Sicherheit, wodurch Kooperation nur bedingt möglich ist, da die Kooperationspartner sonst mehr gewinnen könnten als sie selbst. Gewinnen die Staaten also mehr als ihre Partner, kooperieren sie.4 Somit erstreckten sich nach Waltz die Kooperationsmöglichkeiten lediglich auf Balancing- Prozesse zum Machtausgleich zwischen den Staaten. Kooperation passt nicht in das Schema der Sicherheitsmaximierung und des damit verbundenen Selbsthilfesystems, da die Staaten hier Gefahr laufen von Anderen durch diese Kooperation abhängig oder betrogen zu werden. 5

Somit besteht die Gefahr, dass der Kooperationspartner durch seine erzielten Gewinne an Macht zunimmt und die eigene Stellung im System zu Ungunsten des anderen Partners ausbaut.

Einzige weitere Möglichkeit zur Kooperation im Neorealismus bietet eine durch den Hegemon eingeleitete Kooperation. Dabei lässt der Hegemon andere Staaten für sich arbeiten, z.B. in Bereichen, wo eine alleinige Umsetzung von Projekten durch den Hegemon zu kostspielig erscheint. Das Ziel dabei, ist die gemeinsame Wohlfahrt zu steigern. Der Hegemon übernimmt dabei den Löwenanteil der Kosten, bietet seinen Schutz an und gibt den beteiligten Staaten weitere Anreize.6 Als Beispiel könnte hier das Raketenabwehrsystem der USA dienen, welche als Hegemon die vermeintlich schwächeren Staaten Europas zur Kooperation verleitet, indem sie verspricht Europa durch dieses System vor anfliegenden Raketen zu schützen, den Großteil der Kosten übernimmt und den europäischen Staaten, welche sich besonders bei der Umsetzung des Projektes hervortun, eine privilegierte Stellung in den Beziehungen zu den USA einräumen.

Die Kritik an der Theorie von Waltz entsteht durch die Veränderungen nach dem Ende des Ost-Westkonflikts. Die bipolare Weltordnung ist zusammengebrochen und wir können einen vermehrten Einfluss von internationalen Organisationen, wie der VN oder der EU, auf das internationale System feststellen. Diese wären eigentlich nach Waltz vernachlässigbar. Es kommen nun Fragen auf, inwieweit nicht doch innenpolitische Aspekte Einfluss auf die Außenpolitik von Staaten haben, welchen Einfluss die IO`s und andere Akteure auf das internationale System haben, welche Geltung souveräne Staaten in einer globalisierten Welt besitzen und ob Staaten wirklich zu einer „balance of power“ Strategie neigen oder nicht doch eher zu „bandwagoning“ tendieren.7 Somit sind Weiterentwicklungen im Neorealismus notwendig, wobei zunächst die Erweiterung der Theorie durch Walt betrachtet wird.

Walt stellt sich der Frage, ob Staaten eher zu „balancing“ oder zu „bandwagoning“ neigen und ob Staaten wirklich nur ihre Sicherheit maximieren wollen oder nicht doch eine Maximierung von Macht anstreben. Zur ersten Frage kommt er zum Ergebnis, dass „balancing“ empirisch belegbar ist, jedoch unter einem anderen Aspekt als Waltz.

[...]


1 Marx, Johannes, 2006, Vielfalt oder Einheit der Theorien in den Internationalen Beziehungen, Baden- Baden, Nomos Verlagsgesellschaft, S. 144-145

2 Riemer, Andrea, 2006, Theorien internationaler Beziehungen und neue methodische Ansätze, Frankfurt am Main, Europäischer Verlag der Wissenschaften, S. 56-57

3 Marx, S.148-149

4 Riemer, S. 57

5 Schörnig, Niklas, 2006, internationale Politik aus Neorealistischer Perspektive, Schieder, Spindler (Hrsg.), in: Theorien der Internationalen Beziehungen, 2. Auflage, Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hills, S. 76-77

6 Schörnig, S. 77

7 Riemer, S. 57

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Neorealismus - ist Kooperation möglich?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Internationale Politik
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V147820
ISBN (eBook)
9783640597635
ISBN (Buch)
9783656447290
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Referat, zum Thema Neorealismus
Arbeit zitieren
Stephan Ursuleac (Autor:in), 2008, Neorealismus - ist Kooperation möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147820

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Neorealismus - ist Kooperation möglich?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden