Zunächst erfolgt eine begriffliche Abgrenzung der Autofiktion vom autobiografischen Erzählen und dem fiktiven Erzählen. Im Anschluss werden die beiden Werke „Blume und Flamme“ und „Das flüchtige Spiel“ jeweils auf ihre autobiografischen und fiktiven Elemente untersucht, soweit eine eindeutige Unterscheidung möglich ist. Daran knüpft sich ein Kapitel über die beiden Vorworte an, indem insbesondere der Schreibprozess und die Zuverlässigkeit der Erzählerin kritisch hinterfragt wird. Zuletzt werden im Fazit die Überlegungen der vergangenen Kapitel resümiert und die eingangs aufgestellte Fragestellung beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Perspektiven der Forschung
2.1 Autobiografisches Erzählen
2.2 Fiktionales Erzählen
2.3 Autofiktion
3 Blume und Flamme
3.1 Autobiografische Elemente
3.2 Fiktive Elemente
4 Das flüchtige Spiel
4.1 Autobiografische Elemente
4.2 Fiktive Elemente
5 Vorwort
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Werke "Blume und Flamme" und "Das flüchtige Spiel" von Emmy Hennings als autofiktionale Texte zu klassifizieren sind, indem sie die Verschränkung von autobiografischen Bezügen und fiktiven Gestaltungselementen analysiert.
- Abgrenzung von autobiografischem, fiktionalem und autofiktionalem Erzählen
- Analyse der autobiografischen und fiktiven Anteile in "Blume und Flamme"
- Analyse der autobiografischen und fiktiven Anteile in "Das flüchtige Spiel"
- Kritische Reflexion des Schreibprozesses durch die Autorin
- Untersuchung des Spiels mit Identitäten und der Verschleierung von Fakten in den literarischen Texten
Auszug aus dem Buch
Autobiografische Elemente
Ebenso wie Helga in „Das flüchtige Spiel“ hat auch Emmy Hennings ihren Vater im Alter von 16 Jahren verloren. Im Alter von 18 Jahren arbeitet Helga in einem Fotoatelier als Kopiererin. Dies scheint auch autobiografisch inspiriert zu sein. So soll Emmy Hennings ebenfalls als Kopiererin gearbeitet haben. Bei einem Laienschauspiel lernt Helga schließlich ihren zukünftigen ersten Ehemann, Gaute Londelius kennen, bei dem es sich mutmaßlich um Emmy Hennings ersten Ehemann Joseph Paul Hennings handeln könnte. Am 13. Februar 1904 heiratet Emmy Joseph Paul Hennings in Flensburg und gebärt am 17. August ihren Sohn Joseph Ernst Ferdinand. Bereits 1905 verstirbt der Sohn, der in der Zwischenzeit bei Emmy Hennings Mutter aufwächst, damit Hennings und ihr Mann sich einem Wandertheater anschließen können. Zu diesem Zeitpunkt ist Emmy Hennings bereits erneut schwanger von Wilhelm Vio. Im August 1906 bringt Hennings ihr zweites Kind, Annemarie zur Welt. In der Zwischenzeit wurden Emmy Hennings und ihr Ehemann geschieden. Soweit finden sich die Ereignisse auch im „flüchtigen Spiel“ wieder. Lediglich die Namen sind fiktiv: „Gaute Londelius“ als Pseudonym für Joseph Paul Hennings, „Abel“ als Sohn Joseph Ernst Ferdinand und „Ravelli“ als Wilhelm Vio. Auffällig ist hier, dass Hennings für den Namen ihrer Tochter kein Pseudonym bzw. keinen fiktiven Namen verwendet, sondern den richtigen Namen ihrer Tochter Annemarie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Emmy Hennings ein und begründet die Relevanz einer Analyse ihrer Bücher vor dem Hintergrund der Autofiktionsforschung.
2 Perspektiven der Forschung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des autobiografischen und fiktionalen Erzählens erarbeitet sowie das Konzept der Autofiktion definiert.
3 Blume und Flamme: Das Kapitel untersucht anhand der Protagonistin Helga die Vermischung von autobiografischen Lebensdaten der Autorin mit fiktiven Elementen im ersten analysierten Werk.
4 Das flüchtige Spiel: Hier wird das zweite Werk fokussiert und aufgezeigt, wie Hennings erneut Identitäten verschleiert und ihre Lebensgeschichte durch Fiktionalisierung bearbeitet.
5 Vorwort: Es wird analysiert, wie die Autorin in den Vorworten den Schreibprozess kritisch beleuchtet und die Zuverlässigkeit ihrer Erinnerung selbst hinterfragt.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Werke aufgrund der bewussten Unschärfe zwischen Fakt und Fiktion als Autofiktionen einzuordnen sind.
Schlüsselwörter
Emmy Hennings, Autofiktion, Autobiografie, Fiktion, Blume und Flamme, Das flüchtige Spiel, Lorella Bosco, Identität, Schreibprozess, Faktualität, Literaturwissenschaft, Moderne, Werkbiografie, Selbstinszenierung, Subjektkonstitution
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Einordnung der beiden Werke von Emmy Hennings, "Blume und Flamme" und "Das flüchtige Spiel", hinsichtlich ihres Charakters als autofiktionale Texte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Abgrenzung zwischen Fakten und Fiktion in literarischen Texten, die Rolle des Autors sowie die autobiografische Prägung innerhalb der erzählten Lebensgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern die Werke trotz realer biografischer Bezüge fiktionalisiert sind und warum eine eindeutige Zuordnung als reine Autobiografie problematisch ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Primärtexte mit einschlägigen biografischen Quellen und theoretischen Konzepten der Autofiktionsforschung kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung und die detaillierte Einzelanalyse der zwei ausgewählten Romane, inklusive der Untersuchung ihrer Vorworte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Autofiktion, Identitätsspiel, Fiktionalität, autobiografisches Erzählen und die kritische Reflexion des Erinnerns stehen im Mittelpunkt.
Inwieweit lässt sich Emmy Hennings als Person von der Protagonistin Helga trennen?
Die Trennung ist schwierig, da Hennings reale Namen ihrer Angehörigen teilweise verwendet, an anderer Stelle jedoch durch Pseudonyme und fiktive Ereignisse bewusst Verwirrung stiftet.
Warum spielt die Religiosität in "Blume und Flamme" eine besondere Rolle?
Die Religiosität dient als ein Beispiel für die (vermeintliche) Autobiografizität, wobei der Text die religiösen Empfindungen der Hauptfigur teils verklärend darstellt, was eine kritische Distanz der späteren Autorin zum Klerus verschleiert.
Welche Funktion hat die kritische Selbstreflexion in den Vorworten?
Die Vorworte dienen dazu, den Rezipienten für die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses zu sensibilisieren und den Schreibprozess selbst als Teil der erzählten Geschichte zu thematisieren.
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- Leah Hamann (Author), 2023, Autofiktion bei Emmy Hennings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1478478